Castle Strike
Der 100-jährige Krieg forderte in Europa von 1337 bis 1453 mehr Opfer, als jeder Krieg zuvor. Zwei Drittel der europäischen Bevölkerung starben im Krieg, verhungerten oder erlagen den zahlreichen Krankheiten. Kein schöner Ort also für harmlose Computerspieler wie wir es sind. Doch wird sich das für viele bald ändern: Derzeit werkelt Related Designs (No Mans Land) an einer Umsetzung dieser Epoche zu einem 3D Echtzeitstrategiespiel, Castle Strike.
In Castle Strike übernehmt ihr die Rolle eines jungen Ritters namens Thorwald und angehöriger der Familie Rabenhorst. Eure Aufgabe ist es nun in 27 Aufbau-, Belagerungs-, Kampf- und Kommandomissionen die Familienehre wieder herzustellen. Besonderer Wert wurde natürlich auf die Aufbau- und Belagerungsmissionen gelegt. Genre-typisch dürft ihr dort eure Ressourcen sammeln, Burgen aus dem erwirtschafteten Stein errichten und eure Armeen rekrutieren. Besonderen Bezug suchten die Entwickler zur Realität, entgegen Genre-Kollegen wie Stronghold, denn in einer Burg finden nur die Gebäude neben der Festung, dem Kern eurer Burg, Platz, die zu einer Verteidigung und zur Ausbildung einer Armee benötigt werden. Dazu gehören Bognereien, in der Bogenschützen und leichte Armbrustschützen ausgebildet werden, Kasernen für die Ausbildung von Speerträgern, Kundschaftern oder Axtkämpfer und auch Gebäude wie die Zisterne. Letzteres Gebäude ist sogar unabdingbar für eine Verteidigung: Ohne Zisterne können die Bewohner eures Dorfes keine Brände bändigen. Passiert es also, dass ein gegnerischer Brandpfeil in eines eurer Häuser einschlägt, brennt es nieder ohne, dass wir es verhindern können. Mit Zisterne sieht das natürlich anders aus: automatisch begeben sich die Dorfbewohner von ihrer Arbeitsstelle zur Zisterne, füllen die Wassereimer und marschieren zum nächsten Brand. Erforscht man dazu noch die Wasserkette, bilden die Bewohner eine Reihe und verkürzen somit die Zeit, die zur Löschung benötigt wird.
Doch halten mit Mauerkronen versehene Burgmauern mit hohen Türmen solche Brandpfeile effektiv ab, kommen dadurch doch erst die gegnerischen Pfeile gar nicht in Reichweite oder beschäftigen sich lieber mit dem ankommenden Pfeilhagel von der Burgmauer.
Neben den Burggebäuden gibt es noch die verschiedenen Gebäude zur besseren Erwirtschaftung der Ressourcen.
Grundsätzlich kann man seine Ressourcen auch mit nur einem Dorfzentrum durch seine Dorfbewohner zusammentragen lassen, das Sammeln wird allerdings beschleunigt, wenn in der Nähe des Steinbruchs der Steinmetz untergebracht wird. Ganz anders ist es bei dem hoch geschätzten Gold, das bekommt ihr nur, wenn ihr einen Steuereintreiber samt Büro euer Eigen nennen könnt. Je nach Höhe der von euch festgelegten Steuern arbeiten die Dorfbewohner langsamer oder schneller, beides hat seine Vorteile. So ist es bei Ressourcenknappheit besser, die Steuern niedrig zu halten um schnell Nachschub geliefert zu bekommen. Doch freuen sich die Bewohner nicht sofort über die Steuersenkung, falls sie vorher zu hoch war. Vorerst bleiben sie so langsam wie bisher und ändern ihr Verhalten erst, wenn die Steuersenkung eine Weile hält. Besonders gut gelungen ist die Steuerung der Einheiten, militärische als auch zivile. Dorfbewohner marschieren nach ihrer Ausbildung sofort zur nächsten Arbeits- bzw. Baustelle und verweilen dort, bis wir ihr eine neue Aufgabe zuweisen.
Bei militärischen Einheiten muss man zwar vorher die Befehle manuell verteilen, doch gestaltet es sich bei passenden Einstellung recht einfach, seine Armee unter Kontrolle zu halten. Der Held, in unserem Falle Thorwald, bildet beispielsweise einen Banner und schart damit eine Gruppe Soldaten um sich, die durch die Zusammengehörigkeit mit dem Helden zusätzliche Bonusse erhalten. Ohne Held verläuft es ähnlich wie in den Genre-Vettern: Gruppenformationen auswählen, Einheitenverhalten festlegen und Gruppennummer einstellen und fertig ist die Kampftruppe.
Neben den militärischen Grundeinheiten die für die Verteidigung eurer Burg äußerst wertvoll sind, wie Bogenschützen und Schwertkämpfer, gibt es natürlich noch eine Vielzahl von Belagerungswaffen. Kanonen, Belagerungstürme, Katapulte, Ballisten, Rammböcke oder einfach nur Sturmleitern ermöglichen euch die Einnahme feindlicher Bollwerke. Sogar Pioniere finden ihren Einsatz: Sie graben aus der Entfernung einen Tunnel unter die Burgmauern und gelangen somit zum Tor, unter dem sie eine Sprengladung anbringen. Der Weg ist also frei für unsere Bodentruppen, die sich zu Pferd, zu Fuß und mittels Bogenschützen auch aus der Entfernung an die anrückenden Gegnerhorden machen.
Eine immer wichtige Rolle, auch bei Strategiespielen, spielt die Grafik. Gleich dem Spruch Das Auge isst mit. Castle Strike scheint damit keine Probleme zu haben. Die Grafik ist anschaulich, liefert viele Details und vermittelt dem Spieler eine eindrucksvolle Atmosphäre rund um die Burg- oder Dorfgrenze, wie friedlich grasende Rehe, auf Wanderer wartende Bären oder einfach nur etliche Bäume oder Blumen.
Wo das Auge auch eine große Rolle spielt, ist die Übersicht. Eigentlich in jedem Spiel hoch geschätzt, doch nicht immer so wie gewünscht umgesetzt. Castle Strike glänzt dagegen durch einfache Handhabung: über ein zentrales Menü steuere ich die einzelnen Gebäude, forsche dort mögliche Upgrades, erstelle Einheiten oder plane mittels des Mauermenüs Burgmauern und errichte neue Türme. So muss ich nicht ewig die Kaserne suchen, um die Einheiten während einer Schlacht schnell zu produzieren, sondern habe immer alle möglichen Einheiten die ich produzieren kann im Blick und kann ohne viel Zeit neue Ausbildungen in Auftrag geben.
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