Dragon Quest: Die Hand der Himmelsbraut

Review
Plattform
Vertrieb
Koch Media
Entwickler
Square Enix
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
6
Dragon Quest: Die Hand der Himmelsbraut

Gesamtwertung

77 %/10

Grafik

8

Sound

7

Lanzeitspaß

Ungenügend

Spieleinstieg

7

Bedienung

Mangelhaft

Dragon Quest: Die Hand der Himmelsbraut

Für Fans japanischer Rollenspieler ist der Start ins Jahr 2009 ein vorgezogenes Weihnachtsfest. Gerade NDS-Besitzer werden für ihre Konsolenwahl ein weiteres Mal belohnt. Am 20 Februar diesen Jahres erscheint mit "Die Hand der Himmelsbraut" der zweite Teil der Dragon Quest Zenithia-Trilogie erstmals auch in Europa und das in einer komplett lokalisierten Version!

Änderungen? Nein, nicht an Bord...

Zwar hat sich am Gameplay relativ wenig gegenüber dem Vorgänger geändert, jedoch wird die Geschichte auf eine etwas andere Art und Weise als im Vorgänger erzählt. Anstatt über fünf Kapitel immer wieder neue Charaktere in die Geschichte einzuführen, begleitet ihr nun einen namenlosen Helden samt Familie und wechselnder Freunde über insgesamt drei Generationen.

Ihr beginnt bei eurer Geburt, nur um dann festzustellen, dass ihr (scheinbar) nur geträumt habt. Auf einem malerischen Flugschiff erwacht, geht es mit Daddy Ludwig im Schlepptau (oder vice versa, gerade wie man es sieht) durch viele kleine Abenteuer, die es als Kind so zu bestehen gilt.

Gegen das väterliche Gebot in einer dunklen Höhle stöbern, in Brunnen klettern oder mit seiner neu gewonnenen Sandkastenfreundin im Geisterschloss für Ruhe sorgen machen doch jedem Kind Spaß. Spielerisch unterliegt ihr in diesem Abschnitt sehr starken Einschränkungen, die mit dem Kindsein eben so einhergehen. Ihr könnt nicht lesen, werdet von vielen NPCs gehätschelt anstatt für voll genommen und im Kampf schlagt ihr euch mehr schlecht als recht.

Nach schicksalhaften Ereignissen und zehnjähriger Arbeit als Sklave geht ihr in einen weiteren Lebensabschnitt über, womit ihr dann auch zum eigentlichen Kernstück des Gameplays kommt, für das der fünfte Teil (und später auch Spin-Offs rund um dieses Feature unter den Titel Dragon Quest Monsters) so berühmt wurde: die Monsterzucht.

Ist ein Gegner besonders angetan von euren Fähigkeiten, bietet es euch die Gefolgschaft an. So kämpft es tapfer an eurer Seite und lässt sich praktisch wie ein normales Teammitglied mit Items ausrüsten.

Geputzt wurde hier lange nicht

Dem Titel unwürdig ist der Verzicht auf ein überarbeitetes Gameplay. So nett wie die Erzählweise ist, so einfallsreiche die Geschichte, so altbacken sind Kampfsystem und Menüstruktur. Während ersteres noch als "Retro" durchgehen könnte, ist zweiteres nicht zu verzeihen. Aber der Reihe nach. Die vielen Zufallskämpfe finden rundenbasiert in einem separaten Kampfbildschirm statt, den ihr aus der Egoperspektive betrachtet und mit bis zu vier Charakteren füllt.

Tauchen Monster gleicher Art auf, werden sie in Gruppen zusammengefasst, was für einige Zauber wichtig ist. Welches Monster ihr angreift, könnt ihr nicht bestimmen, nur die Gruppe. Gezielt auf ein Fiesling zu kloppen wird von der CPU zwar oft standardmäßig gemacht, aber eben nicht immer. Touchscreensteuerung ist leider nicht mit an Bord.

Mit jedem besiegten Gegner sammelt ihr Erfahrungspunkte, durch die ihr automatisch Level aufsteigt und so an neue Fähigkeiten kommt. Die Auswahl beschränkt sich in den Auseinandersetzungen dann aber auf Angriff und Magie - Spezialattacken oder besondere Tiefe gibt es "nur" in Form der erwähnten Monsterzucht.

Das Balancing bei vielen alten Rollenspielen ein Fremdwort war, ist nicht neu, aber muss es in Neuauflagen immer noch so sein? Eine neue Location, zu starke Gegner. Also fleißig aufleveln, schlafen, aufleveln, schlafen, aufleven, einkaufen gehen.

Das geht dann so lange, bis ihr relativ gefahrlos zum Endgegner kommt, nur um dann festzustellen, dass es für ihn leider noch nicht reicht. Also heißt es wieder trainieren... Nervig.

Menü-Gegurke trifft Son-Goku

Anstatt eines anständigen Menüs, in denen ihr zum Beispiel eure Charaktere ausrüsten könnt, läuft vieles über euren Rucksack. Wollt ihr so eine Rüstung ausrüsten, müsst ihr erst dort reinschauen, was ihr so habt, dann diese anklicken und ausrüsten. Liegt der Helm aber gerade aber bei einem anderen Charakter, müsst ihr erst zu diesem, dann umschaufeln und wieder ausrüsten... Auf einen Blick sehen, was ihr gerade tragt, könnt ihr gar nicht. Lediglicht ein kleines "A" neben dem Item zeigt den Status als "ausgerüstet" an. Würde Nokia Handys mit solcher Menüstruktur bauen, wären sie längst pleite.

Die eingesetzte Engine ist dieselbe, die schon bei Dragon Quest IV zum Einsatz kam. 3D-Umgebungen mit frei drehbarer Kamera weichen im Kampf detaillierten 2D-Sprites mit den verschiedensten Animationsphasen. Dass Akira Toriyama (unter anderem Zeichner der Dragon Ball-Comics) seine Finger im Spiel hatte, ist ebenso wie im Vorgänger deutlich sichtbar - gerade Animefans werden frappierend an Dragonball erinnert werden.

Das komplette Skript wurde ins Deutsche übersetzt. Über weite Strecken ist die Arbeit sehr gut gelungen, auch wenn hier und da schräge Sätze und knappe Satzfetzen zu bemerken sind. Störend? Nö, immerhin ist Dragon Quest V eines der wenigern Remakes, denen ein solches Facelift spendiert wurde. Gleiches trifft auf den überarbeiteten Soundtrack zu, der nun als beste Orchestermusik aus den kleinen Lautsprechern tönt.

Fazit

Retro hin, Retro her... Wenn ein Rollenspiel spielerisch einfach eine so dicke Staubschicht mit sich herumträgt, dass Kratzen nicht mehr hilft, dürfen sich die Publisher über Kritik nicht wundern - auch Square Enix nicht. Keine Frage: Dragon Quest V ist hervorragend, gerade was Skript, grafische Gestaltung und Übersetzung angeht. Die Zeit, die man im Menü und den Old-school-Kämpfen verbringt, hat aber deutlich Einfluss auf den Spielspaßfaktor - und die Tendenz geht hier nach unten. Kommt dann noch das ewige "Leveln bis der Arzt kommt hinzu", rutscht eine Empfehlung immer schwerer über die Lippen. Schade, denn so vergibt Square Enix viele Chancen, einer breiten Rollenspielerfront einen wirklich guten Titel schmackhaft zu machen. Wenn ihr die Möglichkeit habt, dann spielt Probe. Im Kern wartet ein großartiges Spiel.

Dragon Quest: Die Hand der Himmelsbraut

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