Gesamtwertung78%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Totgesagte leben länger
SquareEnix ewig finale Fantasien bekommen Zuwachs: Mit Final Fantasy Crystal Chronicles präsentiert der japanische Traditionsentwickler die langerwartete Rückkehr auf eine Nintendo-Heimkonsole. Doch wenngleich der verkaufsstarke Name allein schon lange vor Release einen Hype sondergleichen auslöste, sehen sich Freunde komplexer RPG-Kost enttäuscht. Ungleich den großen Brüdern gibt sich Final Fantasy: Crystal Chronicles nämlich als lockeres Action-RPG ohne Hang zu taktischen Kämpfen und tiefgründiger Story hier steht Dungeon-Gekloppe, angesiedelt zwischen Zelda, Gauntlet und Dragon Valor, auf dem Speiseplan.
Die Story ist schnell erläutert: Die gesamte bekannte Welt eures tapferen Recken wird vom gefährlichen Miasma heimgesucht, doch hilft hier weder Schwert noch Zauber Miasma ist eine Art Nebel, der sich in Bahnen über die Kontinente zieht und freundlichen Bewohnern an der Lebensenergie zehrt. Verschont werden nur die obligatorischen Monster, denn diese halten es im giftigen Dunst gut aus. Um sich selbst und die Ortschaften zu schützen müssen daher dorfeigene Kristalle jährlich mit drei Tautropfen des Myrrhe-Baumes bepinselt werden.
Nun steht besagter Baum leider nicht im Vorgarten des Bürgermeisters, sondern für gewöhnlich im Verwaltungsgebiet bösartiger Kreaturen. Eure Rolle sollte damit klar sein, das Abenteuer beginnt also. Zu Anfang des Spiels steht die für Final Fantasy untypische Charaktererschaffung auf dem Programm. Die Wahl aus vier Völkern und verschiedenen elterlichen Berufsständen beeinflusst Kampfeigenschaften, sowie familiäre Beziehungen. Dank regelmäßigem Briefverkehr werden einander dann Geld oder Gegenstände zugesandt ist der Vater Schmied freut er sich etwa besonders über Metalle und Ähnliches. Sobald man dann auch sein Dorf benannt hat, geht es los.
Man verabschiedet sich vom Clan und zieht mit der Karawane von dannen - im Schlepptau den Kristallkelch, der auf Reisen vor dem umgebenden Miasma schützt. Da man nicht gleichzeitig den Kelch tragen und kämpfen kann, stößt alsbald ein kleiner geflügelter Mogry namens Mogu (bekannt aus FF9) zur Party, der in Dungeons den Kristall schleppt und bei Kämpfen mal mehr, mal weniger nützlich zur Seite steht. Der Kristallkelch kann vier Elementar-Eigenschaften besitzen, die man zum betreten von Dungeons oder Pfaden verändern muss. Auf der Jagd nach dem Myrrhe-Tau muss die Karawane für gewöhnlich drei Dungeons pro Spieljahr bewältigen.
HacknSlay/ Action-RPG-typisch geht es dabei natürlich recht rabiat zu. Mit Schwert, Speer und Zauber gilt es allerlei interessante Monster zu übermannen und darauf zu achten nicht aus der schützenden Kristallsphäre herauszutreten das nämlich bedeutet Herzabzug. Das Kampf- und Combosystem in den Crystal Chronicles ist zwar auf komplexe Manöver wie Angriffe, Verteidigung, Magie und Teamzauber ausgelegt, in der Anwendung jedoch sehr simpel. Mit der Schultertaste wird eine erstellbare Aktions-Liste dirigiert, deren gewählter Move sich mit dem A-Knopf ausführen lässt. Auf diese Liste lassen sich Items, Zauber, Verteidigung und Attacke legen Flexibilität ist für erfolgreiche Boss-Duelle also unabdingbar. Leider birgt dieses System aber den Nachteil, dass das Kampfgeschehen bei gewöhnlichen Monstern sehr einseitig wird. Schnell zwischen Verteidigung und Attacke zu wechseln lohnt kaum, selbst das Anwenden von Magie ist hier oft unpraktisch.
Letztlich wird draufgehauen was das Zeug hält Taktik ist im Singleplayer-Modus somit Fremdwort. Ab und an sind die Wege durch simple Schalterrätsel zu erschließen, meistens jedoch geht es linear auf einen Endgegner und den obligatorischen Myrrhe-Baum zu. Darin liegt auch das wohl größte Manko: tolles Design und brillante Technik täuschen nicht über den ewig gleichen Missions- und Spielaufbau hinweg. Angesichts der sehr schwachen Story und fehlender Charakter-Tiefe ist dies besonders problematisch. Nach vier bis fünf Stunden lässt die Motivation rapide nach. Ist man gut betucht schafft hier der Multiplayer-Modus Abhilfe. Um das Connectivity-Feature zwischen GBA und Gamecube an den Mann zu bringen, ist das Mehrspieler-Erlebnis nämlich nur Besitzern von GBAs und entsprechenden Kabeln vorbehalten. Man mag es nennen wie man will besonders kundenfreundlich ist diese Vorgehensweise nicht. Sind die GBAs via Linkkabel an den Würfel angeschlossen kann es losgehen. Auf den Displays werden jeweils verschiedene Karten der Dungeons angezeigt, was den Teamwork-Aspekt fördert und sich in den teils sehr großen Arealen als überaus nützlich erweist.
Natürlich muss man immer noch beachten im Umkreis des schützenden Myrrhekelchs zu bleiben, was zu mehreren manchmal recht hektische Situationen hervorruft. Der Multiplayer-Mode ist schon allein seiner geselligen Natur wegen das Glanzstück des Spiels. Zwar sind die GBA-Kontrollen etwas schwammig, die spaßigen Teamzauber und Combo-Attacken machen die dezenten Schwierigkeiten aber wett. Doch selbst im amüsanten Mehrspieler-Part schlägt nach einiger Zeit die Linearität dem Spaß ein Schnippchen. Fehlende Herausforderung und Abwechslung, vor allem aber auch der Mangel an atmosphärischer Story schränken das Vergnügen auf Dauer einfach ein. Audiovisuell sind die Kristall-Chroniken ein Fest für die Sinne. Die wunderschön detaillierte In-Game-Grafik setzt die Final Fantasy-kongenialen Designs perfekt in Szene. Partikel-Effekte, Licht- und Schattenspiele und irre Texturen fügen sich zu einem der schönsten Gamecube-Spiele bislang zusammen. Auch die Animationen der Hauptcharaktere können sich sehen lassen. Auf der Reise werden erfahrene Fantasten übrigens mehr als einmal bekannten Gesichter und Fratzen begegnen. Manche Gegner zum Beispiel erinnern frappierend an bekannte Schergen der Playstation-Episoden und auch die Mogry spielen wieder eine relevante Rolle.
Zwischensequenzen werden nunmehr nicht als FMV-Videos präsentiert, die Einleitungen in die Dungeons geschehen stattdessen in der schmucken Spielegrafik. Ein weiterer Faktor, der in Final Fantasy-Tradition perfekt inszeniert wurde, ist die Musik. Eingängige Melodien und orchestrale Klänge fügen sich dem Gesamtbild und der Atmosphäre des Spiels Design und Klang harmonieren wunderbar. Lediglich das Thema der Weltkarte nervt wegen ständiger Wiederholung manchmal ansonsten ist die Musik unaufdringlich und angenehm. Eine komplette Sprachausgabe gibt es nicht, nur die Dungeons werden mit einer kurzen, englischenTextpassage eingeleitet. Angesichts sowieso fehlender Dialoge und interessanter Charaktere fällt dies allerdings nicht negativ ins Gewicht.
Final Fantasy Crystal Chronicles im Test.
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