Gesamtwertung90%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungGut |
Los Angeles - Stadt der Engel, Touristenmetropole, weltbekannt. Doch wie sooft hat jede Medaille zwei Seiten. Gerade in amerikanischen Großstädten blüht das organisierte Verbrechen, denn leider gibt es auch in L.A. trotz des schönen Beinamen Stadt der Engel eben doch mehr Schurken als Engel. Das L.A.P.D steht mit begrenzten Mitteln vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Drogen-, Raub- und Mordfälle sind an der Tagesordnung. Doch dank des Elite Operations Department, kurz E.O.D., weht den Ganoven schon bald ein härterer Wind ins Gesicht. Grund ist der Ex-Cop Nick Kang, welcher aufgrund seiner zu harten Vorgehensweise vom Dienst suspendiert und nun in die Elite-Einheit berufen wurde, und sich fortan - im wahrsten Sinne des Wortes - mit Triaden der chinesischen und russischen Mafia rumschlägt. Nicht minder interessant ist der Fakt, dass er zugleich dem mysteriösen Tod seines Vaters auf die Schliche kommen will und dazu bereit ist, alle ihm verfügbaren Mittel einzusetzen.
Man nehme das Spielprinzip von GTA, verfeinere es mit ein wenig Enter the Matrix und Driver, paare das Ganze mit einem Shooter und baue ein paar Elemente von Metal Gear Solid ein: was am Ende rauskommt, ist Activisons True Crime: Streets of L.A.! So oder ähnlich könnte man grob bezeichnen, was sich die Jungs von Luxoflux gedacht haben dürften. Eines ist jedoch gewiss: Einfallslosigkeit kann man den Programmierern sicher nicht vorwerfen, denn in circa 100 Missionen muss der Spieler in Form von Nick Kang mit actionreichen Kampf-, Schieß- und Fahreinlagen dem Verbrechen das Handwerk legen. Selbst Stealth-Einsätze muss der Rambo-Cop erledigen. Der ganze Plot ist in acht Episoden unterteilt, welche fast alle mit Echtzeitsequenzen eingeleitet werden. Dann heißt es schnellstens ein Auto geschnappt und durch dich Straßen L.A.s zum jeweiligen Einsatzort gedüst.
Ähnlich wie in diversen GTA Teilen fahren Hunderte von Autos durch die schier unendlichen Straßen der Stadt. Doch im Gegensatz zum Ganoven-Spiel darf Kang jede Karre bekanntlich im Auftrag des Staates benutzen und sich mal eben schnappen. Dies ist auch bitter nötig, denn die Programmierer haben die bis dato größte virtuelle Metropole erstellt, welche sich über die Stadtteile Downtown, Hollywood, Venice, Beverly Hills, Compton und Inglewood erstreckt. Nahezu akribisch und in detailreicher Kleinarbeit wurde ein Großteil von L.A. nachgestellt, durch welchen es Kang während der Story treibt. Verfolgungsjagden und halsbrecherische Stunts gehören dabei zum Cop-Alltag.
Am Ziel angekommen, warten meist wilde Schießereien oder harte Fights Mann gegen Mann auf euch. Nur gut, dass Nick ein reiches Repertoire an Schlag- und Tritttechniken erlernt hat und ein Meister des Kampfsports ist, sonst würde er so manches Mal sein Leben lassen. Das Kampfsystem an sich ist sehr komplex, denn neben den Standard-Kicks beherrscht er auch allerlei Spezial- und Finishing-Moves, welche durch bestimmte Tastenkombos ausgeführt werden.
Diese können ähnlich wie in anderen Spielen à la Shenmue gegen die erhaltenen Polizeimarken, welche eine Art Missionspunkte darstellen, eingetauscht werden. Bei Nicks Prügeleien geht sehr oft etwas zu Bruch und die Schauplätze gleichen am Ende nicht gerade selten einem Schlachtfeld. Natürlich ist es möglich die diversen herumstehenden Gegenstände als Waffen einzusetzen und auf seine Widersacher zu werfen. Sollte dies jedoch nicht ausreichen, bleibt nichts anderes übrig als die Waffe zu zücken.
Eigentlich sollte Gewalt ja keine Lösung sein, erst recht nicht, wenn man ein Cop ist. Doch eben diese erzeugt manchmal Gegengewalt und das heißt bei Nick: Bekämpfe Feuer mit Feuer. Waffe geschnappt und ab gehts. Ganz wie der große Max Payne nutzt Kang beide Hände und damit zwei Waffen gleichzeitig, was dazu führt, dass er von Gegnern fallengelassene Wummen lässig per Fuß in seine Finger kickt, um so schnell wie möglich mittels Zielsystem seine Gegner zu eliminieren. Sollte dies nicht gelingen kann man durch längeres Halten der Schusstaste in den Zeitlupenmodus wechseln, in dem man via Fadenkreuz genau zielen kann, was sich gerade bei Geiselnahmen oder Verfolgungsjagden mit dem Auto und einem Schuss in die Reifen der Widersacher als äußerst effektiv erweist. Natürlich kann man seine Schusskünste ähnlich wie die Kampftechniken trainieren und erweitern.
Wer jetzt jedoch denkt, dass Nick Kang es nur auf die raue Art und Weise kann und ein wild um sich ballernder und schlagender Cop ist, der täuscht sich, denn genau dieser oben beschriebene Rowdy macht sich auch schon mal auf leisen Sohlen auf und infiltriert zum Beispiel Häuser der Mafia. Mittels Handkantenschlägen oder Betäubungspfeilen schickt er dabei störende Statisten in Nullkommanix schlafen oder bricht ihnen kurzerhand das Genick, was sich aber auf die Missionspunkte auswirkt, welche man wie oben beschrieben bekommt, um sie später eintauschen zu können.
Hersteller Activison bewirbt den Titel bekanntlich damit, dass sich nie irgendwelche Wiederholungen ergeben, wenn man das Spiel erneut beginnt. Diese These wird dadurch gestützt, dass man zwar seine Missionen erfüllen sollte, jedoch nicht zwingend muss, um im Plot voranzukommen.
Die Geschichte rund um Nick hängt also direkt vom Spieler und dessen Erfolg auf der Verbrecherjagd ab. Natürlich kann man im nachhinein die Schandflecke seiner Polizistenkarriere noch ausbügeln, denn es liegt dem Spieler jederzeit frei, einzelne Missionen anzuwählen und noch einmal zu absolvieren. Gespeichert wird im übrigen automatisch, immer wenn ein wichtiges Ereignis geschehen ist, was nahezu alle 10 Minuten der Fall ist.
Doch mal ehrlich, was nutzt die beste Story, die packendste Action und die größte Abwechslung, wenn die Inszenierung schlecht ist? Doch auch in punkto Grafik kann man den Machern keine großen Vorwürfe machen. Die schon weiter oben angesprochene Liebe zum Detail, welche sich gerade in den Locations wie Restaurants und dergleichen widerspiegelt, setzt die Action rund um Nick sehr gut in Szene.
Gepaart mit akribischer Genauigkeit in der Nachbildung der Stadt ist True Crime GTA mit Sicherheit ebenbürtig. Besonders die Animationen sind hierbei hervorzuheben. Aufwendige Texturen und sehr schön gestaltete Figuren runden das Ganze ab und verleihen dem Spiel eine gehörige Portion Realismus. Visuell kann man wohl außer einiger kleiner Kameraprobleme, welche uns während des Tests aufgefallen sind, fast keine Abstriche verzeichnen.Soundtechnisch gesehen ist das Spiel mit gehörigem Aufwand produziert. Besonders die abwechslungsreichen Hintergrundmusiken im Rap- und R&B-Style passen wie Nick Kangs Faust aufs gegnerische Auge und versetzen den Spieler atmosphärisch noch mehr in die Straßen Los Angeles. Ebenfalls gut ist die Vertonung der Charaktere, schade nur, dass auf eine Lokalisierung verzichtet und dem Spiel lediglich deutsche Untertitel spendiert wurden. Kommen wir zu dem in unseren Augen größtem Kritikpunkt: Der Steuerung. Aufgrund der Vielfalt an Bewegungsmöglichkeiten und ausführbaren Aktionen war es natürlich schwer, diese leicht und schnell erlernbar zu machen. Die Folge ist, dass man eine gewisse Spielzeit braucht, um die sehr komplexe Bedienung intus zu haben. Sobald dies jedoch der Fall ist, lässt sich Nick Kang hervorragend durch die Straßen L.A.s bewegen.
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