Max Payne 3
Nach vierjähriger Abstinenz und einem Wechsel des Entwicklerstudios kehrt Max Payne nächstes Jahr tatsächlich auf die Mattscheibe zurück. Eigentlich unglaublich, dass sich der dritte Teil der bisher glänzenden und richtungsweisenden Reihe schon im nächsten Jahr im Händlerregal einfinden wird, hat sich Rockstar doch lange mit der Ankündigung zurück gehalten und geizt auch jetzt noch mit Informationen. Erste Bilder gab es immerhin schon zu bestaunen und die überraschten, mit Verlaub, nicht eben jeden positiv.
Wenn jemand die Worte Max und Payne im gleichen Atemzug fallen lässt, so denkt man schließlich unwillkürlich an New York. An Schnee. An dunkle Straßenzüge, einen abgehalfterten Cop und an eine Atmosphäre deren Schwere die Grenzen des multimedial Machbaren anzukratzen droht. Doch was uns Rockstar Vancouver, die die Lizenz von Remedy übernommen haben, mit den ersten Scans serviert, scheint das genaue Gegenteil dessen zu sein, weswegen die Reihe noch immer in vielen Spielerherzen fest verankert ist. Die Sonne prasselt auf die Straßen des Großstadt-Dschungels Sao Paolo. Für die, die es nicht wissen: Die Stadt ist vor allem für ihre gefährlichen Ghettos bekannt.
Und die wiederum sind nicht nur die Gefährlichsten in Brasilien, sondern gehören mit ihren brutalen Gangs zum Übelsten, was die Welt zu bieten hat. Das mag also durchaus ein exzellenter Schauplatz für ein vernünftiges Actionspiel sein. Doch ob vor Hitze flimmernde Luft und Tageslicht en masse tatsächlich auch zum werten Herrn Payne passen, darf noch stark bezweifelt werden. Hinzu kommt die stark veränderte Erscheinung des Antihelden. Statt in Schlabber-Anzug und mit Polizeimarke kommt dieser nun mit fetten Muskelpaketen und Säufernase daher.
Muskelprotz kontra Südamerika
In den zwölf virtuellen Jahren, die seit den spektakulären und, zugegebenermaßen für Max Payne nicht eben einfach zu verkraftenden Ereignissen des zweiten Teils verstrichen sind, ist unser geliebter Protagonist verkommen und zum Trinker geworden. Aber offensichtlich Stammgast im Fitnessstudio.
Ein grober, rauer Bart umsäumt sein Gesicht und das einzige, was ihn wirklich zu Max Payne macht, sind seine Ballermänner und der frontale Hechtsprung, den er immer noch perfekt zu beherrschen scheint. Ansonsten aber erinnert nur wenig an die guten alten Tage. Gleichwohl wirkt die Geschichte, die bisher nur spärlich anklang, nicht eben konkurrenzfähig, zieht man die beiden ersten Teile zurate.
So flieht Payne, um seine Vergangenheit besser bewältigen zu können nach Brasilien, wo er so gleich von einer Sicherheitsfirma für ein paar niedere Dienste angeworben wird. Natürlich brodelt der Großstadt-Kessel und die Gangs in den Ghettos arbeiten nicht gerade nach Max' Moralvorstellungen. Irgendein Ereignis, dass ihn vermutlich persönlich hart treffen wird, löst dann das unvermeidliche aus: Er geht wieder auf die Jagd.
Auf die Jagd nach Gangbossen in den Ghettos, aber wohl auch auf die Jagd nach korrupten Polizisten, Bauingenieuren und so weiter. Denn neben dem heruntergekommenen Teil der Metropole soll man auch direkt in der City unterwegs sein können.
Zentrale Punkte der genialen Geschichten der Vorgänger, Betrug, Neid und Korruption werden also auch dieses Mal wieder aufgegriffen werden. Ob der elementarste Bestandteil einer Noir-Erzählung, die Liebe, sich in den Plot einschleichen wird, ist aber noch unbekannt. Und leider auch unwahrscheinlich. Denn die Entwickler scheinen ganz offensichtlich vom eigentlichen Charakter der Erzählungen Abstand zu nehmen und sich eher von moderneren Filmwerken wie "City of God", als etwa von "Casablanca" inspirieren zu lassen Da frage ich mich aber, wo dann die Seele der Reihe bleibt? Ich hoffe ernsthaft, dass die Antwort darauf nicht lautet: Auf der Strecke. Denn im Moment sieht alles an Max Payne 3 toll aus. Die Grafik, die Waffen, auch der Plot geht letztlich wohl als überdurchschnittlich und durchdacht durch. Der Titel ist also auf dem Weg ein ausgezeichneter zu werden. Doch wird es auch ein echtes Max Payne? Werden einmal mehr philosophische Fragen gestellt, werden Tränen vor dem Bildschirm fließen, wird einem die Gänsehaut, ob der verzwickten, genialen, brutalen und zugleich unglaublich traurigen Geschichte, über den Nacken kriechen? Oder wird es das, nach was es momentan aussieht? Ein gesichtloser Blockbuster?
Altes und Neues vereint
Dass der Titel nicht völlig gesichtslos daherkommt wird zumindest durch einige übernommene Features aus den früheren Teilen gewährleistet. Zwar wurde der alte, fabelhafte Sprecher von Max wegen des großen, virtuellen Zeitunterschieds zwischen Teil 2 und 3 ausgewechselt, die inneren Monologe wird es aber weiterhin geben. Und sie werden wohl auch ein elementarer Bestandteil der Erzählweise werden. Auch die Zwischensequenzen sollen einmal mehr im Comic-Stil präsentiert werden und auch die gute alte Bullet-Time ist ebenfalls wieder mit von der Partie. Die wird laut Rockstar ausgebaut und verbessert. So sollen Max' Bewegungen noch realistischer ausfallen. Außerdem soll man nun die Zeit nun nicht mehr nur per Knopfdruck verlangsamen können, sondern auch die Möglichkeit haben in der so genannten Environmental Bullet Time, die wohl ähnlich wie ein Quick-Time-Event funktionieren wird, nicht nur schnell das Weite oder sein Heil im Angriff zu suchen, sondern auch das gezielte ausschalten von Gegnern gewährleisten.
In Verbindung mit dem neuen Deckungssystem soll dieses Feature laut Rockstar die ultimative Waffe gegen die überarbeitete und verbesserte KI darstellen. Um auf die von GTA 4 inspirierte Art des Schutzsuchens zu sprechen zukommen, muss man sich vor Augen halten, dass alles im virtuellen Sao Paulo zerstörbar sein soll.
So kann man sich also oftmals nur kurz Schutz suchen und muss ständig neue Verstecke anpeilen. Das treibt die Aktion nochmals in die Höhe und sorgt für zusätzliche Adrenalinstöße. Da das Spiel nicht mehr nur missionsbasiert ablaufen soll, bewegt man sich oft frei durch die Straßen und weiß nie, wo genau der nächste Gegner lauern könnte.
Ebenso soll es möglich sein die Level in Rambo-Manier zu durchschießen oder aber langsam, taktisch und bedacht vorzugehen. Ein Multiplayer-Modus ist übrigens auch angedacht. Wie dieser funktionieren soll, ist jedoch noch nicht bekannt.
Ersteindruck
Wer den Artikel aufmerksam studiert und sich die Bilder zu Gemüte geführt hat, der weiß bereits jetzt, dass man Max Payne 3 ruhigen Gewissens vorbestellen kann. Uns erwartet wohl im nächsten Jahr nicht nur die Fortsetzung einer großen Reihe, sondern auch ein Blockbuster der ein weiteres Mal Maßstäbe setzen wird. Sollte der Multiplayer-Modus noch durchdacht daherkommen, wird man den Titel höchstwahrscheinlich, wie schon seinen Vorgänger, jahrelang im Gedächtnis behalten. Was mir persönlich allerdings zu schaffen macht, ist die Ungewissheit, ob uns lediglich ein großartiger Titel ins Haus steht oder ob wir uns tatsächlich auf eine neues Max Payne, wie wir es erwarten, freuen dürfen. Nicht viel deutet darauf hin. Der neue, sonnige Schauplatz, der gealterte, stark veränderte Max und die fehlende Frau sind starke Anzeichen dafür, dass wir es hier mit einem gänzlich neuen Abschnitt, einem neuen Geschichtsgenre und somit auch eigentlich einem neuen Anfang unter altem Namen zu tun haben. Das mag alles wunderbar funktionieren, sofern die Action die Erzählweise nicht zu stark beeinflusst oder gar unterdrückt. Doch nicht mit wenigen nostalgischen Gefühlen denke ich an das verschneite New York, meine Polizeimarke und nicht zuletzt auch an Mona Sax zurück.









