Resident Evil - Remake
Das Grauen
Euer Atem geht schwer und der kleine, sehr dunkle Raum scheint euch zu erdrücken. Schweiß läuft euch am ganzen Körper hinunter und der Griff eurer 45er Magnum klemmt in eurer verkrampften Hand. Nur noch 2 Schuss drin. Die rechte Hand streckt sich zum Türknauf aus und das Klicken des Türmechanismus lässt euer Herz bis zum Hals schlagen. Die Dunkelheit auf dem schier unendlichen Gang verspricht nichts Gutes. Äste kratzen an den Scheiben und das zarte Mondlicht wird von langsamen Schatten zerrissen. Schatten, die nur zwei Dinge suchen: Fleisch und die Erlösung von ihren Qualen. Das Parkett knirscht unter euren Füssen, die wie Blei am Boden kleben. Ein schweres Atmen bohrt sich in euer Ohr. Wie angewurzelt bleibt ihr stehen. Langsam erhebt sich knapp neben euch ein Körper. Die Augen glänzen wie blasse Perlen im Mondschein. Der Tot schickt ein weiteres seiner Kinder aus, um euch zu ihm zu holen. Ihr setzt den Lauf eurer Waffe an die Stirn des Untoten. Der Hahn ist gespannt. Der Finger rutscht unruhig auf dem Abzug herum. Eure Augen schliessen sich und für einen Augenblick denkt ihr an einen anderen, schöneren Ort, wo ihr gerne sein würdet. Euer Finger krümmt sich und der laute Schuss holt euch zurück in die grausame Realität, denn schon hinter der nächsten Tür kann das Böse wieder auf euch warten.
Resident Evil...eine Erfolgsgeschichte
Dieser Stoff ist Kult und fand in Resident Evil seine Heimat. Inszeniert, wie ein Kinofilm, mit orchestralen Klängen, die euch das Blut in den Adern gefrieren lassen, wurde 1997 der Grundstein auf der Playstation 1 zu einer der erfolgreichsten Spielereihen der Welt gelegt. Das Genre Survival Horror war geboren.
1998 folgte Resident Evil 2 und 1999 Resident Evil 3 Nemesis. 2000 & 2001 wurde Resident Evil Code Veronica für das Dreamcast und die Playstation 2 produziert. 2002 gipfelte die Manie in einem Kinofilm, der die Kritiker, wie auch das Publikum begeisterte.
Jetzt, am 13.09.02 wird die Gruselreihe neu und exklusiv aufgelegt auf Nintendos Spielewürfel Gamecube.
Alter Stoff, neu belebt
Resident Evil Remake erzählt die Geschichte vom ersten Playstation-Teil. Die eigentliche Story wurde also nicht verändert:
In der Nähe von Racoon City gehen merkwürdige Dinge vor sich. Menschen verschwinden, es werden Leichen gefunden, die bis zur Unkenntlichkeit zerfleischt sind. Also wird eine Spezialeinheit, die S.T.A.R.S., nach Racoon City geschickt, um die Vorfälle zu untersuchen.
Doch nach einer gewissen Zeit bricht plötzlich der Kontakt zu dem Alpha-Team ab. Also schickt S.T.A.R.S. ein zweites, das Bravo-Team, zu den letzten bekannten Koordinaten, um nachzusehen, was los ist. Doch das, was sie dort finden, nachdem sie vom Hubschrauber abgesetzt wurden, hätten sie niemals für möglich gehalten. Tote Team-Mitglieder. In dem Augenblick bricht für das Bravo-Team die Hölle auf Erden los.
Somit hat sich Capcom weitestgehend an die Story gehalten, die das Spiel erfolgreich machte. Eigentlich logisch: Wieso sollte man das Rad noch mal neu erfinden.
Wer jetzt aber denkt, dass es bei Resident Evil Remake keine Neuerungen und Überraschungen gibt, der irrt sich gewaltig. Zum Einen, findet man sich zum Anfang nicht im Haus wieder, sondern im dunklen Wald und muss erst den Weg zum Herrenhaus finden. Schon das verspricht Gänsehaut pur.
Auch hier kann man sich zwischen Jill Valentine und Chris Redfield entscheiden. Bei den Charakteren entscheidet man aber nicht nur, zwischen männlich und weiblich, sondern auch, ob man mehr Action oder mehr Rätsel haben will. Chris ist z.B. gleich mit einer Waffe ausgerüstet und sucht eher den direkten Weg und geht keiner Konfrontation aus dem Weg. Jill ist da schon cleverer, da sie die ganze Sache eher mit Köpfchen angeht. Somit gibt es zwei unterschiedliche Wege und damit auch zwei verschiedene Storys. Nachdem man ins Haus eingedrungen ist, geht die Geschichte weiter, wie man es gewohnt ist und trotzdem ist vieles anders.
Viele neue Räume und darin enthalten, auch viele neue Rätsel. Die alten Rätsel wurden abgeändert, so dass das Spielen für einen Resident-Evil-Veteranen nicht zu einem Blindflug werden wird. Aber nicht nur die Rätsel sind anders und neu. Auch die Untoten sind cleverer geworden. So lauern sie in Schatten und sind um einiges aggressiver im Angriff.
Um sich diesem Verhalten zu erwehren und nicht dem frühen Heldentod zu erliegen, bekam der Spieler eine wichtige Neuerung: Defensiv-Items, wie z.B. Messer oder Granaten. Die benutzt die Figur automatisch, wenn ein Gegner zu nah kommt. Hört sich interessant an.
Dies alles ist natürlich wieder mit der typischen, klassischen Horrorfilm-Musik unterlegt, die sich je nach Situation ändert. Doch der eigentlich Star des Spiels ist die Grafik. RE: Remake wird ohne Zweifel eine der opulentesten Grafiken haben, die man jemals gesehen hat. Die vorgerenderten Hintergründe sind äusserst lebendig und wirken nicht, wie in den alten Teilen, wie ein Stillleben.
Die Lichteffekte und die damit zusammenhängenden Schattenwürfe wirken absolut realistisch, genauso, wie die absolut genialen Nebel und Wassereffekte. Doch am besten gefallen die Zombies. Sie wirken nicht mehr, wie billig geschminkte B-Movie Darsteller, sondern haben eine erschreckend wirkende Plastizität, bei der man denken könnte, dass Capcom wirklich die Toten auf dem Friedhof ausgegraben und eingescannt hat.
Die Mimik ist sehr detailliert, die Kleidung ist nicht mehr einfach nur eine Textur, die auf dem Körper liegt, sondern ein aktiver Teil, der sich mitbewegt und verändert.
Ersteindruck
Klar ist: Das neue Resident Evil wird nicht nur auf dem GameCube neue Maßstäbe setzen und deshalb steht allen, vielleicht bisher etwas, durch Spielemangel, gefrusteten, GameCube-Besitzern ein waschechter Hit am 13.09. ins Haus, der zeigt, was in dem Zauberwürfel drinsteckt. Die Grafik ist absolut genial und die Atmosphäre treibt einem permanent einen Schauer über den Rücken. Man darf ruhigen Gewissens behaupten, daß es das beste Resident Evil aller Zeiten istWer sich bisher, trotz der viel versprechenden Fakten, noch unsicher über den Kauf ist, sollte auf unseren Test gespannt sein.
Allen anderen kann ich nur noch eines wünschen: Viel Spaß beim Gruseln.
VIDEO
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