Dead Space
In unserer Erinnerung lagern noch die mahnenden Worte des Electronic Arts-Geschäftsführers John Ricitiello, der im Juli letzten Jahres die weisen Worte sprach: Wir langweilen die Leute zu Tode. Wie recht er doch hat durchschnittliche Fließbandsequels wie Need for Speed: ProStreet wechseln sich mit uninspiriert wirkenden Spielen á la Medal of Honor: Airborne ab, gehen über brechend viele Sims-Addons und enden bei groben Umfug wie Boogie. Nicht gerade das, was man vom ehemals größten Branchenriesen eigentlich sonst erwarten dürfte. Da kommt ein befreiender Schlag in die gelangweilte Magengrube der Zocker doch zur rechten Zeit. Etwas was die Spielergemeinde jedem Unternehmen zugetraut hätte, nur eben Electronic Arts nicht. Und was sollen wir sagen: Dead Space scheint wirklich genau dieser kompromisslose Befreiungsschlag zu sein, auf den das Unternehmen und auch die Spieler so lange gewartet haben. Der horrorhafte Survival-Trip versetzt Euch in die virtuelle Haut des Raumschifftechnikers Isaac Clarke, der eigentlich nur zu einem Routineauftrag die kühlen Gänge der USG Ishimura betreten sollte.
Niemand wird Euch schreien hören!
Kaum angekommen, bietet sich dem gelangweilten Mechaniker ein ungewöhnliches Bild: Sturmfrei, keine Sau da! Statt aber eine wilde Party mit jeder Menge alkoholischer Getränke und halbnackten oder nackten, you decide! - Miezen zu feiern, beschließt Clarke, der Sache im Inneren, auf der Hülle sowie in der Schwerelosigkeit rund um der Ishimura auf den Grund zu gehen eine fatale Entscheidung, wie sich schon bald herausstellen wird, denn der rohstoffsammelnde Planet Cracker wurde von einer grauenhaften, extraterrestrischen Rasse heimgesucht, die nichts mit den freundlichen Wasserköpfen mit ihren großen Glubschaugen zu tun hat, die wir sonst eigentlich als Außerirdische kennen.
Die bis dato noch namenlose Spezies, die sich im späteren Verlauf als sogenannte Necromorphs heraustellt, hat nicht nur nahezu sämtliche Crewmitglieder aufs Brutalste dezimiert, sondern ist nun auch in ekelerregenden und gefährlichen Körperteil-Symbiosen darauf aus, uns als Teil ihrer netten Transformationsmethoden in ihr Sortiment aufzunehmen. Ganz allein sind wir auf unserem Trip zwar nicht - immerhin soll es mindestens sechs NPCs geben, die Ihr auf Euren Streifzügen durch das Geisterschiff findet -, aber eine allzu große Hilfe dürfen wir von den computergesteuerten Charakteren höchstens bei den hier und da eingestreuten Rätseln - wohl nicht erwarten.
Fast genau so wenig wie vom Spiel an sich: HUD-Anzeigen gibt es keine, stattdessen informiert Euch ein Display auf den Schießprügeln über die Menge der aktuellen Restmunition, wohingegen eine Art Lebenslinie in Balkenform den derzeitigen Gesundheitszustand des Helden sichtbar werden lässt. So und mithilfe unzähliger gut platzierter Skriptsequenzen will Electronic Arts den Spieler möglichst tief ins Geschehen eintauchen lassen, ohne ihn mit überflüssigen Anzeigen abzulenken. Wir finden: Ein wenig Ablenkung wäre bei solch grauenerregenden Kreaturen aber echt nicht schlecht.
Schleimige und teils fahl wirkende Hautoberflächen, mit zuweilen bizarr abstehenden Gliedmaßen und aus dem Korpus hervortretende menschliche Kopf- und Gesichtsumrisse sind nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Ekelkabinett, würg! Versteht sich von selbst, dass Clarke sie von ihren hässlichen Visagen befreien will: Echte Ballermänner gibt es dabei aber abgesehen u.a. von der TK-Gun, die an die aus Half-Life 2 bekannte Gravity Gun erinnert, eher wenige, stattdessen konzentriert sich das Gameplay vorrangig auf das Zerschneiden von Gegnern. Alle, die kein Blut sehen können und/oder bei der USK arbeiten, sollten schon einmal die Augen schließen: Mit einem Schneidewerkzeug trennt Clarke den widerlichen Monstren Extremitäten und Häupter ab, bis nur noch ein blutiger Torso den Boden mit dickflüssigem Lebenssaft vollsudelt. Keine Frage: Da sich die außerirdischen Viecher auf keine andere Art und Weise so recht erledigen lassen wollen, erscheinen selbst Zensuren als unmöglich, vielmehr dürfte der einfache Weg gegangen werden, Dead Space gleich gar nicht oder vorzeitig ohne Freigabe, aber mit drohender Indizierung in Deutschland zu veröffentlichen. Optisch macht uns der als gruseligstes Survival-Horror-Spiel aller Zeiten angekündigte Titel jedenfalls kein Kopfzerbrechen: Hier sind Könner am Werk!
Ersteindruck
Ich liebe Filme wie Alien und Event Horizon, stehe auf härtere Maßnahmen, wenn es um Völkerverständigung geht und habe Eier aus Stahl - mit anderen Worten: Ich bin wie gemacht für Dead Space! Wenn es Euch auch so geht, dann bitte, behaltet den Titel gut im Auge, denn zerbrechliche Warmduscher dürften schon nach den ersten Metern ohne Clarke zu Mutti rennen und sich ausheulen. Die Idee mit dem Schneiden finde ich klasse, jetzt bedarf es nur einer guten Handlung, sich nicht abnutzende Schocksequenzen und eines ausreichenden Umfangs. Dead Space soll zu Halloween für den PC, die PlayStation 3 und die Xbox 360 erscheinen.

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