Fable: The Lost Chapters
Fable wurde immerzu als Rollenspielrevolution und als Verkörperung von Innovation und Spielspaß angekündigt und war nicht ohne Grund eines der sehnlich erwarteten Spiele der letzten Jahre. Die Xbox- Fassung war eher Schein als sein, doch was die Entwickler von Lionhead in die PC-Umsetzung des Spieles stecken, kann sich sehen lassen und kann ohne Zweifel überzeugen. Wir konnten Fable: The Lost Chapters bereits jetzt Probespielen und haben unsere Eindrücke in einer umfassenden Preview zusammengefasst.
Ein strahlender Held stolziert durch die Stadttore, das markante Gesicht geprägt und der Körper gestählt vom Kampf, Kinder schreien vergnügt seinen Namen und tanzen um ihn herum, die Frauen liegen ihm willenlos zu Füßen und überhäufen ihn mit Heiratsanträgen, während einige Gatten derer vor Neid erblassen und sich beschämt zurückziehen, da sie wissen, dass sie gegen einen gottesgleichen Mann wenig Chancen haben. Was sich im ersten Moment anhört wie der Alltag eines Justgamers-Redakteurs ist die Anerkennung, die man sich im Verlauf vom Rollenspiel Fable durch noble und große Taten verdient. Fable: The Lost Chapters ist die PC-Umsetzung des Solo-Rollenspiels Fable, das den Schwerpunkt des Gameplays ganz klar auf Action legt. Man kämpft in Fable beinahe ausschließlich allein, abgesehen von gelegentlichen Quests, die man mit Wachen, Söldnern oder anderen NPCs bestreiten kann.
Noch nie da gewesen ist die Art, in der sich das alter Ego des Spielers verändert. Neben dem Verteilen von Charakterwerten, wirkt sich jede Aktion auf das Spielgeschehen und den Charakter aus. Schlägt man sich als Krieger durch, vernarben der Körper und das Gesicht - Magier sind an den glühenden Extremitäten zu erkennen. Trifft man durchgängig böse Entscheidungen, wie das Töten von Unschuldigen, Diebstahl oder Einbruch, wird der Gesamteindruck des Helden dunkler und es wachsen ihm Hörner; Helden die meist gute Taten vollbringen, werden von einem Heiligenschein gekrönt und von Schmetterlingen umflattert - so kann jeder Außenstehende direkt sehen, in welcher Weise man das Spiel bisher angegangen ist.
Die Möglichkeiten mit der Welt zu interagieren sind so zahlreich wie interessant: Wenn der Held genug Ansehen genießt, ein Haus hat und dazu auch noch attraktiv ist, stehen die Chancen gut, dass die Frauen (oder homosexuelle Männer) gleich den Pakt der Ehe mit ihm eingehen wollen. Häuser stehen in beinahe jeder größeren Stadt zum Kauf; diese kann man ausbauen und weitervermieten oder für sich und seine Gattin selbst beanspruchen.
Sollte einmal der Mangel an freien Häusern zu groß werden, kann der böse Held einfach zur Waffe greifen und sich der Bewohner annehmen: Häuser sowie Geschäfte ohne Besitzer kann man mit etwas Gold im Beutel übernehmen. Wenn man allerdings die Dienste des Geschäftes weiter beanspruchen will, jedoch eher der Typ ist, der für sein böses Image zu sorgen hat, schleicht man sich nachts einfach in die Geschäfte und stielt die begehrten Waren. So kommt man beinahe bargeldlos durchs Leben - und das ohne Kreditkarte. Wird man allerdings bei solch einer Tat erwischt, hagelt es saftige Strafen, die je nach Schwere der Tat von Geldstrafen bis hin zum Rauswurf aus der Stadt reichen können.
Vom Bauernjungen zum größten Held aller Zeiten.
Fable: The Lost Chapters beginnt recht harmlos: Als kleiner Junge werdet ihr von eurem Vater gebeten ein Geschenk für eure Schwester zu besorgen, die an diesem Tag ihren Geburtstag feiert. Schon gleich zu Beginn muss man sich, um an die drei Gold für das Geschenk zu kommen, zwischen guten und bösen Taten entscheiden: Beim Erkunden der Stadt Oakvale trifft man auf allerhand Menschen und deren Probleme, die man als angehender Held natürlich versucht zu lösen. Man trifft auf einen Rowdy und sein Opfer, auf einen Mann, der seine Frau betrügt und ein Mädchen, das ihren Teddybären sucht. Nun hat man jedes Mal die Wahl, ob man dem Rowdy oder seinem Opfer hilft, das Bestechungsgeld des Fremdgehenden annimmt, oder seiner Frau von seinem Betrug erzählt und den Teddy des kleinen Mädchens zurückgibt oder ihn lieber zu Geld macht. Gute Taten verbreiten sich schnell in diesem kleinen Dorf; und für jede Wohltat erhält man eine Belohnung von seinem stolzen Vater. Aber diese Idylle ist, wie man es schon ahnt, nur von kurzer Dauer. Wie Schwesterherz es vorausgesehen hat, wird das Dorf von Banditen niedergebrannt. Der Junge verliert alles - Heimat, Familie, Lebenswille - und wird von einem mysteriösen Magier verschleppt, der ihn in eine noch mysteriösere Heldengilde bringt, wo nun das Abenteuer seines Lebens beginnt.Die Heldengilde ist der Ausgangspunkt der meisten Quests in Fable. An der Landkarte beim Gildenmeister bekommt man so genannte 'Questkarten' auf denen Aufgabe, Ziel und Informationen beschrieben sind. Die Aufgaben des künftigen größten Helden von Albion sind sehr abwechslungsreich und reichen von Rettungsaktionen, Geleitschutz, Auftragsmorden und anderen rollenspieltypischen Aufträgen bis hin zu Aktionen wie 'Wenn du dich frisiert, schenk ich dir meine Tochter.', 'Trete die Hühnchen soweit du kannst, und du bekommst ein Fesches Hühnerkostüm' oder 'Stehe unzählige Runden in der bockschweren Arena durch und werde reich und berühmt.' Viele dieser Aufgaben lassen sich sowohl in guter als auch in böser Manier bewältigen. Dass Fable nicht nur stringent die Geschichte weiterführen will, wird immer wieder durch kleine lustige Nebenquests bewiesen. Da ist zum Beispiel das eben erwähnte Hühnerspiel zu erwähnen. Während man vorher schon von aller Welt liebevoll 'Chickenchaser' genannt wird, kann man in diesem Auftrag einem Hühnertretfestivalveranstalter helfen, einen spukenden Geist von seinem Gelände zu vertreiben, um die Spiele wieder beginnen lassen zu können. Die Einladung, doch mal mitzumachen, lässt man sich natürlich nicht entgehen und gewinnt nachdem man einigen Hühnern ordentlich in den Allerwertesten getreten hat, einen schicken Hühnerhut.
Einen Titel wie 'Chickenchaser' lässt man sich als Held allerdings nicht so gerne hinterher rufen, so kauft man sich einfach heldenhafte Titel wie Runemaster, Ranger, Gladiator, Deathbringer, oder ...ja... Arseface. Allerhand solcher Kleinigkeiten bringen extrem viel Spaß und Abwechslung in das Spiel.
Lernen zu kämpfen er muss
Das Kampfsystem ist ebenso einfach wie praktisch. Alle Aktionen lassen sich durch simples Knöpfchendrücken ausführen, so wechselt man ebenfalls ganz schnell vom Nahkampf zum Fernkampf. Ebenso einfach lassen sich Zaubersprüche herbeirufen, da man eine frei belegbare Symbolleiste, auf die man auch Emotionen und Gegenstände legen kann, zur Verfügung hat. Taktisches Vorgehen ist in den häufigen Kämpfen eher weniger verlangt, später allerdings weisen sich als Krieger Zaubersprüche die die Schlagkraft oder Schnelligkeit erhöhen als unabdingbar heraus.Typische Klassen gibt es in Fable nicht, es ist jedoch ratsam sich auf etwas zu spezialisieren, da ein Hybrid aus allen drei Fähigkeitenbereichen schwerer zu bedienen ist und weniger Schaden macht. Die drei Fähigkeiten Kraft, Beweglichkeit und Wille kann man in der Heldengilde 'einkaufen'. Wie viel Erfahrungspunkte auf das jeweilige Konto kommen, bestimmt ihr durch euer Kampfverhalten. Ist man ein reiner Nahkämpfer, wird die 'Kraft'-Erfahrung erhöht, feuert man gerne mal ein paar Pfeile ab, die 'Beweglichkeit'-Erfahrung, setzt man lieber Magie ein, vergrößert sich die Zahl Eures 'Wille'-Kontos.
Erfahrung bekommt man durch das Erledigen von Quests und von so genannten 'Orbs' die getötete Gegner fallen lassen. Interessant gemacht ist das Speichersystem von Fable. Innerhalb einer Quest kann man nur seinen Helden speichern, das heißt: Alle Charakterwerte, Erfahrung und Gegenstände werden gespeichert, die Welt um den Helden wird allerdings auf den Zeitpunkt vor Questantritt zurückgesetzt. Das zwingt den Spieler bei einem Fehlschlag zwar die Quest noch einmal neu zu beginnen, doch behält man den Fortschritt des Helden bei, was den gelegentlich aufkommenden Frust stark mindert.
Zwischen den Quests kann man seinen Fortschritt jedoch Speichern, wie man es aus anderen Spielen gewohnt ist. Insgesamt gesehen stirbt man relativ selten, da man sich früh angewöhnt immer reichlich von den günstigen Heiltränken einzukaufen, die dem Helden beim richtigen Gebrauch ein langes Leben garantieren.
Eine gelungene Umsetzung
Laut Presseberichten ist die Fassung, die wir spielen durften zu 75-80% fertig, die Vorteile der Heimcomputer-Version liegen allerdings jetzt schon klar auf der Hand: Die Grafik hat sich enorm verbessert. Dank doppelter Texturauflösung sieht das Spiel noch schöner aus. Die Spielzeit von Fable wurde mehr als verdoppelt, wenn nicht sogar verdreifacht. Die sechs Stunden Spielzeit der Vorgängerversion wurden dank vieler neuer Quests auf gut 15 bis 20 Stunden verlängert. Eines der wichtigsten Features des Spiels - die Möglichkeiten der Charaktergestaltung - wurden vergrößert. Das Kampsystem ist dank Maus und Tastatur viel Präziser als das mit dem Xbox-Gamepad der Fall ist, dies macht sich vor allem bei dem Umgang mit dem Bogen bemerkbar. Außerdem möchte Lionhead noch an der Gegenstandsverwaltung und dem generellen Gameplay schrauben. Das Spiel kann also nur noch besser werden, als es jetzt schon ist.Wie sieht's aus?
Technisch gesehen bewegt sich Fable in der unteren Oberklasse der aktuellen Spielegeneration. Die Grafik ist wirklich schön geworden. Eine gelungene Spielarchitektur, gepaart mit schicken Animationen, interessanten Schauplätzen und scharfen Texturen ergeben ein rundum zufriedenstellendes Gesamtbild. Auch die Wetter- und Magieeffekte unterstreichen die mystische Atmosphäre von Fable, die selbst auf durchschnittlichen Heimrechnern gut zur Geltung kommen sollte. Man kann sich an den wirklich schönen Bildern, die man während und zwischen den Quests geboten bekommt, auch nach mehreren Stunden Spielzeit nicht satt sehen.
Fable: The Lost Chapters (12 Bilder)
Auch akustisch hat Fable einiges zu bieten. Ein gelungener Soundtrack begleitet den Helden auf seinem edlen Weg durch Albion. Denn, was wäre ein Held ohne Lieder? Zu der schönen und passenden Titelmusik des außergewöhnlichen Rollenspiels gesellt sich eine äußerst gut gemachte Synchronisation der Spielfiguren. Es kommt nie der Eindruck auf, dass die Sprechpaten ihren Text einfach nur emotionslos herunterrattern; eher das Gegenteil ist der Fall: Die Sprecher tragen stark zur Atmosphäre des Spieles bei. Abgerundet wird die Gesamtkomposition mit variablen Zurufen der Bewohner Albions und gehörgangschmeichelnden Waffen- und Umgebungseffekten. Und wenn sich der Held ab und zu einmal in extravaganter Art und Weise lobpreisen lassen möchte, macht er sich auf den Weg in die nächste Taverne und heuert einen Barden an, der ihm für wenige Goldstücke ein Lied über seine bisherigen Heldentaten trällert.
Ersteindruck
Uns steht ein wirklich schönes, abwechslungsreiches Rollenspiel vor der Tür, das es in der Form noch nicht gab. Lionhead hat die Wünsche der Fans nicht achtlos beiseite getan, sondern erstellt mit Fable: The Lost Chapters für den PC ein quasi ganz neues Spiel mit unglaublich vielen neuen Features und verlängerter Spielzeit. Das Spiel ist allerdings ganz klar für jene konzipiert, die sich mit Rollenspielen nicht so sehr befassen und mehr auf Action und Story stehen, als auf das akribische Verteilen von Charakterwerten. Ich allerdings freue mich sehr auf die fertige Version und bin gespannt, was die Entwickler dieses jetzt schon äußerst spaßigen Spieles noch aus ihrer Schatzkiste kramen werden und werde mich mit Vergnügen ein weiteres Mal in die Welt von Albion begeben, um der größte Held zu werden, den es jemals gab.
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