Machinarium
Eine von Müll gekennzeichnete Welt, trostlose Farben und eine komplette Mechanisierung, die sämtliche Lebensformen gestrichen zu haben scheint: Entgegen der aktuellen, zumeist knallbunten Comedy-Adventures wirkt Machinarium wie ein Schwarz-Weiß-Film längst vergangener Tage. Doch dass dies den Spaßfaktor nicht trüben soll, zeigen bereits die ersten Spielminuten: Ein Gleiter voller Unrat kommt uns vom fernen Horizont langsam entgegen, hält kurz an einer Müllkippe und entleert sich - unter den zahllosem unnützen Müll verbirgt sich auch unser Roboter Josef.
Do it yourself - robotic way!
Beziehungsweise einige Teile von ihm, die wir erst zusammensetzen müssen. Schwupps befreien wir mit ein paar Klicks den Körper von einer verrosteten Badewanne. Unserem abgetrennten Kopf befehlen wir, sich auf dem Korpus festzuschrauben. Nun fehlen uns nur noch unsere Beine. Selbige besitzt ein kleiner Spürroboter, der uns die begehrten Gegenstände aber nur aushändigen will, wenn wir ihm eine kleine Puppe besorgen. An die kommen wir jedoch nicht ran: Denkste!
Auf simple Weise ziehen wir den Körper des kleinen Roboters in die Höhe, bis wir uns mit letzter Kraft die Mäuschen-Puppe krallen können. Im Austausch dafür erhalten wir unsere stählernen Beinchen und dürfen weiterziehen.
Schon zu Beginn gefällt die ungewöhnliche, aber konsequente Entscheidung der Entwickler, Machinarium ohne Sprachausgabe auskommen zu lassen. Wie WALL-E's stummer Bruder rätselt sich Josef durch abgefahrene, aber stets triste Umgebungen (was hier ausnahmsweise positiv zu werten ist) und lässt nur ab und an ein paar Geräusche ab. Beispielsweise, wenn er auf einer Öllache ausrutscht und in einen Abgrund fällt oder von bösen Wachrobotern gefangen genommen wird. Das ist charismatisch, sympathisch, ja, es rührt hier und da sogar zu Tränen. Mündlicher Austausch mit anderen Robotern findet wie bereits gesagt nicht statt. Stattdessen implizieren Denkbläschen mit witzigen, handgezeichneten Sketches, was die Blechbüchsen da eigentlich von sich geben.
"Friss das", oder: "Wie verstaue ich Items richtig?"
Gegenstände verstaut der kleine Roboter in seinem Inventar, indem er einfach sein Haupt nach hinten klappt und das Gut in den Körper fallen lässt. Wenigstens eine einigermaßen gute Begründung dafür, wo sich Adventure-Helden denn die ganzen Items hinstecken, die sie auf Ihren Abenteuern so einsammeln. Bis Josef das Ziel seiner Träume erreicht, nämlich wieder nach Hause gehen zu können, müsst Ihr Euch mit zunehmend kniffligeren Kopfnüssen herumschlagen, die trotz der braven Aufmachung des Titels selbst geübte graue Zellen rauchen lassen können. Hier überrascht Machinarium bisher mit einem herrlich anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad, der sich zu Beginn noch gar nicht deuten ließ, schließlich lassen sich die ersten (künstlerisch wertvollen) Screens noch recht einfach meistern.
Unfair wird Machinarium dennoch nicht, schon alleine durch den Ingame-Walkthrough, der sich hier von einer etwas anderen Seite präsentiert. Wer einen Blick erhaschen möchte, wie es denn in Sachen Rätsel weitergeht, muss erst einmal eine Runde Sidescrolling-Action im eigenwilligen R-Type-Stil meistern. Genau damit haben wir aktuell aber noch ein Problem: Das Minispiel auf dem Weg zur Lösung ist nämlich viel zu einfach. Würde es nicht mehr Sinn machen, den Schwierigkeitsgrad des Spielchens dem des eigentlichen Titels anzupassen? Nach dem Prinzip: "Du willst die Lösung? Dann musst du sie dir erst verdienen!".
Steuern lässt sich Josef wie jeder andere Point'n'Click-Held einzig und allein mit der Maus - untersuchen müsst Ihr nichts, es genügt die linke Maustaste. Besonders ist, dass Josef nur mit den Objekten/Robotern in seiner unmittelbaren Umgebung interagieren kann, für weiter entfernte Hotspots müsst Ihr Euch dem entsprechenden Punkt des Screens nähern.
Ersteindruck
Ich bin ja eher ein Mensch der anspruchslosen Sorte: Ich brauche keine hochwertige Grafik und keine superteuren Synchronstimmen, die über eklatante Schwächen im Gameplay hinwegtäuschen wollen. Mir genügen auch sympathische kleine Titel wie eben Machinarium. Ein Spiel, dessen Demo gerade einmal 32 MB klein ist, das mit stummen Helden und Figuren auskommt und dessen Indie-Wurzeln an jeder Ecke deutlich werden. Und gerade dann stimmt es mich glücklich, dass solche Perlen Zuwendung bekommen und per Retail-Release auch einer größeren Käuferschicht zugänglich gemacht werden, als es noch bei den Vorgängern Samorost 1 & 2 der Fall war.
Noch habe ich mich nicht bis zum Ende durchgekämpft und bleibe daher vorerst vorsichtig, auch die viel zu einfache Walkthrough-Hürde ist mir noch ein Dorn im Auge. Aber das kann nicht den Eindruck mildern, dass eingefleischte Adventure-Fans hier mit einem Sahneschnittchen bedient werden. Machinarium kommt ab dem 27. Oktober über Daedalic in den deutschen Handel. Wohl schon vorher dürft Ihr mit einem entsprechenden Test rechnen.




