Kelly Slater's Pro Surfer
Da kann der frostgeplagte Europäer schon mal neidisch werden. Während hierzulande das Thermometer bereits an den magischen 0°C kratzt, stürzen sich im sonnenverwöhnten Hawaii die Surfer ins lauwarme Wasser und lassen sich die Sonne bei bis zu 30 °C auf den gestählten Körper scheinen.
Was aber kann man tun, wenn der Jahresurlaub aufgebraucht und der letzte Euro eurem Geldbeutel euch gerade auf Wiedersehn gesagt hat? Entweder ihr fliegt als blinder Passagier im Radkasten des Flugzeugs in Richtung Hawaii mit, und hofft, das ihr in 10 Kilometern Höhe nicht zu Eis klumpt oder aber ihr surft eure fünf- Meter-Welle gemütlich am heimischen PC, bei aufgedrehter Heizung und einer Tasse schönen warmen Kaffee. Zwar nicht ganz stilecht aber wenigstens riskiert man dabei nicht wie der Inhalt der Chemietoilette vereist im Atlantik zu enden.
Activision, die im Trendsportbereich vorallem durch die Tony Hawks-Serie bekannt wurden, wagen mit Kelly Slaters Pro Surfer ihren ersten Schritt ins kühle Nass. Wie schon bei vorherigen Spielen, beispielsweise Shaun Palmers Snowboarding oder Dave Mirras BMX, krallte man sich kurzerhand einen der berühmtesten Vertreter seiner Sportart und entwickelte unter der Schirmherrschaft des zugkräftigen Namens einen neuen Trendsporttitel. Diesmal traf des den sechsfachen Surfweltmeister Kelly Slater.
Trendsportler haben im Allgemeinen ja den Ruf, junge, wilde Draufgänger zu sein, die erst mit der richtigen Beschallung und dem nötigen Adrenalin im Blut zur Höchstleistung auflaufen können. Kelly Slaters Pro Surfer dagegen vermittelt vielmehr den Eindruck, als ob dieses Klischee zumindest bei Surfern vollkommen fehl am Platz ist.
Wunderschöne, ruhige Bilder warten gleich zu Beginn des Spiels im Intro auf Euch und machen unweigerlich Lust auf Urlaub, wäre da nicht der etwas unmotivierte Kelly Slater persönlich, der das Video in seiner etwas eigenen, man mag schon fast sagen einschläfernden Art, kommentiert. Nichtsdestotrotz entlässt Euch das Intro bestens eingestimmt auf das, was kommen mag, ins Hauptmenü des Spiels, in dem ihr neben den allseits bekannten Optinionen auch die drei Spielmodi von Kelly Slaters Pro Surfer findet.
Das Herzstück des Spiels ist ganz klar der Karrieremodus, der Ähnlichkeiten zum Genreprimus nicht abstreiten kann. Wie in Tony Hawks Pro Skater gilt es innerhalb des festgelegten Zeitlimits fünf unterschiedliche Aufgaben pro Strandabschnitt zu meistern. Dazu stehen anfangs neun lizenzierte Surfer bereit, die ihren echten Vorbildern in Sachen Aussehen und Können nachempfunden sind. An Ausrüstung hab Ihr dagegen nur ein Board von Anfang an zur Verfügung.
Die anderen wollen nach und nach freigespielt werden. Bevor Ihr Euch jedoch in die Wellen stürzt, bietet es sich an, das ausführliche Tutourial einmal genauer anzuschauen. Dieses erklärt euch Schrittweise alles von der einfachsten Grundsteuerung angefangen, bis hin zu komplizierten Special-Tricks, damit Ihr später nicht hilflos auf den Wellen treibt. Mit ein bisschen Übung sollte die eingängige Steuerung auch schon nach ein paar Wellen kein Problem mehr sein. Als Belohnung winken fette Combos, neue Boards, kleine Gimmicks und natürlich neue Strandabschnitte an denen Ihr euch austoben dürft.
Surf-Freunde, die dagegen gerne ohne Vorgaben im Nacken das kühle Nass genießen, kommen im Free-Ride Modus voll auf ihre Kosten. Hier könnt Ihr nach Lust und Laune an Eurer Highscore arbeiten, neue Tricks einüben oder Euch der Symbol-Challenge stellen. Dabei werden Euch beim Surfen Tricks eingeblendet, die daraufhin sofort nachgemacht werden müssen. Schafft ihr es nicht einen Trick schnell genug auszuführen, rückt ein neuer nach. Stauen sich zuviele Tricks auf, müsst Ihr von Vorne beginnen. Nett, aber mit Abstand auch einer der schwersten Modi des Spiels.
Als dritten und somit letzten Modus, könnt Ihr euch im Multiplayer gegen einen Freund messen.Insgesamt stehen drei Spielvarianten zum Kräftemessen im Multiplayermodus zur Auswahl. Frischen Wind bringt der sogenannte Push-Modus ins Spiel, in dem es gilt, den Gegenspieler Wort wörtlich vom Bildschirm zu drücken. Dabei spielt der ansonsten eher Spielspass hemmende Splitscreen eine wichtige Rolle. Der Spieler der mehr Punkte durch Tricks auf seine Seite verbuchen kann, verkleinert mit jedem Trick den Bildausschnitt des Gegners bis er letztendlich vom Bildschirm gedrückt wurde.
Im zweiten Modus, dem Zeitturnier, hat jeder Spieler eine Minute Zeit, um so viel Punkte wie möglich zu sammeln. Die Punkte werden am Ende jeder Runde dann in Zeit verrechnet und dem Gegenspieler beim nächsten Lauf abgezogen. Sieger ist der, der am Ende die höchste Punktzahl vorweisen kann. Die dritte Multiplayer Variante hat noch mit der gewöhnliche Kopf an Kopf- Challenge den Weg ins Spiel gefunden. Hier ist Sieger, wer innerhalb eines bestimmten Zeitlimits mehr Punkte als sein Kontrahent erreicht hat.
Technik, die Wellen schlägtSpätestens seit den beeindruckenden Wassereffekten in Morrowind, locken halbherzig umgesetzte Darstellung von Wasser keinen mehr hinter dem Ofen hervor. Glücklicherweise hat das auch Activision und die Jungs von Aspyr, die für die PC Umsetzung der Konsolenversion verantwortlich sind, bemerkt und ebenfalls ein ansehnliches Nass geschaffen. Lichtbrechungen in den Wellen, aufschäumende Gischt - die aber für meinen Geschmack hier und da etwas zu kantig daherkommt- und die flüssige Animationen des eigenen Surfers sind die Highlights der Grafik.
Schaut man jedoch etwas über den Wellenrand hinaus, fällt leider die etwas karge Umgebung ins Auge. Natürlich herrscht auf dem Meer nicht gerade das große Treiben, aber etwas mehr Lebendigkeit als die ab und an kreuzenden und zudem schlecht animierten Windsurfer hätte man sich schon wünschen können. Nichtsdestotrotz bleibt insgesamt ein guter Gesamteindruck der Grafik zurück.
Bei der Musikuntermalung ließ man sich glücklicherweise nicht auf klischeehafte Gute Laune-Songs der Beach Boys ein, sondern ging für Kelly Slater's Pro Surfer eigene Wege.
Dabei beschränkte man sich auf den satten Sound der tosenden Wellen, die für sich alleine schon für die nötige Atmosphäre sorgen würden. Dezent im Hintergrund halten sich aber dennoch karibisch angehauchte Tracks, die teilweise doch stark an die B-Seite meiner Meditationskassette erinnnern. Zugegeben, etwas gewöhnungsbedürftig sind fehlende Tracks, wie wir sie aus Tony Hawk oder Shaun Palmers Snowboarding kennen schon, aber wie anfangs schon erwähnt, sind Surfer wohl doch die ruhigeren Vertreter im Trendsportbereich.

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