Gesamtwertung90%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Was haben Nintendos Rollenspielfortsetzung Paper Mario 2 und die japanische Kunst des Papierfaltens eigentlich gemeinsam? Viele werden jetzt behaupten, 'Überhaupt nichts!'. Doch genau dieses Mysterium verspricht angeblich eine ordentliche Portion Innovation, die im heutigen Spielzeitalter immer häufiger vermisst wird. Was die Jungs aus dem Hause Nintendo mit dem wundersamen Stichwort 'Origami' im Schilde führen, wieso Mario auf einmal so dünn ist und warum auf einmal Computer lieben lernen, erfahrt ihr im nachstehenden Test...
Jeder kennt ihn, den wahrscheinlich berühmtesten Vorzeigeklempner mit italienischen Akzent und symbolträchtigem Schnauzbart. Die Rede ist selbstverständlich von Mario und wenn er grad nicht das Pilzkönigreich vor dem Oberfiesling Bowser befreit, liest er elend lange Briefe von seiner Flamme Prinzessin Peach. Womit wir auch schon bei der eigentlichen Story von Paper Mario Nummero Zwei gelandet wären. In ihrem neusten Schriftstück erzählt sie nämlich von ihrer spannenden Rundreise quer durch das Pilzreich und von einer seltsamen Karte, die sie in Rohlingen von einer mysteriösen Händlerin erhalten hat. Wie nicht anders zu erwarten, entpuppt sich dieses Manuskript als verkappte Schatzkarte. Und die Frage, wer Madame Mademoiselle auf der Suche nach den ungeahnten Reichtümern begleiten darf, ist schon beantwortet. Auf ihre Bitte hin begebt ihr euch nach Rohlingen, um sie dort zu treffen.
Doch was ist das? Wo ist Peach? Von ihr weit und breit keine Spur zu finden. Ratlosigkeit animiert euren Heizungsinstallateur dazu, sich auf die Suche zu machen und später festzustellen, dass seine große Liebe kaltschnäuzig entführt wurde.
Selbst Bösewicht Bowser bekommt von Peachs Entführung Wind und startet eine spontane Ein-Mann-Rettungsaktion, die im weiteren Verlauf des Spiels die Story ein wenig beeinflusst. An dieser Stelle sollte vielleicht erwähnt werden, dass es sonst Bowsers Job ist, die feine Dame zu entführen, um dann ungespitzt von Mario in den Boden gerammt zu werden und ein freudiges Happy End zu erleben. Nüchtern betrachtet handelt es sich bei Paper Mario 2 um ein waschechtes Hüpf- und Laufspiel, wobei die Kampfsequenzen in abgespeckter RPG-Manier bestritten werden. Nintendo hat sich dazu entschieden, komplizierte Rollenspielelemente komplett von der Liste zu streichen, um sich auf ein sehr vereinfachtes Kampf- sowie Levelsystem zu beschränken.
Deshalb können sich alle Matheunterrichtaufpasser da draußen nach der pipileichten Formel Angriff - Verteidigung = Schaden ihren ausgeteilten Schaden selber ausrechnen und ihre Freunde damit beeindrucken, dass sie hellseherische Fähigkeiten besitzen. Wie das Aufeinandertreffen mit dem Feind letzten Endes ausgeht, hängt ganz von eurem Geschick und dem passendem Timing ab. Denn sämtliche Attacken sind so ausgelegt, dass ihr im richtigen Moment auf den Button einschlagen müsst, um ein positives Ergebnis zu erhalten. Ein interessantes Feature, welches das Spiel vom Einheitsbrei unterscheidet, stellt das Publikum dar, das eure spannenden Kämpfe mitverfolgt. So ist es an der Tagesordnung, die launischen Fans mit gelungenen Manövern oder fetzigen Showeinlagen bei Stange zu halten.
Falls den Zuschauern euer dargebotenes Bühnenprogramm gefällt, erhaltet ihr pro Runde Sternenpunkte, die ihr bei prall gefüllter Sternenenergie feucht-fröhlich für fette Spezialangriffe verwenden könnt. Als kleines Schmankerl beschenken euch die Schaulustigen mit nützlichen Items oder aber Randalierer machen euch das Leben schwer, denen ihr per Druck auf die X-Taste zuvor kommen könnt. Habt ihr eure Kontrahenten ausgeschaltet, erhaltet ihr Erfahrung in Form von Sternenpunkten. Ist die 100er Marke erreicht, steigt ihr in eurem Level auf und könnt einen der drei Attribute Kraft-, Blumen- oder Ordenpunkte aufwerten. Die Blumenpunkte werden für bestimmte Techniken benötigt, um euren Gegenspielern Feuer unterm Hintern zu machen, wohingegen euch Orden unterstützende Fähigkeiten verleihen.
Damit sich bei euch auch ja nicht das Gefühl einstellt, alleine gegen den Rest der Bösartigkeit anzutreten, schließen sich euch im Laufe der Geschichte mutige Charaktere an, die euch mit Rat und Tat zur Seite stehen. Diese werden unter anderem für die verschiedensten Rätseleinlagen benötigt, wie z.B. Koopio, der mit seiner Panzerattacke Schalter auf weiter Entfernung betätigen kann. Eine weitere witzige Spielidee verkörpert der hinterhältige Geist in der grauen Kiste. Auf eurer Reise durch das Pilzkönigreich werdet ihr dem hinterfotzigen Gesellen mehrmals begegnen und jedes Mal mit einem Fluch belegt, sobald ihr ihn aus dem hölzernen Gefängnis befreit. Da wir ja dumm sind, gehen wir ihm immer wieder auf den Leim, wobei sich die verschiedenen Flüche als äußerst nützlich erweisen. So faltet sich Mario beispielsweise in Nullkommanix in einen grandiosen Papierflieger und kann so über breite Schluchten düsen oder er verbastelt sich in ein wassertaugliches Schiffchen - japanische Faltkunst vom Allerfeinsten! Auch wenn das Spiel relativ kurz ist, könnten euch fehlende Sternsplitter, 100 an der Zahl und einige Nebenquests, zu finden in der Jobagentur, zum Weiterspielen animieren.
Die Grafik ist am Anfang gerade für ambitionierte Skeptiker sehr gewöhnungsbedürftig, da Paper Mario 2 so gesehen ein dreidimensionales 2D-Jump&Run Sequel sein könnte.
Klingt komisch, ist aber so. Das komplette Pilzkönigreich samt seinen Einwohnern besteht nämlich aus 'Papier', weshalb die ganze Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes sehr 'flach' ausfällt. Die verschiedenen Kapitel gestalten sich als abwechslungsreich und vor allem farbenfroh,
wie man es nicht anders von den Vorgängern kennt. Hier setzten die Entwickler von Nintendo ganz klar auf altbewehrtes und gestalteten die Umgebungsgrafiken so bunt und obskur wie irgend nur möglich. Ein besonderes Augenmerk wurde hier ganz klar auf die diversen Animationen gelegt. Zum Beispiel müsst ihr in einer Szene einen Schalter umlegen, um an einen höher gelegenen Schlüssel zu gelangen. Dabei wird eine bereits vorhandene Treppe einfach nur 'umgeblättert' und schon gelangt ihr an das Objekt eurer Begierde. Nichtsdestotrotz gliedert sich die grafische Leistung, rein objektiv betrachtet, in das untere Mittelmaß ein, was untere anderem an der Polygonarmut liegt.
Auch im soundtechnischen Bereich hat sich im Laufe der Jahre nicht viel getan, was besonders die Nostalgiker unter uns freuen dürfte. Hier und da wurden die Töne aufgefrischt und auf Dolby Pro Logic II Niveau resampled. Aus fast allen Mario- Vorgängern hat man allen Anschein nach eine Art Best Of Kollektion zusammengestellt, welche digital überarbeitet als angenehme Hintergrundmusik belauscht werden dürfen. Wie sollte es auch anders sein, ziehen die Entwickler von Nintendo weiterhin ihr Programm durch und verzichten auch bei diesem Titel auf jegliche Sprachausgabe. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und vielleicht gibt Nintendo irgendwann einmal klein bei und verwöhnt unsere Ohren mit einer wundervollen Synchronisation der einzelnen Charaktere.
Mach Dir einen Namen im Dark Orbit. Allein oder mit Verbündeten wagst Du Dich in weit entfernte Sternen- systeme vor und kämpfst um 10.000 € zum Spiel...
Paper Mario - Die Legende vom Äonentor im Test.
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