Shadowgrounds: Survivor
Echte Underground-Hits schreien nach einem Nachfolger. Dieses Prinzip der Filmindustrie man denke hier nur einmal an den Low-Budget-Erfolg SAW oder den ersten Teil von A Nightmare on Elm Street lässt sich jedoch auch beliebig auf die Spieleindustrie verlegen. Im Speziellen meinen wir damit hier den Überraschungs-Shooter Shadowgrounds aus dem Jahre 2005, der mit einer tollen Horror-Atmosphäre und jeder Menge Action punkten konnte. Und so kommt es, wie es kommen muss: Mit Survivor steht Anfang 2008 der offizielle Nachfolger eigentlich viel mehr das Spinoff ins Haus.
Die uns vorliegende Preview-Version bot bisher statt Horror-Atmosphäre jedoch eher die große Portion handfester Action. Statt wie im Original mit einer Person das gesamte Abenteuer zu bestreiten, splittet sich die Handlung von Survivor im Spielverlauf auf drei unterschiedliche Charaktere auf.
Drei Helden, eine Mission...
Da wäre zum einen ein Marine, ein alter Waffenexperte sowie eine Scharfschützin. Während ersterer neben einer Pistole zudem noch auf ein Maschinengewehr, Granaten sowie einen Raketenwerfer zurückgreifen kann, bedient sich Zweiterer eines Flammenwerfers sowie einer Schrotflinte. Die Scharfschützin geht derweil mit einer Art Railgun, einer Pistole sowie speziellen EMP-Granaten auf Alienjagd. Aber worum geht es überhaupt?
Dabei haben die Entwickler auch das RPG-System von Shadowgrounds übernommen und verfeinert. Mit Upgrades, die Ihr den außerirdischen Leichnamen entnehmt, schafft Ihr Euch ein Kontingent, mit dem Ihr Eure Waffen aufrüsten könnt. Neben einer erhöhten Munitionskapazität springen manchmal auch Sekundärfunktionen wie Elektroschocks (Pistole), Haftgranaten (Maschinengewehr) oder zusätzliche Sprengkörper (Raketenwerfer) dabei heraus.
Wäre damit nicht schon der Mindestanteil an Rollenspiel-Features gesichert, erhöht sich mit jedem erledigten Gegner zudem noch Eure Erfahrung, mit dem Ihr Euren Charakter aufbessern könnt. Je nach Wunsch wählt Ihr dabei entweder die Trefferabsorption, einen Bewegungsmelder wie im Film Alien oder schlicht nur eine Erhöhung der maximalen Gesundheit.
Vor allem der Bewegungsmelder ist auf Dauer ein mehr als nützlicher Begleiter, da er ankommende Gegnerwellen schon im Vorfeld erkennen lässt. Der Wechsel der Charaktere findet episodenweise automatisch statt, nur später hat man bei speziellen Missionen die Auswahl zwischen allen drei Figuren.
Am Leichtesten lässt sich Survivor bisher noch mit dem flinken und gut ausgestatteten Soldaten meistern, der Flammenwerfer und die Schrotflinte des alten Mannes sind da schon schwieriger zu meistern. Schwierig sind jedoch die Aufträge mit der Scharfschützin, die alle Nase lang unter Munitionsarmut leidet. Die unendlich nachzuladende Pistole ist dabei leider nicht immer eine Hilfe und das Schienengewehr wegen der recht schnellen Gegner die sinnloseste Waffe, die man hätte integrieren können.
Nicht anders als in Shadowgrounds wird auch Survivor hervorragend aus der Top-Down-Perspektive gespielt. Während Ihr die Spielfigur ganz normal mit den Bewegungstasten in die Himmelsrichtungen dirigiert, fungiert ein mit der Maus zu steuerndes Fadenkreuz als Zielerfassung. Eckt Ihr mit dem Crosshair an die linke oder rechte Seite des Screens, wird die Kamera solange rotiert, bis Ihr wieder vom Rand ablasst. Ein gutes Steuerungskonzept, das keine Probleme verursacht. Nicht ganz ohne Macken...
Und doch geht in Innenräumen manchmal die Übersicht verloren, da die Wände nicht transparent werden, sobald sich der Charakter dahinter befindet. Ein weiteres Manko: Wer sich gerade wegen der guten Schockmomente für das Original begeistern konnte, dürfte hier enttäuscht werden. Noch haben wir zwar nicht alle Szenerien sehen können, doch eins steht bisher fest: Survivor spielt sich um ein Vielfaches actionlastiger als Shadowgrounds. Packende Skript-Sequenzen haben wir bisher jedenfalls noch nicht gesehen, obwohl die ständige Bedrohung durch die gelungene Soundkulisse recht gut untermalt wird. Atmosphärisch sinkt Survivor trotz mangelnder Subtilität also dennoch nicht auf Nullniveau. Fauchender Wind, raschelndes Laub und grauenerregende Angriffsschreie einiger Monster können hierbei die miese deutsche Synchronisation glücklicherweise zu weiten Teilen unter den Teppich kehren. Für Langzeitmotivation könnte der coole Koop-Modus sorgen, mit dem Ihr die ganze Kampagne zu viert durchspielen dürft. Einziges Problem: Bisher verhielten sich die Munitionsvorräte noch nicht steigend zur Spieleranzahl, was zu Diskussionen am PC Survivor bietet weder eine LAN-, noch eine Onlineoption führen könnte. Hier ist also taktisches Einteilen Pflicht.
Als kleines Extra gibt es zusätzlich zur Handlung noch den Survival-Modus, wie man ihn beispielsweise schon aus Alien Shooter 2 kennt. Mit einer begrenzten Anzahl an Medipacks müsst Ihr Euch hier solange es geht gegen die Außerirdischen behaupten. Dass Ihr sterbt, ist dabei so sicher wie das Amen in der Kirche, fragt sich nur wann und ob Ihr mit Eurer Zeit im Highscore einen Platz belegen könnt. Gelungen ist den Entwicklern die Optik von Shadowgrounds: Survivor: Die Licht- und Schattenspiele kennt man zwar bereits zur Genüge aus dem Original, doch hier sehen sie noch einen ganzen Tick besser aus als noch 2005. Auch wenn die Animationen nach wie vor etwas seltsam wirken, kann das Spiel mit klasse Effekten und dem atmosphärischen Taschenlampen-Einsatz punkten. Dafür zerrt Survivor aber auch unerwartet an der Rechenleistung, die zudem noch den guten Physik-Einsatz tragen muss.
Ersteindruck
Jepp, das wird was! Das dachte ich mir, als mich Shadowgrounds: Survivor nach einem knappen Dutzend Levels aus dem Spielverlauf riss, da das Limit der Preview-Version erreicht war. Was bleibt also noch zu sagen? Auf der technischen Seite kann das Spiel größtenteils punkten, die spärlichen RPG-Elemente erhalten zwar keinen Innovationspreis, motivieren aber zum weiteren Durchspielen und die Atmosphäre ist bisher recht gut. Ein Quantensprung ist es im Vergleich zum Original jedoch scheinbar nicht geworden. Bis zum Ende der Anspielversion haben wir keine zittrigen Hände verspürt, waren viel zu wenig in dunklen Bereichen, die den Einsatz der Taschenlampe voraussetzen und haben erst recht keine Schockmomente erlebt. Am Ende dürfte es also vom Geschmack abhängen, ob Survivor die Fans anspricht. Action-Fans können sich schon jetzt auf den Release am 24. Januar 2008 freuen. Spieler, die lieber mit weniger Munition schweißgebadet der nächsten Ecke entgegenfiebern, sollten dann erst einmal probespielen.
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