Viewtiful Joe - Red Hot Rumble

Review
Plattform
Vertrieb
Capcom
Entwickler
Capcom
Erscheinungsdatum
-
Genre
Kampf
USK
6
Viewtiful Joe - Red Hot Rumble [NGC , Justgamers]

Gesamtwertung

63%/10

Grafik

Befriedigend

Sound

Ausreichend

Lanzeitspaß

Mangelhaft

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Gut

Viewtiful Joe - Red Hot Rumble

Helden, die die Welt nicht braucht…oder vielleicht doch?

Das Hauptmenü gestaltet sich in locker, lässige drei Gänge und besticht durch seine Schlichtheit, was selbst den unerfahrensten Konsolenspieler nicht überfordern dürfte. Neben dem handelsüblichen Optionsfeld bleibt also nur noch der Story- und Kampfmodus, wobei wir unser Augenmerk zunächst auf ersteren richten. Ist die Einzelspielerkampagne einmal ausgewählt, entpuppen sich die einzelnen Levelabschnitte als verkappte Low-Budget-Filme, die erst noch gedreht werden müssen. Da sich unser altbackener Regisseur Captain Blue mit der Wahl des Helden sehr schwer tut, müsst ihr euch regelrecht um die jeweilige Hauptrolle „kloppen“ und die Konkurrenz unter verschiedenen Aufgabenstellungen ausstechen. Auch wenn sich der Inhalt der eher flachen Handlung an drei Fingern abzählen lässt, haben sich die Entwickler aus dem Hause Capcom dazu verpflichtet gefühlt, jene Inhalte in kurzen Textdialogen zu erläutern. Sollte der fertige Streifen letzten Endes tatsächlich das Licht der fiktiven Kinowelt erblicken, möchte man sich eventuell auftretende Augenschäden lieber ersparen.

Was die umfangreiche Aufgabenstellung betrifft, scheint es die magische Zahl „drei“ den Entwicklern wirklich angetan zu haben. Neben dem bereits erwähnten Menü, leiden auch die einzelnen Missionsziele unter diesem sonderbaren Phänomen. Getreu dem „Jäger & Sammler“ – Prinzip heißt es also: „Sammeln, überleben und kaputtmachen“. Dies zeugt nicht wirklich von Abwechslungsreichtum und so stellt sich schnell das Gefühl der Langeweile ein. Erschwerend hinzu kommt noch die Unübersichtlichkeit, welche sich rasch breit macht, wenn ihr nicht nur ein Auge auf die Kontrahenten werfen müsst, sonder auch noch „V-Punkte“ eingesammelt werden möchten und Fallen euch zusätzlich das Leben zur Hölle machen.

Doch damit haben wir noch nicht die Spitze des Eisbergs erreicht, denn der Höhepunkt stellt, bei vier Spielern gleichzeitig, den audio-visuellen Overkill dar. Hier spielen vor allem die aus dem Vorgänger bekannten „VFX-Attacken“ eine wichtige Rolle, die mit ihren knallbunten Effekten ihr Übriges tun.

Dabei wurde das Spezialattackenrepertoire um „VFX-Klang“ erweitert, bei dem riesige Lautschriftzüge für Schmerzempfinden der besonderen Art sorgen. Worte tun eben halt doch weh, wobei hier anscheinend die Aussage missverstanden wurde.

Wenn man bedenkt, dass sich Viewtiful Joe – Red Hot Rumble offensichtlich dem Spielprinzip von Super Smash Bros. Melee bediente, hätte man sich im Zuge dessen ruhig ein paar Scheiben mehr von der Konkurrenz aus dem Hause Nintendo abschneiden können. Stattdessen wird das Beat'em'Up einfach nur überladen, wobei Minigames während des Geschehens für kurze aber witzige Momente sorgen. Zum Beispiel müssen in einer Disziplin in feinster Summer Olympic Games-Manier die Controllerbuttons bis zum Fingerbluten gesmasht werden. Dies sorgt nicht nur für schmerzende Finger sondern auch für einen kurzen Augenblick der so sehnsüchtig erwartenden Abwechslung.

Wo wir schon beim fast vergessenen Thema Abwechslung wären, wissen die einzelnen Charaktere durch ihr unterschiedliches Auftreten tatsächlich zu überzeugen. Die Platte reicht von Viewtiful Joe höchstpersönlich, über Sexy Silvia, dem wohl beklopptesten Hai der Filmgeschichte Gran Bruce, bis hin zum mysteriösen Möchtegern-Samurai Kaiser Jet Black. Hier muss man Capcom ein Lob aussprechen, was die Vielfalt der einzelnen Akteure und deren jeweiligen Spezialattacken betrifft. So lassen sich wie von Zauberhand mit wenigen Knopfkombinationen (X-beliebige Steuerkreuzrichtung + ein bunter Knopf eurer Wahl) die spektakulärsten Tricks vom Stapel reißen. So versprüht jeder einzelne Charakter seinen ganz persönlichen Charme, welcher auf der Leinwand natürlich zum Besten gegeben wird.

Außerdem benötigt jeder noch so nervtötende Streifen eine entsprechende Filmkulisse, wobei die diversen Drehorte genauso abgedreht gestaltet wurden, wie es schon bei den Vorgängern der Fall war. Während ihr in einer Szene krampfhaft versucht auf einem Doppeldecker, der gerade eine super gefährliche Schlucht durchfliegt, das Gleichgewicht zu halten, müsst ihr in einer anderen Mission die verschollen geglaubte Stadt Atlantis durchschwimmen. Alles in Allem geraten diese positiven Aspekte schnell in Vergessenheit, da man seine volle Aufmerksamkeit dem chaotischen Spielgeschehen widmen muss. Leider!

Selbst die letzte Hoffnung, in Form des Kampfmodus oder auch Multiplayer genannt, zerplatzt wie eine feuchte Seifenblase. Anstatt dem Spieler die nervenzermürbenden Missionsziele zu ersparen, macht man im Grunde genommen nichts anderes als die einzelnen Singleplayerlevel erneut mit realen Mitstreitern zu durchleben.

Eine Option auf eine entspannte Prügelorgie mit bis zu vier Personen bleibt also erbarmungslos verwehrt. Dass da natürlich kein Spaß aufkommen kann, scheint so natürlich wie der allmorgendliche Gang zur Toilette.

Audiovisueller Overkill!

Wie bereits erwähnt, artet das Schlachtfeld bei mehr als zwei Spielern schnell zu einem einzigen Chaos aus, bei dem es keine Aussicht auf Besserung gibt. Mittlerweile gehört der knallbunte Comic-Look von Viewtiful Joe zum alten Eisen und kann deshalb nicht mehr so überbewertet werden, wie es damals beim erstmaligen Erscheinen der Fall war. Zwar gibt es kleine Verbesserungen, doch die einst als innovativ gefeierte Grafik wirkt mit der Zeit wie abgenutzt und findet nur noch wenig Begeisterung.

Um das „viewtiful“ Chaos zu komplettieren, fehlt also nur noch die richtige Soundkulisse. Hier sorgt die fetzig, rockige Hintergrundmusik für die nötige actionreiche und hektische Stimmung, wobei die Klangqualität darauf deuten lässt, dass die ganze Geschichte aus einem Synthesizer stammt.

Dafür werden monotone Soundeffekte beim Erscheinen der Textzeilen euer Gehör auf eine harte Zerreißprobe stellen. An diesem Punkt scheint der Knopfdruck auf den Startbutton wie ein Segen, womit die Storyerklärung gnadenlos übersprungen wird. Nostalgiker werden vermutlich in alten SNES Zeiten schwelgen, als man noch stets und ständig von diesen grauenerregenden Geräuschen begleitet wurde. Der Versuch des mehr oder weniger witzigen Spielkommentators, das Ruder doch noch einmal rum zu reißen, will auch nicht so wirklich gelingen.

Fazit

Tja was soll ich großartig an Worten verlieren? Nachdem ich stundenlang versucht habe, die eigentliche Bedeutung hinter diesem wahnsinnigen Chaos zu verstehen, scheint mir die Frage nach dem Sinn des Lebens fast schon lächerlich. Ich meine, wenn krampfhafte Versuche, Blockbuster auf heimische Konsolen zu zaubern, nacheinander scheitern, dann kann ich das noch irgendwo nachvollziehen, aber Viewtiful Joe scheint mir da ein ganz besonderer Fall zu sein. Der Erste Teil aus der Reihe bescherte Nintendo–Jüngern eine regelrechte Innovationsbombe, doch dass man die Ära eines neugeborenen Helden mit so einem Titel dermaßen verhunzen kann, hätte ich nicht gedacht. Die Charaktere haben Potential, die durchgeknallten Leveldesigns haben Potential, ja selbst der ausgelutschte Comic-Look hat Potential, doch irgendwie scheint die Summe bei der Addition nicht aufzukommen. Ich möchte mir nicht ausrechnen wie viele Punkte Viewtiful Joe – Red Hot Rumble gut gemacht hätte, wenn man sich im Kampfmodus auf stupide Kloppereien beschränkt hätte.

Viewtiful Joe - Red Hot Rumble [NGC , Justgamers]

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