Gesamtwertung94 %/10 |
Grafik9 Sound9 |
Lanzeitspaß9 Spieleinstieg10 |
Bedienung9 |
Es gibt eine Sache, da ist Nintendo seinem Konkurrenten Sega inklusive Sonic-Maskottchen weit voraus. Während ein gutes Sonic-Remake seit vielen, vielen (vielen) Jahren auf sich warten lässt, erscheint mit den Mario-Spielen für Heimkonsolen und Handhelds ein Kracher nach dem anderen. Mit Mario & Luigi: Abenteuer Bowser hat der kleinste Spross jüngst das Licht der Welt erblickt und gibt sich keine Blöße.
Bereits der dritte Teil steht mit Abenteuer Bowser der inzwischen beinahe berühmten Mario & Luigi-RPG-Serie in den Händlerregalen. Um es vorweg zu nehmen: es ist damit auch der beste Teil, den ihr euch zulegen könnt. Skurriler war selten eine Geschichte, die Charaktere sind variantenreich, ulkig wie eh und je und die Dialoge sind perfekt ins Deutsche übersetzt, was mit seinen vielen sprachlichen Kniffen nicht immer einfach ist - einfach hämoglobinal!
Recht bald stellt ihr fest, dass irgendwas nicht stimmt im Reich von Prinzessin Peach. Denn es rollt ein Schrecken über das Land... die Metabowlie! Ein ominöser Händler verteilt vergiftete Pilze an die Bewohner des Landes, die die Pilzköpfe zu riesigen Ballons mutieren lassen.
Steckt Bowser hinter dem finsteren Plan? Könnte man denken, doch wird auch er Opfer des gemeinen Fieslings. Nur bekommt er anstelle des Wachstumsschubes einen Vakuumpilz, der aus ihm einen riesigen Staubsauger macht. Unter Einfluss der neuen Situation und von Sinnen kämpft er sich bis zum Schloss der Prinzessin vor, verschluckt Mario, Luigi, die Prinzessin, eine Handvoll Toadlinge sowie Chippy den Glitzerstern, ein Sternengeist, der den quasselnden Koffer aus dem Vorgänger ersetzt.
Von nun an beginnt der große Clou an Abenteuer Bowser, das passenderweise im Original übrigens "Bowser's Inside Story" heißt. Und genau hier befinden sich Mario und Luigi - im Innern von Bowser!
Die meiste Zeit über die gut 20 Stunden lange Story werdet ihr Bowser durch die gewohnte 3D-Welt steuern. Springen ist bei der Masse natürlich nicht drin, aber dafür reichlich Muskelkraft und ein zarter Feueratem.
Auf diese Weise zerschlagt ihr zum Vorankommen festes Gestein, betätigt Schalter oder radiert ein paar Bäume mit eurem Feueratem aus, bevor es weiter geht. Gesucht wird, wie sich recht bald herausstellt, Bösewicht Krankfried. Dieser möchte nicht nur Pilzkönigreich und Bowsers Festung einnehmen, sondern ist auch wirklich größenwahnsinnig krank.
Aber halt - was ist denn nun mit Mario & Luigi los? Immerhin trägt der Titel ihren Namen. Die beiden befinden sich nicht sonderlich gut verdaut in Bowsers Körper und dürfen sich hier mehr oder minder frei in Seitansicht bewegen! Neben einer Kampfarena und einem spontan eröffneten Einkaufsparadies finden sich hier hauptsächlich die diversen Örtlichkeiten, die ein Körper so mit sich bringt. Und das möchte taktisch genutzt werden.
Recht früh im Spiel muss Bowser beispielsweise mit aller Kraft an einer Leine ziehen. Nur tut sich da im ersten Moment gar nichts. Per Druck auf A/B zu Mario und Luigi gewechselt, die in einem kleinern Minispiel Bowsers Muskeln einfach so lange reizen, bis sie die nötige Kraft aufbringen - schon strotzt Bowser vor Kraft! Gleiches geht auch anders herum. Erreichen Mario & Luigi im Innern einen Abschnitt nicht, hilft vielleicht Wasser.
Mit X/Y zu Bowser gewechselt, einen kräftigen Schluck genommen und schon stehen Bereiche teilweise unter Wasser!
Drüber Nachdenken, was ihr wie wann einsetzen oder machen müsst, ist selten gefragt. Ihr bekommt ständig Tipps vom Sternengeist, die Situationen sind eindeutig und solange ihr nicht das richtige gefunden oder getan habt, geht es schlicht nicht weiter.
Wer einen der Vorgänger kennt, kommt mit dem Kampfsystem schnell zurecht. Erneut geht es nach Berührung eines Gegners auf einen separaten Kampfbildschirm, in dem die Kämpfe rundenbasiert ablaufen. Bowser kämpft dabei alleine, Mario und Luigi in der Regel zusammen. Dass ständig Aufmerksamkeit gefragt ist, liegt am Angriffs- und Kontersystem. Drückt ihr im richtigen Moment im Sprung den Aktionsknopf, landet ihr einen wirkungsvolleren Treffer oder sogar zwei. Durchschaut ihr die Angriffsmanöver des Gegners, könnt ihr ihn ebenfalls per Knopfdruck kontern. So entsteht ein ständiges hin und her zwischen Angriff und Verteidigung, das keine Langeweile aufkommen lässt.
Ebenfalls gemäß der Tradition hat jeder Charakter seine eigene Taste. Bowser bedient sich der X/Y-Tasten, Mario bekommt das A, Luigi das B. Möchtet ihr als mit beiden Klempnern gleichzeitig springen - sie trotten ständig hintereinander her - gilt es beide Knöpfe gleichzeitig zu drücken.
RPG-typisch steigt ihr irgendwann einen Level auf und dürft dann in einem Minidrehrad einen Wert gesondert steigern. Neue Klamotten respektive Ausrüstung gibt es entweder bei den Toads im Laden für Mario und Luigi oder bei Blockhard (ein Block auf Beinen) für Bowser.
Dass sich die Mario & Luigi-RPGs so hervorragend spielen, liegt an mehreren Dingen. Zum einen sind es die oft mehrstufigen Gegner und übergroße Endgegner, die den Spannungspegel ständig oben halten. Die Zahl der Minispiel scheint kein Ende zu nehmen. Vom einfach Schalter drücken durch Schubsen eines Felsen, über kleine Touchpenaufgaben in Bowsers Körper, bis hin zu Godzilla-ähnlichen Kämpfen als Riesenbowser, bei denen ihr den Nintendo DS hochkant halten müsst.
Sogar die Spezialattacken der Charaktere in den Kämpfen sind ohne Geschick kaum etwas wert. Neuerdings erhaltet ihr sie nicht automatisch, sondern müsst (gut sichtbare) Fragmente sammeln, die über den Level verstreut sind. Klassiker wie der Hammerschlag haben es natürlich auch wieder ins Spiel geschafft.
Auf der anderen Seite ist es die Technik, die Abenteuer Bowser so liebenswert macht. Der klare bunte 2D-Look sieht in jeder Lage gut aus, egal ob aus der Vogelperspektive bei Bowser oder in Seitansicht bei Mario und Luigi. Strukturierte Effekte im Kampf, überall kleine Hinweise, wie sich der Angriff des Gegners kontern lassen könnte - das ist Spielkunst auf hohem Niveau.
Dass Mario und Luigi nur sehr ungern sprechen, wissen wir schon länger. Den Mund halten sie aber dennoch nicht. Das Mario-Italienische Gebrabbel ist ziemlich genial und überträgt genau das, was soll - seine Stimmung. Gleiches gilt für alle anderen Charaktere, die im Grunde kein Wort rauskriegen, aber ständig grunzen, glucksen oder vor sich hin kichern.
Mario & Luigi - Abenteuer Bowser ist großartig. Perfekte Spielbarkeit, enorm viel Charme, eine superbe Übersetzung und haufenweise Anspielungen auf die unterschiedlichsten Dinge. Bowsers Zorn und Rage einmal über viele Stunden zu erleben, ist erfrischend neu und lässt unseren Lieblingsschurken im neuen Glanz erstrahlen. Der Wechsel zwischen den Gameplayelementen geht flüssig von der Hand, ist spielerisch sehr gut verbaut und verpasst dem Titel eine eigene Note, die ihn von seinem Vorgänger unabhängig macht. Kritikpunkte müssen mit der Lupe gesucht werden. Einer ist der noch immer fehlende Coop-Modus, der der Serie das Krönchen aufsetzen würde. Ein anderer ist der Verzicht auf Steckweg 08/20 zugunsten des Sternengeistes Chippy, der einfach nicht so komisch sein möchte. Wenn das aber die einzigen Mängel sind, könnt ihr euch den Rest denken.
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Mario & Luigi: Abenteuer Bowser im Test.
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