Am 18. August war es wieder soweit, Teile der JG Redaktion machten sich mit Sack und Pack auf den Weg nach Leipzig, um sich die täglichen Streicheleinheiten des Chefs auch für das kommende Jahr aufs Neue zu verdienen. Die Versprechungen waren nicht schlecht: Den ganzen Tag spielen und nebenher scharfe Stand-Bunnys anschauen, bevor man sich am Abend in der Innenstadt die Impressionen des Tages aus dem Kopf säuft. Doch die Wirklichkeit war anders, um nicht zu sagen, sie war bitter.
Acht Uhr morgens, Flughafen Leipzig. Es ist kalt und regnet in Strömen. Eigentlich soll doch im Osten immer die Sonne aufgehen? Aber wo wird man heutzutage nicht angelogen. Selbst bei der Bahn, die einen eigentlich zum Messegelände bringen soll, macht man sich scheinbar einen Spaß daraus, Züge nur sporadisch - geschweige denn nach Fahrplan - an den Haltestellen vorbeizuschicken.
Kurz vor 9 Uhr und noch immer keine Spur vom Zug in Richtung Hauptbahnhof / Messegelände. Also ist Warten angesagt. Am Bahnsteig war bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel von den hübschen Mädels zu sehen, die es in Leipzig doch en Masse geben soll. Ein sanftes Hallo, das mir von hinten förmlich entgegengehaucht wurde, ließ mich dann aber aufhorchen. Bitte lass sie blond, 1.70 groß sein und die Maße 90-60-90 haben.
Ich dreh mich also um: schwarze, strähnige Haare, 1.50 groß und 90-60-90 - an jedem Bein. Gönnen sie den Weg Rischdung Halle?, Nein, ich bin nicht von hier. Ihr rotes, hautenges Kleid sah wie die Pelle einer Bockwurst aus. Nu, isch musch nömlich noach Halle sie grinst, und dreht sich weg. Nach Halle muss sie? Das hätte ich nach der Frage gar nicht erwartet. Was soll es, endlich lief der Zug ein, der mich in Richtung Messe brachte. Die Gefahrenzulage war mir nach dieser Begegnung schon einmal sicher...
Dass ich nicht nur zur Fleischbeschau nach Leipzig kam, wurde mir bei Ankunft an der Messe klar. Der kleine Stand, mit dem unser Clan JusteSport vertreten war, musste in der Clanlounge aufgebaut werden. Kollege Marcel 'wo bin ich?' Kruse offenbarte dabei ungewollt seine wohl größte Schwäche: Die Orientierungslosigkeit! So ziellos hat Leipzig noch niemanden durch die Hallen irren sehen. Musste man nach links, ging er nach rechts. Wollte er alleine zum Parkplatz, wäre er wohl auf der A14 gelandet. Alte Menschen hätte man schon längst bei den Samaritern vor die Tür gestellt, wenn sie so durch die Stadt geirrt wären. Bei Kollege Kruse ließen wir zumindest für die Zeit der Messe noch Gnade vor Recht walten; schließlich hatte er den Schlüssel zum Auto, das voll mit Hardware für die Verlosung am Stand war.
Nachdem die Plakate aufgehangen und einige Preise am Stand ausgebreitet wurden, bewies uns der Platzhirsch der Clanlounge, dass mit ihm nicht zu Spaßen war. Auf der Suche nach einem geeigneten Ort, an dem die restlichen Preise verstaut werden konnten, zeigte uns der Leader des Clans, dessen Namen wir hier nicht durch den Dreck ziehen wollen, wo der Hammer hängt Was guckt ihr da? Geht sofort da raus. Die Rede war von einem abschließbaren Blechcontainer, in dem bereits Flyer und leere Pappschachteln aus der Clanlounge gebunkert waren.
An den nächsten Tagen öffnete die Messe auch für Besucher ihre Pforten. Bis zu 50000 Menschen strömten täglich in die Hallen um sich einen Platz an den begehrten Demo-Stationen zu sichern. Zustände wie im Schlussverkauf sah man überall dort wo Goodies von den Herstellern verteilt wurden. Zur Abwechslung flogen an diesen Tagen keine Eier in Leipzig, sondern Keyholder, T-Shirts und Poster, von dem das meiste nun in eBay sein Dasein fristet.
Die geheimen Besuchermagnete der Messe waren ohne Zweifel weiblicher Natur. Ein Schaulaufen der Messeschönheiten verdrehte allen männlichen Besuchern - im wahrsten Sinne des Wortes - den Kopf. Diese Erfahrung musste auch Marcel 'Wo sind die Chicks?' Kruse machen, dessen schlechte Orientierung in Zusammenspiel mit seinem ausgeprägten Fortpflanzungstrieb ihm für den Rest des Tages Kopfschmerzen verursachte. Vorwärts Gehen und rückwärts den Mädchen im knappen Höschen nachschauen geht nur solange gut, bis die erste Tür den Weg kreuzt. Die Stimmung im Team war dadurch - nach all dem Stress -wieder soweit hergestellt, dass die meisten von uns die unzähligen Termine an den letzten beiden Tagen problemlos überstanden haben. Die einzige Ausnahme stellte hier Konsolenchef Sebastian 'Ich mache alle Termine' Elble dar, der dem vollen Terminplan am letzten Tag Tribut zollen musste. Die unzähligen Gespräche und Präsentationen schlugen derart auf seine Psyche, dass er selbst uns überraschte. Auf dem Weg zur Messe klemmte Kollege Elble einen Schokoriegel im Autofenster ein, bis er feststellte, dass er diesen von Innen während der Fahrt zur Messe nicht mehr genießen können wird. (siehe Bild). Mit Fenster aufmachen war nichts, sonst wär der Riegel weg gewesen. Während die anderen Leute im Auto, peinlich berührt mit Schokoriegel an der Aussenseite des Autos im Berufsverkehr Leipzigs, 10 Kilometer bis zur Messe zu fuhren, setzte Kollege Elble das Lachen eines 6-jährigen Schulmädchens auf und weinte vor Freude. Wer hätte gedacht, dass man einem erwachsenen Mann mit einem Schokoriegel so viel Freude bereiten kann? Solltet ihr während der Messetage im nächsten Jahr also ein Auto sehen, das mit einem Kinderriegel auf der Fahrerseite durch Leipzig fährt, dann hupt und winkt uns. Denn auch im nächsten Jahr sind wir bestimmt wieder mit von der Partie, wenn die größte Spielemesse Europas erneut für einige Tage ihr Pforten öffnet. Leipzig, wir kommen wieder...
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