Pro Evolution Soccer 2010

Preview
Plattform
PC
Vertrieb
Konami
Entwickler
Konami
Erscheinungsdatum
-
Pro Evolution Soccer 2010

Pro Evolution Soccer 2010

Der Kampf der Fußball-Titanen nimmt wieder spürbare Ausmaße an. Im letzten Jahr konnte FIFA den japanischen Riesen Pro Evolution Soccer nach Jahren erstmals an die Wand spielen. Hat Konami aus den Fehlern im letzten Jahr gelernt? Eine Frage, die nicht nur uns schon seit einiger Zeit auf dem Herzen liegt. Gestern war es endlich soweit. Wir durften einen ersten Probekick mit Pro Evolution Soccer 2010 wagen. Alles Wissenswerte zum Spielgefühl und zu den Verbesserungen gibt es in unserem Hands On.

Wird die Flamme wieder entfacht?

Konami versprach vieles im Vorfeld. Durch neue Features und Änderungen am Gameplay soll Pro Evolution Soccer in diesem Jahr ein völlig neues Spielgefühl vermitteln. Gerade die Verteidigung soll leichter zu kontrollieren sein, Laufwege des Spielers sollen von der KI der Mitspieler besser erkannt und unterstützt werden. Grafische Verbesserungen sollen das Spielgeschehen auf der anderen Seite authentischer wiedergeben. Das Übliche eben. Doch inwieweit wurden die Pläne und Ziele bislang in die Tat umgesetzt?

Für PES 2010 nutzt Konami erstmals das sogenannte Team Style-Feature. Mit diesem System könnt Ihr die Ausrichtung Eurer Spieler auf einer Skala von 0-100 selbst festlegen. Wer oft sehr offensiv spielt, kann den Player Support beispielsweise auf 100 setzen. Dies resultiert darin, dass Eure Mitspieler versuchen, sich vor den ballführenden Spieler zu positionieren und sich für einen Pass anzubieten. Setzt Ihr diese Unterstützung auf 0, werden die Spieler stets defensiv agieren und dem Spieler am Ball den Vortritt lassen. Hinsichtlich der Offensive könnt Ihr durch diese neue Methode sowohl die Kompaktheit der Formation und die Ausrichtung der Spieler nach Positionswechseln festlegen als auch bestimmen, ob der Angriff bevorzugt über die Flügel oder zentriert verlaufen soll.

Auf der anderen Seite könnt Ihr die Stärke des Pressings Eures Teams, die Ausrichtung der Abwehr nach vorne oder hinten und mehr bestimmen. Im Prinzip sind dies alles bekannte Optionen, allerdings mit dem feinen Unterschied, dass man nun genau bestimmen kann, wie viel Wert auf die entsprechende Spielweise gelegt wird.

Zieh eine Karte!

Ebenfalls neu sind die Spielerkarten. Jeder Spieler verfügt individuell und je nach Stärke über eine bestimmte Anzahl an verschiedenen "Verhaltenskarten", die das jeweilige Spielverhalten der Spieler bestimmen und dies glaubwürdig auf dem Rasen umsetzen, wenn Ihr ihn gerade von der KI steuern lasst. Die Karten sind in drei Kategorien aufgeteilt und unterscheiden sich in Skill-, Style- sowie Attack/Defense Awareness Cards.

Alle Karten lassen sich an und abschalten, wodurch man als Spieler auch gleichzeitig noch die Rolle des Trainers übernimmt. Spielt Alves beispielsweise weit vorne, wird er bei aktivierter "Overlapping run" auch bei einem gegnerischen Gegenzug stets den Fokus in die Offensive setzen und sich so gut wie gar nicht nach hinten orientieren. Leider konnten wird das Karten-Feature noch nicht ausprobieren, da es in der von uns gespielten Version noch nicht aktiviert war. Die Version lief auf dem PC und war sowieso noch relativ unfertig. Uns wurde mitgeteilt, dass der Stand bei 60% läge. Als Teams standen uns sowohl Liverpool als auch Barcelona zur Verfügung. Also rein ins Vergnügen!

Hübscher denn je

Der erste Blick fiel natürlich beim Betreten des Stadions auf die verbesserte Grafik. Zwar darf man hier keine Quantensprünge erwarten, allerdings konnte man gerade am Rasen und an den Spielergesichtern erkennen, dass sich in optischer Hinsicht durchaus etwas getan hat. Die Spieler werfen nun Eigenschatten und wirken durch eine verbesserte Beleuchtung noch plastischer. Ebenfalls sehr positiv aufgefallen sind die neuen Mimiken der Spieler. Endlich steht den Spielern bei Torerfolgen die Freunde ins Gesicht geschrieben. Insgesamt ein merkbarer Schritt nach vorne, obwohl noch einige Animationen fehlten. Es ist dennoch bereits jetzt abzusehen, dass PES auch in diesem Jahr nicht an die grafische Klasse eines FIFA herankommen wird. Großes Plus: Sowohl PC, als auch Xbox 360- und PS3-Version sollen in der gleichen Qualität veröffentlicht werden. Abstriche wie bei der PC-Fassung von FIFA wird es hier nicht geben. Doch fernab von all den Verbesserungen hinsichtlich der Präsentation muss Pro Evolution Soccer 2010 vor allem beim Gameplay einen Gang zulegen. Wie rollt der Ball also auf dem Platz?

Diese Frage lässt sich schwer beantworten. Die Demo ließ sich nämlich alles andere als dynamisch spielen. Man hatte das Gefühl, Teilnehmer einer Onlinepartie zu sein. Verzögerungen bei der Umsetzungen der Befehle waren keine Seltenheit. Hoffen wir, dass sich hier noch etwas tut. Ansonsten spielte sich der neue japanische Kick besser als der 2009er Ableger. Pässe fanden ihr Ziel mit mehr Präzision und können auch wieder häufiger über längere Distanzen genutzt werden, was natürlich auch auf das verbesserte Laufverhalten der Spieler zurückzuführen ist.

Lediglich einige Flankenwechsel verfehlten ihr Ziel und landeten weit im Aus, obwohl wir uns vorher richtig zur anderen Seite orientierten. Ebenfalls spürbar verbessert wurden die Zweikämpfe. Verzeichnete man im letzten Teil noch teils peinliche Pressings, die eher einer Partie Flipper als gutem Fußball gleichkamen, fühlen sich die Zweikämpfe der Spieler dank der verbesserten Kollisionsabfrage deutlich authentischer an. Durch diese fast schon zu genaue Abfrage kamen einige komische, aber gleichzeitig auch realistische Situationen zustande.

So prallte der Ball während eines Passes auf einen unserer nach vorne stürmenden Mitspieler an dessen Ferse ab oder wurde nach einem Schuss aus der zweiten Reihe realistisch abgefälscht, was durch die Zeitlupe wirklich gut zu erkennen war. Wunderbar!

Das Leder scheint wieder so zu fliegen wie zu Glanzzeiten, wenn nicht sogar noch besser. Leider können wir das nicht bei allen Schussvarianten behaupten - Sicher geglaubte Volleyschüsse flogen seltsamerweise noch regelmäßig Richtung Mond. Warten wir eine spätere Version ab. Verbesserungswürdig war vor allem noch die Leistung des Torwarts. Von den Versprechen, den Keeper zu verbessern, war noch nicht viel zu sehen. Im Gegenteil - selbst leicht zu fangende hohe Bälle wurden teilweise fallen gelassen und führten zu dummen Abstaubertoren. Es wurde getunnelt und einige Bälle rollten mühelos am Torhüter vorbei. Gerade bei Distanzschüssen scheint der PES-2010-Keeper noch eklatante Schwächen zu haben. Hier muss sich noch was tun.

Torres, das Monster

Wie für ein neues Pro Evolution Soccer üblich, muss der Spieler sich die veränderten Spielmechaniken erstmal Untertan machen. Das war auch in der neuen Version der Fall. Es dauert eine ganze Weile, bis die ersten Flanken präzise ankommen und die Schüsse mit gefährlicher Wucht Richtung Netz zischen. Die Steuerung wurde diesbezüglich aus dem Vorgänger übernommen. Dribblings und Tricks werden nach wie vor mit dem linken Stick ausgeführt.

Der rechte Stick dient für manuelle Pässe etc. Fans der letztjährigen Version werden sich sofort heimisch fühlen. Hinsichtlich der Balance der Spieler mussten wir in PES 2010 klar feststellen, dass Stars wie Torres oder Messi noch immer ein wenig zu stark scheinen.

Nicht selten konnten wir mit dem spanischen Profi Torres fast schon ungehindert durch die gegnerischen Abwehrreihen spazieren, ohne das jemand etwas gegen uns ausrichten konnte.

Im Vorfeld sprach Konami von einer Verbesserung und mehr Kontrolle bei Standards. Soweit wir das momentan beurteilen können, hat sich zumindest in Hinsicht auf Eckbälle nichts verändert.

Lediglich die Elfmeter wurde dahingehend abgeändert, dass man nun auf einen Perspektivenwechsel verzichtet. Die Stärke des Schusses wird durch die Druckdauer des Buttons festgelegt. Nach lediglich einem Elfmeter während unserer Session, lässt sich aber nicht wirklich sagen, ob man von einer wirklich Verbesserung sprechen kann.

Ersteindruck

Um ganz ehrlich zu sein: Ich bin nach den rund zehn gespielten Partien noch nicht ganz warm mit PES 2010. Das lag (hoffentlich) vor allem an der frühen Version, die Konami der Presse präsentierte. Spielerisch allem Anschein noch nicht ganz ausgereift, plätscherten die Matches teilweise stark verzögert über den Schirm. Wirklich guter Spielfluss kam dadurch leider kaum zustande. In Sachen Neuerungen lässt sich ebenfalls noch nicht viel sagen. Das neue Team Style-Feature scheint zwar ein Schritt nach vorne zu sein, ansonsten setzt man aber auf Altbewährtes. Die Steuerung wurde unangetastet in die neue Version übernommen. Neue Manöver sucht man bislang leider vergebens. Gut gefallen haben mir hingegen die verbesserten Zweikämpfe und die gute Ballphysik, die zusammen mit der ausgezeichneten Kollisionsabfrage zum Experimentieren einlädt. Insgesamt scheint der Trend in PES 2010 auch wieder in Richtung Simulation zu gehen. Überschnelle Dribblings, wie man sie aus den letzten beiden Teilen kennt, sind passé. Auch grafisch macht PES 2010 eine sehr gute Figur. Die Spieler, der Rasen und das ganze Drumherum sahen nie besser aus. Und das, obwohl sich die von uns gespielte Version noch in einem spürbar frühen Stadium befand.

Letztlich fällt die Einschätzung des neuen Pro Evolution Soccer aber sehr schwer. Zu wenig konnten wir dem Ganzen bislang auf den Zahn fühlen. Demnach bleibe ich skeptisch, hoffe aber, dass Seabass und seine Mannen es in diesem Jahr endlich wieder schaffen, König Fußball in seinem vollen Glanz auf die heimischen Bildschirme zu zaubern.

Konami versprach, uns Anfang August mit einer eigenen Version des neuen Kicks zu versorgen. Haltet also Ausschau nach einer weiteren Vorschau, in dem wir das neue PES weiter durchleuchten werden.

Pro Evolution Soccer 2010

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