Gesamtwertung69%/10 |
GrafikBefriedigend SoundBefriedigend |
LanzeitspaßMangelhaft SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungBefriedigend |
Bei dem Namen 'Goldeneye' dürften besonders Besitzer des Nintendo 64 hellhörig werden, stellte doch der Titel auf jener Konsole bis dato das beste Bond-Spiel dar. Spätere Versuche, wie beispielsweise Nightfire, konnten dem Vorgänger nicht annähernd das Wasser reichen. Ob Goldeneye: Rogue Agent dem negativen Trend endlich ein Ende bereiten kann oder sich nur als unterdurchschnittliche Ballerkost entpuppt, erfahrt ihr in unserem Test...
Schon praktisch, wenn man einen Top-Agenten zu seinen Lakaien zählen kann. Aber es kommt noch besser: Selbst für den Namen des Spiels Goldeneye scheinen die Jungs von Electronic Arts eine relativ, plausible Erklärung gefunden zu haben. Erschwerend zu eurem Gedächtnisverlust kommt nämlich hinzu, dass ihr durch den Unfall ein Auge verloren habt, das in Nullkommanix von Goldfingers Chirurgen-Team durch ein ultramodernes, goldenes Auge ersetzt wurde. Na wenn das mal keine glaubwürdige Sinndeutung für den Titel ist...
An dieser Stelle werden sich vielleicht einige fragen, wann genau im Spiel die tragende Rolle des Bösewichts zur Geltung kommt, denn normalerweise gehört es ja dazu, dass das Gute gegen das Böse kämpft und so weiter und so fort. Doch leider waren die Entwickler von EA anderer Meinung und beließen es bei dem Machtkampf zwischen Herrn Goldfinger und Dr. No. Eure einzige Aufgabe besteht nun also darin, den Doc und seinen Schergen den Gar auszumachen und somit Existenz eures Vorgesetzten sicher zu stellen. Klingt ein wenig einseitig und ist es auch. Spätestens nach der dritten Mission werden selbst geduldige Zeitgenossen die Hoffnung aufgeben haben, plötzlich von einer unterhaltsamen Story überrascht zu werden. Um es auf den Punkt zu bringen, ihr erfahrt im weiteren Spielverlauf so gut wir gar nichts über unseren schweigsamen Protagonisten oder bekommt auch nur den Hauch einer möglichen Handlung vermittelt, welche das Spielgeschehen wenigstens vorantreiben würde.
So rennt ihr nach feinster Halo-Manier mit einer Standardpistole ausgestattet durch die einzelnen Missionen, mäht alles um, was nicht bei drei auf den Bäumen ist und reißt euch die Waffen der Kontrahenten unter den Nagel. Die Tatsache, dass zwei Schießeisen gleichzeitig benutzt werden können und dadurch die absurdesten Waffenkombinationen entstehen, lässt selbst Kriegsveteran Rambo vor Neid erblassen. Das Sahnehäubchen aber ist euer synthetisches Auge, mit dem ihr zum Beispiel durch Wände schauen könnt oder Gegner per Explosion ins Jenseits befördert. Wird euch beim Einzelspielermodus langweilig, dann müssen Freunde oder Bekannte ran und ihre Köpfe in den Multiplayergefechten herhalten. Diverse Karten wie zum Beispiel die Raumstation aus dem Film Moonraker werden sicherlich bei dem einen oder anderen nostalgische Gefühle hervorrufen und zumindest in diesem Bereich für ein wenig Abwechslung sorgen.
Auch wenn man sich eigens für den Titel den Komponisten Paul Oakenfold an Land gezogen hat, um zumindest die träge Atmosphäre musikalisch ein wenig aufzupäppeln, muss an dieser Stelle gesagt werden, dass er schon weitaus bessere Stücke produziert hat. Ob ihm bei dem mittelmäßigen Spiel schlichtweg die Lust am musizieren vergangen ist oder er derzeit ein Formtief durchlebt werden wir wohl nie erfahren. Obwohl Herr Oakenfold diesmal kein sehr gutes Zeugnis abgelegt hat, kann die solide Arbeit im Synchronisationsbereich durchaus positiv bewertet werden.