Just Cause

Preview
Plattform
PC
Vertrieb
Eidos
Entwickler
Avalanche Software
Erscheinungsdatum
N/A
Genre
Andere
Just Cause [PC , looki.de]

Just Cause

Es lebe die Revolution! Was sich in der Wirklichkeit oft nur schwer durchsetzen lässt, scheint in Eidos neuestem Actionkracher Just Cause so leicht zu sein, wie einem Baby die Süßigkeiten wegzunehmen. Nur dass hier das Baby ein von der Bevölkerung gehasster Diktator ist, dessen Regierung mit allen erdenklichen Mitteln gestürzt werden soll. Dass es dabei nicht gerade zimperlich zugeht, dürfte wohl jedem klar sein.

Schauplatz des Third-Person-Shooters ist die rein fiktive Inselregion San Esperito. Ihr schlüpft in die Rolle des Geheimagenten Rico Rodriguez (kein Scherz!) und sollt unter anderem den Guerillas dabei helfen, dass El Presidente bald nur noch Geschichte ist. Es versteht sich aber von selbst, dass dieser eine eigene große Armee um sich geschart hat und Euch damit alles andere als hilflos gegenübersteht.

Just another GTA-Clone...?

Vom Gameplay her kann man Just Cause getrost mit Genrevertretern wie der Grand Theft Auto-Serie vergleichen. Auf der knapp 1000 km² großen Karte gibt es neben allerhand Entdeckungen natürlich auch massig Haupt- und Nebenmissionen, die erledigt werden wollen, sowie überall potenzielle Fahrzeuge, die man sich per Tastendruck unter den sprichwörtlichen Nagel reißen kann. Auch gibt es hier die Polizei, die eingreift, wenn Ihr schlimme Sachen anstellt, sowie rivalisierende Banden, die sich gegenseitig an die Gurgel gehen. So weit nichts Neues abseits von Liberty City & Co.

...falsch gedacht!

Jedoch bietet Just Cause einige eigene Feinheiten, die das Spiel davor bewahren, als bloße Kopie durchzugehen. Zum Beispiel die coolen Befreiungsmissionen, in denen Ihr Gebiete unter Fremdherrschaft mit exzessivem Waffeneinsatz und jeder Menge tatkräftiger Unterstützung quasi 'bekehrt'. Diese Szenen stellen das Highlight von Just Cause dar, denn dann explodiert der Bildschirm angesichts der Hülle und Fülle von eigenen und gegnerischen Einheiten, die sich Granaten um die Ohren schmeißen und ballern, als hätten sie einen XXL-Vorrat an Magazinen.

Weiterhin hat auch der liebe Herr Rodriguez einige Tricks parat. Seid Ihr zum Beispiel mit einem Fahrzeug - egal ob Speedboot, Auto, Motorrad oder Helikopter - auf der Flucht, kann sich Rico auf Tastendruck in seine Stuntposition begeben und dann liegt es an Euch, ob er bei voller Fahrt auf andere Fahrzeuge springen und sich derer bemächtigen soll oder einfach im letzten Moment den Fallschirm auspackt, der ihn aus fast jeder misslichen Position bringt. Diese Möglichkeiten, die sich noch erweitern und kombinieren lassen, bringen eine völlig neue taktische Komponente ins Spiel, die es so bei GTA nicht gegeben hat.

Und ganz nebenbei macht es noch höllisch Spaß, von einem fahrenden und halb zerschossenen Vehikel abzuspringen, das direkt in eine Polizeisperre hineinrast und sich mit einer fetten Explosion verabschiedet, während man sich selbst mit dem Fallschirm in Sicherheit bringt.

Weitere Finessen wie ein Greifhaken, der sich an allen möglichen Fahrzeugen festhängt und ein PDA, der Euch auf Wunsch fahrbare Untersätze abwirft oder Euch einen Evakuierungshelikopter schickt, runden das gelungene Repertoire ab.

Ja, es gibt auch Schattenseiten...

Schade allerdings, dass sich Just Cause im Gegensatz zu den GTA-Teilen zu ernst nimmt: Es fehlen im Vergleich zu Rockstar's Spitzenspielen einfach die spritzigen Kommentare, der ironische Unterton und leider Gottes auch etwas der Charme. Rico Rodriguez ist als Charakter viel zu flach und austauschbar, als dass er irgendwie in einem Atemzug mit Tommy Vercetti oder Carl „CJ“ Johnson genannt werden könnte. Es fehlt ihm eindeutig an Charisma, das die Akteure aus Vice City und San Andreas ausmachte.

Auch die unterschiedlichen Missionen - man möge von den coolen Befreiungsmissionen mal absehen - kochen von ihrer Abwechslung her leider nur auf Sparflamme. Grob gesagt könnte man die meisten Missionen so beschreiben: In Mission A sollst du Person X um die Ecke bringen, während du in Mission B einen Gegenstand von einem Punkt der Karte zu einem anderen Punkt bringst und in Mission C Person Y befreist.

Viele Unterschiede zu den genannten Standardvarianten gibt es leider nicht. Ein tolles Feature ist jedoch, dass man Missionen von Auftraggebern mit unterschiedlichen Interessen annehmen kann. So erledigen wir in einer Mission für einen stinkreichen Sack einen Warentransport, um nur fünf Minuten später mit Unterstützung von Guerilla-Truppen seine Siedlung in unsere Gewalt zu bringen. Das macht Gaudi und bringt die nötige Würze ins Spiel. Je mehr Missionen Ihr für eine Partei erledigt, desto mehr Punkte kommen auf Euer Konto bei den jeweiligen Interessengruppen. Beförderungen, neue Vehikel und bessere Waffen sind die Folge.

Optisch kann Just Cause überzeugen: Die weiträumige Landschaft, die von einer Postkarte stammen könnte, lädt ohne nervige Nachladezeiten oder merklich aufpoppende Objekte zum Erkunden ein. Die Lichteffekte sind stimmig und die Explosionen krachen ordentlich. Auch die dichte und zu großen Teilen animierte Vegetation weiß zu gefallen. Negativ stoßen bislang noch die etwas eckigen, da polygonarmen, Figuren auf.

Die deutsche Synchronisation könnte denjenigen gefallen, die auf thrashige Unterhaltung stehen, denn so unecht hat noch keiner Mexikaner und Spanier imitiert wie die Leute, die hinter den Mikros standen.

Das muss aber nicht unbedingt etwas Schlechtes heißen, denn einen gewissen Unterhaltungsfaktor hat es tatsächlich, genau wie die kubanisch angehauchte Musikuntermalung im Spiel an sich. Radiosender gibt es im Gegensatz zu GTA leider nicht.

Ersteindruck

An ein paar Ecken und Kanten hakt es bei Just Cause leider noch. Macken wie die abwechslungsarmen Missionen werden die Entwickler bis zum Release Mitte September wahrscheinlich nicht mehr glätten können, aber zumindest ein Bugfixing müsste drin sein, da die vorliegende Preview-Version sich ab und an verabschiedete.

Das Spiel an sich hat auf jeden Fall Hitpotential, da beißt die Maus keinen Faden ab. Und auch wenn es wahrscheinlich nicht zur Entthronung von GTA reichen wird, freue ich mich dennoch wie ein kleines Kind auf die Vollversion, denn schöner, spaßiger und überzeugender wird derzeit keine Inselkulisse dargestellt wie in Just Cause.

Just Cause [PC , looki.de]

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