E3 09: Modern Warfare 2 - First Facts
Modern Warfare 2 gilt als einer der meist erwarteten Shooter des Jahres. Kein Wunder, denn nach Entwickler Treyarch hat nun erneut wieder Infinity Ward die Strippen in der Hand - für viele Fans nach Call of Duty: Modern Warfare ein eindeutiges Indiz dafür, dass es in punkto Atmosphäre und Intensität nach dem etwas kränkelnden World at War wieder nach vorne geht. Weg vom oft kritisierten, da merklich ausgelutschten Setting des Zweiten Weltkrieges, erneut hin zur modernen Kriegsführung.
Eurasischer Silvesterknaller
Das, was wir bisher von Modern Warfare 2 sehen konnten, deutet jedenfalls eindeutig darauf hin, dass der Serie abermals ein Sprung nach vorne gelingt - heutzutage bei Fortsetzungen schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr -, soviel kann man bereits an dieser Stelle sagen. Gut, Modern Warfare 2 hat schon in den bisher bekannten Ausschnitten die Liebe zum Realismus und zur Taktik nicht gerade mit großen Bamboocha-Löffeln gegessen. Irre Hetzjagden mit dem Schneemobil, während links und rechts Bäume abknicken, allerlei Explosionen den Körper trotz Bibberkälte warm halten und man mit einer SMG im Dauerfeuer die üblichen Feindbilder niederstreckt, sind da nur der Anfang und mit Sicherheit kein Fest für Fans von Titeln wie Operation Flashpoint oder Armed Assault.
Es ist aber ein verdammt unterhaltsames, schnörkelloses und vor allem flüssig spielbares Popcorn-Actionkino auf höchstem Niveau. Zig parallel ablaufende und in ihrer Qualität abermals überzeugende Skriptsequenzen mögen vielleicht kein Garant für einen erhöhten Wiederspielwert sein, aber dann irgendwie doch. Oder hat denn niemand von Euch Call of Duty: Modern Warfare zuerst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad durchgespielt, nur um dann im Veteran-Modus so richtig den Dreck um die Ohren gewirbelt zu bekommen und sich kauernd hinter Deckungen mit tiefrotem Bildschirm das letzte Magazin in den Schießprügel zu laden? Zudem liegt abermals die Hoffnung darin begründet, wirklich alle geskripteten Events zu erfassen und einige von ihnen nicht in der Hitze des Gefechts zu verpassen.
Die gezeigten Spielszenen könnten einem Big Budget-Actioner entstammen: Zusammen mit dem aus dem direkten Vorgänger bekannten Captain MacTavish bewegt Ihr Euch im tiefsten Kasachstan auf glatten Vorsprüngen auf Messers Schneide. Todbringende Kluften wollen überwunden, eiskalten Windschüben soll getrotzt werden. Jeder Schritt könnte Euer letzter sein. Noch ein Vorsprung. Kein Problem. Und vielleicht mag es vorhersehbar sein, dass ausgerechnet an dieser Stelle mal wieder nichts nach Plan verläuft, aber es ist einfach intensiv: MacTavish macht den Anfang, schlägt sich mit seinen Pickeln perfekt an der Felswand fest und kann mühelos die Kante krallen, um sich nach oben zu hiefen. Als nächstes seid Ihr dran.
Der Sprung gelingt, wir klatschen aber direkt an die Felswand, unsere nicht fest genug sitzenden Pickel rutschen an der dicken Eisschicht nach unten. Noch weiter nach unten. Eisblöcke fallen bereits von der Wand gen vom Nebel verschleierten Boden. Nun hängen wir nur noch an einem Pickel. Das Atmen fällt schwerer, der Adrenalinpegel steigt merklich.
Mit letzter Kraft reißen wir unseren Körper herum und halten uns an einem eher schlecht als recht sitzendem Pickel mit beiden Händen fest. Ein verzweifeltes Zittern durchströmt den Körper. MacTavish reicht uns glücklicherweise eine Hand und kann uns im letzten Moment doch noch vor dem Fall ins Nichts bewahren.
Die große Unbekannte
Da möchte man selbst beim Zusehen den Schweiß von der Stirn abwischen - genauso dürften es die Prüfer der USK tun, denn allem Anschein nach bleibt der Gewaltpegel aus Modern Warfare erhalten. Während bei Treyarchs World at War in der unzensierten Fassung Gliedmaßen und Köpfe abgetrennt werden, gibt sich Modern Warfare 2 vergleichsweise brav. Drastisch inszeniert ist es trotzdem, wenn der gegnerische Fahrer eines Schneemobils mit dem um die Hausecke sausenden Eispickel ruckartig vom Gefährt gerissen wird oder neue Trefferanimationen die Einschläge der Projektile in gar nicht so netter Form bis zum Ableben der Figur zeigen.
Abseits der Präsentation ist trotz des recht nahen Releases - es ist der 10. November diesen Jahres - leider noch nicht allzu viel bekannt. Sicher ist aber, dass Ihr Euch nicht nur im eiskalten Kasachstan herumtreibt, sondern die Jagd nach den bösen Buben Euch vielmehr um den ganzen Globus schickt, darunter beispielsweise ein Abstecher nach Rio de Janeiro zum Zuckerhut.
Optische Quantensprünge darf man übrigens nicht erwarten - muss man aber auch nicht, denn mit der sinnvollen Integration einer neuen Streaming-Engine, die nun endlich einmal weitläufigere Landschaften und nicht nur auf vollschlank getrimmte Szenarien auch mit hohen Detailstufen auf den Bildschirm zaubert, sowie verbesserten Effekten sind eigentlich schon die nötigsten Schritte getan. Das an Eckpfeilern unberührte Grafikgerüst macht auch heute noch einen fantastischen Eindruck und läuft mit hoher Wahrscheinlichkeit - wir vertrauen durch Modern Warfare da einfach mal Infinity Ward - nahezu ohne Ruckler über den Screen.
Ersteindruck
Modern Warfare 2 klingt wie eine Einladung, in der steht: "Du willst atemberaubende Action?" - "Ja!" - "Du willst bewährtes, schnörkelloses Gameplay mit nochmals verbesserten Skriptsequenzen?" - "Hell yes!" - "Du willst ein Mittendrin-Gefühl, dass Hand in Hand mit einer kompromisslosen Inszenierung geht?" - "Jaaaaahaaaa!" - abrupt endet die Einladungskarte.
Zu rar gesät sind die handfesten Informationen, zu knapp die gezeigten Gameplay-Szenen - dennoch bin ich mir felsenfest sicher, dass der angepeilte November-Termin eingehalten werden kann. Nicht so sicher bin ich mir allerdings über zwei Unbekannte: Die Spieldauer der Einzelspielerkampagne und der Mehrspielermodus. Erstere war in der Vergangenheit meist so kurz, dass der Titel bequem an einem Stück durchgespielt werden konnte, zweiterer in Modern Warfare und World at War so spaßig, dass die Gefahr besteht, man könnte Fans mit mehr oder minder sinnvollen Features enttäuschen. Ich lasse mich dennoch gerne berieseln und freue mich wie eine Wildsau auf den Spätherbst.


