Gesamtwertung83%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Mit dem Erscheinen der dritten PSO-Episode 'C.A.R.D. Revolution' geht das Entwickler-Team aus dem Hause Sega neue Wege und wandelt die Saga vom reinrassigen Hack&Slay-Gemetzel zur stilvollen Kartenklopferei. Ob die Änderungen sinnvoller Natur sind oder ob die aktuellste Ausgabe des einstigen Dreamcast-Vorzeigetitels ein spielerischer Rückschritt geworden ist, erfahrt ihr im nachstehenden Test.
Während Microsoft-Zocker bereits seit geraumer Zeit hitzige Online-Deathmatches via Xbox Live bestreiten und sich PS2-Besitzer inzwischen ebenfalls auf der virtuellen Spielwiese tummeln dürfen, guckt die Nintendo-Fraktion ziemlich entnervt in die Röhre. Lediglich Segas Online-RPG-Reinkarnation Phantasy Star Online konnte GameCube-Jünger mit Modem oder Breitbandadapter bislang für sich begeistern ziemlich mager im Vergleich zum Online-Angebot der Konkurrenz. Da kommt ein Nachfolger der recht erfolgreichen RPG-Saga mit dem Namen Phantasy Star Online III Card Revolution doch wie gerufen, verheißt dieser doch frischen Wind.
Schau mir in die Karten Kleines...
Ohne mit einem besonders aufwendigen Intro zu überraschen, entlässt euch das Spiel direkt in das Hauptmenu, wo ihr euch für das Online- oder Offlinespiel entscheiden müsst. Wir beschränken uns in diesem Test jedoch nur auf den Offline-Part, der gleichzeitig den Story-Modus darstellt. Anfänger sollten unbedingt den Rat folgen und zuerst den aufschlußreichen Leitfaden näher unter die Lupe nehmen, um spätere Frustmomente zu vermeiden. Denn bei Card Revolution handelt es sich um ein ausgeklügeltes Kartensystem, welches man besonders zu Beginn des Spiels nicht unterschätzen sollte.
Im Story-Modus angekommen, liegt es an eurer Kreativität euch einen individuellen Charakter zusammenzustellen. So habt ihr die Möglichkeit diverse Attribute, wie zum Beispiel Frisur, Kleidung, Hautfarbe und Körperbau zu verändern.
Habt ihr euren Protagonisten nach euren persönlichen Wünschen zurechtgeschustert und eurer Figur einen passenden Namen verpasst, müsst ihr euch abschließend entweder für die Hero- oder Dark-Side entscheiden.
An dieser Stelle kann Segas Rollenspiel erste Pluspunkte sammeln, da beide Seiten unterschiedliche Handlungsstränge besitzen und verschiedene Taktiken bieten. Während die Akteure auf Seite der Guten auf Waffen für den Nah- sowie Fernkampf setzen, beschwören die Bösewichte Kreaturen, welche stellvertretend für sie in den Kampf ziehen. Dennoch sei erwähnt, dass der Weg der Hero-Side der einfachere ist und sich nur Fortgeschrittene für die dunkle Seite der Macht entscheiden sollten.
Das Ass im Ärmel
Betrachtet man PSO III aus einem etwas anderen Blickwinkel, kommt man zu dem Schluss, daß Sega locker ein waschechtes Kartenspiel à la Magic: The Gathering aus dem Titel hätte machen können, so richtig mit echten Papp-Karten für das Spiel in der munteren Runde. Card Revolution enthält nämlich alle Grundvoraussetzungen, die für ein derartiges Kartenspiel benötigt werden.
Im Verlauf des Spiels erhaltet ihr für jeden erfolgreichen Kampf neue Karten, welche ihr gegen stärkere Gegner einsetzen könnt, um noch seltenere Reliquien zu ergattern. Dieser Zyklus wird bei vielen RPG-Fans den uralten Sammelinstinkt wachrufen, welcher ein zusätzlicher Garant für die Langzeitmotivation ist. Im Story-Modus agiert ihr als eine Art Gruppenführer, der seine Schergen in die Schlacht schickt. Ihr seid dafür verantwortlich, dass jeder Untertan seinen individuellen Stapel zusammengestellt bekommt, da jeder Charakter unterschiedliche Eigenschaften besitzt und nur bestimmte Karten verwenden kann.
Die meiste Zeit über befindet ihr euch in den Räumen einer Weltraumstation mit dem besonders einfallsreichen Namen Leichenhalle. Hat hier schlichtweg die Lokalisierung versagt oder ist dies die Affinität der Japaner zur deutschen Sprache? Wie auch immer, ihr erhaltet von hier aus die Einsatzbefehle für eure kommenden Missionen, könnt die Stapel eurer Teammitglieder organisieren und euch mit Storycharakteren unterhalten.
Um alte Fehler endgültig auszumerzen, haben sich die Jungs von Sega endlich mal ein Herz gefasst und dem Spiel eine vernünftige Story spendiert, so dass der Einzelspielerpart nicht mehr nur schmückendes Beiwerk zum signifikanten Online-Modus ist. Die Akteure sind im Gegensatz zu den Vorgängern fest vorgeschrieben und entwickeln sich in ihrer Persönlichkeit weiter. Mit Hilfe von Storyboards, welche im Mangastil gehalten sind, wird das ganze Geschehen rund um den dritten Teil vorangetrieben.
Die Kämpfe sind rundenbasiert und finden auf einer Art Schachbrett statt. Nun liegt es an eurem taktischen Geschick den Gegner zur Strecke zu bringen und am Ende eines Gefechts eine möglichst hohe Endwertung zu kassieren. Denn je nachdem wie gut der Kampf für euch ausging, bekommt ihr eine bestimmte Anzahl von Karten als Belohnung, wobei ihr euch vorher für einen der vier verschiedenen Stapel entscheiden müsst.
Damit typische Rollenspielelemente nicht verloren gehen, gewinnt ihr mit jedem bestrittenen Einsatz auch Erfahrungspunkte, die sich darauf auswirken, dass ihr bei einem höheren Charakterlevel bessere Karten von euren Gegnern erhaltet.
Solltet ihr irgendwann einmal eine besondere Karte doppelt oder gar dreifach besitzen, habt ihr die Möglichkeit diese in der Leichenhalle gegen gleichwertige Karten auszutauschen, um so euer Deck zu vervollständigen und weiter zu perfektionieren.
Von veralteter Grafik und einschläfernder Musik
Zur Ernüchterung vieler PSO-Anhänger muss leider gesagt werden, dass sich Sega nicht dazu bewegen ließ, die grafische Seite des Spiels den heutigen Standards anzupassen. So wurde lediglich die alte Engine der Vorgängers hier und da ein wenig aufpoliert und den Charakteren mehr Polygone spendiert, was nichts an der Tatsache ändert, dass die Schatten immer noch grob pixelig sind und sich die Hauptdarsteller nicht gerade von ihrer Schokoladenseite zeigen.
Dennoch muss Sonic Team ein großes Lob für die Gestaltung der vielen verschiedenen Karten ausgesprochen werden. Hier beweisen die Jungs viel Liebe zum Detail. Bei den Zeichnungen haben sie sich viel Mühe gegeben um für ausreichend Abwechslung zu sorgen.
Damit das Gesamtbild trotz der mäßigen Grafik doch noch abgerundet werden kann, hat man dafür gesorgt, dass sich wenigstens die Schlachtfelder möglichst abwechslungsreich präsentieren. So reicht die Szenerie von futuristischen Raumschiffplattformen, über mythische Tempelanlagen bis hin zu saftig-grünen Dschungelgebieten.
Leider kann auch der sound-technische Aspekt nicht so richtig überzeugen. Zwar ist das Titellied ein wahrer Ohrenschmaus welches Lust auf mehr macht, was allerdings nicht von den restlichen Hintergrundtiteln behaupten werden kann. Die Musik mag zwar auf der einen Seite mit beruhigenden Klängen den Spieler auf so mancher Sphäre dahinschweben lassen, dennoch verlangt es gerade bei spannenden Kämpfen nach actiongeladenen Titeln, welche die dichte Atmosphäre untermalen.
Auf eine Sprachausgabe wurde gänzlich verzichtet, so dass man sich auf ein paar nette Lesestündchen einstellen darf. Einzig und Allein der Ansager hat ein Sprachorgan spendiert bekommen, welcher während der Kämpfen mit seiner blechernen Stimme anscheinend den Zweck erfüllen soll, dem Spieler nach möglichst kurzer Zeit tierisch auf die Nerven zu gehen.
Phantasy Star Online III: C.A.R.D. Revolution im Test.
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