Doom III
Der enge Gang liegt im Halbdunkel, die Luft ist stickig und heiß, es ist totenstill. Langsam schreiten wir den Korridor entlang. Plötzlich ein knarzendes Geräusch. Vorsichtig, das MG im Anschlag, schleichen wir zur Ecke und blicken langsam in den Raum. Puh, es ist nur eine vergilbte Neonröhre, die gemächlich hin und her schwingt und gespenstische Schattenspiele auf den Fußboden projeziert. Beruhigt machen wir einen Schritt in den Raum und gehen zielstrebig auf die nächste Tür zu. Moment mal, warum schwingt eine Lampe einfach hin und her ohne Wind oder Erschütterung ??? ... Doch da ist es schon zu spät, das halbverweste Monster, das hinter uns zu Boden plumpst hat schon seine messerscharfen Klauen erhoben und setzt zum tödlichen Schlag an. Wer in solchen Situationen kalte Füße oder Panikanfälle bekommt, sollte es sich wohl zweimal überlegen, ob er den Shooter Doom III kauft, denn Schreckmomente oder blanke Horrorszenarien sind dort an der Tagesordnung.
Monsters Inc.
Das texanische Entwicklerstudio id software sorgt nun schon seit gut 10 Jahren bei deutschen Jugendschützern für graue Haare und ist bei Spielern für die Produktion ebenso hochwertiger wie gewalttätiger Actionspiele bekannt. Nun haben die Mannen um Quake Urvater John Carmack mit Doom III ihr neuestes Werk am Start. Nach dem Multiplayerausflug mit Quake 3 Arena, kehren die Jungs nun wieder in heimische Singleplayergefilde zurück: Die Story des Spiels, das praktisch ein Remake des ersten Teiles darstellt, ist relativ schnell erzählt: Ihr arbeitet als Soldat für die Union Aerospace Cooperation, die auf dem Mars eine Forschungsstation betreibt.
An einem ganze normalen Arbeitstag öffnet sich im wahrsten Sinne des Wortes plötzlich das Tor zur Hölle, denn ein Teleporterexperiment geht fürchterlich schief: Aus einem schreckliches Portal strömen grausame Bestien heraus, die nur eines im Sinn haben: Jegliches menschliches Leben in der Basis auszurotten. Da steht ihr nun also, nichts weiter als eure Dienstpistole in den Händen und nehmt es mit einer der schaurigsten Gegnerscharen der PC Geschichte auf. In Doom III seid Ihr ausschließlich in Innenlevels unterwegs, die Marsoberfläche bekommt Ihr lediglich manchmal durch die Fenster zu Gesicht. Doch dies ist nicht im Geringsten ein Nachteil, denn die Räume sind allesamt sehr detailliert und realistisch gestaltet. Um dem Geheimnis der Forschungsstation auf den Grund zu kommen, wagt ihr euch immer weiter in die unteren Eben vor. Dabei ist nicht ausschließlich Ballern pur angesagt: Die meistens haushoch überlegenen Gegner veranlassen auch zu behutsamer Vorgehensweise, denn in jedem Schatten könnte der nächste Schock lauern. Natürlich versuchen die Entwickler dabei ganz gezielt, menschliche Urängste anzusprechen. Ständig brechen Monster unvermittelt durch Wände oder schleichen sich heimtückisch an, um dem Spieler mit einer Sprungattacke den Gar auszumachen. Das Gruselkabinett reicht bom gewöhnlichen Zombies, die bis vor kurzem noch harmlose Wissenschaftler waren über diverse Dämonen wie den Feuerbälle-schleudernden Imp bis hin zum brandgefährlichen Hell Knight. Doch nicht nur von vorne oder hinten müsst Ihr Gefahr fürchten: Die spinnenartigen Trites seilen sich bevorzugt von Vorsprüngen oder aus Lüftungsschächten ab und die Lost Souls sausen blitzschnell durch die Luft, um mit ihren messerscharfen Fängen auf euch niederzuschnellen. Oft müssen eingestürzte Gänge umgangen oder ausgefallene Generatoren repariert werden.
Sobald ihr an ein Bedienfeld oder einen Schalter tretet, wird die Waffe automatisch ausgeblendet und ein Mauszeiger erscheint. Mit diesem lassen sich bequem Zahlenkombinationen eingeben oder Knöpfe betätigen. Allerdings könnt Ihr darauf wetten, das euch das Programm genau dann einen Gegner in den Rücken zaubert, wenn ihr gerade konzentriert mit einem Schaltplan beschäftigt seid. Nicht immer müsst ihr das Spiel ganz alleine bestreiten. Einmal trefft Ihr beispielsweise auf einen total verstörten Wissenschaftler, den es sicher durch ein gefährliches Level zu begleiten gilt. Manchmal stehen Euch auch Überlebende des Sicherheitspersonals kurzzeitig im Kampf bei.
Schattenwelten
Plötzliche Schockeffekte werden, wie schon angedeutet, eine sehr wichtige Rolle im Spiel übernehmen. Die eigens für Doom III programmierte Grafikengine ermöglicht realistische Licht- und Schatteneffekte, wie man sie zuvor in dieser Form noch nicht zu sehen bekam. Durch die Stencil Shadows-Technik wirft jedes noch so kleine Objekt einen realistischen Schatten genau im richtigen Verhältnis zur entsprechenden Lichtquelle. Dabei ist es völlig egal ob Gegenstand, Person oder Lichtquelle starr oder frei beweglich sind. Kombiniert mit einer hervorragenden Physikengine ergeben sich ganz neue Möglichkeiten: Stößt der Spieler beispielsweise gegen einen Tisch, purzeln ein paar darauf liegende Dosen realistisch zu Boden und werfen tanzende Schatten an die Wand dahinter. Lediglich eine Taschenlampe wird euch helfen, gelegentlich etwas Licht in das immer wieder bedrückende Dunkel zu bringen. Nachteil: Mit der Glühfunzel in der Hand seid ihr völlig wehrlos gegen plötzliche Angriffe! Auch sonst ist Klotzen statt Kleckern die Devise. Zwar bestehen Spieler und Gegner im Spiel nur aus etwa 1500 Polygonen, doch bei der Programmierung wurde jedes Modell aus über 250.000 Polygonen erstellt. Aus diesen Daten legt die Engine in Echtzeit bis zu sieben Texturen auf die Oberläche. Dies ermöglicht trotz der am Ende relativ groben Modelle realistische Strukturen wie Hautoberflächen oder auch klaffende Wunden und zwar in nie gekanntem Detaillreichtum.
Nicht nur grafisch, sondern auch akustisch wird das Gruseln perfekt gestaltet. Eine ständige Geräuschkulisse aus Surren, Klappern, Kratzen oder Poltern ist schon alleine durch ihre Anwesenheit nervenaufreibend. Wenn man dann unvermittelt das gemächliche Schlurfen eines herannahenden Zombies näherkommen hört, ihn aber nirgendwo lokalisieren kann, ist dies oft spannender als wenn man direkt einem der Ungetüme gegenüber steht. Doom III wird zudem das erste PC Spiel sein, in dem vollwertiges Echtzeit-berechnetes Dolby Digital zum Einsatz kommt.
Wer also das Glück hat, eine neue 3D Soundkarte samt sechs hochwertigen Lautsprechern sein Eigen zu nennen, wird dank Rundumbeschallung den Vorteil haben, nicht nur Entfernung sondern auch die Richtung herannahender Gefahren abzuschätzen. Also ist Sound nicht nur ein netter Nebeneffekt sondern oft lebensrettend. 'Wenn Du nicht genau aufpasst oder die Geräusche eines sich nähernden Zombies ignorierst, bist Du so gut wie tot! so Timm Willits, Lead-Designer bei id software. Obwohl Doom III primär auf den Singleplayerpart ausgerichtet ist, werden auch Mehrspieler-Fans auf ihre Kosten kommen. Bis zu vier Spieler können auf entsprechend kleinen aber durchdacht designten Karten im Deathmatch gegeneinander antreten.
Auch hier kommen die Fähigkeiten der Grafikengine voll zur Geltung: Zahlreiche dunkle Stellen laden zum Campen ein und per Abschalten von Stromgeneratoren können sogar ganze Levelabschnitte in pechschwarze Finsternis getaucht werden. Zwar schafft auch hier die Taschenlampe Abhilfe, doch hinter der nächsten Ecke könnte ein anderer Spieler nur darauf warten, dass man die Waffe wegsteckt. Ob zum Deathmatch-Modus noch weitere Varianten hinzukommen werden, ist noch nicht sicher. Auch ambitionierte Bastler sollen nicht zu kurz kommen: Neben einem umfangreichen Editor wird es auch möglich sein, den ganzen Programmcode einzusehen, um zu verstehen wie die Entwickler bestimmte Effekte und Tricks einsetzen. Bereits jetzt befinden sich zahlreiche Modprojekte in der Entwicklungsphase - Tendenz steigend.
Ersteindruck
Ganz klar, Doom III wird ein Topspiel. Zwar ist die Spielmechanik eher konventionell, Waffen und Gegner sind zumeist recycelt und auch der Multiplayermodus macht zunächst keinen sehr spektakulären Eindruck. Doch das Spiel setzt auf Atmosphäre und hat dies ausperfektioniert: Schockeffekte am laufenden Band, nervenaufreibende Dunkelpassagen sowie der exzellente Sound dürften selbst hartgesottensten Horrorfans einen kalten Schauer über den Rücken jagen. Zart besaitete Zeitgenossen sollten lieber die Finger von Doom III lassen, allen anderen empfehle ich bis zum Erscheinungstermin im Frühjahr ihren PC sofern noch nicht vorhanden mit einer vollwertigen Sourriund-Sound-Anlage aufzurüsten. Denn nur so wird man in den vollen Genuss der hochwertigen Soundkulisse kommen bevorzugt in einem abgedunkelten Raum um Mitternacht...
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