Scribblenauts

Review
Plattform
Vertrieb
Warner Bros. Interactive
Entwickler
5th Cell
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
6
Scribblenauts

Gesamtwertung

84 %/10

Grafik

8

Sound

9

Lanzeitspaß

9

Spieleinstieg

8

Bedienung

Ungenügend

Scribblenauts

Scribble als englisches Pendant für "Gekritzel" oder "Geschmiere" beschreibt das Gameplay mindestens so passend wie ein T-Rex groß ist. Alles dreht sich um den digitalen Notizblock, mit dem Maxwell durch die Gegend rennt und den Traum eines jeden (großen) Kindes erfüllt - er erweckt das Geschriebene zum Leben!

Vampir und.... Vampirjäger!

Mit selbst gemalten Objekten, Gegnern oder dergleichen zu interagieren ist zwar nicht so neu, aber die Konsequenz, mit der Scribblenauts an die Sache herangeht, ist einmalig. Ihr bekommt ein Problem gestellt und habt schließlich freie Wahl - und das dank eines simplen Notizblocks, auf den ihr einen beliebigen Begriff schreiben dürft. Habt ihr das getan, erscheint der gewünschte Gegenstand umgehend über eurem Kopf und ist bereit zur Interaktion. Hammer, Axt, Auto, Topf, ein Käfig, Thorax, Tyrannosaurus Rex, ein Faxgerät, Orkan, Aas, Yo-Yo, ein Vampirjäger, alle möglichen Tiere bis hin zum Nacktmull, Quarkspeise, eine komplette Büroausstattung, eine Frau namens Nina, ein Ballsaal.... Die Liste könnte noch eine Weile so weiter gehen und würde doch nur an der Oberfläche kratzen, schließlich sprechen die Entwickler doch von gut 20.000 möglichen Gegenständen.

Die Art der Rätsel richtet sich nach der Welt, in der ihr gerade unterwegs seid. Von "Fange den Schmetterling" über "Rette den Zauberer vor den Trollen" bis hin zu "Berge die Leiche und begrabe sie" ist alles dabei. Ein Loch lässt sich wunderbar mit einer Schaufel buddeln. Ein großer Bagger macht das ganze aber wesentlich spannender. Natürlich lässt sich der Abgrund mit einem Flugzeug überqueren. Richtige Männer nehmen dafür einen Tarnkappenbomber. Der fiese Troll ist mit einer Pistole schnell ins Jenseits geschickt. Auf dem Rücken eines Elefanten wird erst ein richtiger Spaß draus. Ihr müsst einen Baum fällen? Warum nicht mal einen Biber dafür benutzen? Zur Belohnung winkt jeweils ein Starite, eine Art Trophäe für den erfolgreichen Versuch. Begrenzungen gibt es nur in Form des Budgetzählers, der mit jedem neu gemalten Objekt steigt. Ist er voll, könnt ihr erst neue Objekte benutzen, wenn ihr eines in den Mülleimer schiebt. Sparsames tüfteln ist dennoch angesagt.

Jedem Rätsel ist ein "Par"-Wert zugeordnet. Schafft ihr den Level mit der angegebenen Anzahl Objekten (oder weniger), gibt es bei der Endabrechnung besonders viele Ollars, die hiesige Währung. Damit kauft ihr euch neue Areale, zusätzliche Avatare, die sich alternativ spielen lassen, oder Lieder vom Soundtrack, damit ihr sie in Schleife hören dürft.

Was die Lehrerein braucht ist... Kreide!

Die Universität dient zum Erlernen der Grundlagen. Schritt für Schritt führt euch ein Einstein-Imitat an die Spielmechanik heran. Gelaufen wird mit einem Klick auf die entsprechende Stelle. Berührt ihr mit dem Stylus den Bildschirm, läuft Maxwell immer weiter in diese Richtung. Hindernisse überspringt er automatisch, was einerseits überaus praktisch ist, andererseits gezielte Sprünge unmöglich macht. Sie sind zwar nicht oft nötig, sinnvoll wäre es aber nicht nur bei vielen Abgründen, in die es sich stürzen lässt. Eine Steuerung mittels Steuerkreuz ist leider nicht möglich. Damit lässt sich lediglich die Kamera bedienen.

Mit der Umwelt interagiert ihr ebenfalls per Point & Klick oder Drag & Drop. Habt ihr ein Objekt gemalt, erscheint es schwebend über eurem Kopf. Danach könnt ihr es beliebig im Level platzieren oder einen Charakter damit ausrüsten, wodurch die Möglichkeiten noch einmal potenziert werden. So könnt ihr auf einem Pferd reiten, gleichzeitig aber einen Karren dahinter spannen, um so Objekte zu transportieren. Habt ihr mehrere Aktionsmöglichkeiten, beispielsweise etwas in einen Korb füllen oder den Korb mit dem Objekt bewerfen, klappt ein Ringmenü auf, das auch wählen lässt.

Zusätzlich zum Tutorial gibt es zehn Welten à la Wildnis, Alte Zeiten, Berge, Küste oder Metro, deren Rätsel thematisch dazu passend gestaltet wurden. In jeder Welt warten wiederum 22 Aufgaben auf euch - elf Rätsellevel und elf Actionlevel. Die Rätsellevel konfrontieren euch mit einer ganz speziellen Situation, wie sie weiter oben bereits erwähnt wurden.

Die Actionlevel funktionieren etwas anders. Hier seht ihr den Starite von Anfang an und müsst lediglich zu ihm kommen. Es geht vorbei an schwer bewaffneten Wachmännern, Gewässern mit bissigen Fischen, durch enge Gänge und dergleichen. Da ihr nur zum Stern kommen müsst, habt ihr bei der Lösung noch einmal mehr Freiheiten als bei den Rätselleveln.

Ich wünsche mir.... ein Gewitter, einen Koch und eine Giraffe!

Die Möglichkeiten scheinen endlos und finden ihre Grenzen nur bei eurer Vorstellungskraft und dem deutschen Wörterbuch. Die Übersetzungen sind stellenweise so akkurat, dass das deutsche Wort kaum jemand kennt. So gibt es beispielsweise einen "Jug", was im Deutschen so viel wie eine schmuckvolle Kanne oder Krug wäre. Beides ist aber mit anderen Objekten belegt, da im deutschen ein Krug eben eher etwas ist, das sonntags auf dem Frühstückstisch steht. So finden sich viele Objekte schlicht nicht, weil das Wort im Deutschen so nicht existiert oder unüblich ist. Schlimm ist es aber nicht. Erstens gibt es viele verschiedene Lösungsansätze, sodass vielen Spielern diese Fehler schlicht nicht auffallen werden. Zum anderen werden für jeden eurer Schreibversuche bei Bedarf drei Alternativen angezeigt, die ihr gemeint haben könntet. So findet sich immer ein passendes Objekt.

Alles inklusive - auch das Sahnehäubchen!

So viel Lob, so viel Glücksgefühle. Aber wie sieht es mit der Langzeitmotivation aus? Ist einmal der Reiz des Neuen verflogen, kommen nicht selten grobe Gameplaymängel zum Vorschein. Bei Scribblenauts ist es anders. Natürlich schwindet die anfängliche Euphorie mit jedem gespielten Level und jedem gemalten Objekt. Aber nur, was das Malfeature angeht! Denn Scribblenauts ist viel mehr. Es warten 110 Rätsellevel, 110 Aktionslevel, 30 Zusatzlevel und ein Leveleditor.

Sind die ersten Rätsel noch simpel und in Sekunden gelöst, handelt es sich bei späteren Denkaufgaben um wahre Kopfnüsse. Das einzigartige daran ist nicht einmal, dass sie unfair oder unnötig knifflig wären. Der Clou liegt in der eigenen Vorstellungskraft. Ohne eine gute Idee läuft bei Scribblenauts überhaupt nichts. Wer schon einmal vor einem leeren Blatt Papier saß und irgendetwas schönes malen oder schreiben sollte, weiß, was ich meine.

Spielt ihr einen bereits absolvierten Level ein weiteres Mal, wechselt das Spiel automatisch in den Fortgeschrittenen-Modus. Ihr bekommt dieselbe Aufgabe gestellt, müsst sie nun aber drei Mal hintereinander lösen. Dabei dürft ihr jedes Objekt nur einmal verwenden. Wer so langweiliger Weise immer mit einer Pistole in der Gegend rumgerannt ist oder das Leveldesign ausgetrickst hat, muss spätestens im zweiten Versuch seine grauen Zellen auf Vordermann bringen. Und wer auch davon genug hat, der tobt sich auf dem Spielplatz aus. Maxwell ist hier unverwundbar und ihr könnt frei nach Schnauze mit den Objekten spielen.

Fazit

Scribblenauts ist ein Genre für sich. Es sieht aus wie ein typisches Kinderspiel, hat diesen Ruf aber in keiner Weise verdient. Alleine für die Idee hat Entwickler 5TH Cell einen Preis verdient. Für die Einbettung in das hervorragende Gameplay mindestens zwei weitere. Die Rätsel sind witzig, variantenreich und mit über 200 Stück überaus üppig. Zu bemängeln gibt es lediglich zwei Punkte. Erstens ist die Steuerung sehr ungenau: Unzählige Male bin ich ungewollt in Stolperfallen, Abgründe oder vor Gegenstände gerannt. Zum anderen ist das deutsche Wörterbuch nicht 100% in Ordnung - was ein Indianerhäuptling mit "Leiter" zu tun hat, ist mir schleierhaft. Er leitet zwar seinen Stamm, aber ein bisschen viel um die Ecke gedacht ist es schon. Und genau diese beiden Punkte sind es auch, die eine noch höhere Wertung verhindern, zumal die Steuerung Anfänger ziemlich frustet. Dennoch ist Scribblenauts eine klare Empfehlung. Anders als das so gerne zitierte Nintendogs hat es nämlich einen Vorteil - es besitzt neben Charme, Innovation und Ideenreichtum ein richtiges Gameplay.

Scribblenauts

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