Port Royale 2

Preview
Plattform
PC
Vertrieb
Take 2
Entwickler
Ascaron
Erscheinungsdatum
N/A
Genre
Simulation
Port Royale 2 [PC , looki.de]

Port Royale 2

Zurück in die Karibik

Will wohl jeder, der einmal da war. Auch die Ascaron-Designer rund um WiSim-Guru Daniel Dumont (Patrizier 2, Port Royale 1) können nicht von türkisblauem Wasser und 365 Tagen Sonnenschein lassen, also war die Entscheidung für eine Fortsetzung der – hierzulande äußerst erfolgreichen – Wirtschaftssimulation Port Royale eine logische Entscheidung. Allerdings gab es seitens der Fans doch einiges am ersten Teil zu bemängeln, daher wird hier nicht einfach eine Neuauflage mit besserer Grafik und einer handvoll neuer Features in die Läden kommen, das hat Daniel zuletzt immer wieder deutlich gesagt und soll hier nicht unerwähnt bleiben.

Das Konzept wurde, um es gleich mal auf den Punkt zu bringen, für den zweiten Teil mehr oder weniger komplett neu überdacht. Mehr Handel & Aufbau, ein wesentlich ausgeprägterer „Eroberungspart“, nicht weniger (aber dafür besser ins Spiel integrierte) Abenteuermissionen und ein von Grund auf neu gestaltetes Interface – das sind die großen Änderungen, die jedem Kenner des ersten Teils sofort auffallen werden. Damit das alles bei Release auch funktioniert – was man ja bei Port Royale nicht gerade behaupten konnte, findet obendrein derzeit noch ein ausgeprägter Betatest statt, alles in allem also gute Aussichten für einen tollen Nachfolger sollte man meinen.

Was zählt, sind die Moneten!

Die für eine Wirtschaftssimulation untypischen „Abenteuerpunkte“, welche der Spieler in PR1 zum Aufstieg benötigte, sind zum Glück Vergangenheit. Um es in Port Royale 2 zu was zu bringen, zählt nur noch das liebe Geld. Eine sinnvolle Verbesserung, die dem Spieler spätestens nach dem ersten gewinnreichen Verkauf von Waren ins Auge stechen wird, denn der stets eingeblendete Vermögensbalken steigt mit jedem verdienten Goldstück weiter an – ist er voll steigt man einen Rang auf, insgesamt gibt es 16 Hauptränge plus unbeschränkte Aufstiegsmöglichkeiten für die Zeit nach Erreichen der höchsten regulären Stufe. So hängen beispielsweise das Recht Baugenehmigungen in weiten Städten zu kaufen, weitere Kapitäne zu rekrutieren oder besonders heikle Missionen für einen Gouverneuer durchführen zu dürfen, immer vom Rang des Spielers ab. Durch die Kopplung von, mit jedem Rang steigenden Vermögensanforderungen, und den neuen Möglichkeiten jedes Ranges ist somit für Langzeitmotivation gesorgt, denn bis man alles im Spiel gesehen hat (und damit Herrscher der Meere ist), vergeht eine ganze Menge Zeit.

Wer sich selber nicht unbedingt als geborener Händler bezeichnen würde, muss sich jedoch keine Sorgen machen. Auch Abenteurer, die lieber Piraten jagen oder Rätsel knacken, haben nach wie vor alle Chancen auf höher Ränge, denn wer diesen Weg einschlägt erhält mehr als genug Gold als Belohnung, so dass Ascaron einen fairen Kompromiss gefunden hat, um allen Spielern Möglichkeiten zu geben, im Spiel voranzukommen – das war im Vorgänger ja noch ein großes Manko, dort waren Händler & Aufbauer eher im Nachteil und mussten sich zwangsweise in waghalsige Abenteuer stürzen.

Willst du kaufen rote Rosen?

Nein, Rosen gibt’s im insgesamt 20 Waren umfassenden Angebot der Karibik nicht, dafür jedoch in 5 Gruppen unterteilte, epochengerechte Waren. Während beispielsweise die Grundgüter (Weizen, Obst usw.) dafür sorgen, dass die arbeitende Bevölkerung nicht verreckt, lassen sich mit Fertigwaren (z.B. Rum) oder Importwaren (z.B. Gewürze) richtig dicke Gewinne erwirtschaften...sofern man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, denn neben dem Spieler schippern auch noch einige Dutzend KI-Captains über die Meere, und die wissen (fast) immer wo sich gute Geschäfte tätigen lassen. Das aus Patrizier 2 bekannte – und unter Kennern als Referenz geltende – Handelssystem findet man auch in Port Royale 2 wieder, wenn auch in etwas weniger freakkompatibler Form, schließlich will Ascaron auch den Gelegenheitsspieler ansprechen, daher ist das ganze recht schnell und vor allem einfach zu begreifen.

Dank optischer Handelshilfen (dringend benötigte Waren werden im Handelsmenü einer Stadt immer rot markiert), transparenter Preise und jeder Menge Statistiken für Nicht-Studierte, kann so auch Opa Hubert im Nu die ersten Gewinne machen - die regelmäßigen „Nach 10 Minuten war ich pleite“ Rufe vieler PR1 Spieler dürften diesmal ausbleiben. Im Gegenteil, wer mag darf sich sogar eine DVD anschauen oder in die Stadt zum shoppen fahren während die KI für den Spieler handelt, denn dank der völlig neuen, aber hoch effektiven Autoroutenplanung wird das Geld in Port Royale 2 sprichwörtlich im Schlaf verdient. Einfach ein Schiff kaufen, Kapitän einstellen und eine Route mit mehr als einer Stadt planen (soviel Arbeit muss dann doch noch sein...) und fertig, den Rest macht der gute Kapitän dann selber, denn der weiß dank feiner Logik immer, mit welchen Waren er in den nächsten Städten auf seiner Route die ein oder andere Goldmünze verdienen kann.

Zwar wird dieses Feature bei „Profis“ nur ein müdes Lächeln hervorrufen (die dürfen natürlich auch jedes Detail einzeln einstellen), doch für den typischen „Ich handel mir mal einen“ Feierabend-Spieler handelt es sich hierbei um eine tolle Sache, keine Frage. Desweiteren hat Ascaron auch das Waren-Chaos der noch immer über 60 Städte etwas entschärft, im zweiten Teil produziert eine Stadt immer nur 5 Waren, eine zusätzliche Unterscheidung der Waren nach Regionen (bestimmte Waren lassen sich nur in jeweils 2 von vier Regionen produzieren), sowie die Aufteilung der fünf Warengruppen in normale Städte / Gouverneurstädte, lassen jeden noch so wisim-muffeligen Spieler schnell erahnen, welche Stadt was benötigen könnte, somit sind erste Absatzmärkte schnell auszumachen und die Goldstücke fließen in Strömen.

Schaffe, schaffe, Häusle baue

Wahre Freunde des zünftigen 'Wirtschaftssimulierens' kennen das: Warum sollte man Waren für teures Geld kaufen, wenn man sie doch viel günstiger selber produzieren kann? Eine berechtigte Frage, für die das Spiel natürlich eine passende Antwort parat hat: 17 der insgesamt 20 Waren lassen sich nämlich auch kostengünstig vom Spieler selber erzeugen, alles was er dafür braucht ist eine Baukonzession in einer Stadt, wo die gewünschte Ware produziert werden kann, Baumaterial + Gold für die Gebäude und natürlich Arbeiter. Da jedoch einige Waren wiederum andere Waren als Rohstoff benötigen, sind hier ausgefeilte Versorgungsrouten nötig, sonst stehen die Betriebe still. Positiver Randeffekt jeder Eigenproduktion: Eine Stadt wächst mit jedem neuen Betrieb weiter an, und benötigt dann automatisch mehr und mehr Waren. Wer das System an seine Grenzen treiben will kann die Spirale, nach Angaben von Ascaron, soweit treiben, dass jeder Milimeter Karibik irgendwann zugebaut ist und im extremsten aller Fälle jedes einzelne Gebäude dem Spieler gehört (man kann nämlich auch KI-Betriebe kaufen) – doch Vorsicht, dieses Vorhaben erfordert grob geschätzt die komplette Jahresfreizeit eines durchschnittlichen, deutschen Beamten...also gaaaanz viel Zeit.

Port Royale gespielt und skeptisch, was eigene Betriebe betrifft? Verständlich. Doch keine Sorge, für den Nachfolger hat Ascaron die gesamte Produktion von Waren derart userfreundlich angepasst, dass es nun eine wahre Freude ist selber Dinge herzustellen. Man muss sich nämlich absolut keine Sorgen mehr machen, dass man sein Zeug nicht los wird und darauf sitzen bleibt...ein Problem, das viele PR1-Spieler in den Wahnsinn bzw. direkt in die Pleite getrieben hat. Mittlerweile kann man seine selber hergestellten Güter sogar am Ort der Produktion (also in der jeweiligen Stadt) immer mit etwas Gewinn verkaufen, so dass jederzeit zumindest die laufenden Kosten der eigenen Betriebe erwirtschaftet werden können wenn die KI die umliegenden Städte mal wieder mit Waren überschwemmt hat und die Preise im Keller sind. Sicherlich ist das nicht Sinn der Sache, aber für Genre-Neulinge eine hilfreiche Einstiegshilfe, um das System locker und ohne Frust kennenzulernen.

Zeit für Action is immer

Daher darf der Spieler in Port Royale 2 sich jederzeit ins Gefecht stürzen, sprich mal ordentlich Piraten vermöbeln oder Konvois feindlicher Nationen ins Visier nehmen. Während Piraten immer zum Abschuss freigegeben sind, benötigt man für Angriffe auf Schiffe anderer Nationen Kaperbriefe, und die gibt’s nur in Kriegszeiten – greift man ohne den Wisch an ist auch Krieg, dann aber Krieg Spieler vs. Alle, was man vermeiden sollte. Um eine Seeschlacht zu beginnen benötigt man (sofern man nicht gerade selber angegriffen wird) mindestens ein Schiff, Kanonen und Munition. Ein Konvoi kann jedoch insgesamt bis zu 5 Kampfschiffe haben, allerdings ist immer nur eines dieser Schiffe aktiv, man muss also nicht mehr mit 10 Schiffen gleichzeitig kämpfen wie noch im Vorgänger. Ist das erste Schiff beschädigt kann man jederzeit ein neues in die Schlacht holen, solange bis man entweder keine Ersatzschiffe mehr hat oder der Kampf zuende ist weil alle Gegner versenkt oder gekapert sind. Für letzteres benötigt man noch Matrosen, die kosten jedoch viel Geld, spielen dieses nach einigen Entervorgängen aber locker wieder ein, weil sich erbeutete Schiffe und Waren verkaufen lassen.

Grafisch hat sich im Vergleich zu PR1 nur wenig in den Seekämpfen getan, noch immer steuert man Minischiffe, die im Vergleich zum Spiel „Fluch der Karibik“ etwas armselig aussehen und eher an Schiffe aus diversen RTS-Games erinnern – dafür sind die Gefechte aber actionreicher und machen einen Heidenspaß. Was sich sehr wohl geändert hat ist die KI der Gegner, die ist im Vergleich zur Größe der Schiffe oscarverdächtig gut geworden, denn die KI hat mittlerweile allerlei fiese Mannöver im Angebot, die den Spieler immer wieder aufs neue fordern. Dazu gehören u.a. Dinge wie taktische Flucht (angeschlagene Schiffe verlassen das Spielfeld), Distanzfahrten (Gegner bleibt konstant außer Schußreichweite und erfordert so gewagte Mannöver des Spielers) und rasche Munitionswechsel, die dem Spieler dann mal unerwartet ein Segel kosten oder die halbe Besatzung vom Schiff hauen...alles sehr spassige Sachen, welche die Tischkante des typischen Gamer-Schreibtisches freuen werden wenn die KI mal wieder einen unerwarteten Schachzug gemacht hat. Als ganz besonderes Feature warten von Zeit zu Zeit noch „echte“ Fechtkämpfe auf den Spieler, die Pirates-Veteranen in Jubel ausbrechen lassen werden! Diese Kämpfe lockern die Atmosphäre ungemein auf und steigern das Gefühl, einen richtigen Sieg erlangt zu haben sehr.

Piratennester, Schätze & die Tochter des Gouverneurs

Nein, aber hier folgt kein Review zu einem Kinofilm, sondern hierbei handelt es sich um Inhalte des umfangreichen Abenteuer-Parts, den Port Royale 2 zusätzlich zu den anderen großen Bereichen aufbieten wird. Im Prinzip kann man sich an jeder Ecke in ein Abenteuer stürzen, wenn man dies ausdrücklich will! Denn keiner ist gezwungen, die unzähligen Zusatzmissionen anzunehmen, die sich allerorten ergeben. Egal ob in der Kneipe oder beim örtlichen Gouverneuerr, irgendwo kann man immer einen Auftrag aufschnappen. Diese bringen neben Geld auch viel Abwechslung, denn wenn die Handelsrouten erstmal laufen und sich das Geld automatisch vermehrt, kommt von Zeit zu Zeit immer wieder etwas Ruhe ins Spiel, die man dann wunderbar mit der Erfüllung eines Aufrages überbrücken kann. Die Palette ist breit, vom einfachen „bring mir 100 Fass von Ware X“ über „ein Kopfgeldjäger bedroht mich, versenkt sein Schiff“ bis hin zu Annektierungen kompletter Städte oder der Suche nach einem Schatz gibt es knapp hundert verschiedene Missionen, die sich durch die große Anzahl auch nicht ständig wiederholen. Wer es ganz hart mag, greift einfach ein komplettes Piratennest an, was je nach Größe schonmal eine gute halbe Stunde in Anspruch nehmen kann.

Vorsprung durch Technik?

Das wohl eher nicht. Grafisch bietet Port Royale 2 solide 2D-Ansichten mit gelegentlicher Verwendung von 3D-Grafik (Seekämpfe, Fechten usw.), alles in allem überzeugt die Optik, wenn auch einige Dinge wie etwa die noch immer etwas steril in der Landschaft stehenden Gebäude noch etwas besser hätten sein können. Die bereits angesprochenden Mini-Schiffe in den Seeschlachten mögen durchaus Sinn haben, denn bei größeren Schiffen würde sicher die Übersicht leiden – allerdings hätte man hier vielleicht doch eine deutlichere optische Steigerung erwarten können. Als sehr gelungen kann man jedoch die neuen Wassereffekte bezeichnen, die aber mindestens eine GPU der Generation GeForce 3 erfordern. Den Ohrwurm-Soundtrack aus dem ersten Teil sucht man diesmal leider vergeblich, zwar ist die Musik immer noch hörenswert, und auch die Geräuschkulisse (übrigens handelt es sich dabei um aus diversen Hollywood-Filmen bekannte, original karibische Geräusche, die man per Lizenz für das Spiel gekauft hat, z.B. Kanonendonner der Schiffe) überzeugt, doch irgendwie kommt die Musik nicht mehr an Port Royale heran, schade eigentlich. Ansonsten kann man aus „technischer“ Sicht recht zuversichtlich sein, ein Release-Debakel wie beim Vorgänger wird es optimistischen Prognosen nach nicht mehr geben, ein seit Dezember laufender Betatest läuft bislang ziemlich erfolgreich, dank der tatkräftigen Unterstützung der Betatester ist zum derzeitigen Zeitpunkt durchaus von einem ausgereiften Produkt auszugehen, doch endgültig wird man das sowieso erst sagen können wenn das Spiel erhältlich ist, zumindest aber scheint Ascaron auf dem richtigen Wege zu sein.

Ersteindruck

Als eingefleischten Patrizier 2 – Fan hat mich Port Royale vor etwas über einem Jahr in einigen Punkten enttäuscht, vor allem das viel zu platte Handelssystem und die zu extrem vom Spieler abverlangten Abenteuerelemente machten aus dem Spiel für mich eine Art Bastard, bei dem man nicht genau sagen konnte um was für ein Spiel es sich da eigentlich handelte. Dass ich das nicht alleine so gesehen habe ist mittlerweile klar, daher waren meine Erwartungen bzgl. der von den Entwicklern vorgenommen Veränderungen beim ersten Anspielen der aktuellen PR2-Beta enorm hoch. Soviel kann ich sagen: Ich wurde nicht enttäuscht, sondern sehr angenehm überrascht! Fast das gesamte Spiel wurde kräftig umgekrempelt, und vor allem wurden Kompromisse gefunden, die endlich jeden Spielertypen zufrieden stellen dürften. Egal ob Händler, Aufbau-Stratege, Fan von Seekampf-Action oder immer für ein Abenteuer offener Spieler – hier werden alle bedient. Vor allem die Tatsache, dass ich selber entscheiden kann auf was ich im Spiel gerade Lust habe freut mich sehr, denn so stelle ich mir einen Mix aus verschiedenen, bekannten Spielelementen vor. Wenn bis zum Release keine größeren Probleme mehr auftauchen und noch die ein oder anderen von eifrigen Betatestern gemeldeten Designschnitzer ausgemerzt, und Ideen eingebaut werden, dann erwartet uns im April ein hitverdächtiges Spiel, das sich im Gegensatz zu vielen anderen Spielen der letzten Zeit endlich mal wieder durch Inhalte & Langzeitspass auszeichnet anstatt durch unendlichen Hardwarehunger und Gameplay auf Sparflamme. Hisst die Segel, ihr Landratten!

Port Royale 2 [PC , looki.de]

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