Age of Mythology (PC)
Es war lange Zeit ruhig um den neusten Spross der Age of Empires- Reihe, sehr lange. Age of Mythology soll laut aktuellen Angaben am 14. November 2002 erscheinen, höchste Zeit also um die neusten Infos zum inoffiziellen dritten Age of Empires Teil zusammenzutragen. Wir konnten uns anhand einer weit fortgeschrittenen Beta-Version ein Bild davon machen, wie sich die neue 3D-Engine anfühlt und wie sich das Mythologie-Szenario auf den Spielspass ausgewirkt hat.
Ein wenig Geschichte
Vorab erst einmal ein bisschen Geschichtsunterricht: Age of Empires 1 erschien im Jahre 1997 und war sowohl grafisch und spielerisch eine echte Bereicherung für das Echtzeit-Strategiespiel-Genre und galt somit lange als Mittelalter-Pendant zu dem im fiktiven Szenario angesiedelten C&C.Der erste Teil kassierte durchweg sehr gute Bewertungen, die allesamt im 90%er Bereich angesiedelt waren. Teil 2 lies somit nicht lange auf sich warten und erschien im Jahr 1999. Die grafischen Änderungen hielten sich gegenüber dem Vorgänger arg in Grenzen, auch die moderneren Zeitepochen wirkten sich kaum auf das Spiel aus, und waren eher enttäuschend. Trotzdem war das Spiel weitgehend bugfrei, und der Multiplayer-Modus ist bis heute noch einer der beliebtesten im Strategiesektor.
Der zweite Teil Age of Kings kassierte aufgrund seiner kleinen aber feinen Verbesserungen (wie sein Vorgänger) durchweg gute Bewertungen.
Nach Age of Empires 2 wurde viel spekuliert, in welcher Zeit der neue (dritte) Teil angesiedelt sein würde. Fans machten sich vielerorts Hoffnung auf ein 1. bzw. 2. Weltkriegszenario oder sogar über eine Zukunftsepoche. Dieser Wunschgedanke musste aber schnell zu Grabe getragen werden, denn die Ensemble Studios gaben kurze Zeit später bekannt, nicht an Age of Empires 3 zu arbeiten, sondern an einem anderen Echtzeit-Strategiespiel, welches in einem mythologisch angehauchten Fantasy-Szenario angesiedelt sei.
Dies stieß vielen Fans böse auf, bis zu dem Zeitpunkt, als die ersten Screenshots veröffentlicht wurden. Diese erinnerten mehr als stark an die alten Age of Empires Teile, sie spielten halt nur in einer anderen Umgebung und waren erstmals in 3D. Ab da war klar - trotz aller Dementis - Age of Mythology ist quasi Age of Empires 3.
Namenlose Rassen? Gibt es nicht mehr!
Eines gehört in Age of Mythology endlich der Vergangenheit an: die vielen, namenlosen, oft blassen Völker, die kaum ein Spieler unterscheiden konnte. Ob nun Chinesen oder Perser, der Unterschied war oft nur marginal und grafisch nicht erkennbar. Das ist in Age of Mythology anders, insgesamt gibt es nur noch drei Völker: Die wilden Wikinger, die edlen Griechen und die mystischen Ägypter.Diese drei Völker unterscheiden sich weniger als z.B. Untote und Menschen in WarCraft 3, bieten aber aufgrund von verschiedenen Göttern, Zaubersprüchen und Kreaturen genügend Unterschiede. So hat jeder der drei Parteien unterschiedliche Götter: die Griechen können z.B. bei dem Sprung in die zweite Zeitepoche auf den Weingott Dionysos zurückgreifen, die Ägypter und Wikinger dafür auf ganz andere Götter. Die einzelnen Gebäude dagegen unterscheiden sich kaum ob nun Griechen oder Wikinger, jede Fraktion braucht Häuser zum leben und Felder für Nahrung, sowie Kasernen für das Militär.
Trotzdem ist ganz klar zu erkennen, dass die Ensemble Studios versucht haben auf das Sprichwort Weniger ist mehr zu hören .
Eingebettet sind die jeweiligen Kampagnen der drei Fraktionen (die übrigens wie bei WarCraft 3 nacheinander gespielt werden, erst Griechen dann Ägypter und Wikinger) in eine richtige Hintergrundstory. Die in der Spielengine gehaltenen Zwischensequenzen erzählen die Geschichte von Arkantos, einem Helden, der die Aufgabe hat, das geheimnisvolle Atlantis zu beschützen. Auf der Jagd nach dem Bösen Buben (einem Zyklopen) reist der Spieler um die ganze Welt (Griechenland, Ägypten und der hohe Norden), und bekommt somit schnell neue Einheiten, die den jeweiligen Ländern angepasst sind (in Griechenland also griechische Einheiten, in Ägypten Einheiten aus Ägypten und im hohen Norden Einheiten von den Wikingern). Während man die grundlegenden (eher einfachen) Missionen zu Beginn bei den Griechen absolviert, warten die dicken Brocken gegen Ende bei den Wikingern.
Aus 2D mach 3D
Grafisch sieht Age of Mythology um einiges besser aus als seine alten 2D Vorgänger. Die neue 3D Engine (genannt: Bang-Engine) von den Ensemble Studios kann sogar mit der von Warcraft 3 und Co. locker mithalten.Sie wirkt weniger comichaft und etwas ernster als die von Blizzard`s Strategie-Meisterwerk. Die Übersicht ist trotz des grafischen Quantensprungs erhalten geblieben, wieder einmal steuert man von oben bequem seine Einheiten. Wem das zu unübersichtlich wird, kann bequem rein- oder rauszoomen. Sicherlich hätten manche Gebäude oder Einheiten noch einen Tick detaillierter sein können, doch eigentlich könnte man die Grafik von Age of Mythology für Echtzeit-Strategiespiele als perfekt bezeichnen. Sie ist übersichtlich wie die alte 2D Engine, sieht um einiges besser aus und ist (komischerweise) nicht besonders hardwarehungrig.
Vor allem die diversen Zaubersprüche sehen mit der neuen 3D Engine wirklich mehr als imposant aus, ob das nun einfach herbeigezauberte Regenwolken oder Meteoriten-Hagel sind, hier passt alles.
Weiterhin genial
An dem Spielprinzip selbst hat sich so gut wie nichts verändert, warum auch, die alten Teile brillierten mit guten Basisaufbau und protzigen Schlachten.
Der Ressourcenabbau klappt nach wie vor gut, Bauern sammeln Holz, Fleisch oder Gold - Steine dagegen nicht mehr. Für die Steine wurde eine Art Mana integriert, die Ihr für die späteren Götterkreaturen ( z.B. Hydra, Zyklopen) benötigt. Die Griechen kommen an das sogenannte Mana recht leicht, indem sie ein paar Bauern zum Beten vor den Tempel rekrutieren. Die Wikinger dagegen müssen Erfahrungspunkte in Kriegen sammeln und die Ägypter bekommen das kostbare Mana, indem sie diverse Monumente in der Basis platzieren.
Mit den gewonnen Ressourcen müssen dann natürlich, wie in jedem Echtzeit-Strategiespiel, Gebäude und Einheiten gebaut werden. Dabei fällt auf, dass man bei Ensemble wesentlich Wert auf Einheiten-Upgrades gelegt hat wie im Vorgänger. Die erweisen sich dann auch im Spiel als deutlich wichtiger, wer nämlich mit kaum upgegradeten Einheiten in die Schlacht stolziert kann trotz zahlenmäßiger Überlegenheit elendig krepieren.
Nach wie vor müssen auch wieder Häuser gebaut werden, die euren Einheiten-Limit bestimmen, je mehr Häuser Ihr besitzt, desto mehr Einheiten könnt Ihr bauen. Während einfache Bauern nur einen Punkt des Einheitenlimits kosten, kann es bei den Kreaturen schon mal happig werden. Deshalb ist es noch viel wichtiger als zuvor, genau zu wissen, wie und was man ausbilden möchte. Will man eher defensiv spielen und sich auf Bogenschützen und viele Verteidigungstürme verlassen? Oder doch lieber aggressiv spielen und mit Pferden und schnellen Helden attackieren?
Die schwerste Wahl wird somit zu Beginn der Partie gefällt. Erst einmal müsst Ihr euch nämlich für jeweils einen von drei Göttern entscheiden. Jeweils drei für jedes Volk. Jeder Gott verfügt über spezielle Untergötter, für die Ihr euch nach jeder Zeitepoche entscheiden könnt. Zwei stehen dabei zur Auswahl, und je nachdem für wen die Wahl gefallen ist, bekommt Ihr bestimmte Zaubersprüche, von denen es insgesamt vier gibt und die Ihr nur ein einziges mal einsetzen könnt. Klingt alles sehr kompliziert, nach kurzer Eingewöhnungsphase weiß man aber genau, welcher Gott welche Vorteile in Offensive oder Defensive bringt, und welcher eher oder weniger dringend benötigt wird.
Klingt gut!
Neben der guten Grafik besticht vor allem der überragende Sound. Das ohnehin genial übersichtliche Menü wird durch einen stimmigen Soundtrack perfekt in Szene gesetzt, einfach ein Ohrenschmaus.
Auch während des Spiels wurde die Musik verbessert, wo früher noch eintöniges Gedudel regierte hört man hier nur noch durchweg gelungene Melodien mit ägyptischen oder griechischen Touch.
Auch die Einheiten plärren beim anklicken realitätsgetreu in ihrer jeweiligen Landessprache, was die Stimmung steigert.
Multiplayer Je mehr desto bester
Age of Empires 2 konnte vor allem aufgrund seines perfekt ausbalancierten Mutliplayer Modus überzeugen, einzig und allein die Computergegner nervten aufgrund ihrer taktischen Schwächen.
Doch das wurde in Age of Mythology geändert, auf Wunsch geraten selbst erfahrendste Strategen schnell ins schwitzen, da sich die KI in Geplänkeln äußerst klug verhält. Ansonsten bleibt alles beim alten, nach wie vor streitet man sich schnell um die (knappen) Rohstoffvorkommen und überlegt ganz genau, welchen Zauberspruch man wann anwendet.
Trotz der 3D-Engine läuft das Spiel selbst im Mutliplayer Modus fast ruckelfrei ab, doch sobald es zu Riesen-Schlachten kommt, bekommen selbst High-End Kisten leichte Probleme.

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