Man glaubt es kaum. Heute Morgen klingelt es an der Tür zum Büro und einer der 534 verschiedenen Kurierfahrer Berlins drückt mir ungeduldig ein Paket in die Hand, das wir schon lange erwartet haben: Eine Version von Larry 8: Magna Cum Laude erreicht uns. Angeheizt von den ersten Larry Laffer Spielen von Spieledesign-Altmeister Al Lowe, will ich natürlich das Paket gierig aufreißen, als mir der Kurierfahrer mit leicht feuchter Aussprache entgegen brüllt: Ey, du guckst hier nicht rein. Leicht verdutzt schaue ich ihn traurig an, worauf er mir entgegnet: Erst Unterschrift, dann Inhalt. Wie könnte es anders sein, mache ich mich leicht gereizt auf den Weg in den ersten Stock zurück ins Büro und denke dabei plötzlich wieder an das Setting von Larry 8: Magna Cum Laude, das weniger mit universitärer Ausbildung als mit Sex zu tun hat.
Der über alles informierte Redakteur denkt dabei jetzt natürlich an die USK und daran, dass das Spiel gerade eine Einstufung bekommen hat, die genauso wenig sexy erscheint, wie Lara Croft im Rollkragenpullover: Keine Jugendfreigabe gemäß §14 JuSchG.
Ja, und da hallt mir wieder der etwas seltsame Spruch des Paketboten durchs Ohr, den wohl alle Jugendlichen im Laden zu hören bekommen, wenn sie im Oktober mit Larry Laffer auf virtuelle Entdeckungstour gehen wollen: Ey, du guckst hier nicht rein'. Laut USK gibt es wohl zu viel nackte Haut im Spiel, das kann man unseren 16jährigen Mitbürgern nicht zutrauen. Knisternde Erotik und 'freizügiger' Humor ist nur für Erwachsene geeignet.
Da haben die geneigten Käufer von Ubisofts Playboy: The Mansion schon mehr Glück. Zumindest die Demo, die man der breiten Masse auf der Games Convention 2004 in Leipzig zeigte, ist laut USK auch für 16jährige geeignet, ja und die Archäologin mit den großen Brüsten, gemeint ist Lara Croft, turnt sogar schon bei 12jährigen durchs Wohnzimmer. Letzteres ist natürlich verständlich, denn trotz der übergroßen 'Airbags' des Fräulein Croft liegt der Focus der Tomb Raider-Spiele natürlich nicht im Bereich der Erotik. Der alte Marketingspruch Sex sells gilt allerdings trotz der Eingriffe der USK auch hier. Zumindest ist Vivendi in guter Gesellschaft. Die Berliner 'Sittenwächter' machen in der Regel gute Arbeit und handeln meistens gewissenhaft auch wenn sie dabei munter die Käuferschicht verringern.
Letzteres musste Ubisoft selber schon mit ihrem Blockbuster Far Cry erleben: Erst mit einer Keine Jugendfreigabe gemäß §14 JuSchG-Kennzeichnung ausgestattet, musste das Spiel wenig später aus dem Handel genommen werden. Die USK zog ihre Kennzeichnung zurück, da Ubi Soft eine andere Version in den Handel brachte, als man der USK zur Prüfung vorlag. Der Titel wurde daraufhin indiziert und musste aus den Regalen entfernt werden. Das System des neuen Jugendschutzgesetzes hatte also funktioniert, oder etwa doch nicht? Immerhin soweit, dass die Veranstalter der Games Convention am Eingang bunte Armbänder verteilten; Tauchte man also mit einem grünen Armband auf, signalisierte dies weniger die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei, als viel mehr, dass nicht einmal Playboy: The Mansion von einem selber gespielt werden durfte.
Es trifft also nicht nur Shooter, bei denen sogar die Demoversionen keine Jugendfreigabe erhalten, wie bei der GC-Version des Call of Duty-Addons United Offensive oder gerade eben die bald erscheinende Doom III-Demo, nein auch andere Genres entgehen den geschulten Blicken der USK nicht.
Nach den strikten Regelungen bei Sex im Fernsehprogramm ist diese Entwicklung nicht nur konsequent, sondern auch zu begrüßen, denn was wäre ungerechter, als wenn zwei verschiedene massentaugliche Medien unterschiedlich behandelt werden würden? Wenn 'jugendbeeinträchtigende' Inhalte nur noch nach 23 Uhr im Fernsehprogramm gezeigt werden dürfen, wo diese heute keinen Jugendlichen mehr erreichen ('Wer es glaubt', Anmerkung des Autors), dann ist es konsequent, nicht noch unserer Internetjugend Erotik in Form eines Adventures zuzumuten. Ein 'Lilo Wanders'-Spiel kann ich mir jetzt wohl abschminken. Schade auch!
Wirklich schlimm ist diese Entwicklung aber nicht. Wer Larry 8: Magna Cum Laude aus Sentimentalitätsgründen spielt, der ist sicher alt genug, um die USK Auswirkungen gekonnt zu umschiffen! Wer 1991 im ersten Larry Laffer-Ableger bereits versucht hat, Frauen zu betören, der dürfte jetzt das kritische Alter von 18 Jahren locker erreicht haben und wer von euch den Playboy lesen kann, ohne in einer Gruppe Jungen bei jedem Seitenumblättern in lautes Kichern zu verfallen, der darf auch bereits Playboy: The Mansion spielen und sich daran erfreuen.
Auf der anderen Seite
Liebe USK, lasst unseren Jugendlichen doch eine Prise Sex, die schadet nicht wirklich, hilft sogar noch gegen das Gewichtsproblem bei zahlreichen Teenagern und nunja, Sex verkauft sich auch einfach gut und eben dies braucht unsere Wirtschaft doch im Moment. Larry hat Anfang der 90iger Jahre eine ganze Generation begleitet, wirklich geschadet hat es uns nicht, zumindest ist das unser eigener Eindruck. Übrigens ist dies eine Generation, welche die Bemühungen und Arbeit der USK durchaus schätzt, denn ein gewisser Schutz der Jugend muss sein; traurig stimmt uns nur, dass einer neuen Generation unserer Larry Laffer vorenthalten wird!
Ab 18 Jahre - oder "Sex sells" im Test.
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