Prey
Großer Manitu! Ein Shooter mit Hirn? Sowas hat das von Serious Sam geplagte Shooterherz lange nicht mehr gesehen. Doch mit dem ungewöhnlichen Prey vom Duke-erprobten Traditionshersteller 3DRealms steht uns mit größter Wahrscheinlichkeit ein Meilenstein der Spielegeschichte bevor. Wir waren vor Ort und hatten die Chance schon einmal Hand anlegen zu können.
Tommy, der Hauptcharakter des Spiels ist Navaho Indianer und will von seinen Vorfahren und dem ganzen mystischen Indianerkram eigentlich nichts wissen. Um das Reservat in dem er lebt verlassen zu können, schreibt er sich bei der US-Army ein. Nach seiner rauen Dienstzeit kehrt er zurück um seine Verlobte zu heiraten und außerhalb des Reservats ein neues Leben zu beginnen, doch dummerweise will da seine Freundin nicht mitmachen es wäre ihr unverzeihbar ihr indianisches Erbe zu verleugnen.
Natürlich kommen just zu dem äußerst unpassenden Zeitpunkt die fiesen Aliens, beginnen mit der Menschenernte und nehmen wie üblich die Welt als Geisel.
Die Aliens haben sich die Menschen ausgewählt, weil sie einen nahrhaften Snack für die lange Reise in ihrem Raumschiff brauchen wer kennt das nicht? Auch Tommy, seine Freundin und sein Großvater werden an Bord des organischen Alienschiffs verschleppt. Aber ein Zufall rettet Tommy und ermöglicht ihm, sich halbwegs frei auf der außerirdischen Fregatte bewegen zu können. Das Gemetzel kann beginnen. Sein Großvater kommt um, während Tommy mit ansehen muss, wie er im wahrsten Sinne des Wortes zu Mettwurst verarbeitet wird. Wie es sich für einen richtigen Mann gehört, rächt er sich blutig... sehr, sehr blutig. Im weiteren Verlauf des Spiels steht Großvaters Geist seinem Enkel mit Rat und Tat zur Seite. Und mehr als das er bringt Tommy, wie es das Klischeegesetz verlangt, sein sonst so gemiedenes indianisches Erbe näher.
Prey wurde auf der E3 1997 erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt. Ein Eindrucksvoller Trailer begeisterte die Journalisten vor Ort und das weltweite Publikum sofort. Nach einem letzten Aufbäumen 1998, ebenfalls in Form eines Trailers, verschwand das Spiel aus den Medien niemand hat wieder etwas Genaues gehört. Ein paar Jahre später existiert es wieder Duke Nukem 3D-Erschaffer 3D Realms nimmt sich dem Projekt an und wird Tommy als Produzent zusammen mit Entwickler Human Head (Rune) wieder aufleben lassen. Die reinkarnierte Fassung wird neben unzähligen Neuerungen auch die Kernfeatures des Ur-Spiels übernehmen: Portale, Indianer und eine Welt in Form einer Dyson Sphäre .
Frosta ist für alle da
Unser Protagonist entgeht nur ganz knapp der Schockfrostung der riesigen, extraterristrischen Vorratskammer des Alienmutterschiffs. In einer spektakulären Szene gelingt ihm die Befreiung seiner selbst.
Ausgerüstet mit einem schlagkräftigen Schraubenschlüssel geht es nun ans Tatwerk unseres neu erschaffenen Helden Tommy. Ganz Klischeehaft ist die Aufgabe eines jeden Helden, die Liebe seines Lebens aus den Klauen der Bösen zu befreien in etwa dem gesamten ersten Drittel des Spiels wird es darum gehen, Jenny in Sicherheit zu bringen. In den etwa 15 Stunden Restspielzeit verbringt der Spieler damit die Welt zu Retten und fiese schleimige Alienbösewichte in die ewigen Jagdgründe zu schicken... Heldenkram eben. Abgesehen vom Intro verbringt der Spieler die komplette Zeit in der Dysonsphäre und der Geisterebene damit der Spieler nicht nach ein paar Spielstunden die Entdeckungslust verliert, sorgen die Entwickler für allerhand Abwechslung. So sollen die verschiedensten Stilrichtungen für ein spannendes und einzigartiges Spielerlebnis sorgen. Spannende Innen- sowie Außenareale sind bei Prey kein nützliches Beiwerk, sondern tragendes Element. Mehr oder weniger lustige Details, wie bekannte Gegenstände aus dem Indianerreservat die bei der Menschenernte mit eingesogen wurden, findet man überall im Spiel.
Da die Aliens den Menschen technologisch weit voraus sind, stößt man an jeder Ecke auf fremdartige Mechanismen und Technologien. So können die hässlichen Raumbewohner nach Belieben die Schwerkraft auf ihrem künstlichen Planeten umkehren oder außer Kraft setzen. So kann man an vordefinierten leuchtenden Laufbändern bequem die Decke hochlaufen und von oben (oder unten das kann man in Prey eh nicht auseinander halten) das Geschehen der halsstarrigen Aliens beobachten. Diese Routen brauchen Energie und werden über spezielle Schalter geregelt. Dieses Feature bietet ungeahnte taktische Möglichkeiten Kisten, Gegenstände, Gegner und natürlich Tommy plumpsen beim Auslösen der Schalter ins neue Unten und öffnen so Wege, verschaffen Deckung oder setzen mit ein wenig Glück Aliens außer Gefecht.
Um die Wege innerhalb der riesigen Sphäre möglichst kurz zu halten stellen die Entwickler Tommy ein gut ausgerüstetes Shuttle zur Verfügung. Das fliegende Wohnmobil besitzt Laser und Traktorstrahl und ist bei vielen Rätseln ein essenzielles Werkzeug. Neben dem Shuttle sind auch überall Teleportale zu finden, die Tommy von einer Sekunde auf die Andere an einen beliebigen Punkt in der Kugel transferieren können. Die Portale lassen allerdings nicht nur Tommy durch, auch Gegenstände wie Granaten oder blaue Bohnen landen auf der anderen Seite. Auch Gegner erstellen oft da Portale, wo man sie nicht erwartet und sorgen für viele unvorbereitete Kämpfe. Zur Orientierung hilft Tommy ein von Opa geschickter Geisterfalke namens Talon. Dieser Vogel hilft in allerlei Situationen. Der ständige Begleiter entdeckt Schalter, übersetzt Alienschrift und stürzt sich auf Gegner um sie abzulenken.
Hail to the Chief, Baby
Prey hat alles, was ein guter Shooter braucht. Die Gegnervielfalt, die Tommy an den Kragen will ist riesig. Eine ganze Palette an Aliens, roboterähnlichen Wesen, aus Körperteilen verschiedenster eingesogener Rassen zusammengeflickten Mutanten und wahnsinnigen Entführten sorgen für eine abwechslungsreiche Gegnervielfalt, die nicht so schnell Langeweile aufkommen lassen dürfte. Die Bösewichte sollen allerdings eher als Einzelgänger ihre Runden drehen und nur seltener in Gruppen angreifen, dafür mit umso mehr künstlicher Intelligenz ausgestattet sein. Sie wissen um Spielelemente wie die veränderbare Schwerkraft und setzen diese auch effektiv ein.
Damit Tommy dem auch etwas entgegenzusetzen hat, findet er im Laufe des Spiels etliche Waffen und Gadgets. Neben Standardwaffen, wie Pistolen und Gewehren, kämpft man auch mit cooler Alienausrüstung, die er sich allerdings vorher erst einmal erkämpfen muss. So ist das Maschinengewehr in Prey kein normales automatisches Schießgerät, sondern der ehemalige Arm eines riesigen Bossgegners, den Tommy sich als Trophäe an Land gezogen hat.
Die Waffen verfügen allesamt über einen zweiten Feuermodus mit dem dem man je nach Waffe zum Beispiel Schilde aufbauen oder veränderte Projektilformen abfeuern kann, mit dem alternativen Feuermodus der Leech-Gun stellt man Gegner wortwörtlich auf Eis, die dann langsam zur leckeren Aliensuppe dahin schmelzen.
Manitus Erbe
Dass Tommy nicht unsterblich ist, erfährt man früh genug im Spiel. Doch damit ist natürlich längst nicht alles vorbei. Der Spieler kann nach dem virtuellen Dahinscheiden aus zwei Arten der Reinkarnation wählen. Neben dem üblichen Quickload besteht auch die Möglichkeit in der Totenwelt aufzustehen und sich mit frischer Lebensenergie zu versorgen. Dafür muss Tommy nur ein paar geisterhafte Wesen mit seinem Bogen erledigen. Das ist nicht nur innovativ, sondern auch eine viel spannendere Alternative zum Shooter-Standard.
Nach und nach beginnt unser Protagonist sein indianisches Erbe immer mehr zu spüren, auch wenn er es vorher immer verleugnete, ist er mit seinem Stamm, besonders mit seinem Großvater im Geiste verbunden. Immer wieder reist er in eine Art spirituelle Ebene in der er den Geist seines Vorfahren trifft. Hier erlernt Tommy seine Spezialfähigkeiten, wie den Spiritwalk. Diese Spezialfähigkeit ermöglicht es ihm augenblicklich seinen Körper zu verlassen und als Geist unerreichbare Schalter erreichen oder Gegner mit dem Geisterbogen ausschalten. Während des Spiritwalks ist der Körper verwundbar und wehrlos, weswegen man ihn immer im Auge behalten sollte. Im Laufe des Spiels erlernt Tommy eine Reihe von solchen Fähigkeiten von seinem Großvater und findet so seinen Weg zurück zu seinen Wurzeln.
MultiPrey
Der Multiplayermodus wird wohl der innovativste seit langem werden nicht wegen der Modi, sondern wegen dem wahnsinnigen Design der Maps. Jede Map soll eine eigene Geschichte erzählen und sich um ein besonderes Thema drehen. Im Mehrspielerpart von Prey treffen alle Besonderheiten des Spiels geballt aufeinander: Spiritwalk, Gravitationsumkehr und Portale - da wird man es in den ersten Minuten Spielzeit mit Sicherheit schwer haben auch nur Ansatzweise auszumachen, was oben und was unten ist. Wir haben den Multiplayer vor Ort angespielt und waren sehr angenehm überrascht sehr gewöhnungsbedürftig, aber absolut spaßig. Prey bietet ein einzigartiges Mehrspieler-Erlebnis. Der Nachteil der Doom-Engine ist allerdings die geringe Spielerzahl pro Karte. Massenschlachten, wie in Battlefield 2 sind ausgeschlossen. Bis zu acht Kämpen werden sich auf den Prey-Servern bekriegen können.
Ersteindruck
Mit Prey steht uns ein erstklassiger Shooter mit Hirn ins Haus. Solch eine Vielfalt an Action, Abwechslung und Innovation gab es schon lange in keinem Shooter mehr. Aus den Elementen aus denen sich Prey zusammensetzt hätten einige Entwickler locker mehrere Spiele gemacht und selbst das wären wohl noch gute Spiele geworden. In Sachen Technik und Mapdesign liegt das Spiel mit seinen organischen Levels und der tollen Grafik bereits jetzt ganz weit vorn, ein potenter Rechner vorausgesetzt wenn jetzt noch die Story stimmt, marschiert Prey unaufhaltsam auf den Genrethron zu.
Forum
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