GC 08: Dawn of War 2
Von der Presse als eines der besten Strategietitel des Jahres 2004 gefeiert, setzte Warhammer 40.000: Dawn of War in spielerischer, wie auch in grafischer Hinsicht, im oftmals von schwachen Budgettiteln überfluteten Genre neue Akzente. Zweifelsohne ein Überraschungshit, den die etablierte Spieleschmiede Relic vor gut vier Jahren aus dem Ärmel zauberte und deren Fortsetzung unter Genreliebhabern wohl ebenso heiß erwartet wird, wie das jüngst von Entwickler Blizzard angekündigte Starcraft 2. Doch wer wird das Rennen um den Genrethron machen? In unsrer Preview geben wir einen Ausblick wie die Chancen für Dawn of War II stehen.
Krieg der Welten
Die Schlachtfelder des 41. Jahrtausends brennen wieder, doch dieses Mal tobt der Kampf um die Vorherrschaft der Galaxis im Aurelia-Sektor, einem Teil des Universums, welches aus einem Verbund verschiedener kleinerer Welten besteht, am Rande der selbigen. Orks, Space Marines, Eldar und die neu integrierte Rasse der Tyraniden, die den Spielern im Vorgänger nur durch eine Modifikation zugänglich gemacht wurde, heißen dabei die Kontrahenten, die nur eines zum Ziel haben: Die eigene Rasse erhalten und alle anderen dem Erdboden gleich machen.
Dies ist somit im Groben die Aufgabe des Spielers in der Rolle eines Kommandeurs der ausgewählten Rasse, welche er durch eine von vier Kampagnen begleitet. Die Betonung liegt im letzten Satz dabei eindeutig auf dem Verb, schaffte man im Hause Relic kurzerhand das klassische RTS-Konzept mit Basisbau und Massenproduktion von Einheiten ab und ersetzt es ähnlich wie in Company of Heroes gehandhabt durch ein squadbasierendes.
Somit umgeht man die trägen Anfangsminuten einer jeden Mission, die mit dem Aufbau von Hauptquartier und Kasernen sowie dem traditionellen Ressourcensammeln vergeudet wurden, legt den Fokus auf einzelne Einheiten, die mit zunehmender Zeit an Bedeutung gewinnen, und räumt Rollenspielaspekten größere Bedeutung ein. Doch erst einmal der Reihe nach.
Wie im oberen Abschnitt bereits beschrieben, verzichtet man im zweiten Teil der Dawn of War-Serie gänzlich auf einen Basisbau und dem Sammeln von Rohstoffen. Stattdessen erhält der Spieler zu Beginn einer jeden Mission einige wenige Squads, die er den Aufgaben entsprechend durch die selbige führt.
Dabei gewinnen diese zunehmend an Erfahrung, werden kampferprobter und steigen in ihrem Rang, was sie zu wertvollen Gefolgsleuten macht. Wertvoll auch deshalb, weil sie über die Mission hinaus auch in weitere Einsätze mitgenommen werden können, wodurch das Überleben des gesamten Teams stets im Vordergrund steht. Kanonenfutter gibt es somit nicht und jede einzelne Einheit bekommt eine besondere Bedeutung zugesprochen; die Entwickler sprechen dabei von einer engeren Bindung von Spielfigur zu Spieler, ähnlich einem Rollenspielhelden.
Helden im klassischen Sinne gibt es so gesehen natürlich nicht, auch wenn einige Hauptfiguren eine herausragende Stellung, Fähigkeiten und ausreichend Inventarplatz innehaben. Der Fokus liegt klar auf den Squads, was das Team zum eigentlichen Helden macht. Rollenspielähnlich geht es zudem auch am Anfang einer Mission zu, dürfen doch Einheiten individuell ausgerüstet werden.
Ausrüstungsgegenstände erhält man indes am Ende eines Einsatzes bei Erfüllung bestimmter Ziele. Dabei bietet das Inventar des Squads Platz genug für Upgrades, seltene Gegenstände, Rüstungen und zusätzliche Waffen. Ob man Einheiten also mit Flammenwerfer, Maschinenpistole oder einfacher Klinge in die Schlacht ziehen lässt, bleibt somit ebenso wie das Überleben der selbigen - im taktischen Ermessen des Spielers.
Ebenfalls im Ermessen des Spielers liegt auch der Verlauf der einzelnen Kampagne. Zwar gibt es noch keine Informationen zu alternativen Enden, jedoch hat man vor dem Beginn einer Mission die Auswahl zwischen mehreren Schlachtfeldern, die sich in ihren Gegnern, ihren Missionszielen und ihrer Größe unterscheiden.
Zugegeben, bot bereits der erste Teil der Command & Conquer-Reihe eine solche Auswahlmöglichkeit, aufgrund der Mitnahme der Squads aus vorherigen Missionen und weiteren schlachtfelderspezifischen Gegebenheiten, erhält das Ganze in Dawn of War II doch viel mehr taktischen Tiefgang.
Eines der Hauptfeatures in Dawn of War II ist indes der Coop-Modus, der es möglich macht, mit einem Freund die Kampagne durchzustehen. Beide Spieler schöpfen dabei aus einem eigenen Squad-Repertoire, um dem Feind bestens gewappnet zu sein. Auch hier ist wiederum ein hohes Maß an taktischem Geschick erforderlich; zusätzlich ist es aber auch möglich zuvor für zu schwierig eingestufte Missionen nun zu zweit anzugehen. Durch den non-linearen Kampagnenaufbau werden so weitere Zweige im Missionsdesign freigespielt. Inwieweit sich der Schwierigkeitsgrad im Coop-Modus jedoch ändert und welche Kampagnen überhaupt einen solchen Modus unterstützen ist bis dato noch nicht bekannt.
Man geht jedoch davon aus, dass die Space Marines in jedem Fall zu zweit zum Sieg geführt werden können.
RTS der nächsten Generation
Weitere Verbesserungen finden sich auf technischer Seite wieder. So wurde die Grafik gehörig aufpoliert und glänzt mit herrlich detaillierten Einheiten, schönen Partikeleffekten und Level, die mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurden. Ohnehin liegt das Hauptaugenmerk im zweiten Teil klar auf einer realistischen Darstellung, weshalb man sich beispielsweise der Havok-Engine bediente, um die Physik zu verbessern. In der Praxis wirbeln so Soldaten umher, reißen andere Mitstreiter mit oder weichen zurücktretenden Gefolgsleuten und Trümmern so gut es geht aus. Weiterhin verschanzen sich die Squads bei Gefahr hinter allerhand Schützendem, um aus sicherer Deckung heraus das Feuer zu erwidern. Selbstverständlich hält der Schutz nicht ewig und so bröckeln Mauern, Hauswände, Pflanzen und Steine, bis sie gänzlich auseinander fallen. Dennoch präsentierte sich die KI nicht immer auf hohem Niveau, weshalb manche Einheiten ab und an Schutz hinter Benzinfässern, oder trotz naher Deckungsmöglichkeit gar keinen Platz suchten. In grafischer Hinsicht gilt es ebenfalls noch zahlreiche Grafikfehler bis zum Release auszumerzen, die den Spielfluss doch erheblich störten.
Soundtechnisch unterstrich man mit herrlichen Soundeffekten ebenfalls den positiven Ersteindruck der Grafik. Bleibt lediglich abzuwarten, ob Synchronsprecher und finale Hintergrundmusik ebenfalls das hohe Niveau halten können. Dies war bei unserem ersten kurzen Einblick noch nicht ersichtlich.
Ersteindruck
Der Frühling 2009 wird für Strategieliebhaber ohne Zweifel sehr heiß; denn nicht nur der mögliche Release von Starcraft 2 wirft seine Schatten voraus, auch der Konkurrenztitel Dawn of War 2 steht in den Startlöchern und sitzt Blizzard mit frischen Innovationen, herrlicher Grafik und atemberaubender Atmosphäre im Nacken. Fernab des klassischen Gameplays, welches sich auf Basisbau und Massenproduktion von Einheiten beschränkte, setzt man im Hause Relic auf Squads um die Bindung zwischen Einheiten und Spieler zu verstärken, eine Physikengine für eine realistischere Atmosphäre und einem innovativen Coop-Modus. Die nächste Generation von RTS? Womöglich, denn Dawn of War geht zweifelsohne komplett neue Wege - in die richtige Richtung.

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