Sherlock Holmes vs. Jack the Ripper
Der Meister der deduktiven Ermittlungsmethode ist zurück. Und diesmal hat er sich keinen geringeren Gegner als den berüchtigten Serienmörder Jack the Ripper ausgesucht. Allein die Tatsache, dass das Treiben dieses Schurken niemals aufgedeckt werden konnte, verspricht ein explosives Duell zwischen Meisterdetektiv und Mörder zu werden. Intelligenz vs. Grausamkeit, Ermittlungseifer vs. Schlitzerqualitäten, Rationalität vs. Kaltblütigkeit, Gut vs. Böse, Sherlock Holmes vs. Jack the Ripper
Hit the Road, Jack
Gleich der Beginn vermag einen mitzureißen, wenn man während des Intros in der Ich-Perspektive als der berüchtigte "Jack the Ripper" eine Prostituierte meuchelt. Man sieht geradezu wie das Leben aus ihrem Blick fährt, während Jack sie mit Blick in ihr Gesicht seelenruhig aufschlitzt. Eine bessere Einstimmung auf das Duell Holmes vs. Jack kann es kaum geben. Einziger Wermutstropfen: Die musikalische Untermalung dieser Szene versprühte in der uns vorliegenden Version keinerlei Dramatik und ist damit für einen erheblichen Verlust an Atmosphäre verantwortlich. Hoffentlich wird daran noch gearbeitet.
Nichtsdestotrotz verleiht diese Szene dem Spiel bereits zu Beginn eine Intensität, die für ein Adventure wahrlich ungewöhnlich ist. Hauptverantwortlich dafür ist die Sicht auf das Spielgeschehen. So tappt der Spieler direkt in der Haut seiner Helden durch das hübsch inszenierte London des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Diese Wahl der Perspektive mag Adventure-Liebhabern höchst ungewohnt und fremd erscheinen, kann aber durch die hinzugewonnene Atmosphäre punkten.
Falls sich jemand überhaupt nicht mit der direkten Steuerung anfreunden will, kann man auch in eine alternative Sicht schalten, die unseren Sherlock wie gewohnt von außen und nur mit der Maus zu steuern erlaubt. Es ist zwar nett, dass die Entwickler den Benutzer darüber entscheiden lassen, doch wirkt die Außenperspektive nicht gerade ausgereift. Holmes wirkt aus dieser Sicht merkwürdig steif und seltsam animiert. Man merkt irgendwie, dass das Spiel für die Ego-Perspektive konzipiert wurde. Daher kann jene auch atmosphärisch und spielerisch gegenüber der alternativen Sicht deutlich punkten.
Magere Rätselkost
Die ersten Rätsel fallen auch eher enttäuschend auf das Finden von verlegten Gegenständen. Die ansprechbaren Charaktere dieser Spielwelt schicken den Meisterdetektiv wild durch die Gegend des ersten Tatorts, um diese Gefälligkeit mit einer Gefälligkeit revanchieren zu können. Gelangweilt klickt man sich durch Gespräche, sucht Straßen und andere ansprechbare Menschen. Höchst hilfreich dabei ist die Stadtkarte, die dem Spieler per Mausklick an den gewünschten Ort eines Bereiches bringt und dadurch das Suchen weniger ätzend erscheinen lässt. Natürlich könnte man auch den kompletten Weg selbstständig ablaufen, aber das wäre dann der authentischen Atmosphäre doch zu viel des Guten. Erstmals richtig interessant wird die Ermittlung am ersten Tatort. Man untersucht die Gegend und die Leiche nach Hinweisen, stellt mit Watson schauspielerisch einwandfrei den Mord nach und zieht daraus induktiv Schlüsse, die an eine mentale Pinnwand geheftet werden.
Verbindungen zwischen den Indizien werden durch Bänder dargestellt, was nach kurzer Zeit in ein sympathisches Chaos ausartet. Erstmals hat man tatsächlich das Gefühl, als Sherlock Holmes in Person diesen Fall zu lösen. Positiv ist zu erwähnen, dass das Spiel geradezu genretypisch auch auf älteren Rechnern reibungslos läuft. Dafür darf man natürlich keine High-End Grafik erwarten. Dennoch wirkt das viktorianische London recht ansehnlich. Besonders die Atmosphäre eines geschäftigen Londons konnten die Entwickler im Gegensatz zu anderen Versuchen dieser Art (man denke nur an die 3D-Varianten von Baphomets Fluch) ausreichend einfangen. Bürger laufen beispielsweise durch die Straßen, unterhalten sich und Tauben fliegen irrlos umher. An der Hintergrundmusik muss hingegen noch eindeutig gearbeitet werden. Sie ist einfach zu schüchtern und wagt sich kaum aus ihrem Versteck. Dafür ist der Straßenlärm der oben beschrieben Straßen des Armenviertels Whitchapel umso deutlicher zu vernehmen und weiß immerhin gekonnt die gute Atmosphäre zu unterstützen.
Ersteindruck
Die uns vorliegende Version ist ein zweischneidiges Schwert. Zum Einen begeistern die gelungene Atmosphäre, die intelligenten Gespräche zwischen Watson und Holmes, nette Spielereien mit der Ego-Perspektive und die innovative Untersuchung des Tatorts. Andererseits sind die restlichen Rätsel im ersten Teil eher schwach und künstlich inszeniert. Die Sprachausgabe und deutschprachige Lokalisation sind weitere unbekannte Konstante, die in der vorliegenden Preview-Version noch nicht enthalten sind. Bleibt zu hoffen, dass die Rätsel im weiteren Verlauf an Qualität zulegen und die Entwickler an den wenigen offensichtlichen arbeiten. Denn Sherlock Holmes vs. Jack the Ripper hat durch diverse gelungene Ideen und die interessante Geschichte das Potential, ein großes Adventure zu werden.









