Gesamtwertung82%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Mamco mausert sich nach und nach zum RPG-Lieferanten Nr.1 für hungrige Gamecube-Abenteurer: Nach dem großen Erfolg von Tales of Symphonia war es nur eine Frage der Zeit, bis auch Baten Kaitos: Eternal Wings and the Lost Ocean bei uns in Deutschland erscheinen würde. In unserem Review erfahrt ihr nun mehr über das optisch wohl derzeit schönste GC-Rollenspiel mit dem neuartigen, kartenbasierenden Kampfsystem.
Die Story ist geradezu klassisch für ein RPG: Held Kalas ist auf der Suche nach einem imperialen Soldaten namens Giacomo, der seinen Großvater und seinen kleinen Bruder auf dem Gewissen hat. Bemerkenswert daran ist, dass ihr als Spieler selbst die Rolle des Beschützergeistes von Kalas übernehmt. Oft wendet er sich direkt an euch, wenn er einen Ratschlag braucht, und bezieht euch in die Diskussionen in der Gruppe mit ein. Bei seiner Jagd kreuzt er zufällig den Weg von Xelha, die ebenfalls Stress mit dem Imperium hat. Sie hat nämlich den mächtigen Imperator Geldoblame belauscht, als dieser seinen Generälen von seinen finsteren Plänen erzählt hat. Mit Hilfe der Göttlichen Magnus will der Schlingel sich die Kräfte des toten Gottes Malpercio aneignen, um endlich auch alle anderen Kontinente unter seine Herrschaft zwingen zu können. Logisch, dass Xelha dies nicht zulassen kann, und so überredet sie den dickköpfigen Kalas dazu, die Welt zu bereisen, um die verlorenen Göttlichen Magnus aufzuspüren, bevor sie Geldoblame in die gierigen Hände fallen. Denn einer alten Prophezeiung nach bedeutet die Befreiung des bösen Gottes (natürlich) auch gleichzeitig das Ende der Welt.
Da Kalas und Xelha allein wohl nur wenig Überlebenschancen hätten, finden sie auf ihrer Reise auch einige Gefährten, die sie im Kampf gegen Geldoblames Schergen unterstützen. Lyude etwa wuchs in der Hauptstadt des Imperiums auf, wurde aber wegen Befehlsverweigerung ins Exil geschickt, Gibari dagegen ist ein einfacher Fischer, der jede Gelegenheit nutzt, einem Soldaten mit seinem Paddel eins auf die Mütze zu geben. Zu guter Letzt sind da noch Savyna, eine eiskalte Söldnerin, und Mizuti, ein sehr seltsamer Zeitgenosse, der dank seiner Probellerkappe immer einige Zentimeter über dem Boden schwebt und auch ansonsten einen geistig leicht abgehobenen Eindruck macht. Zusammen versuchen sie nicht nur die Welt zu retten, sondern kommen ganz nebenbei noch dem Geheimnis der Entstehung der fliegenden Kontinente auf die Spur.
Weitaus interessanter als die biedere Story ist das innovative Kampfsystem von Baten Kaitos. Zunächst einmal muss man wissen, dass sich die Essenz aller Dinge in der Welt in kleinen Karten speichern lässt, die man Magnus nennt. Diese können dann bei Bedarf rausgekramt und die Essenz wieder freigesetzt werden. Das gilt für heilende Nahrungsmittel, Quest-Gegenstände und Zaubersprüche ebenso wie für Rüstungen und Waffen. Statt die Monster also wie gewohnt unmittelbar mit Schwertern und Magie zu beharken, stellt ihr euch vor den Kämpfen ein Deck mit einer möglichst ausgeglichenen Auswahl an Karten zusammen. Trefft ihr dann auf einen Gegner, habt ihr einige Sekunden Zeit, um eine oder mehrere offensive Karten auszuspielen. Dabei werden euch von der CPU immer nur ein paar Karten aus eurem Deck zur Verwendung vorgegeben, jede benutzte Karte wird dann automatisch durch eine neue aus dem Rest des Decks ersetzt. Ist der Gegner an der Reihe, kommen die defensiven Karten wie Rüstungen, Helme und Schilde zum Einsatz. Zwischendurch könnt ihr euch mit Milch oder Früchten heilen und Fotos von euren Gegnern machen, die ihr dann im Shop verhökert.
Der Clou an den Magnus sind die Nummern, die in den vier Ecken einer jeden Karte notiert sind: Gelingt es euch, im Kampf einzelne Karten so zu kombinieren, dass eine auf- oder absteigende Nummernfolge entsteht, so bekommt ihr einen fetten Bonus auf den ausgeteilten Schaden.
Dasselbe gilt für Pärchen oder ein 'Full House'. Auch die einzelnen Elemente wollen clever eingesetzt werden, denn gegen einen Feuerpfeil schützt man sich nun einmal am besten mit einem Eisschild. Ihr müsst deshalb auch aufpassen, welche Karten ihr bei einem eigenen Angriff verwendet, denn zum einen haben fast alle Gegner Resistenzen gegen bestimmte Elemente, zum anderen heben sich Licht- und Schattenmagie gegenseitig auf, wenn ihr sie gleichzeitig einsetzt. Zu Anfang ist das kein großes Problem, aber spätestens ab der zweiten Disk könnt ihr so viele Karten auf einmal benutzen, dass man schon ein wenig nachdenken muss, um sich nicht selbst ein Bein zu stellen und sich einen Combo im letzten Moment doch noch zu versauen. Darüber hinaus lassen sich fast alle anderen der über 1000 verschiedenen Magnus im Kampf benutzen, auch wenn sie nicht immer Schaden anrichten. Manche entfalten erst in einer bestimmten Kombination ihre Wirkung und verschmelzen dann zu völlig neuen Karten.
Insgesamt ist das Kampfsystem sicherlich sehr gut gelungen. Die zufällige Vorgabe der CPU sorgt dafür, dass kaum ein Gefecht dem anderen gleicht und somit reichlich Abwechslung vorhanden ist, zudem werden experimentierfreudige Zocker mit allerlei Goodies belohnt, und auch Tüftler dürften beim Basteln von möglichst hohen Combos auf ihre Kosten kommen. Außerdem entfällt die für manche doch recht lästige Rechnerei mit den Magiepunkten, denn alle Kampf-Magnus lassen sich beliebig oft anwenden. Etwas ärgerlich ist allerdings, dass euch manchmal Karten aus dem Deck vorgegeben werden, mit denen ihr nicht unmittelbar etwas anfangen könnt. So steht Kalas schonmal mit sieben verschiedenen Rüstungen vor seinem Gegner, hat aber gerade kein Schwert zum Zuschlagen parat. Oder die CPU teilt euch gleich zu Anfang eines Kampfes eine ganze Wagenladung voller Heilzauber zu, obwohl eure Mannen allesamt noch volle Energie haben. Dann hilft nur das zeitraubende Abwerfen einiger unnützer Magnus, bis etwas Brauchbares kommt. Dabei wird das Treiben im späteren Spielverlauf reichlich hektisch, denn in höheren Charakterklassen habt ihr nur noch wenige Sekunden Zeit zur Auswahl einer Karte. Auch sich gegen Angriffe zu verteidigen wird dadurch schwieriger.
Ein Auge solltet ihr auf jeden Fall auf euer Inventar haben: Viele Magnus verändern sich mit der Zeit, werden stärker oder schwächer oder werden gar zu etwas völlig anderem. Dabei ist es natürlich offensichtlich, dass etwa grüne Bananen zunächst gelb werden, bevor sie schließlich verrotten, bei vielen Karten ist dies aber nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. So wird aus einem Bambussprössling, mit dem ihr eure Charaktere heilen könnt, erst eine Bambusstange, mit der sich Gegner angreifen lassen, und später dann eine Angel. Werft also immer mal einen Blick auf euer Deck, damit ihr auf der Suche nach heilender Milch im Kampf nicht plötzlich mit einem Topf Joghurt da steht. Dasselbe gilt natürlich auch für die zahlreichen Magnus, die ihr zum Lösen diverser Sidequests oder in den Dungeons benötigt. Letztere sind übrigens sehr einfallsreich gestaltet, zu den tiefgrünen Wäldern, muffigen Grüften und protzigen Schlössern gesellen sich auch einige Überraschungen: Einmal lauft ihr zur Abwechslung an der Decke entlang oder ihr rennt im 'Turm von DRUAGA' kurzzeitig in feinster 2D-Pac Man-Grafik durch die Gegend.
Witzige Einfälle dieser Art finden sich auch bei der wunderschönen Grafik, denn neben farbenprächtigen Volksfesten, dunklen Höhlen mit unterirdischen Flüssen und im Licht der Sonne schimmernden Wolkenschlössern besucht ihr dann und wann auch einige seltsame Örtlichkeiten. Dazu gehört etwa eine Stadt, die komplett aus Süßigkeiten besteht oder ein Spiegellabyrinth, in dem ihr euren Helden aus zig verschiedenen Perspektiven gleichzeitig seht. Bemerkenswert ist, dass alle Hintergründe handgezeichnet und gerendert sind, eine derartig stimmungsvolle und märchenhaft schöne Optik hat man seit Chrono Cross nicht mehr gesehen. Ein Fluss ist nicht einfach nur blau, sondern weist dutzende verschiedener Schattierungen von dunkelblau über himmelblau bis hin zu türkis auf, sprudelnde Strömung inklusive. Die Animationen in den Kämpfen sind gut, dazu gesellen sich viele Lichteffekte und Finisher, deren grafische Qualität sich auch vor einem Final Fantasy X nicht zu verstecken braucht.
Der Sound ist ebenso abwechslungsreich wie die Optik und passt sich der jeweiligen Stimmung perfekt an. Neben den traditionellen Fantasyklängen gibt es besonders bei Bossfights natürlich die üblichen bombastischen Melodien, aber auch einige härtere und modernere Töne werden hier angeschlagen. Insgesamt ein toller Soundtrack mit nur wenigen Ausfällen. Die Effekte sind dagegen Standard, hier gibt es kaum etwas, das der eingefleischte Rollenspielfreak nicht schonmal gehört hat. Die Sprachausgabe wurde komplett in Englisch belassen, nur die Texte sind gewohnt gut lokalisiert worden. Die Stimmen in den Dialogen wirken leider manchmal etwas hölzern, so richtig störend ist das aber eigentlich nicht.
Du bist Gladiator, der Held der Spiele im Kolosseum. Besiege Deine Gegner und erkämpfe Dir die Cance auf 10.000 €. zum Spiel...
Baten Kaitos im Test.
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