Gesamtwertung92%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Nach dem Xbox-Original, PC- und der PS2-Konvertierung kommen nun letzten Endes auch Besitzer des Gamecube in den Genuss der momentanen Stealth-Referenz. Mit Splinter Cell gelang Ubi Soft Ende letzten Jahres eine der überzeugendsten Neuentwicklungen seit Langem. Entsprechend hoch setzte man die Erwartungen an die Umsetzungen des ehemals Microsoft-exklusiven Titels - was daraus geworden ist, verraten wir euch jetzt.
Sam Fisher in a box...
An der Story hat sich derweil nichts geändert: Protagonist ist Sam Fisher, seines Zeichens Topagent im Dienste der USA. Als sogenannte 'Splinter Cell'-Einheit macht sich der nationaltreue Profi auf die Suche nach zwei in Georgien verschollenen Agenten. Vorgestellt wird die Ausgangssituation in einem schicken Renderintro. Viel mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, doch darf sich jeder Fan von Spionagethrillern auf ordentliche Genrekost gefasst machen.
Wenngleich spannend, und nach ihm benannt, basiert die Hintergrundgeschichte zu Splinter Cell allerdings nicht auf einem Tom Clancy-Roman. Erst im Nachhinein bekam das Spiel den Namen des Erfolgsautors.
Spieltechnisch besticht Splinter Cell zwar nicht durch Revolution, aber konsequente Evolution. Ubi Softs Entwickler präsentieren hier Schleich-Action in Perfektion. Leises Vorgehen bestimmt hier ebenso über Leben und Tod wie das obligatorische Wandeln im Schatten. Lautlos niedergeschlagene Gegner lassen sich in dunkle Ecken zerren, um nicht die Aufmerksamkeit der Wachen zu erregen oder können gar als lebender Schutzschild bei Feindkontakt herhalten.
Ferner kann Sam Gegner verhören oder zum Netzhautscan zwingen. Natürlich ist man als NSA-Agent mit einem High-Tech Anzug und neuestem Zubehör ausgestattet. Um auch im Dunkeln unauffällig operieren zu können gibt es etwa einen beeindruckend aussehenden Nachtsicht-Filter, bei angeschlagener Gesundheit das obligatorische Medi-Pack.
Um sich Zugang zu verschlossenen Räumen zu schaffen macht Sam Gebrauch vom gewöhnlichen Dietrich, dessen Nutzung recht interessant ausgefallen ist: Der Spieler dreht am Analogstick bis das Rumble-Feature des Controllers einsetzt, hält den Stick an der Stelle und drückt somit einen der Stifte im Schloss hoch. Ferner kann Sam mit einer flexiblen Optik unter Türen durchschauen oder mit mehrfach nutzbaren Haftkameras Informationen sammeln. Ein großes Arsenal weiterer Gimmicks erschließt sich euch im weiteren Verlauf des Spiels.
Doch auch von der Waffe muss Sam das eine oder andere Mal Gebrauch machen. Ist sie nötig und nützlich um allzu aufmerksame Wachen niederzustrecken, birgt sie allerdings den Nachteil sehr laut zu sein. Wer seine Deckung also nicht auffliegen lassen will, sollte seine Opponenten möglichst lautlos von Hand ausschalten - kann in späteren Missionen jedoch auf lautlose Waffen zurückgreifen.
Auch wenn die Missionen nicht immer sehr abwechslungsreich sind, bringt das exzellente Leveldesign enormen Spielspaß. Stets findet sich eine Möglichkeit im Schatten vorzugehen oder ein leiserer Weg als der Offensichtliche. Konzentriertes Vorgehen ist hier aber Pflicht. Fürs Spielen zwischendurch ist Splinter Cell trotz passabel häufiger Speicherpunkte eher weniger geeignet. Quicksave-Stände gibt es nicht, doch mit etwas Übung kommt man auch durch die schwierigsten Missionsabschnitte. Erste Erfahrungen mit der Steuerung sammelt der Spieler bereits zu Beginn bei einem kleinen Hindernis-Parcours. Hier lernt Sam die grundlegenden Sprünge und akrobatischen Einlagen, die ihr während eurer Einsätze dringend benötigen werdet. Doppelsprung an der Wand, Klettern und Hangeln, gebücktes Schleichen und kriechen bilden das erweiterte Bewegungsrepertoire.
Mit dem Gamecube-Controller gehen fast alle Aktionen nach kurzer Gewöhnungsphase intuitiv von der Hand, lediglich der Gebrauch des Fernglases ist nicht gelungen: Drückt ihr den rechten, der Kamera zugewiesenen C-Stick, schnell nach unten, aktiviert sich das Fernglas, was manchmal für Verwirrung sorgt. Die Animationen sind butterweich, gerade beim Hauptcharakter. Das Model ist sehr genau und realistisch modelliert. Manche der Gegnermodelle scheinen dagegen etwas abzufallen, sind aber auch von durchweg hoher Qualität. Seltene aber leider vorhandene Clippingfehler trüben den Eindruck etwas. Die stets per C-Stick einstellbare Kamera funktioniert für gewöhnlich zwar glänzend, manchmal - gerade am Anfang - fällt es jedoch schwer dauernd selbst die Kamera zu justieren. In seltenen Fällen lässt sich die Ansicht nicht passend einstellen, was an der fehlenden Zoomeinstellung liegt.
Licht- und Schattenseiten
Dennoch weiß Splinter Cell gerade optisch auch auf dem Gamecube zu überzeugen. Das beeindruckende Licht- und Schattenspiel, diverse Partikelsysteme und im Wind wehende Blätter und Textilien lassen über teilweise etwas grobe Objekte oder manche unscharfe Textur hinwegsehen. Wenngleich Splinter Cell auf dem Gamecube grafisch ein wenig unter dem Xbox-Original liegt und die Hardware wohl nicht an die Grenzen treibt, ist das Schleichen durch die halberleuchteten, nebligen Gassen doch atmosphärisch genial.
Insgesamt ist gerade diese Atmosphäre der Missionen eine der absoluten Stärken des Spiels. Der Spannungsbogen will nicht abbrechen und selbst die schwierigsten Missionen motivieren ungemein. Selten wird ein Auftrag zu frustrierend, meistens scheitert man an der eigenen Hektik.
Doch selbst in ruhigen Leveln kann man sich nicht auf die faule Haut legen. Trödeln endet oft tödlich, wenn zum Beispiel brennende Balken fallen. Schnelles und leises Vorgehen ist manchmal auch bei allzu aufmerksamen Wachen nötig. Soundtechnisch mag sich der Titel zunächst unspektakulär geben, kann aber dennoch überzeugen.
Die unauffällige Musik ist stimmungsvoll und passt ideal zum nötigen unauffälligen Vorgehen. Wird man von Wachen bemerkt, setzt die treibende Musik ein, was manchmal eine Hilfe sein kann. Nicht immer weiß man, ob ein Gegner den Agenten gehört hat, setzt die Musik jedoch ein, kann man schon einmal in die nächste dunkle Ecke. Der Surround-Sound ist überzeugend, die Soundeffekte absolut realistisch. Immer summt oder brummt irgendein Gerät im Hintergrund oder schreitet eine Wache durch den Gang. Besonders gelungen ist jedoch die Synchronisation. Die Sprecher klingen durchweg höchst überzeugend und sind meistens Lippensynchron.
Den Vergleich zu den anderen Konsolenversionen braucht auch der Gamecube-Agent nicht zu scheuen, wenngleich die Xbox-Version grafisch einen Deut besser aussieht. Der Schwierigkeitsgrad und das Leveldesign wurden ebenso verändert wie bei der PS2 Version, der Bonuslevel des Sony-Pendanten allerdings gekürzt. Dafür kommen Nintendo-Spieler in den Genuss eines besonderen Gimmicks: Per Link-Kabel mit dem Gamecube verbunden, kann der Spieler den Gameboy Advance als Radarschirm nutzen oder Haftbomben an Gegnern platzieren. Das praktische Gimmick ist zwar spielerisch mehr Spielerei als von Nöten, aber ordentlich. Schade nur, dass Nintendos Online-Pläne derzeit still zu stehen scheinen. Somit gibt es nicht die Möglichkeit zusätzliche Missionen aus dem Internet zu laden, wie etwa bei der Xbox-Version. Im Gegensatz zu der Xbox-Version gibt es allerdings neue Zwischensequenzen, die die Atmosphäre verdichten.
Splinter Cell im Test.
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