Zieh in die Schlacht und bekämpfe ein Unternehmen, das alles verrät, für das seine Spiele einst standen und das es sich zum Ziel gemacht hat, jedem einzelnen Videospieler auf diesem Planeten das Geld in Scharen aus jeder einzelnen Tasche zu ziehen. Nutze deine Intelligenz und weiche gekonnt den Spielen aus, die deinen Geist angreifen und zermürben wollen und setze all dein Können ein, um gut inszenierten Trailern und Demos die Stromzufuhr zu kappen!
Eins vorweg: Bis zum Erscheinen von Final Fantasy XII in Amerika hatte auch ich die rosarote Brille auf der Nase und erfreute mich an Frechheiten, wie Final Fantasy X-2. Erst der neuste, durchaus sehr gute Teil der unglaublich erfolgreichen Spieleserie zeigte mir, wie sehr sich die Unternehmensphilosophie meines (ehemaligen) Lieblingskonzerns eigentlich veränderte hatte. Doch eine schleichende, negative Entwicklung ist genauso schwer erkennbar, wie ein schlechtes Spiel mit gutem Namen.
Der Anfang
Jedes Jahr bedeutet für einige Menschen und Unternehmen den Anfang einer unvergleichbaren Erfolgsgeschichte. 1987 war so ein Jahr für das kleine Entwicklerstudio Squaresoft, welches sich bis dahin durch mittelmäßige Titel gerade so über Wasser halten konnte. Kurz vor der Insolvenz veröffentlichte der heutige Großkonzern mit Final Fantasy ein Rollenspiel, das den japanischen Videospiel-Markt auf seine eigene, großartige Weise revolutionierte und dem RPG-Genre den Anfang einer bis heute erfolgreichen Serie bescherte, die Millionen Zocker verzauberte und dies wohl auch noch in der Zukunft versuchen wird. Final Fantasy begeisterte durch ein tolles Balancing, sehenswerte Grafik, eine durchaus ansprechende Geschichte, wunderbar wohlklingende Musik für damalige Verhältnisse und spielerische Freiheit. Der Erfolg sprach für sich und wurde durch ambitionierte Entwickler und einen hervorragenden Komponisten in den darauffolgenden Jahren ausgebaut.
Das Wunderbare und eigentlich, wenn man sich den heutigen Markt betrachtet, Unglaubliche an dieser Erfolgsgeschichte war, dass tatsächlich jeder neue Teil seinen Vorgänger nicht nur, wie es üblich ist, durch bessere Grafik und mehr Inhalt überragte, sondern auch durch eine konsequente Weiterentwicklung der bekannten Traditionen, des Gameplays und der Geschichten. Obgleich jedes Spiel seine eigene Welt, sein eigenes Kampfsystem und seine eigenen Charaktere spendiert bekam, blieben massig Identifikationsmöglichkeiten enthalten.
Man erinnere nur an die Chocobos, die nicht nur die Herzen der Mädchen eroberten, und an die musikalische Untermalung des grandiosen Uematsu.
Nach Jahren der Weiterentwicklung hatte Squaresoft sein eigenes Universum erschaffen, viele Welten, ein Konsens. Und es eroberte nicht nur Nippon, sondern die ganze Videospielwelt.
Mit dem siebten Teil erreichte das Unternehmen ein unfassbares Hoch, was die Beliebtheit und die Genialität der Spiele anging. Die PSX-Zeiten waren wohl mit Abstand die Besten, zumindest für den gemeinen Spieler. Allein die Geschichten hatten das Potential zum Bestseller, wären sie als Fantasyromane erschienen. In dieser Zeit entstand mit Final Fantasy Tactics erstmals ein Spiel, das anders war. Anderes Gameplay, gleiche Aufmachung. Es war gut, keine Frage, doch es ließ erahnen, was uns noch für Demütigungen erwarten würden.
Zunächst soll jedoch daran erinnert werden, dass Final Fantasy in den späten 90er Jahren nicht die einzige, wirklich gute Rollenspielserie für die PlayStation war. Heimlich, still und leise eroberte ein Game die Herzen der RPG-Fans. Grandia überzeugte nicht nur durch seine niedliche Aufmachung, sondern auch durch knallhart umgesetzte Innovationen, die denen des überstarken Konkurrenten eigentlich in nichts nachstanden. Und prompt gab es da noch ein Unternehmen, namentlich Enix, das mit seinen Spielen hauptsächlich den japanischen Markt erfreute, aber auch Amerikaner, wie Europäer verzauberte.
Fatal für die zukünftige Entwicklung der beiden Konzerne, nicht in finanzieller, aber in menschlicher und moralischer Hinsicht. Grandia 2 war ein annehmbarer Nachfolger, doch mit dem unterirdisch schlechten Grandia III und einem Grandia Extreme, das es glücklicherweise nie nach Europa schaffte, starb die Serie für die meisten Fans.
Die PlayStation 2 war auch der Final Fantasy-Reihe nicht besonders zuträglich. Zwar glänzte der zehnte Teil durch eine wunderbare Optik und einen Score, der bis heute seines Gleichen sucht, spielerisch hinkte er aber seinen Vorgängern hinterher. Erstmals ging es bergab, wenn auch nur in kleinen Schritten, so dass man Squaresoft noch keinen wirklichen Vorwurf machen konnte. Außerdem war Final Fantasy, ähnlich wie Zelda und Mario zu dieser Zeit, scheinbar unangreifbar. Schlechte Kritiken wären von den Fans mit Missachtung und Beleidigungen geahndet worden. Ich selbst habe einige Zeit für einen cleveren Mann gearbeitet, der nur durch den Vertrieb von Merchandisingprodukten der FF-Reihe in Wohlstand leben konnte. Doch welches Unternehmen würde solch eine Stellung schon ausnutzen?
Das Ende
Dann kam der Tag, der wie so viele Tage, gefeiert und später verflucht wurde. Squaresoft und Enix kündigten an, zu fusionieren. Nur kurze Zeit später war Square-Enix geboren. Die Fans jubelten, die Pessimisten wurden ausgelacht.
Endlich warfen die beiden großartigsten Rollenspielschmieden des Ostens all ihr Know-How zusammen. Das konnte ja nur bedeuten, dass uns eine neue Revolution des RPG-Markts bevorstand. Doch nichts der gleichen schien geplant gewesen zu sein. Ich hakte nach und schrieb Square Europe eine kleine Mail. Meine einfache Frage war: Hat das Unternehmen versucht, die unbeschreibliche Erfahrung der verschiedenen Entwicklercrews zu vereinen oder war von Anfang an geplant, den Spieler finanziell auszunutzen? Diesbezüglich habe ich bis heute keine Antwort erhalten.
Was passierte? Anscheinend meinte man, die neu entstandene Monopolstellung erst einmal kräftig ausnutzen zu müssen. Man vertrug sich zunächst einmal mit Nintendo. Und dann lief die Kommerzfalle an. In rascher Folge erschienen auf so gut wie jeder Plattform Spiele, die den Namen Final Fantasy trugen, die die Qualität, die dieser Name versprach, aber nicht im mindesten boten. Was um Himmels willen sollte beispielweise Cristal Chronicles für ein Ableger sein? Dieses Spiel war die reine Frechheit in virtueller Form und hatte absolut nichts mit den Games gemein, die uns alle so verzauberten.
Doch wer dachte, Square-Enix erlaube sich solche Ausrutscher nur sehr selten, da es doch ein ambitioniertes Unternehmen ist, das uns Spielspaß pur auf höchstem Niveau bieten will, der musste seine Naivität schon bald einsehen. In rascher Folge machten Remakeankündigungen der früheren Spiele die Runde. Zunächst wurde der GBA belästigt, nun bald auch der DS. Keine Frage, die Spiele waren klasse. Damals.
Ich würde nicht einmal etwas sagen, wenn man Teil 1 5 zusammengefasst und Teil 6 als eigenständiges Game remastert hätte. (Das hat es nämlich verdient.) So muss man als Fan schon dankbar sein, dass wenigstens die ersten beiden Teile nicht einzeln als Vollpreisspiele auf den Markt geworfen wurden. Doch damit war Square-Enix noch immer nicht zufrieden. Man entwickelte noch einen unbeschreiblich unverständlichen Final Fantasy X Nachfolger, dessen einzige Qualität es war, drei schöne, virtuelle Gamebabes in knappen Klamotten über den Bildschirm zu jagen. Sicher, der eine oder andere verpickelte, einsame Zocker wird seinen Spaß mit den Damen gehabt haben. Doch es war keineswegs den vollen Preis wert.
Die größte Unmenschlichkeit stand jedoch noch bevor. Nach und nach bombardierte Square-Enix die zahlreichen Fans von Final Fantasy VII, die seit Jahren auf ein Lebenszeichen ihrer Lieblingswelt warteten, mit Ankündigungen. Ein Film, der zwar nett aussieht, inhaltlich aber so leer ist, wie mein Konto, wurde entwickelt und im Vorfeld seiner Veröffentlichung so clever in Szene gesetzt, dass ihn jeder echte Fan haben musste, zumal er auch noch die tolle Geschichte des siebten Teils fortführte. Leider auf eine Art und Weise, wie sie auch Herr Bush hätte erzählen können.
Weiter ging es mit den Ankündigungen von Dirge of Ceberus, Before Crisis und Crisis Core (Ein verdammtes Handyspiel!). Als ich erstes vor kurzem gespielt habe, war ich den Tränen nahe. Wieso?, war das einzige was ich hervorbrachte. Doch ich bin sicher, die beiden anderen Ableger werden echte Kracher
Mal im Ernst, wie kann man so dreist sein und die Gutgläubigkeit von Fans dermaßen ausnutzen? Ich selbst bin ein riesen Fan von FFVII und hätte mich über ein anständiges Remake oder meinetwegen über eine hochwertige Fortsetzung erfreut. Doch wieso muss man uns solchen Schund vorsetzen? Es ist ja nicht so, dass Square-Enix keine fähigen Leute mehr sein Eigen nennt. Dass sie genau solche haben, zeigt ja Final Fantasy XII.
Ich denke, dass der vorläufige Höhepunkt durch die drei verschiedenen Final Fantasy XIII-Ableger nochmals in den Schatten gestellt wird. Klar, was wir bisher zu sehen bekommen haben, lässt auf richtig geniale Spiele hoffen, doch was ich vor der Veröffentlichung des FFVII-Films sah, ließ mich auch an einen Hit glauben. Genauso freute ich mich auf einen grandiosen Multiplayertitel für den GameCube und kann meine Enttäuschung bis heute nicht befriedigend in Worte fassen. Insofern bin zumindest ich fertig mit der Final Fantasy Reihe. Für mich ist sie am 31. Oktober endgültig gestorben, nachdem sie schon angeschossen taumelte, als Uematsu ankündigte, nicht mehr für Square-Enix zu arbeiten.
Ich kann nur beten, dass irgendwann auch andere Fans auf den Gedanken kommen, dass nur weil ein Spiel den Namen Final Fantasy trägt, es kein Hit sein muss. Denn wenn wir alle FFXIII, FF Versus XIII und den komischen Handyableger, dessen Name ich nicht für würdig halte, um ihn hier hinein zu schreiben, verschmähen, so könnten wir mit Final Fantasy XIV vielleicht die qualitative Auferstehung einer der tollsten Videospielserien feiern. Dazu müsste sie sich allerdings tatsächlich wie Phönix aus der Asche erheben. Eine einfache Phönixfeder wird, zumindest meiner Wenigkeit, nicht genügen.
Wer übrigens meint, Square-Enix passe sich nur an den Markt an, dem gebe ich vollkommen Recht. Das Unternehmen passt sich an, in kommerzieller, wie auch leider Gottes (oder Allahs oder Buddhas oder was weiß ich) in qualitativer Hinsicht. Was das Unternehmen von uns Europäern hält, hat es ja schon eindrucksvoll durch die bisher ergebnislose Ankündigung, Final Fantasy XII schnell zu veröffentlichen, sowie durch die peinliche Pal-Anpassung des zehnten Teils gezeigt.
Nachtrag:
Wer sich wundert, dass ich Final Fantasy XI nicht ebenso als Fremdkörper betitelte, dem sei gesagt, dass ich Square-Enix mutigen und auch erfolgreichen Versuch, das FF-Universum online zu bringen, unterstütze, wenn gleich nicht unbedingt ein MMORPG-Hit à la WoW auf den Spieler wartet. Die Stunden, die ich in der Welt von FFXI verbrachte und in denen ich mich mit anderen Fans austauschen konnte, möchte ich nicht missen.