Bounty Bay Online
Lange Zeit war es still um das Piratengenre, haben doch Titel wie Monkey Island oder Sid Meiers Pirates! schon einige Jahre auf dem Buckel. Doch zweifelsohne erfährt genau dieses Genre dieser Tage durch die Fluch der Karibik-Triologie eine Art Renaissance, die sich auch auf das Angebot an Computer- und Videospielen auswirkt. So war die Spielgemeinde von Tortuga: Two Treasures positiv überrascht und auch im Looki-Review schnitt das karibische Abenteuer äußerordentlich gut ab. Vor einiger Zeit verkündete Frogster Interactive dann mit Bounty Bay Online das erste Piraten-MMORPG auf den Markt bringen zu wollen; hier schienen sich die Kritiker jedoch uneinig, ob das wieder entdeckte Genre wirklich schon bereit ist für eine reine Onlineumsetzung, oder nicht. Wir haben für euch am offenen Beta-Test teilgenommen.
Pirat? Nein, danke!
Zu Beginn des Spiels steht die Charakterauswahl, die sich aufgrund von vier in Bezug auf Werte und Fähigkeiten fast identischen Charakteren, nur darauf beschränkt zwischen weiblich und männlich zu wählen. Nach der Personalisierung in Haarfarbe und Gesicht beginnt die kurze Einweisung an Deck eines Schiffes, auf welchem der Spieler mit wenigen Worten in das Handeln mit Anderen sowie das Ausrüsten der eigenen Person eingewiesen wird. Nachdem dieses winzige Anfangstutorial gemeistert wurde, schnappt man sich ein kleines Boot und macht sich auf zur Heimatstadt. Hier finden sich zahlreiche NPCs die die aufkommenden Fragen beantworten sollen, was jedoch nicht immer der Fall ist. Zwar wird man so beispielsweise über die Techniken des Schiffbaus eingewiesen oder bekommt eine kurze Übersicht über die Stadt, doch ein wirklicher Anfangspunkt oder eine Einstiegsmission sucht man vergebens. Auch zusätzliche Informationen zu den Klassen fehlen, bzw. muss man sich diese selbst beschaffen. Nicht selten waren wir also auf die Hilfe erfahrener Spieler angewiesen, die uns dann aber schnell über das Nötigste aufklären konnten. Die Klassen fallen nebenbei bemerkt mit denen des Kriegers, Händlers, Abenteurers und Handwerkers zwar nicht sehr vielseitig aus, sind aber durch zahlreiche Berufe noch abwechslungsreich gestaltet.
In unserem Falle bedienten wir uns der Klasse Handwerker und wählten den Beruf eines Bergarbeiters, Schmieds und eines Holzfällers und erhielten dabei die Grundfertigkeiten zugeschrieben. Diese lassen sich später noch einmal weiter spezialisieren, denn für alle vier Stufen in der Grundfertigkeit gibt es einen so genannten Spezialisierungspunkt. Insgesamt gesehen blieben noch einige Slots für weitere Berufe frei, jedoch genügten uns die ersten drei Missionen, die uns der Handelsbeauftragte gab, vollkommen aus.. Hierbei wurde aber schnell klar, Bounty Bay Online ist nichts für Gelegenheitsspieler. So dauerte es allein eine Dreiviertelstunde um die missionsbedingten 60 Säcke Erz abzubauen. Auch das Holzfällen geht nicht schneller von der Hand, sodass bald Langeweile aufkommen kann, auch wenn der Realismus und die Arbeit die hinter dem Sammeln von Gegenständen liegt, so deutlich spürbar ist, wie in keinem MMORPG zuvor. Besonders gut gelungen sind auch die Warenmärkte, da jeder Spieler die Möglichkeit hat die gesammelten Rohstoffe oder selbst hergestellten Waren an den Mann zu bringen.
Aye, Aye, Captain!
Die Freiheiten die der Spieler nach Angaben des Entwicklers haben soll sind im Spiel in Weiten Teilen erkennbar. Die Wegfindung erweist sich dabei jedoch als schwierig und oft bleibt der Charakter auf halber Strecke an irgendeiner Ecke hängen. Die Areale sind in Amerika, Asien und Afrika, vor allen Dingen aber in Europa, außerordentlich groß gehalten. Zwar sind Vororte und Stadtteile eher klein, doch scheint die Größe der BBOnline-Welt schier unendlich.
Die spielerischen Freiheiten sind ebenfalls bei der Charaktergestaltung und der Schiffsaufrüstung spürbar. Bei Letzterer kann der Spieler von der Anzahl der Matrosen, über den Proviant und die Bewaffnung bis hin zur Galionsfigur viele Dinge individuell anpassen. Auch Kleidung und Items sind aufrüstbar, sodass Attribute und Fähigkeiten beeinflusst werden können.
Der mitunter jedoch wichtigste Aspekt des Spiels, die Seeschlacht, ist erstaunlich gut umgesetzt worden, auch wenn sich beim Test hier und da kleinere Fehler eingeschlichen hatten. Auf offener See muss dabei erst das Schiff in die richtige Position gebracht werden um die Backbord-, bzw. Steuerbordkanonen abzufeuern, was sich für Anfänger als besonders schwierig herausstellen könnte. Mit dieser Art von Gefechten vertraute Spieler sollten jedoch keine Probleme mit der Steuerung haben und im Zweifelsfall gilt es sowieso reichlich Munition an Bord zu haben.
Wirklich störend wirken sich lediglich die oftmals zu stark geratenen Gegner aus, die den Spieler innerhalb von wenigen Minuten auf den Meeresgrund befördern. Ab und an entschied sich auch ein als friedlich bezeichnetes Schiff dazu uns einfach zu versenken. Entermanöver resultieren im Nahkampf, der sich vom Landkampf nur darin unterscheidet, dass man feste Ziele, wie beispielsweise Taue angreifen kann um das Entermanöver zu beenden. Leider sind diese Kämpfe zu Beginn noch etwas eintönig, können doch Spezialangriffe erst mit entsprechenden Skills ab einem bestimmten Erfahrungswert genutzt werden
Im Gildenbereich besteht darüber hinaus noch viel Handlungsbedarf. Sei es nun die Auswahl an Gildenflaggen, die einfach viel zu klein geraten ist, oder auch einige kleinere Text, bzw. Übersetzungsfehler. Der Gildenangriff sollte ebenfalls optimiert werden, ist es doch einer schwachen Gilde beispielsweise nicht möglich eine stärkere anzugreifen. Somit kommt es erst sehr spät zu Gildenkämpfen, da viele der gegründeten Vereinigungen schon weit aus erfahrener sind, als die eigene. Als wirklich gelungen kann man indes die Tatsache bezeichen, dass eine Gilde eine komplette Stadt besetzen und so Geld durch Steuereinnahmen erwirtschaften kann. Auch der Ausbau ist möglich und sogar erforderlich, will man die Stadt vor feindlicher Übernahme schützen. Weiterhin kann man im späteren Verlauf in Gildenkriege ziehen und sogar nationale Kriege, wie die Schlacht des Osmanischen Reiches gegen Griechenland, führen.
Einfach karibisch!
Die Grafik ist indes sehr ansprechend und zweckgemäß gehalten worden. Die Atmosphäre der einzelnen Städte, sei es nun Alexandria, Beirut, oder Athen überzeugt auf ganzer Linie. Die musikalische Hintergrunduntermalung passt ebenfalls zur Umgebung. Bugs waren in diesem Bereich, bis auf das Steckenbleiben des Charakters in der Landschaft, relativ selten zu entdecken. Lediglich der Übergang von Tag in Nacht wirkte etwas ruckartig und einige Texturen an Schiff und Bauwerken überzeugen noch nicht hundertprozentig, was jedoch den Spielfluss nicht mindert.
Ersteindruck
Schön, dass es nach einem Fantasie-, SciFi- und Mittelalterszenario endlich auch das Piraten- MMORPG geschafft hat, zahlreiche Spieler zu begeistern. Zwar besteht an einigen Ecken für den Entwickler noch Handlungsbedarf, um den Titel konkurrenzfähig zu halten, jedoch überwog die Tatsache in einer schier unendlichen Welt herumzureisen, spannenden Seeschlachten auszufechten und in einem gelungenen Handelssystem Geld zu verdienen bei der Bewertung. Als wirkliche Unruheherde konnten wir nur das Quest- und das Gildensystem ausmachen. Momentan müssen ebenfalls noch einige Balancing- und Traffic-Probleme behoben werden. So war Athen zu Stoßzeiten durch zahlreiche Lags die mittlere Hölle.Alles in Allem sollte Käufern des Spiels jedoch klar sein, dass Gelegenheitsspieler in der komplexen und vielseitigen Welt von Bounty Bay Online fast verloren sind. Die Rohstoffgewinnung, die Reisen oder auch das Handeln nehmen sehr viel Zeit in Anspruch, sodass man schon einige Stunden investieren muss um gegen andere zu bestehen.
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