GC 08: The Book of Unwritten Tales
Point & Click Adventures kommen wieder in Mode. Gott sei Dank, wurde dem eigenen Subgenre in den letzten Jahren doch viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Und wenn man an Perlen, wie Monkey Island zurück denkt, wird schnell klar, dass es eben diese Titel sind, die zu den zeitlosen Klassikern der Branche gehören. Schon immer spielte dabei eine gewisse Portion Humor eine Rolle. Ohne knackige Gags und lustige Geschichten kam kein Spiel dieser Gattung aus. Auch The Book of Unwritten Tales, dass im ersten Quartal 2009 erscheint, hat sich nicht nur dem Genre, sondern auch den Witzgranaten verschrieben. Dabei scheint das Spiel einen so guten Ansatz zu vertreten, dass es durchaus die Chance hat an den Charme der alten Highlights heranzureichen. Wir konnten uns den Titel auf der Games Convention anschauen und schildern euch unsere Eindrücke.
Wilbur, der Diplom-Magier
In einer vom Krieg erschütterten Welt hütet der greise Gremlin-Archäologe Mortimer MacGuffin das dunkle Geheimnis eines mächtigen Artefakts. Wer immer diesen Schatz sein Eigen nennt, wird das Schicksal der Welt bestimmen. Während die Armee der Schatten ihre besten Agenten aussendet, stolpern auf Seiten der Allianz drei Helden widerwillen in das Abenteuer ihres Lebens. Was total klischeehaft klingt, ist reine Kalkulation.
The Book of Unwritten Tales ist eine einzige Hommage an die großen Werke der Fantasy. Es nimmt nicht nur Spiele wie World of Warcraft oder Everquest, sondern auch literarische Meisterwerke, wie Der Herr der Ringe und Harry Potter liebevoll auf den Arm. Die Entwickler versuchen damit klassische Rollenspielelemente in ein Adventure zu packen, was bisher sehr gut gelingt. So trifft man in der Welt von The Book of Unwritten Tales auf Gnome, Orks, Zauberer und Elfen und sieht sich beständig mit einer mehr als abgedrehten Atmosphäre konfrontiert. Die drei so genannten Helden sind Wilbur Wetterquarz, ein Gnomen-Junge, den Technik und Maschinen ungewöhnlicherweise nicht wirklich interessieren. Sein Herz schlägt für die Magie und für Abenteuer in der weiten Welt. Passend dazu arbeitet Wilbur als Mädchen für alles in der Kneipe einer mächtigen Zwergenbastion in den verschneiten Gipfeln des Weißkammgebirges. Und genau dort beginnt auch sein Abenteuer, in dessen Verlauf Wilbur vom naiven Träumer zum Diplom-Magier und zur treibenden Kraft der Heldentruppe wird.
Ivo, eine Elfenprinzessin, wird eines Tages Zeugin, wie ein alter Gremlin von den Schatten verschleppt wird. Obwohl es sich für eine Prinzessin nicht ziemt eigenhändig die Welt zu retten, tut sie genau dies als sie sich auf den mächtigen Gefängnis-Transportdrachen schwingt und den kauzigen Gremlin-Professor in einer waghalsigen Aktion befreit. Natürlich wird sie genauso in die eigentlichen Geschehnisse der Geschichte verwickelt. Dazu gesellt sich dann noch der Mensch Nate, eigentlich ein Freibeuter, der immer mit einem haarigen Wesen aus dem Urwald unterwegs ist. Er nennt es liebevoll Das Vieh.
Alle drei Charaktere und auch Das Vieh werden spielbar sein. Dabei sollen ihre unterschiedlichen Fähigkeiten starken Einfluss auf den Ablauf nehmen. So können bestimmte Rätsel nur unter zu Hilfenahme verschiedener Hauptcharaktere gelöst werden. Sie müssen also oft an einem Strang ziehen. So wird Wilbur beispielsweise enge Passagen überwinden können, dafür aber nicht das ach so wichtige Buch vom Regal nehmen können.
Durch den Einsatz der Charaktere soll es übrigens auch möglich sein, Rätsel auf verschiedene Art zu lösen oder, da man die freie Wahl hat, auf welche Charaktere man zurückgreift, beim zweiten oder dritten Durchspielen auf ganz neue Denkaufgaben stoßen. Dabei wird das Rätseldesign gekonnt komisch inszeniert. So wird man beispielsweise einmal den Tod überlisten müssen, um ein Geist zu werden. Dieser hat aber ziemliche Langeweile, weil in Adventures im Gegensatz zu RPGs nie jemand stirbt. Man muss ihn also austricksen. Ein andermal treffen sich zwei Spieler vom World of Bureaucracy (Welt der Bürokratie). Da diese Beiden ja bereits in einer Fantasy-Welt leben, wollen sie nicht von Magie und Schwertern hören, sondern spielen lieber unseren Alltag nach. Sie suchen nach epischen Fahrrädern und lösen Quests auf Arbeit. Um weiterzukommen, muss man deren Rechner zum Absturz bringen. Insgesamt soll es über 150 Rätsel und 200 Items geben, die kombiniert und richtig eingesetzt werden müssen. Dabei bilden knapp 60 Locations das richtige Umfeld. Eine Landkarte hilft beim Reisen von Ort zu Ort.
Bezaubernd schön
Grafisch bietet das Spiel eine ganze Menge. So sind die Entwickler vor allem auf die Mimik der Charaktere stolz, die etwa Wut, Ärger, aber auch Freude und Erleichterung sehr gut rüberbringt. Die ganze Welt wirkt dynamisch, kein steriles Herumstehen der NPCs, keine festen Hintergründe. Diese bestehen zum Teil aus gerenderten Elementen und zahlreichen animierten Echtzeit 3D-Objekten. Ein ausgefeiltes Partikelsystem für Rauch und Nebel , sowie realistische Licht- und Schattenwürfe erzeugen eine stimmige Atmosphäre. Scroll- und Zoomfunktionen werden ebenfalls angeboten. Leider konnte man uns noch nichts genaues zu den Synchronsprechern sagen. Ob diese Prominent sein werden steht also noch in den Sternen.
Ersteindruck
The Book of Unwritten Tales könnte ganz groß werden. Momentan fehlt zwar noch die Sprachausgabe und wir alle wissen, dass solch ein Projekt damit stehen und fallen kann, aber die witzige Story, die vielen einfallsreichen Rätsel, die urkomischen Ideen und die bereits jetzt starke technische Seite lassen auf ein Point&Click-Adventure hoffen, dessen 15-20 Stunden wir genauso wenig vergessen, wie die von Genrereferenzen a là Monkey Island.

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