Empire: Total War
Schon seit neun Jahren existiert die bekannte, beliebte und äußert erfolgreiche Total War-Reihe. Angefangen mit mit dem unscheinbaren Shogun zur Jahrtausendwende begeistert der Echtzeit-Rundenstrategiemix in regelmäßigen Abständen die Herzen begnadeter Strategen. Der kommende Ableger, Empire, brach dabei mit der Tradition, dass ein Nachfolger immer zwei Jahre nach dem Erscheinen des Vorgängers in den Läden steht. Im Fall von Empire hat die Entwicklung länger gedauert. Während der Games Convention 2007 angekündigt, wird der potentielle Bestseller erst im März 2009, also kommenden Monat erscheinen. Schlimm? Nein. Schade? Nicht wirklich. Vor allem wenn man bedenkt, wie viel Arbeit die Entwickler in ihr neuestes Werk gesteckt haben - und damit sind nicht nur die neu dazugekommenen Seeschlachten gemeint.
Schöner, größer ... noch größer
Eins vorweg: sehr umfangreich war die uns zur Verfügung stehende Anspiel-Version nicht. Neben kleineren Boden- und Seeschlachten hatten wir jedoch die Möglichkeit einen genaueren Blick auf die Kampagne "The Road to Independence" (dt. "Der Weg zur Unabhängigkeit") zu werfen.
Diese ist in drei Kapitel aufgeteilt und dient zugleich als Tutorial für Strategen, die noch nicht mit der Spielmechanik der Total War-Reihe vertraut sind. Die Geschichte dieser Einstiegs-Kampagne reicht von der Erstbesiedelung des nordamerikanischen Kontinents durch Großbritannien über die Kriege mit Frankreich und den Indianern bis hin zum amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, wo man schlagartig die Seiten wechselt und mit George Washington und seiner Kontinentalarmee gegen die britischen Besatzer kämpft.
Neben diesem mehr als umfangreichen und stimmigem Tutorial wird man in der Verkaufsversion selbstverständlich auch die sogenannte große Kampagne in Angriff nehmen können, die Total War-Fans sicherlich schon aus den Vorgängertiteln bekannt ist. Hier sucht man sich eine von 12 Nationen des 18. Jahrhunderts aus und leitet fortan ihre Geschicke auf der strategischen, rundenbasierten Weltkarte, dem Herzstück eines jeden Total War-Spiels. Die spielbare Welt in Empire ist übrigens deutlich größer ausgefallen als in den Vorgängern - von Nordamerika über Europa bis hin nach Indien wird einen der Weg führen, sofern man die Eroberung der Welt im Sinne hat.
Die Feder ist mächtiger als das Schwert
Aber zurück zur Tutorial-Kampagne nach Nordamerika. In der Rolle des britischen Imperiums haben wir uns schon weiter ins Landesinnere vorgearbeitet, wo wir allerdings nicht sonderlich herzlich empfangen werden. Ob es an unseren knallroten Uniformen liegt, oder daran, dass wir den Eingeboren das Land stehlen und ohne zu fragen gleich jeden abknallen, wir wissen es nicht. In unseren Expansionsweg haben sich einerseits die Indianer gestellt, die es nicht gerne sehen, wenn weiße schnurrbärtige Bleichgesichter ihre grünen Wiesen zertrampeln und dann auch noch unsere Erzfeinde, die Franzosen. Die wollen natürlich auch für sich ein Stück der neuen Welt ergattern, und wenn man nebenbei auch noch einpaar Engländern den Allerwertesten versohlen darf, pourquoi pas? Bei dieser Konstellation ist Ärger natürlich vorprogrammiert. Jetzt ist es an uns: wir können uns entweder entscheiden den diplomatischen Weg zu gehen und die Gemüter aller Parteien besänftigen, oder wir lassen unsere Kanonen und Musketen sprechen.
Der Aussagekraft dieses Artikels willen wählen wir erstere Möglichkeit und lassen uns prompt auf trilaterale Verhandlungen ein. Die Unterscheiden sich von denen der Vorgänger in dem Sinne, dass man keine Diplomaten mehr über die Strategiekarte hin- und her schicken muss. Die komplette Diplomatie läuft ähnlich wie in Civilization in Fenstern ab, in denen wir mit unseren Kontrahenten kommunizieren. Dabei stehen uns mehrere Gesprächsoptionen zur Verfügung. So können wir etwa einen Handelsvertrag anbieten, Durchgangsrechte für militärische Einheiten verlangen, eine Allianz vorschlagen, Krieg erklären oder dem Gegenspieler ein Geschenk in Form von Golddublonen oder vielleicht auch einer ganzen Provinz machen. Egal für welche Vorgehensweise man sich entscheidet, eins muss man im Hinterkopf behalten - der Gegenspieler ist nicht dumm. Wer also denkt mit jedem Angebot und jeder Forderung so durchzukommen, dass er einfach 500 Dublonen als Geschenk ranhängt, wird schnell mit der im Vergleich zu den Vorgängern um Längen verbesserten KI konfrontiert. Auch andere Patzer wie z.B. ohne nachvollziehbaren Grund erklärte Kriege sollen in Empire nicht mehr vorkommen. Während unserer Testpartien machte die Diplomatie jedenfalls schon einen mehr als soliden Eindruck.
Außer um Beziehungen zu den Nachbarn muss man sich auf der Strategiekarte natürlich vorrangig um das eigene Reich kümmern. Das heißt Städte verwalten, Truppen rekrutieren, Armeen sinnvoll positionieren und Forschung betreiben. Alle diese vier Management-Aspekte wurden für den neuen Total War-Sprössling generalüberholt - das Grundprinzip bleibt jedoch bestehen. Damit keine Revolten ausbrechen, müssen die Einwohner einzelner Städte stetig bei Laune gehalten werden. Neu ist die Einteilung der Bürger in zwei Bevölkerungsgruppen, Ober- und Unterschicht. Für beide Gruppen muss separat der Steuersatz festgelegt werden, wobei man immer auf Ausgewogenheit achten muss. Zahlen die Reichen fast nichts und die Armen finanzieren hingegen den Großteil des Staatsbudgets, werden schnell Rufe nach Revolution laut. Will man hingegen Sozialpolitik betreiben und die Unterschicht nur wenig Steuern zahlen lassen, im Gegenzug aber die Reichen kräftig in den Geldbeutel langen lassen, verlieren letztere mit Sicherheit nach einiger Zeit die Geduld. Neben Steuersätzen kann man die Bevölkerung auch mit bestimmten Bauten wie Theatern oder Freudenhäußern erfreuen, oder auch verärgern - denn wer will schon einen Galgen an jeder Straßenecke stehen haben? Je nach Größe der Stadt kann man innerhalb der Stadtmauern bis zu sechs Gebäude platzieren, alle weiteren - auch das ist neu - werden außerhalb der Stadt platziert.
Das sieht nicht nur schick aus und füllt die Strategiekarte mit Leben, es werden dadurch auch ganz neue Strategien ermöglicht. Musste man bis dato noch jede Stadt einige Runden lang belagern, bis der gegnerische General seine Stellung aufgegeben hat, kann man jetzt einfach die landwirtschaftlichen Betriebe im Umland erobern und den Gegner von seiner Nahrungsmittel- und Rohstoffzufuhr abschneiden. Das zwingt ihn seine sicheren Stadtmauern zu verlassen und sich uns uns direkt auf dem Schlachtfeld zu stellen. Im Gegenzug müssen wir natürlich auch auf unsere Betriebe aufpassen und unsere Divisionen dementsprechend sinnvoll auf der Strategiekarte positionieren.
Imperium forscht
Wie gewohnt darf man man mit der Zeit die meisten Gebäude ausbauen und somit z.B. deren Produktion steigern - eine Dorfmühle aus Palisaden-Zeiten kann ja schlecht eine fluorierende Großstadt versorgen. Werden die Stufen von Militärgebäuden angehoben, erhält man wiederum Zugriff auf neue und bessere Einheiten. Aber das Ausbauen von Gebäuden ist in Empire: Total War nicht der einzige Weg, um an neue Technologien und Einheiten zu kommen.
Erstmals in der Geschichte der Reihe darf man nämlich selbst forschen. Das läuft ähnlich wie bei Anno ab; man errichtet eine Schule, in der man auf drei verschiedenen Gebieten forschen darf: Militär, Industrie und Ideologie. Alle drei Gebiete haben ihre eigenen Forschungsbäume, die man nach und nach, genügend Ressourcen vorausgesetzt, abarbeitet und so neue Gebäudeverbesserungen, Einheiten-Upgrades oder gar Staatsformen freischaltet. Apropos Staatsformen - die darf man wie in Civilization ebenfalls selbst bestimmen. Wer kein Fan von absoluten oder konstitutionellen Monarchien ist, der darf gerne eine Republik anführen - inklusive eigener Regierung, die man selbst zusammenstellen muss. Dabei sollte auf die spezifischen Vorteile eines jeden Politikers geachtet werden. Finanzexperten spülen auf dem entsprechenden Ministerposten mehr Geld in die Staatskasse, erfahrene Kriegsminister bringen wiederum Boni bei der Truppenausbildung.
Seekrank
Neben der Kampagnenkarte haben wir selbstverständlich auch einige Land- und Seeschlachten gespielt. Erstere unterscheiden sich von den Vorgängern gameplaytechnisch so gut wie garnicht - was natürlich nichts Schlechtes bedeutet, sie sind nach wie vor exzellent inszeniert und grafisch sowie animationstechnisch aufpolliert worden. Einige Neuerungen: Infanterietruppen dürfen nun Gebäude auf dem Schlachtfeld einnehmen und den Gegner von dort unter Beschuss nehmen sowie hinter diversen Objekten wie Karren oder Zäunen in Deckung gehen. So kann man effektiv feindlichem Beschuss ausweichen.
Wie auch schon in den Vorgängern ist meistens der Befehlshaber im Vorteil, der es versteht das Terrain sinnvoll zu nutzen - Hügel, Wälder und sonstige Landschaftsmerkmale können oft entscheidend für den Ausgang einer Schlacht sein. Nicht wirklich verstecken kann man sich dagegen auf hoher See. Hier muss man vor allem auf die Windrichtung, die Auswahl des richtigen Kanonenkugeltyps sowie die präzise Ausrichtung des Schiffes achten. Zwar geben die Seeschlachten atmosphärisch sowie grafisch einiges her, oft bedarf es jedoch nerviger Kleinarbeit und eines umständlichen hin- und hermanövrierens bis man endlich eine vernichtende Breitseite abfeuern kann. Spätestens wenn das gegnerische Schiff jedoch erfolgreich gekapert werden kann, sind die Strapazen wieder vergessen.
Ersteindruck
Wenn es ein Spiel gibt, auf das ich mich 2009 am meisten freue, dann ist es Empire: Total War. Schon mit den Vorgängern, insbesondere mit Medieval 2 habe ich mehrere Monate am Stück verbracht, ohne der Langeweile zu verfallen. Und selbst nachdem ich für einige Zeit schon genug Weltoberungen absolviert habe, startete ich das Spiel oft einfach mal nur so, um eine der fantastischen Schlachten zu führen. Sowas nenne ich Langzeitspaß. Und genau der wird auch bei Empire im Vordergrund stehen. Erweitertes Städtemanagement, eigene Forschungen, neue Staatsformen, die verbesserte Diplomatie-KI und die riesige Spielwelt, all das wird zur Langzeitmotivation beitragen, Strategie-Fans viele schlaflose Nächte bescheren und immer wieder zum wiederholten spielen einladen. Bei so vielen strukturellen Änderungen vergisst man fast die neu eingeführten Seeschlachten. Die sind wie gesagt zwar sehr schön inszeniert, sorgen aber immer wieder für Frustmomente - entweder man verliert den Überblick, oder man schippert minutenlang um das gegnerische, sich ebenfalls bewegende Schiff herum und versucht die Kanonen auszurichten um einen Treffer zu landen. Hier werden viele Spieler wohl oft zum automatischen Auswürfeln greifen. Bis zum Release Anfang März sollten die Entwickler von Creative Assembly allerdings noch bei der Gegner-KI der Landschlachten etwas Hand anlegen. Im Gegensatz zur Diplomatie-KI könnten die computergesteuerten Armee-Generäle etwas mehr Grips vertragen. Ansonsten kann man sich jedoch wieder auf ein Strategie-Meisterwerk par exellence freuen.









