Gesamtwertung77 %/10 |
Grafik7 Sound7 |
Lanzeitspaß8 Spieleinstieg9 |
Bedienung8 |
"Die Gilde" bietet auf dem DS eine ganze Reihe liebevoll gezeichneter Städte mit kleinen Szenen und Animationen, die diesen Leben einhauchen. Die Städte unterscheiden sich allesamt und sind - je nach ihrer Lage auf der Karte und der Einwohnerzahl Die vier unterschiedlich animierten Jahreszeiten zeigen die Detailverliebtheit der Entwickler, selbst wenn sie grundsätzlich an der Spielmechanik nichts ändern. Viel Spieler werden sich nach einiger Zeit jedoch an den Städten und dem ganzen Land sattgesehen haben und sie im weiteren Verlauf des Spiels nicht weiter beachten. Hier schaffen dann auch die kleinen, wiederkehrenden Animationen beispielsweise beim Kämpfen oder Feilschen keine Abwechslung mehr.
Musikalisch bietet "Die Gilde" ein eingängiges und schönes, mittelalterliche Thema, an dem man sich nach einiger Spielzeit aber sattgehört hat. Innerhalb der Städte variiert dieses Thema und nimmt unterschiedliche Konturen an. Hier sorgen auch beispielsweise flatternde Zeltplanen für Atmosphäre. Dennoch bietet die musikalische Untermalung langfristig keine Abwechslung. Wie üblich hat es keine Sprachvertonung auf den DS geschafft.
Die Gilde wird komplett via Touchscreen gesteuert, doch können die Landkarte oder Städte optional auch per Kreuz erforscht werden. Die Bedienung ist eingängig und die meisten Elemente sind auf den ersten Blick verständlich. Kleine Komfortfunktionen wie ein Button, mit dem der Spieler eine Stadt sofort verlässt, oder seine Reise fortsetzen kann, vereinfachen den Handel im Mittelalter. Nach wenigen Minuten sind bereits die wichtigsten Handgriffe erlernt. Lediglich kleinere Fehler treten beispielsweise auf, wenn man sein Kontor in einer Stadt besuchen möchte, ohne selbst dort zu sein. In diesem Fall nimmt der Spieler oft aus Versehen Kurs auf die Stadt, anstatt nur das Kontor selbst zu öffnen.
Obwohl keine wirkliche Story vorherrscht, weiß das Spiel zu motivieren. Der Spieler soll eine Gilde etablieren und die rivalisierenden drei anderen Handelshäuser dort einbinden. Dies kann er erreichen, indem er sich einen Ruf erarbeitet und zusätzlich die Händlervereinigungen der Städte überredet, den Kurfürstentitel erwirbt und eine Gilde per Gesetz einführt oder die anderen Häuser beispielsweise durch Überfälle ausschaltet. Er selbst muss währenddessen handeln, Gold scheffeln und sollte den Räubern, die es auf ihn abgesehen haben, aus dem Weg gehen. Handel wird zwischen allen Städten betrieben, so dass ein System, bestimmt von Angebot- und Nachfrage, vorherrscht. Glücklich kann sich schätzen, wer vielen fahrenden Händler über den Weg läuft, bei denen man auch zwischen den Städten immer wieder handeln kann. Wer gut ist, kauft sich Kontore und Produktionsstätten und erwirbt neue Titel. Leider gibt es allerdings nur fünf Produktgruppen und sehr schnell ist das wenig komplexe System durchschaut. Danach läuft der Spieler dann nur noch die Routen ab und häuft Gold an. Abwechslung und Wiederspielwert bringt dann eine andere, taktische Herangehensweise - beispielsweise über den rhetorischen Weg oder über den Kampf. Schade, dass die anderen Familien nicht durch menschliche Spieler per Multiplayer ersetzt werden können.
Nachdem wir uns einen Namen erstellt und unseren Vorzug (Kämpfen Feilschen oder Handeln) ausgewählt haben, geht es direkt los. Ein geschriebenes Tutorial bietet uns alles, was wir wissen müssen und führt uns nicht nur in die (kleine) Geschichte ein, sondern macht uns auch mit der Bedienung vertraut. Im späteren Verlauf wird das Spiel nie unfair oder unlogisch. Es bleibt einfach, eingängig und lässt den Spieler sehr schnell erste Erfolgsmomente spüren.
Die Gilde hat den Sprung auf den DS nicht nur überlebt. Er klappte sogar recht gut! Man merkt den Entwicklern an, dass sie versucht haben, mittelalterliches Flair ins Spiel zu bringen und den Titel nicht zu komplex werden zu lassen. Des einen Freud ist hier aber des anderen Leid: Nur fünf Produktgruppen, keine Produktionsketten, kein eigener Charakteraufbau - für viele wird die Gilde auf dem DS zu oberflächlich sein. Anderseits benötigt man keine Einarbeitungsphase, selbst, wenn man den Titel längere Zeit hat liegen lassen.
Damit nach kurzer Spielzeit keinen Monotonie eintritt, bietet "Die Gilde" auch später noch Abwechslung. So wird der Spieler von Räubern überfallen, kann sein Talent beim Feilschen unter Beweis stellen oder versucht seine Gegner per Schwertkampf oder Rededuell zu besiegen. Die Gilde ist auf dem DS kleiner geworden, weniger umfangreich und hat an Komplexität verloren, dennoch lassen sich drei der Kernelemente, nämlich die Rhetorik, das Feilschen und das Kämpfen in einem atmosphärischen Setting wiederfinden und bringen ansehnliche Wirtschaftsstimmung auf die kleine Konsole. Der eigene Ehrgeiz verlängert hier die Motivation.
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Die Gilde im Test.
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