Hearts of Iron 3
"Armor, Bein und Liebe bricht, aber Herzen aus Eisen nicht. Alles, alles geht vorbei, doch nun geht's in Runde Drei." Trotz biederer Präsentation konnten die bisherigen Teile der Reihe durch ihre komplexe Simulation viele Hobbystrategen nächtelang an die Monitore fesseln. Was viele andere Spieler abschreckte, galt unter den Fans als Prachtstück der Spiele: Das Gefühl, die absolute Gewalt über ein Land zur Zeit des Zweiten Weltkriegs zu haben. Dabei gab es so viele unterschiedliche Dinge zu beachten, dass Neueinsteigern schnell die Lust am Taktieren genommen wurde. Mit dem dritten Teil hat sich Paradox vorgenommen, beide Spielergruppen zu bedienen und kündigt mehr Einheiten, mehr Provinzen und mehr Möglichkeiten bei leichterer Zugänglichkeit an.
Geschichtsschreibung mal anders
Die "Story" des Zweiten Weltkriegs ist ja hinlänglich bekannt. In "Hearts of Iron 3" hat der Spieler nun wie in den Vorgängern die Möglichkeit, die Geschichte zumindest virtuell umzuschreiben. Im Zeitraum von 1935-1948 kann der Spieler die Kontrolle über eines von über 150 Nationen nehmen.
Dabei verwaltet man die Geschicke des ausgesuchten Landes bis in die kleinsten Details. Die Wirtschaft, Politik, Diplomatie, Forschung und Spionage liegen bedeutungsschwer in den Händen des Spielers. Eine genaue Zielvorgabe gibt es nicht. Rein theoretisch könnte man das ausgewählte Szenario mit Nationen bestreiten, die am Zweiten Weltkrieg eine untergeordnete Rolle spielten oder tausende Kilometer von den Kriegsschauplätzen entfernt waren. Der Spieler entscheidet, welche Rolle die Nation im weiteren Verlauf spielen soll.
Versucht man die Gemetzel unbeschadet zu überstehen oder erhofft man sich bei aktiver Teilnahme Vorteile? Willkommen in der Gedankenwelt der komplexen Weltkriegssimulation "Hearts of Iron 3", wo nahezu alle Entscheidungen in der Deutungsmacht des Spielers liegen.
Alter Krieg, neues Spiel
Vor allem der Anstieg der Provinzen von ehemals 2.608 auf sagenhafte 15.000 verdeutlicht, dass Entscheidungen Stück für Stück geplant werden wollen. Damit ist jedenfalls genügend Platz für ausgefeilte taktische Manöver vorhanden. Natürlich ist vor allem Europa in viele kleine Gebiete unterteilt, doch auch die asiatischen Räume haben durch die Vielzahl an neuen Provinzen deutlich an Gebieten gewonnen. Auch die erhöhte Anzahl historischer Einheiten, die sich im Kampfe zu Land, Wasser und Luft beweisen können sorgt für mehr Möglichkeiten.
Um die Attraktivität kleinerer Länder zu steigern, wurden die wissenschaftlichen Vor- und Nachteile der einzelnen Nationen aufgelöst, so dass beispielsweise Deutschland oder Rumänien genauso gute Flugzeugträger wie die USA bauen können.
Die Forschung wird dabei wie die anderen Teilbereiche mithilfe des "Leadership-Konzepts" gehandhabt. Dies bedeutet im Wesentlichen, dass man die Punkte den verschiedenen Bereichen zuweisen kann. So kann man zum Beispiel durch eine kräftige Investition in die Spionage Truppenbewegungen, Armeestärken sowie politische und wirtschaftliche Informationen aufdecken. Die Detailtreue geht sogar so weit, dass Exilregierungen die Untergrundbewegungen in ihrem Land unterstützen können und somit die Autorität der Besatzungsmacht heimlich untergraben. Falls sich beispielsweise der Spieler mit Polen in dieser Situation befindet, kann er auf zahlungskräftige Hilfe hoffen und kleine Truppen ausheben, die versuchen, das besetzte Land zurückzuerobern.
Diese Truppen werden im dritten Teil als Regimenter rekrutiert, die wiederum in Divisionen oder Corps zusammengefasst werden. Dabei können wie im Vorgänger den Regimentern Bataillone zugewiesen werden, die je nach Art die Kampfwerte des Regiments verbessern.
Im politischen Bereich gibt es nun die Möglichkeit, Gesetze zu verabschieden, die jeweils unterschiedliche Auswirkungen auf die restlichen Teilbereiche wie Militär oder Spionage haben. Auswirkungen darauf haben auch die jeweils unterschiedlichen Personen des Kabinetts, die in der englischen Sprachfassung komplett den historischen Persönlichkeiten dieser Zeit nachempfunden sind. So verschwinden in der leicht veränderten deutschen Version Persönlichkeiten wie Hitler und Goebbels, die durch Platzhalter ersetzt werden, genauso wie die deutsche Reichsflagge.
Unabhängig von den teilnehmenden Personen sind die Zusammenstellung des Kabinetts und die Gesetzgebung von der ideologischen Ausrichtung der führenden Partei abhängig. So lassen sich als Machthaber einer Diktatur wesentlich mehr Entscheidungen durchsetzen als in einer Demokratie, der einige Gesetze sogar verständlicherweise gänzlich untersagt sind.
Leicht zu steuern, schwer zu meistern?
Die vielfach gepriesene Einsteigerfreundlichkeit kann nicht restlos überzeugen. Zwar gibt es ein nett gemeintes Tutorial, das jedoch lediglich an der Oberfläche kratzt und lediglich die Teilbereiche zeigt statt vermittelt.
Positiv zu erwähnen sind jedoch die diversen Automatisierungsmöglichkeiten, die dem Spieler Arbeiten des Mikromanagements abnehmen, damit man sich auf die Kernpunkte des Titels konzentrieren kann. Dabei erledigt die KI die diversen anfallenden Aufgaben nicht schlecht. Auch als Gegner weiß sie in der Preview-Version mit ihren Manövern und Reaktionen durchaus zu gefallen. Weiterhin der Übersicht zuträglich ist die Überarbeitung des Interfaces, an das sich Veteranen der Reihe sicherlich erst gewöhnen müssen.
Geradezu benutzerunfreundlich ist die Steuerung der Einheiten, die sich alles andere als intuitiv steuern lassen und besonders bei dem ersten Kontakt mit den Truppenbewegungen viel Geduld einfordern. Das Auswählen, Befehligen und Zusammenlegen von Armeen wurde unnötig verkompliziert.
Absolut unverständlich ist der schwache technische Zustand der Preview-Version. Zwar gab es keinerlei Probleme mit störenden Bugs und Abstürzen, jedoch sind die langen Ladezeiten für das Gebotene ein Witz. Auch während des Spielens gab es häufiger unerklärliche Performanceeinbrüche, die den Spielfluss teilweise erheblich störten. Dass uns bei "Hearts of Iron 3" kein optisches Feuerwerk präsentiert werde würde, war zu erwarten, aber muss es SO bieder sein? Im Endeffekt sieht HoI 3 noch schlechter als sein Vorgänger aus. Die Weltkarte hinterlässt einfach nur einen lieblosen Eindruck.
Ersteindruck
Hearts of Iron 3 bietet das, was Fans der Reihe erwarten. Nicht mehr und nicht weniger. Traditionell erwartet uns ein überaus komplexes Spiel, das mit vielen Kleinigkeiten zu begeistern weiß. Nahezu alles kann in dem gewählten Staat kontrolliert werden, was für einen hohen Wiederspielwert sorgt. Neueinsteiger werden behutsamer an die Hand geführt und diverse Automatismen erleichtern das teilweise nervige Mikromanagement.
Beibt zu hoffen, dass die Entwickler noch an der schwachen Technik feilen. Dies dürfte zwar Veteranen der Reihe und Hardcore-Strategen nicht von einem Freudentanz abhalten, das Klassenziel, neue Spieler zu gewinnen, aber eindeutig verfehlen.









