Kingdom Hearts 358/2 Days

Review
Plattform
Vertrieb
Square Enix
Entwickler
Square Enix
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
6
Kingdom Hearts 358/2 Days

Gesamtwertung

81 %/10

Grafik

9

Sound

7

Lanzeitspaß

7

Spieleinstieg

8

Bedienung

8

Kingdom Hearts 358/2 Days

Kingdom Hearts 358/2 Days schließt eine Lücke in der Kingdom Hearts-Historie. Erzählt wird die Geschichte von Roxas und der Organisation XIII und umfasst das knappe Jahr, in dem Sora zu Beginn von Kingdom Hearts 2 im Tiefschlaf lag. Wie kam die enge Verbindung zwischen Roxas und Sora zustande? Wie wurde Roxas in die Organisation aufgenommen und welche Rolle fällt ihm zu? Wie sind die anderen Mitglieder so "privat"? Was hat es mit dem ominösen 14. Mitglied auf sich?

Stars und Sternchen wohin man blickt

Richtig warm werden mit der Story aber nur Kenner von Kingdom Hearts 2 und dessen Vorgänger. Es gibt einfach zu viele Anspielungen, zu viele kleine verstecke Hinweise und zu viele Fragen, die sich ohne Vorkenntnisse nicht klären lassen. Auf der anderen Seite sind es aber auch gleichzeitig die Spieler, die vom Setting leicht gelangweilt sein werden. Ihr kämpft in den gleichen Arealen, die auch schon in der PlayStation 2-Version besucht wurden. Erlebt wird das gewohnt kunterbunte Kingdom Hearts-Universum. Ihr besucht neben Twilight Town Agrabah mit Aladdin, das Schloss aus Die Schöne und das Biest, Herkules, Alice im Wunderland sowie Halloween Town.

Funktionierte der Mix von Final Fantasy und Disney bei KH 1 noch hervorragend, nahm im zweiten Teil die Spannung schon merklich ab. Die Umgebungen waren überwiegend einfach irgendwie bekannt, der Reiz des Neuen verflogen. Spieler von 358/2 Days sollten sich jedoch auf noch mehr Déjà-vus einstellen. Damit Kingdom Hearts mit den NDS-bedingten Einschränkungen ebenso wie die großen Vorbilder funktioniert, wurde das Gameplay an mancher Stelle sachte kastriert. Die weitläufigen Areale und frei besuchbare Welten sind Missionen gewichen. Vom Hauptquartiert der Organisation aus bekommt ihr von Saïx Aufträge zugeteilt - manchmal nur einen, ab und an könnt ihr zwischen mehreren wählen. Mit einem weiteren CPU-gesteuerten Kollegen aus der Organisation im Schlepptau geht es per Auswahlmenü zum angegeben Zielort.

Dort angekommen findet ihr ein mehr oder minder großes Areal vor. Es kann nur ein Raum sein, aber auch ein ganzer Stadtteil oder ein größerer Dungeon - kleiner und übersichtlicher als die Konsolenpendants sind sie auf jeden Fall. Damit ihr euch auch ja nicht an alternativen Routen versucht oder euch zu weit vom Startpunkt entfernt, sind an den meisten Abzweigungen, Wegen oder Durchgängen Energiebarrieren, die ihr nicht durchdringen könnt.

Überaus praktisch ist die Übersichtskarte auf dem unteren Bildschirm, die jederzeit Überblick über mögliche Wege, Gegnerpositionen oder markante Punkte bietet.

Wer mag den bitte Meersalzeis?

Die über 55 Missionen variieren in den gewohnten Grenzen. Ihr müsst den Weg zu einem bestimmten Punkt finden, eine bestimmte Anzahl Herzloser besiegen oder die Umgebung absuchen. Es kommt zu Wiederholungen, aber das schnelle Gameplay und eine Hand voll Zwischengegner nebst Sprungpassagen halten dem die Waage. Ebenfalls Schnee von gestern ist das Ausrüstungsmenü für Fähigkeiten und Items sowie das Magiesystem. Jeder Waffe, jedem Rüstungsgegenstand, jedem Zauber und jedem Item wurden nun ein Tafelsymbol zugeordnet, das ihr beliebig auf einer vorerst 15 Felder großen Tafel verteilen dürft. Änderungen können nur im Hauptquartier vorgenommen werden - was nicht auf der Tafel ist, habt ihr in der Mission anschließend auch nicht zur Verfügung. Wichtige, grundlegende Dinge à la Block gibt es als Belohnung bei erfolgreichem Abschluss.

Besonderes liegt abseits der üblichen Wege in Kisten oder winkt als Lob für perfekt absolvierte Missionen. Je öfter ihr ein Item oder Zauberspruch auf der Tafel platziert, desto öfter kann es/er während der Mission anschließend verwendet werden. Items verbrauchen sich dabei, Zaubersprüche stehen beim nächsten Mal wieder zur Verfügung. Verbindungstafeln - mehrere türkis umrundete Felder - dienen zum Kombinieren von Fähigkeiten. "Doppelspruch + Zauber" lässt euch diesen gleich zwei Mal sprechen, "Purzelbaum + Stufe+" erhöht dessen Stufe. Gleiches gilt für euren Charakter. Ihr steigt nicht klassischer Weise einen Level auf, sondern bekommt eine "Stufe+"-Tafel, die erst installiert werden muss, bevor eure Statuswert steigen. Damit alles Platz findet, steigt die Zahl der verfügbaren Felder im Laufe des Spiels auf bis zu 40 an.

Gänzlich neu für die Kingdom Hearts-Serie und damit einmalig ist der vier Spieler-Multiplayermodus per drahtlosem Multikartenspiel. Alle im Singleplayermodus erspielten Aufträge landen bei den Holo-Missionen, die dann als Spielwiese für den Multiplayermodus herhalten. So erlebt ihr zwar nur bereits bekanntes, dürft aber immerhin aus dem kompletten Aufgebot der Organisation XIII wählen.

Kameramann darf bleiben

Trotz Touchscreen wird das gesamte Spiel über die anderen Tasten bedient. Lediglich die Kamera lässt sich per Stylus frei bewegen, was aber viel zu unpraktisch ist, um öfter genutzt zu werden - ihr habt einfach zu viel zu tun. Die automatische Kamera funktioniert größtenteils sehr gut, kämpft mit den obligatorischen Mängeln wie zum Beispiel Hängern und kann bei der alternativen Steuerungsvariante über die Schultertasten reguliert werden.

Im Gegensatz zur ziemlich einfach gehaltenen PlayStation 2-Version bietet 358/2 Days wieder eine Menge Herausforderungen. Angegriffen wird mit A, längere Kombos folgen beim erneuten Tastendruck automatisch. Weitere Fähigkeiten sind zum Beispiel der Purzelbaum zum Ausweichen, ein Block auf Y, Gleiten oder das bekannte Stehaufmännchen, das euch schnell wieder auf die Beine kommen lässt, solltet ihr einmal schwer getroffen werden. Magie und Items können entweder über das KH-typische Kampfmenü ausgewählt (hier navigiert ihr mit X durch und bestätigt mit A) oder schlicht als eine von vier (L + A/B/Y/X) Schnellzugriffen hinterlegt werden.

Als ein Quasi-Port von der PlayStation 2 mussten grafisch natürlich etliche Abstriche gemacht werden: Für einen NDS-Titel bietet 358/2 Days aber eine beeindruckende Leistung, da der Titel komplett in 3D designt und mit vielen Effekten und Gegnermodellen ausgestattet wurde.

Die Grenzen zeigen sich bei den mitunter stark verwaschenen Texturen und gelegentlichen Slowdowns, die die Spielbarkeit aber nicht merklich beeinflussen, zumal das Kampfsystem halbautomatisch funktioniert. Bis auf einige wenige sehr gut in englischer Sprache vertonte Cutscenes läuft nur Text über den Bildschirm. Wären nicht praktisch alle Lieder aus den Vorgängern recycelt worden, hätte 358/2 Days einen hervorragenden Soundtrack. Fans hängen die Melodien aber so vehement in den Ohren, dass man fast den Ton ausstellen möchte.

Fazit

Als Kingdom Hearts-Spieler der ersten Minute war ich auf 358/2 Days mehr als gespannt. Für Euphorie gesorgt haben lediglich die Storybrocken, die weiße Flecken auf der Landkarte füllen konnten. Spielerisch überzeugt hat der leicht höhere Schwierigkeitsgrad, der über gut 20 Stunden endlich wieder eine Herausforderung bietet und eher an den ersten Teil erinnert als an den zu leichten PlayStation 2-Nachfolger. Nervig ist das Recycling des Soundtracks nebst den Locations, zumal dank der Story explizit Serienkenner angesprochen werden - hier hat es sich Square Enix eindeutig zu leicht gemacht . Der Multiplayer ist sehr gut, die nötigen Mitspieler immer vorausgesetzt, was das größte Problem sein dürfte. Kingdom Hearts 358/2 Days ist eine nette Bereicherung des Franchise ohne im Singleplayerbereich selbst neue Aspekte zu setzen. Blind kaufen sollten nur eingefleischte Fans.

Kingdom Hearts 358/2 Days

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