GC 08: Black Mirror 2
Viele Adventure-Hasen sind sich sicher: Black Mirror war anno 2004 der Genrebeitrag des Jahres. Das Spiel schaffte es durch seine düstere Atmosphäre, die spannende Inszenierung und nicht zuletzt den genialen Twist am Ende, viele Rätselfreunde in seinen Bann zu ziehen. Wir schreiben das Jahr 2008 und haben den Nachfolger, der langsam mal fällig wurde, auf der Games Convention begutachten dürfen.
Der dunkle Spiegel der Seele ...
Das Leben hat für unseren Protagonisten Darren bisher keine allzu großen Überraschungen bereit gehalten, ist er doch ein stinknormaler Typ, der in einer stinknormalen Stadt sein Dasein fristet und in einem stinknormalen Fotoladen arbeitet. Seinem schmierigen Chef Fuller hätte der Physikstudent schon gerne lange ins Gesicht gesagt, was er von ihm und seinen niedrigen Gehaltsauszahlungen hält, doch dafür liebt Darren das Fotografieren viel zu sehr. Es ist das Einzige, was ihn noch in diesem Laden hält nicht gerade viel zum Glücklichsein. Umso gepackter ist Darren dann von der geheimnisvollen Engländerin Angelina, die eines Tages den Fotoladen betritt. Wir alle kennen dieses Gefühl: Sie wirkt wie ein Geschöpf von einer anderen Welt, mit einer Klasse und Eleganz, die man nicht in Worte fassen kann, um ihr gerecht zu werden.
Unser Held verschießt sich sofort in die junge Dame, die er zuvor noch nie gesehen hat. Was liegt also näher, um sie zu bedienen und ein erstes Gespräch mit ihr zu beginnen? Die Zeit des Speed-Datings ist aber schnell vorbei, als Fuller Darren unter einem Vorwand in die Stadt schickt der komische Kauz bevorzugt es, Angelina selbst zu bedienen.
Als der wortkarge Student wieder zurückkommt, schafft er es gerade noch, sie zu einem persönlichen Fotoshooting zu überreden. Nachdem er die Schönheit von dannen ziehen lässt, fällt ihm ein mysteriöser Mann auf, der die Frau zu verfolgen scheint. Ehe er reagieren kann, wird Angelina das Opfer des Unbekannten. Darren weiß nicht warum, verdächtigt aber Fuller der Verstrickung in diesen Mord. Tagelang plagen ihn Albträume, die ihn dazu veranlassen, nach Willow Creek zu reisen ein verschlafenes Nest und Schauplatz des ersten Teils.
Selbstverständlich darf das Black Mirror Castle nicht fehlen, in dem bereits Samuel Gordon, der Hauptcharakter aus dem Vorgänger, seinen Verstand verlor. In der Vorführung verriet man uns, dass nicht nur der Schauplatz ist an den ersten Teil angelehnt ist, sondern Black Mirror 2 welches übrigens zwölf Jahre später angesiedelt ist - trotz des gewechselten Protagonisten noch einiges mehr mit dem Original gemeinsam hätte. Dies bestätigt unsere Vermutung, die wir nach dem bisher veröffentlichten Artwork hatten auf diesem sieht man Darren in einen unheilvollen Spiegel starren. Anstatt sein eigenes Bild vor sich zu sehen, blickt jedoch Samuel auf ihn zurück. Was hat es damit auf sich? Diese Frage beschäftigt uns seit der Präsentation, die zwar nicht allzu lang andauerte, aber schon einen vielversprechenden Blick auf Black Mirror 2 gestattete. Natürlich werden echte Details zur Geschichte noch unter Verschluss gehalten.
Optisch deutlich aufgebohrt
Mit anderen Worten: Wir wissen diesbezüglich genauso viel wie Ihr jetzt. Was wir allerdings zu sehen bekamen, war größtenteils überzeugend: Die Schauplätze wurden in einem realistischen Stil und äußerst detailliert gehalten vor allem die coolen Wettereffekte haben uns gefallen, die sogar Auswirkungen auf Innenräume zeigen. Blitzt es beispielsweise außerhalb des Black Mirror-Schlosses, dringt die Beleuchtung auf Objekte innerhalb des Screens, in dem wir uns bewegen - schicke Schattenwürfe und hell erleuchtete Gegenstände sind die angenehme Folge. Doch auch der Regen ist nicht nur reine Staffage, sondern macht unseren Helden auch gehörig nass wenn es hart auf hart kommt, zeichnen sich sogar Dreckspuren auf Darrens Kleidung ab. Optisch hat Black Mirror 2 also einen gehörigen Satz nach vorne gemacht, wenngleich die steifen Animationen der Figuren mit der restlichen Qualität nicht mithalten können. Da dies jedoch dem frühen Entwicklungsstadium der angepeilte Release ist im dritten Quartal 2009 - zu verschulden ist, sind wir optimistisch, dass sich auch hier noch einiges tun wird.
Schade: Von den Rätseln haben wir bisher noch rein gar nichts gesehen gerade die hätten uns interessiert. Bekannt ist immerhin, dass man auf ausreichend Hilfestellungen zurückgreifen kann, darunter auch die bekannte Hotspot-Anzeige, die Euch auf Tastendruck alle mehr oder minder relevanten Interaktionsmöglichkeiten auf dem Bildschirm einblendet. Auf seiner Reise verfügt Darren übrigens über eine im Postkartenstil gehaltene Übersichtskarte, auf der wir uns nach Wunsch mit einem Klick an verzeichnete Locations begeben dürfen, ohne dafür lange Laufwege in Kauf nehmen zu müssen.
Ersteindruck
In Black Mirror hatte ich mich schon verliebt, bevor es überhaupt erschien: Eine damalige Preview wurde wie im Rausch von mir verschlungen, ehe die Vollversion veröffentlicht wurde. Und nun, nach mehreren Jahren Abstinenz vom Black Mirror Castle freue ich mich auf den Nachfolger wie ein Fuchs auf seine Beute: Eine vielversprechende Geschichte, mysteriöse Verquickungen mit dem Original und eine deutlich verbesserte Optik lassen den Hit-Zeiger schnell senkrecht stehen. Einzig und allein von den Rätseln hätten wir gerne etwas gesehen - in welche Kerbe Entwickler Cranberry Production hier einschlagen will, lässt sich aktuell noch nicht abschätzen. Ich hoffe aber auf ähnlich gescheite Knobeleien wie im ersten Teil. Was mir zu sagen bleibt, ist, dass sich alle Genrefans warm anziehen sollten - denn es wird kalt und schön düster.

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