Prisoner of War
Dark Projekt hat eindrucksvoll gezeigt, dass es einen Heidenspass machen kann, in fremde Gebäude und Anlagen einzusteigen. Was aber, wenn man schon drin ist und eigentlich gar nicht freiwillig rein wollte? Da gibt es nur eines. So schnell wie möglich raus. Und zwar mit den gleichen Mitteln, wie sie seinerzeit schon der Meisterdieb geschickt anzuwenden wusste.
Vom Himmel herabgestiegen
Prisoner of War heißt das Spiel, dass mit einem recht eigenwilligen Spielkonzept ab Mai nächsten Jahres die heimischen Festplatten erobern will. Entsprechendes Potential ist vorhanden, nicht zuletzt die Verkaufszahlen von Commandos 2 beweisen, dass eine Vielzahl von Spielern taktische Konfliktlösungen liebt. Die Hintergrundgeschichte des Spieles ist einmal mehr im Szenario des Zweiten Weltkrieges angesiedelt. Doch sollte man jetzt keine voreiligen Schlüsse ziehen.
Prisoner of War versetzt den Spieler nicht hinter klein oder großkalibrige Waffen, vielmehr findet er sich vor den Läufen selbiger wieder. Denn der Spieler ist ein Kriegsgefangener, abgeschossen mit seinem Aufklärungsflugzeug über einem Gefängniss der Deutschen. Und um kostbaren Treibstoff zu sparen, Deutschland befindet sich schließlich zu diesem Zeitpunkt schon in verteidigender Haltung, wird der Pilot gleich an Ort und Stelle in dem Gefängniss in einer kleinen, unfreundlichen Baracke untergebracht. Doch eigentlich hätte es schlimmer kommen können, in diesem Lager werden die Gefangenen noch einigermaßen human behandelt.
Doch der Drang, in die Freiheit zurückzukehren, ist schließlich stärker. Doch, wie sollte es anders ein, sie werden erwischt, ihr Copilot mit einer akkuten Bleivergiftung zu den Radieschen befördert, und es erfolgt eine Strafverlegung in das Hochsicherheitsgefängniss Colditz. Bekannt dafür, absolut ausbruchsicher zu sein, erwarten sie dort auch schon strenge und bestens ausgebildete Wachen, die ihnen ihre neue Zelle in einem feuchten Kämmerlein der Burg zuweisen.
Durch Zufall erhaschen sie einmal eine Information über den Bau einer geheimen Superwaffe, die angeblich den deutschen Endsieg bringen soll. Und pflichtbewußt wie sie sind, ist es natürlich eine Frage der Ehre, die Konstruktion besagter Waffe zu vereiteln. Ob sie ahnen konnten, was da auf sie zukommt? Eine wirklich Wahl haben sie eigentlich nicht, was ihre Waffen betrifft. Denn ausser Kieselsteinchen und einigen anderen kleineren Utensillien besitzen sie nur eine wirksame Waffe: ihren Verstand. Anfangs leben sie noch den ganz normalen Alltag eines Gefangenen, klopfen Steine, bekommen schlechtes Essen und spazieren unter Aufsicht ein wenig innerhalb der Zäunen des Lagers umher. Doch genau hier beginnt der Spieler, sich die Verhaltensformen und Laufwege der Wachen einzuprägen. Mit der Zeit wird er immer mutiger, dringt in bisher verschlossene Areale vor, spioniert hier und dort ein bischen. Nur erwischen lassen darf er sich nicht.
Spätestens auf Burg Colditz im zweiten Abschnitt des Spieles wird dieses Vorgehen durch bessere Wachen und weniger Bewegungsfreiraum stark eingeschränkt. Nur kurz können sie es sich leisten, durch einen geheimen Gang aus der Zelle zu schlüpfen, um sich eine Uniform oder wertvolle geheime Dokumente zu besorgen. Und möglichst sollten diese Gegenstände auch wieder rechtzeitig an Ort und Stelle zurückgebracht werden, denn den aufmerksamen Bewachern entgeht nichts. Und sollten sie bei ihren Handlungen erwischt werden, dann müssen sie damit rechnen, ihren Copiloten schneller wieder zu treffen als ihnen lieb ist. Doch geschickte Spieler erwartet dass, wovon sie schon seit ihrer Einlieferung träumten: die Freiheit. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Niemand hat gesagt, dass es einfach sein würde, aus einem Gefängniss auszubrechen, und eine Geheimwaffe zu vernichten. Einfach wird es sicher nicht, doch eines ist sicher: die spannendsten Ausbrüche gelingen hoffentlich nächstes Jahr mit Prisoner of War.
Ersteindruck
So eigenwillig und ungewöhnlich es auf den ersten Blick wirkt, so faszinierend könnte das Spielgeschehen doch sein. Wenn die Steuerung gut gelingt, und das ist ein Muss bei den zeitlich eng miteinander verknüpften Aktionen, und auch sonst bei der Umsetzung keine gröberen Schnitzer gemacht werden, dann könnte Prisoner of War eine Überraschung des Jahres 2002 werden.

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