Gesamtwertung84%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Mit Second Sight wagen sich die Macher der erfolgreichen Time Splitters-Reihe an neue Aufgaben. Hinter diesem Titel verbirgt sich aber kein weiterer bleihaltiger Egoshooter, sondern ein umfangreiches Action-Adventure mit innovativen Gameplay-Ideen und einer spannenden Verschwörungsstory. Ob die Jungs von Free Radical Design den Sprung in ein neues Genre angesichts dieser positiven Vorzeichen gemeistert haben, erfahrt ihr in unserem Test.
Das menschliche Experiment
Die Entwickler von Free Radical Design setzen bei 'Second Sight' auf einen nicht linearen Handlungsstrang, der den Hauptdarsteller John Vattic in zwei Blickwinkeln ausleuchtet. Zum einen erzählt die Geschichte in spielbaren Rückblenden die aufeinander folgenden Erlebnisse des gewitzten Forschers John Vattic, der sich zusammen vor einem halben Jahr mit einem Sondereinsatzkommando des US-Militärs auf einer streng geheimen Mission befand. Zum anderen steuert ihr in der Gegenwart das verunstaltete menschliche Experiment und mit PSI-Fähigkeiten ausgestattete zweite Gesicht von John Vattic.
Die Handlung setzt genau in dieser für den unfreiwilligen Protagonisten fremden Realität ein: er wacht mit zahlreichen Verletzungen und Operationsnarben in einem Hochsicherheitstrakt eines geheimem Forschungslabors auf. Seine Erinnerung ist ausradiert: wie kam er in diese Situation, warum ist sein Körper so übel zugerichtet und weshalb entdeckt er an sich nach und nach mächtige, paranormale Fähigkeiten? Eure Aufgabe ist es nun, mit dem verwirrten Charakter aus dem Labor zu entkommen und Licht ins Dunkel zu bringen.
Die Macht der Gedanken
Was Second Sight auf den ersten Blick von den Genrekollegen unterscheidet, sind die übersinnlichen Fähigkeiten. Gleich zu Beginn dürft ihr an die im Spiel meistgebrauchte Psi-Kraft Telekinese Hand anlegen. Vattic kann hierzu seine Gedanken auf einen beliebigen Gegenstand oder Gegner konzentrieren und ihn damit bewegen, ohne in Berührung zu kommen.
Mittels eines so genannten Psi-Schlags entfesselt Vattic zerstörerische Kräfte und kann die gesammelte Energie Feinden entgegen schleudern. Mit der Zeit entwickelt der ungewöhnliche Held automatisch noch weitere Fähigkeiten, die von nicht geringerer Bedeutung sind. So ist es ihm bald möglich, sich selbst zu heilen, die Wahrnehmung der Gegner durch Verwirrung des Geistes zu täuschen oder seinen Körper durch Projektion zu verlassen.
Während der geisterhaften astralen Form erreicht er ansonsten unzugängliche Bereiche oder er übernimmt kurzerhand die Kontrolle über eine andere Person. Die besonderen Fähigkeiten von John Vattic sind allerdings begrenzt und werden euch wie der aktuelle Gesundheitszustand über einen Bildschirmbalken angezeigt. Weitere hilfreiche Anzeigen wie einen Radar oder eine jederzeit abrufbare Karte sucht ihr hier allerdings vergeblich.
Allround Talent
Doch damit erschöpft sich das Aktionskontingent noch lange nicht: wie es sich für ein zeitgemäßes Action-Adventure gehört, verfügt John Vattic über vielfältige Möglichkeiten. Bei Schleicheinsätzen beispielsweise steht sein Bewegungsrepertoire Kollegen wie Sam Fisher in nichts nach. Man steuert den Wissenschaftler und Doktor der Parapsychologie genretypisch in Schulterperspektive.
Auf Knopfdruck habt ihr wahlweise einen frei justierbaren Kamerawinkel in Egoansicht oder feste Perspektiven. Nähert man sich einer Mauer oder schutzbietenden Gegenständen wie Kisten oder Ähnliches, reicht ein Tastendruck, um sich an die Wand zu pressen. Nun könnt ihr bis ans Ende gehen, um entweder hervorzuspähen oder aus gesicherter Position Feinde ins Visier zu nehmen. Auch um akrobatische Manöver im Stile von Sam Fisher ist John Vattic nicht verlegen. So könnt ihr an Kanten entlang hangeln wie der Meisterspion höchstpersönlich.
In punkto Nahkampf scheint man sich auch beim offensichtlichen Ideengeber Splinter Cell orientiert zu haben. So ist es dem Forscher möglich, Gegner lautlos aus dem Hinterhalt zu erledigen oder im Clinch auf Kontrahenten einzuprügeln. Da der Lösungsweg nicht vorgegeben ist, entscheidet ihr aus der Situation heraus. Dabei stehen euch natürlich auch diverse Waffen zur Auswahl. So könnt ihr in hektischen Situationen auf Pistolen und Gewehre zurückgreifen und euch auf die reine Feuerkraft verlassen. Grundsätzlich gilt aber keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen. Daher empfiehlt sich oftmals der Einsatz von Betäubungspistolen, die eure Gegner geräuschlos und unauffällig aus dem Weg räumen.
Zurück in die Vergangenheit
Die Aufgaben und Missionsziele sind sehr gut in die düstere Atmosphäre integriert und verlaufen weitestgehend parallel. Auf der einen Seite stehen die Levels vor den schrecklichen Experimenten. Hier kann Vattic auf zahlreiche der angesprochenen Waffen zurückgreifen und arbeitet sich als Mitglied des Militäreinsatzkommandos WinterIce durch die kampfbetonten Abschnitte.
Mit jeder Rückblende erfahrt ihr mehr über seine Vergangenheit und taucht immer weiter in die Story ab. So findet ihr euch nach der erfolgreichen Flucht aus dem Forschungslabor auf einem Übungsplatz der Armee wieder. Hier absolviert ihr einen Tutorial-ähnlichen Trainingsparcour, der euch u.a. mit den Squad-Mitgliedern bekannt macht.
Kurze Zeit später erwartet euch schon der erste Feldeinsatz, bei dem geschickte Teamarbeit gefordert ist. Auf der anderen Seite schleicht ihr als Psychowrack vorsichtig durch die Levels, experimentiert mit John Vattics übernatürlichen Fähigkeiten und löst teils verzwickte Rätsel.
So kommt ihr nicht um eine gewagte Rettungsmission aus einem Sanatorium herum, sucht nach verschollenen Kontaktpersonen und klärenden Beweisen oder infiltriert die Zentrale des Geheimdienstes. Gegen Ende verschmelzen dann alle Gameplay-Elemente, was euch zu einem unberechenbaren Gegner macht. Aber auch die Aufgaben wachsen mit der Zeit, was schließlich sämtliche Aktionsmöglichkeiten des Protagonisten verlangt.
So gilt es einmal ein schwer bewachtes Dorf zu durchqueren. Es wimmelt nur so vor Soldaten und Scharfschützen. Hier bewegt ihr euch abwechselnd auf leisen Sohlen, täuscht gekonnt die gegnerischen Augen mittels Psi-Kraft und schießt euch einige Straßen weiter den Weg frei.
Time Splitters-Look
Bei der Präsentation setzen die Entwickler auf den typischen Time Splitters-Look. Die Optik gefällt aber auch bei Second Sight. Detaillierte Charaktere mit bekannten Animationen können überzeugen. Ausgefallene Locations passen sehr gut zur Story und bieten reichlich Abwechslung. So startet ihr eure Suche nach der Vergangenheit in einer klinisch sauber wirkenden Laborzelle, durchstreift ein Horror-angehauchtes Irrenhaus, kämpft euch im tiefsten Sibirien durch ein verschneites Dorf oder mischt bei einem waschechten Bandenkrieg auf einem New Yorker Hinterhof mit.
Sogar die Soundkulisse erinnert ein wenig an die TimeSplitters-Technik, wobei vor allem die in Deutsch untertitelten englischen Synchronstimmen sehr viel zur Atmosphäre beitragen. Besonders schön sind auch die Spezialeffekte beim Einsatz der Psi-Kräfte dargestellt. Da verzerrt es schon mal den Bildschirm beim Schleudern konzentrierter Energie oder grelles Licht umhüllt einen per Telekinese gefangenen Gegner. Weniger erfreulich fällt die Ansicht aus: wie so oft bei Third Person-Spielen sind die festgelegten Kamerawinkel nicht selten unpraktisch, während die frei drehbare Perspektive gerne störrisch reagiert. Die Steuerung des Protagonisten darf zudem als leicht überladen angesehen werden, funktioniert mit ein wenig Übung aber tadellos.
Second Sight im Test.
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