Die Siedler - Das Erbe der Könige
Wir konnten uns auf der Games Convention selbst ein Bild vom fünften Teil der Siedler-Serie machen, dessen Spielwelt nun nach über elf Jahren zum ersten Mal komplett dreidimensional daherkommt. Welche Eindrücke wir aus Leipzig mitgebracht haben und ob sich das neue Siedler überhaupt noch wie ein Teil der Serie spielt, erfahrt in unserer Preview...
Wer hätte nach der Veröffentlichung des ersten Siedler Teils vor über elf Jahren gedacht, dass Blue Bytes Vorzeigeprojekt jemals den Sprung in die dritte Dimension schaffen würde? Wohl kaum einer. Schließlich hatte man sich ja an die knuffigen Siedler mit ihrem ganz eigenen Grafikstil gewöhnt.
Nach Ubi Softs Ankündigung, im fünften Teil der Siedler-
Serie komplett auf eine 3D-Optik umzustellen, waren die Bedenken der treuen Fans groß: Was wird aus dem berühmten Wuselfaktor? Kommt noch genügend Siedler-Flair rüber?
Wir waren anlässlich der Games Convention bei Ubi Soft vor Ort und ließen uns von Blue Byte eine bereits sehr weit fortgeschrittene Version von Die Siedler Das Erbe der Könige vorführen. Und eins steht fest: Die neuen Siedler stehen ihren 2D Vorbildern in nichts nach.
Die Welt der Siedler war ein idyllisches Fleckchen Erde. Das monotone Klappern der alten Mühle und die dumpfen Schläge, mit denen die Bergleute den Stein aus dem Felsen schlugen, waren die einzigen Laute, die sich Tag für Tag unter das rege Treiben im Dorf mischten.
Nichts ahnend, dass der schwarze Ritter Mordred bereits Pläne schmiedete, den Platz auf dem Thron der Könige des alten Reiches einzunehmen, lebten die Bewohner des kleinen Dorfes Thalgrund so Tag aus Tag ein. Auch unser Held Dario ahnte nichts Böses. Bis zu dem Tag, an dem ihn eine seltsame Unruhe überkam.
Mordred gab seiner Armee den Befehl zum Angriff. Kaum einer im Umland Thalgrunds überlebte die Heerscharen an Kriegern, die eines Nachts über die schlafenden Bauern und Arbeiter herfielen und selbst vor dem König des alten Reiches nicht halt machten. Dario, der durch Mordred seine Eltern verlor, schwor dem schwarzen Ritter Rache. Doch was sollte eine Handvoll ausgehungerter Bauern gegen die übermächtige Armee Mordreds anrichten? Zeit für uns, das Ruder in die Hand zu nehmen.
Denkt man an Aufbaustrategie, denkt man automatisch auch an Die Siedler. Das war vor mehr als zehn Jahren so, und wird sich auch mit dem fünften Teil der Serie nicht ändern. Wie bereits bei den Vorgängern liegt der Schwerpunkt beim Gameplay im Auf- und Ausbau des eigenen Dorfes. Dazu stehen mehr als 60 unterschiedliche Gebäude bereit, von denen jedes für sich noch einmal um mindestens eine Stufe ausgebaut werden kann. Dementsprechend langwierig aber keinesfalls langweilig gestaltet sich auch der Aufbau einer gut funktionierenden Basis.
Wie jedes Aufbaustrategiespiel, das etwas auf sich hält, kommt Die Siedler Das Erbe der Könige natürlich auch mit einem Technologiebaum daher, der die Köpfe der Gelehrten im Dorf für einige Zeit zum Rauchen bringt. Neue Erfindungen können in der Welt der Siedler nämlich nur in der Universität gemacht werden, wo Akademiker für euch den ganzen Tag rechnen, skizzieren und tüfteln.
Bisher kannte ich diesen Satz eigentlich nur von Kollegen, die nach einer durchzechten Nacht mal wieder für den Newsdienst eingeteilt wurden. Seit uns Blue Byte allerdings die Siedler anspielen ließ, weiss ich, dass die Ausrede bereits im Mittelalter zog. Alle Siedler verfügen nun nämlich über eine Müdigkeitsanzeige über ihrem Kopf, die angibt, wie lange der kleine Wicht noch mit voller Energie arbeiten kann.
Geht der Wert gegen Null, muss er sich eine Runde schlafen legen oder im nächstgelegenen Bauernhof einen Happen Brot einschieben, bevor er sich wieder mit voller Energie seiner Arbeit zuwenden kann. Damit das ganze für den Spieler nicht in Chaos ausartet, legen die Siedler von selbst Pausen ein, sofern sie nicht die Anweisung zum Durcharbeiten bekommen haben. Da die Produktivität unter Schlafmangel oder Hunger enorm leidet, sollte man seine Siedler auch nur in Notfällen zum durchschuften verdonnern.
Wie im echten Leben gilt: Je erholter man an die Arbeit geht, desto mehr kommt dabei am Ende rum. Ebenso verhält es sich mit den Steuern, die jeder Bürger der Stadt zu bezahlen hat. Setzt man diese zu hoch an, sinkt die Motivation der Arbeiter und damit deren Ertrag. Zu niedrige Steuern fördern zwar die Zufriedenheit, bringen aber unter Umständen zu wenig Geld in die Kriegskassen. Hier gilt es den gesunden Mittelweg zwischen Zufriedenheit und Reichtum zu finden.
Mit halb verhungerten Bauerntölpeln in den Krieg zu ziehen macht ohne die richtige Führung ungefähr genau so viel Sinn, wie sich Samstag mittags auf der Games Convention alleine bis zum WoW- Stand durchzuschlagen zu wollen. Das Reich des alten Königs braucht daher mutige Helden, die sich dem Kampf gegen Mordred stellen. An forderster Front steht da natürlich Dario, der Hauptcharakter des Spiels, der sich für den Tod seiner Eltern rächen will. Ihm zur Seite stehen fünf weitere Mitstreiter, bei denen Blue Byte sich allerdings noch nicht bei allen in die Karten schauen lassen wollte.
Das besondere an allen Helden in der Siedler-Welt sind die unterschiedlichen Fähigkeiten, die jeder einzelne von ihnen beherrscht. Der garstige Zwerg Pilgrim legt beispielsweise mit Vorliebe Sprengsätze, die verborgene Minen oder Tongruben freisprengen können. Dario kann dagegen einen Falken losschicken, der aus der Luft Einblicke in die nähere Umgebung des Dorfes geben kann und das Umland, das Anfang noch unter einen schwarzen Schleier (Fog of War) verborgen ist, aufdecken.
Seit jeher musste man bei den Siedlern die Größe seines Territoriums ausfechten. Wirklich viel musste man dabei in der Vergangenheit aber nicht tun. Man schickte einen kleinen, mit Helm und Schwert bewaffneten Siedler an die Grenzposten des Gegners, dort schlugen sie sich die Köpfe ein und der Sieger zog mit einem breiten Grinsen von dannen. Im fünften Teil der Serie darf der Spieler endlich etwas mehr in den Kampf einschreiten. Um einen Hauptmann herum formt man nun seine eigene Armee, die mit jedem gewonnen Kampf auch an Erfahrung gewinnt. Dabei kann man auf zahlreiche Nah- und Fernkampfeinheiten zurückgreifen, die in der richtigen Mischung zu einer schlagkräftigen Truppe verschmelzen. Damit lassen sich neue Haupthäuser erobern, die die maximale Anzahl an Einheiten erhöhen, oder natürlich Mordreds Truppen schwächen, ehe man ihm persönlich den letzen Todesstoß versetzt.
Besonders gefallen hat uns dabei die Art wie die Erfahrung verteilt wird. Es bekommen nämlich nicht alle Einheiten Erfahrungspunkte zugeteilt, sondern immer nur der Hauptmann der Truppe.
Sofern er überlebt, bleibt der Erfahrungsbonus selbst für eine komplett neue Armee erhalten, sofern sie unter der Führung des erfahrenen Hauptmanns steht. Daher sollte man darauf achten, dass man spätestens dann den Hauptmann aus einem Kampf zurückzieht, wenn alle anderen eigenen Einheiten gefallen sind.
Ein Feature worauf die Macher von Die Siedler Das Erbe der Könige besonders stolz sind, ist das dynamische Wetter im Spiel. Strahlender Sonnenschein, Regen, Nebel und Schnee geben sich im Verlauf der Missionen die Klinke in die Hand. Doch dabei peppt das dynamische Wetter die Missionen nicht nur optisch auf. Jede Witterung hat auch Einfluss auf das Spiel. Stellt euch vor, ihr baut euer Dorf an einer Stelle, wo es auf einer Seite von hohen Bergen geschützt ist und auf der anderen Seite ein strömender Fluss den Gegner vor einem Einmarsch abhält. Im Sommer mögen eure Bewohner vor feindlichen Angriffen geschützt sein, was aber wenn der Winter einsetzt und der Fluss plötzlich zufriert? Da gerade dieser Aspekt des Spiels enormen Einfluss auf das Gameplay hat, habt ihr in den späteren Missionen sogar die Möglichkeit selbst Herr über das Wetter zu werden. Wie genau ihr ganze Armeen ertränken könnt, wird aber natürlich nicht verraten...
Viele hatten im Vorfeld Angst, dass beim Wechsel auf eine 3D-Optik viel vom Siedler-Flair verloren geht. Der Detailverliebtheit der Grafiker sei Dank, ertappt man sich auch im fünften Teil selbst dabei, wie man seinen Siedlern einfach nur bei der Arbeit zuschaut und das eigentliche Spiel komplett außer acht lässt. Blue Byte nennt das den Aquarium-Effekt.
Egal wo man hinschaut, dampft, zischt oder bewegt sich etwas. Die Grafik erlaubt dabei stufenloses Zoomen und überrascht selbst in der nahsten Ansicht durch liebvoll animierte Siedler und viel Liebe fürs Detail. Zwar waren in der uns präsentierten Version noch nicht alle Animationen im Spiel vorhanden, aber selbst das, was wir bis jetzt gesehen haben, räumte alle Zweifel von wegen fehlendem Siedler-Flair beiseite. Als absolutes Minimum muss dafür aber auch ein Prozessor mit mindestens 1.2 GHz und eine halbwegs aktuelle Grafikkate in Form einer GeForce 3 oder Radeon 8500 in eurem Rechner stecken.
Ersteindruck
Ubi Soft ist mit dem fünften Teil der Siedler Serie auf dem richtigen Weg. Lange hätten sich die Fans die unzähligen Mission Packs für den Vorgänger wohl auch nicht mehr angetan. Dazu war das Spielprinzip und vor allem die Grafik einfach zu ausgelutscht.Flair hin Flair her, heutzutage gibt es vor allem im Aufbaustrategiegenre bessere Alternativen.
So gesehen bin ich begeistert wie Blue Byte es geschafft hat das typische Siedler-Feeling mit allen Vorzügen der heutigen Genrestandarts zu verknüpfen. Eine Menge unterschiedliche Gebäude, dazu unzählige Ausbaustufen und das Ganze so zu verpacken das selbst Einsteiger nicht am Micromanagement scheitern, reicht gemeinhin schon für ein gutes Aufbaustrategiespiel. Wenn das Ganze dann noch mit einer schicken Grafik und ein paar frischen Ideen daher kommt, hat man den sicheren Hit eigentlich schon in der Tasche.
Wer übrigens keine Lust oder schlichtweg kein Geld hat, sich selbst ein Exemplar der Siedler zu kaufen, kann es sich vom Weihnachtsmann unter den Baum legen lassen. Bis dahin, so versicherte uns Blue Byte, steht das Spiel nämlich sicher im Handel.
So, und ich hab jetzt Hunger, bin müde und brauch ne Pause...
VIDEO
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