Left 4 Dead
Die ganz schlechte Nachricht gleich vorweg: Ja, Left 4 Dead wurde mal wieder von offizieller Seite verschoben. Ursprünglich noch für ein Release im letzten Jahr angedacht, sollte das gute Stück Software wie ein Untoter bis zum Sommer verwesen, wurde aber kürzlich auf den Herbst 2008 umgelegt. Gründe für diese Verschiebung? Fehlanzeige! Die minder schlechte Nachricht: Der Coop-Shooter wird nie und nimmer für die Sony PlayStation 3, sondern lediglich für PC und Xbox 360 erscheinen. Und nun die gute Nachricht: Besitzer der letzteren zwei Plattformen dürfen sich auf spannende und spaßige Mehrspielergefechte jenseits des Verfallsdatums freuen. Denn einen Mehrspieler-Actioner mit einem solch coolen Konzept hat es schon lange nicht mehr gegeben da können wir die aufgeschobene Zeit auch noch ertragen, wenn sie denn der Qualitätssicherung dient und Left 4 Dead letztendlich nicht doch zum virtuellen Flickenteppich verkommt, den sich eigentlich keiner gewünscht hat. Das Konzept klingt so simpel wie genial: Wir stecken ein paar Spieler als Überlebende auf eine Karte, das andere Team übernimmt hingegen die Rolle der gefräßigen Zombies. Und damit das Ganze noch die nötige Würze bekommt, packen wir noch ein Haufen KI-gesteuerter Vertreter des untoten, normalen Fußvolkes mit obendrauf, um die Überlebenden von den eigentlichen Bossen abzulenken und sie nur in ihre Fährte zu locken.
Es geht um Euer Überleben!
So oder so ähnlich muss man sich das bei den mittlerweile von Valve übernommenen Mannen der Turtle Rock Studios in einer Besprechung gedacht haben. Genretypisch gibt sich die Story dabei eher dünn und gibt sich mit Erklärungen selbstredend keine allzu große Mühe: Ein mysteriöser Virus hat den Großteil der menschlichen Bevölkerung infiziert und zu weniger redseligen Fleischfressern mutieren lassen. Die Spielfiguren sind jedoch aus irgendeinem unbekannten Grund immun gegen die Bedrohung und kämpfen fortan um ihre nackte Haut. Kurzum hätten wir uns auch mit Ken Forees berühmten Worten aus Dawn of the Dead zufrieden gegeben: Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde.
Obwohl Valve versichert hat, dass es auch eine Einzelspielerkampagne mit echten Zwischensequenzen geben soll, konzentriert sich Left 4 Dead vorrangig auf das Zusammenspiel von Mitstreitern aus Fleisch und Blut.
Während es bei den Überlebenden lediglich optische Differenzen zwischen den einzelnen Figuren die hinsichtlich des Survival-Themas klischeehafter nicht sein könnten gibt, sieht die Sache bei den Infizierten schon anders aus. Vier unterschiedliche Klassen soll es aufseiten der untoten Spieler geben.
Da wäre zum einen der Boomer, der sich eher träge durch die Levels schleppt, am ganzen Körper dicke Eiterpusteln trägt und bei Beschuss in blutige Brocken zerfliegt. Da ist es selbstverständlich, dass Überlebende bei Angriffen ausreichend Abstand nehmen sollten, um nicht gleich mit in die Luft zu fliegen. Der Zweite im Bunde ist der Smoker, der mit seiner Zunge tolle Sachen anstellen kann, etwa einem Überlebenden die Füße zu umwickeln und ihn in eine dunkle Ecke zu ziehen, nur um ihn anschließend fertig zu machen. Bevor der ganz große Brocken kommt, wäre da noch der schnelle Hunter zu nennen, der wie aus dem heiteren Himmel menschliche Feinde zum Beispiel mit Sprungattacken überrascht und mittels scharfer Krallen den Garaus macht.
Die ebenfalls angekündigte Witch erwähnen wir an dieser Stelle bewusst nicht, da zum einen außer ihrer nicht ganz unwichtigen Licht- und Lärmempfindlichkeit - noch nicht wirklich viel über sie bekannt ist und sie zweitens nur von der KI gesteuert wird. Alle machen jedoch Platz, sobald der Tank auftaucht. Dieser dicke Klops ist so hoch wie breit, kann Fahrzeugwracks umherschleudern und nur bei vollem Teameinsatz überwältigt werden.
Dagegen wirkt das von der KI übernommene Fußvolk schon fast wie ein leicht zu zerquetschender Fliegenschwarm. Ganz unterschätzen sollte man die flinken Brainsucker aber nicht, schließlich und das ist bemerkenswert rennen sie nicht schnurstracks auf Euch los, sondern machen zuweilen Umwege, um Euch am Besten mit leerem Magazin und einer gehörigen Portion Schweiß auf der Stirn um die Ecke zu bringen.
Keine Zeichen von Verwesung...
Da verwundert es auch kaum, dass selbst meterhohe Zäune oder Autowracks kein allzu großes Problem für die zahlenmäßig erdrückenden Infizierten sind. Sollte es einen der Überlebenden mal erwischen, ist nicht sofort Schluss, nein, der Verwundete kann von einem seiner Teammitglieder geheilt werden. In dieser Zeit sind beide jedoch hilflos gegen gegnerische Attacken. Bei den Ballermännern hat man sich auf ein größtmögliches Maß an Realismus geeinigt: So dürft Ihr aus dem Arsenal zum Beispiel M16, Uzi, Schrotflinte, Molotowcocktails, Rohrbomben - nur eine Hauptwaffe sowie ein Extra Granate, Cocktail etc. - gleichzeitig mit Euch herumtragen.
Sollte Euch die Munition einmal ausgehen, sorgen separate Punkte, beispielsweise eigens eingerichtete Schutzräume, auf der Karte für Nachschub oder auf Wunsch auch einen anderen Schießprügel.
Mit selbigen solltet Ihr übrigens aufpassen: Ständiges Friendly Fire hält Möchtegern-Rambos davon ab, wie wahnsinnig in die Menge zu feuern, schließlich zählt jedes Teammitglied. Dafür, dass sich kein Match wie das andere spielen soll, will der sogenannte AI Director sorgen, der abhängig von der momentanen Waagschale zwischen Infizierten und Überlebenden spontan entscheidet, wo neue KI-Zombies spawnen können, um so den Menschen zusehends die Kehle zuzuschnüren. Ob das in der Praxis tatsächlich ein ums andere Mal andere Situationen erlaubt, können wir zur Zeit noch nicht sagen, vielversprechend ist das Ganze aber allemal. Optisch dürfte Left 4 Dead im Herbst diesen Jahres zwar niemanden mehr zu Begeisterungsstürmen anregen, aber immerhin basiert der Titel auf einer modifizierten Variante des Source-Motors und sorgt für einigermaßen detaillierte Charaktere, ob nun tot oder nicht. Die Animationen können sich immerhin schon mal sehen lassen da braucht man auch keinen Crysis-Schnickschnack, hier geht es schließlich allein ums Überleben und den größtmöglichen Spaß am Spiel. Einzig der Umfang will uns trotz aller Versprechen von Valve noch nicht so recht überzeugen: Vier Kampagnen á fünf Abschnitte ergibt 20 Karten, fragt sich nur wie lange man letztendlich pro Abschnitt bzw. Kampagne beschäftigt sein wird.
Ersteindruck
Left 4 Dead ist genau die Sorte Spiel, die ich nach Erscheinen bei der nächstbesten LAN-Party mit meinen Freunden als Erstes spielen möchte. Ich will dieses Gefühl der ständigen Bedrohung, das laute Poltern über und unter mir, ja, einfach den Verfolgungswahn spielbar erleben. Auch wenn ich nach einer ausgiebigen Session wohl selbst aussehe wie ein Infizierter des Turtle Rock-Titels - das macht mir nichts aus, soviel Spaß gibt es schließlich selten. Etwas Ahnungslosigkeit macht sich bisher nur bezüglich des Umfangs und des Balancings breit: Es wird sich erst zeigen, ob die Kampagnen dank AI Director wirklich eine solche Haltbarkeitszeit haben, wie bisher angepriesen wurde und ob Infizierte und Überlebende fair ausbalanciert werden. Zumindest bei Letzterem bin ich wegen der Erfahrungen des Entwicklers im Counter-Strike-Sektor aber zuversichtlich. Und so bleibt mir letztlich nur eine gute Nachricht zu verkünden: Left 4 Dead könnte tatsächlich die Alternative werden, die sich viele Spieler angesichts des Terroristen-Einheitsbreis wünschen. Dass die vielversprechende Multiplayer-Granate aber PlayStation 3-Zockern vorenthalten bleibt, stimmt mich traurig.
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