Penumbra: Im Halbschatten
Eine Warnung vorweg: Zart besaitete Naturen, die schon bei Spielen wie Silent Hill oder Resident Evil dankend resignierten, sollten nun besser nicht weiterlesen. Denn mit Penumbra: Im Halbschatten hat Entwickler Frictional Games ein ganz heißes Eisen im Horror-Feuer. Welchen Eindruck wir vom Spiel hatten und ob sich unser Redakteur dabei vor Angst eingenässt hat, erfahrt Ihr in unserer Preview.
Scheiß die Wand an, hab ich Angst!
Mysteriös, mysteriös: Im Horror-Adventure Penumbra: Im Halbschatten schlüpfen wir in die Rolle des bedauernswerten Phillipp, dessen Mutter vor kurzem ums Leben kam. Jedoch braucht ein Kind auch einen Vater. Dumm nur, dass dieser bisher laut den Worten seiner Mutter nichts von Phillipp wissen wollte.
Eines Tages erhält unser Alter Ego jedoch einen geheimnisvollen Brief seines Vaters, in dem er schreibt, dass er ein Buch verbrennen müsste. Dieses liegt sicher verschlossen in einem Safe, der Schlüssel dafür wurde mitgeschickt. Sein Vater könne es nicht mehr tun, denn er versichert ihm bereits tot zu sein, während er diesen Brief liest.
Doch was würdet Ihr tun? Das Buch einfach verbrennen ohne vorher darin zu lesen oder auf Euer Herz hören, das Euch rät, darin zu lesen, weil es der bisher einzige Kontakt mit Eurem Vater ist? Phillipp entscheidet sich für die zweite Variante, studiert das seltsame Buch und stößt schließlich auf Koordinaten, die ihn ins eisige Grönland führen und letztendlich den Anfang von Penumbra: Im Halbschatten darstellt.
Horror in kleinen Häppchen...
Im Halbschatten ist der Auftakt einer dreiteiligen Episodenreihe, in dessen Verlauf wir immer tiefer in das Geheimnis um den mysteriösen Wälzer und seine anziehende Wirkung auf alles, was böse ist, hineintauchen.
Das Besondere am Spiel ist die Verknüpfung von Ego-Perspektive und Steuerung. Man fühlt sich von Anfang an in Phillipps Körper hineinversetzt. Wollt Ihr beispielsweise eine Tür öffnen, wird ein Cursor sichtbar. Danach hält man die linke Maustaste gedrückt und bestimmt mit seiner Mausbewegung die Art des Öffnens.
Wollt Ihr schnell in einem Raum hineinstürmen, haltet Ihr die Maustaste gedrückt und macht eine schnelle Bewegung nach vorn, um so die Tür regelrecht aufzureißen. Seid Ihr auf der Flucht, ist dies definitiv die beste Variante. Wollt Ihr Euch aber erst vorsichtig in einen Raum hineintasten, fahrt Ihr mit der Maus ganz langsam nach vorn.
Solche interaktiven Möglichkeiten werden auch in den Half Life 2-ähnlichen Physikspielereien immer wieder zur innovativen Herausforderung. Gelangt Ihr zum Beispiel an bestimmte Stellen nicht heran, baut Ihr Euch einfach eine Brücke oder ein Plateau aus Kisten. Klar konnte man dies auch bereits in anderen Spielen, aber die Art und Weise, mit der man sich in Penumbra mit seiner Umwelt auseinandersetzen kann, ist schlichtweg cool.
Boah, ist der Kleine niedlich!
Aber irgendwas haben wir doch vergessen, etwas fehlt doch noch! Ach ja, wir erwähnten ja bereits, dass Penumbra: Im Halbschatten ein Horror-Adventure ist, da d ürfen auch böswillige Kreaturen nicht fehlen. Die einzigen beiden Monster in unserer Preview waren jedoch lediglich von Dämonen besessene Hunde sowie fiese Spinnen. Und ausgerechnet hier schlampt das Spiel etwas.
Denn so einfach die Steuerung an sich auch ist, in den Kämpfen versagt die Idee hinter dem Handlingsystem. Bevor man überhaupt zuschlägt, zieht man erst die Maus in die gewünschte Richtung und holt dann erst zum Schlag in die entgegensetzte Richtung aus. Diese Kampfsteuerung wirkt verkrampft und absolut unnötig.
Zwar kann man im Optionsmenü auch die einfachere Variante des simplen Schlagens durch einmaliges Drücken einstellen, dennoch dauert es etwas zu lange, bis Phillipp überhaupt erst zuschlägt. Zudem wäre uns die erste Art der Kampfsteuerung in vereinfachter Form lieber gewesen, dies hätte dann auch mit der mehr oder weniger innovativen Steuerung an sich harmoniert.
Auf Kämpfe muss man sich zum Glück aber nicht einlassen. Wir können auch von Schatten zu Schatten huschen was angesichts der dunklen Szenerien kein großes Problem darstellt - und müssen lediglich aufpassen, nicht entdeckt zu werden. Alternativ schalten wir Feinde auch mit herumstehenden Gasbehältern aus.
Versuch es erst gar nicht, du Noob!
Fluchtversuche sind hingegen recht selten von Erfolg geprägt. Wer denkt, er könnte einfach eine Tür hinter sich verschließen und wäre damit sicher, irrt gewaltig. Selbst wenn man eine Kiste davor stellt, bleiben nur wenige Sekunden, bis die Gegner diese Barrikade durchbricht. Das Gefühl des Terrors ist also allgegenwärtig, daher zieht das Spiel auch einen Großteil seiner Atmosphäre.
Grafisch kann sich Penumbra: Im Halbschatten bisher zwar nicht mit den Genregrößen messen, liefert aber eine rundum solide Darstellung. Überzeugen konnte uns die Physik-Engine, die im Spiel immer wieder eine wichtige Rolle spielt. Denn man kann fast alles bewegen, was nicht niet- und nagelfest ist.
Das Gerüst ist eine eigens für Penumbra entwickelte Grafik-Engine, die sich vor allem auf Innenräume spezialisiert, daher auch echt wirkende Licht- und Schatteneffekte auf den Bildschirm zaubert. Verbesserungsbedarf gibt es jedoch hinsichtlich der Effekte, zum Beispiel von Explosionen, die momentan noch etwas mickrig aussehen. Auch das Design der Kreaturen lässt noch etwas zu wünschen übrig.
In akustischer Hinsicht haben wir allerdings reichlich wenig zu beklagen. Die dezent eingesetzten Klänge treffen genau den Nerv des wahren Horrors, der eher mit Qualität statt Quantität daher kommt und so eine Stimmung aufbaut, die einfach nur als beklemmend und klaustrophobisch zu bezeichnen ist.
Ersteindruck
Ich kann Penumbra: Im Halbschatten schon jetzt als absoluten Geheimtipp für Freunde des subtilen Gruselns empfehlen. Die Eindrücke der Preview-Version waren bis auf kleine Ausnahmen überwältigend. Atmosphärisch zieht das Spiel bisher alle Register, die man aufbieten muss, damit sich die Zehennägel des Spielers nach oben kringeln.Der Release liegt zum Glück nicht mehr in allzu weiter Ferne, denn Im Halbschatten wird bereits im April erscheinen. Dadurch ergeben sich aber auch Zweifel an der Überarbeitung des Kampfsystems, denn dieses Manko könnte die Suppe ordentlich versalzen und das Spiel künstlich schwieriger machen. Ich jedenfalls drücke hoffnungsvoll die Daumen für etwaige Verbesserungen.
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