Silent Storm Hands-on

Preview
Plattform
PC
Vertrieb
JoWood
Entwickler
Nival Interactive
Erscheinungsdatum
24. Oktober 2003
Genre
RPG
Silent Storm Hands-on [PC , Justgamers]

Silent Storm Hands-on

Wenn man gegen einen Mythos kämpfen will, sollte man sich sehr gut vorbereiten. Der Kampf gegen den Kult hat sich für viele Spiele als fatal erwiesen. Seien es die Ableger der Civilization-Reihe wie Call to Power oder seien es die nunmehr unbekannten Starcraft-Klone, sie alle hatten an den Vorgaben durch ihre 'Vorgänger' zu knabbern. In vielen Fällen wird eine Vererbung oder inoffizielle Nachfolge durch die Medien gesetzt. Magazine behaupten, dass ein Spiel wie ein schon älteres aussehen würde, und knüpft damit den Bezug von Spiel A zu Spiel B. Silent Storm bildet da keine Ausnahme. Nur sind es diesmal nicht die Medien, die bewußt dem Spiel den Spagat zwischen Alt und Neu ins Nest legen wollen, sondern die Macher höchstpersönlich. Das Spiel sieht sich selbst als inoffizielle Nachfolge von Jagged Alliance 2 und damit als Ende der Dürreperiode für alle Spieler, die es nach einer Fortsetzung - oder gar einem anderem Spiel - in diesem speziellen Genre gedürstet hat. Und tatsächlich machte das Spiel schon in einer Preview Version einen exzellenten Eindruck. Es scheint fast als könne sich Jagged Alliance 2 beruhigt von seinem Genre-Thron zurückziehen und dem 'leisen Sturm' die Hoheitsgewalt überlassen.

Alles Neue macht der Mai

Wo setzt man an, die Spiele zu unterscheiden? Silent Storm schafft es - trotz starker Anleihen an der Jagged Alliance-Serie - einen eigenen Stil zu entwickeln und den typischen Flair des Sirtech-Titel rüberzubringen. Wir waren am Anfang dem Spiel ein wenig skeptisch gegenüber, da wir die Konvertierung zu einer 3D-Umgebung von der aus Jagged Alliance 2 gewohnten 2D-isometrischen Ansicht als gefährlich erachtet haben.Silent Storm wäre nicht das erste Spiel, das sich durch eine 3D-Umgebung den Genickschuss verpasst. Monkey Island 4 beispielsweise war dazumal gerade wegen der gezwungenen 3D-Grafik sehr umstritten. Die Übernahme von zahlreichen Stilelementen - wie die Anordnung der Navigation oder die Bedienbarkeit der Waffen - ist weiterhin ein Problem, das Fans des Genre bei oberflächlicher Betrachtung als einfache Kopie erachten könnten. Doch was macht Silent Storm dann so anders? So besonders? Ganz einfach: Silent Storm ist keine Revolution, sondern eine unheimlich gut gelungene Evolution, die das Genre um Längen nach vorne wirft.

Beginnen wir bei der Grafik. Im ersten Moment möchte man meinen, dass Silent Storm auf den Zug der 'Wir brauchen 3D-Grafik'-Spiele aufspringt. Allerdings stellt man sehr schnell fest, dass die dreidimensionale Umgebung ganz allein dem Gameplay und der Übersicht dient. Letzterer Punkt dürfte einleuchtend sein, da man durch eine stufenlos zoom- und rotierbare Kamera immer alles im Blickfeld halten kann, während die Förderung des Gameplay sicherlich einer Erklärung bedarf. Als erstes Argument könnten sicherlich die Landschaft und die Gebäude selbst gelten. Die Landschaft zeichnet sich durch eine Hülle und Fülle an Gebietsmerkmalen wie Bäume, Sträucher, Hügel und Gras aus. Jedes Merkmal ist weniger eine grafische Spielerei als vielmehr eine Direkteinwirkung auf die jeweilig angewandte Strategie. Hinter einem dicken, alten Baum kann man sich sehr gut verstecken und im hohen Gras ist ein unbemerktes Vorankommen - solange man kriecht - fast garantiert. Die Häuser selbst sind auf mehrere Ebenen ausgelegt, verfügen über Fenster, Fenstervorhänge, dicke und dünne Wände und vieles mehr. Alles Details, die sich in einem beliebigen Blickwinkel intensiv begutachten lassen, erzeugen insgesamt eine stimmige Kombination von Nutzen der 3D-Grafik und strategischem Mehrwert. Folglich ist die tolle Grafik nicht einfach nur da, sondern hat jederzeit Einwirkung auf das aktuelle Spielgeschehen.

Wer anderen eine Grube gräbt...

Unsere Mannen haben aber ebenso Einfluss auf die Spielumgebung. Als deutscher oder alliierter Soldat im Jahre 1943 stellt man auf jeweiliger Seite einen Trupp zusammen und kämpft sich durch verschiedenste Missionen, um nach und nach einem großen Geheimnis auf die Schliche zu kommen. Silent Storm geht hier eine Gradwanderung zwischen Realität und Fiktion ein. Zwar ist das Setting im zweiten Weltkrieg angesiedelt und wurde mit Landschaftsmerkmalen und Geschichte auch weitestgehend angepasst, allerdings entwickelt sich die Story sehr schnell zu einem Science-Fiction-Thriller mit außergewöhnlichen Waffen und Fortbewegungsmitteln, die hier keine konkrete Erwähnung finden sollen. Die Diskussion in der Community ist natürlich schon jetzt sehr groß, da einige viel lieber ein rein realistisches Szenario gesehen hätten. Nichtsdestotrotz nimmt sich Silent Storm an vielen Ecken und Enden ohnehin nicht so biederernst und entsprechend geht die Story auch in eine frei erfundene Richtung. Ab einem gewissen Grad versuchen aber beide Kriegsparteien in dieser Neuinterpretation der Vergangenheit dem Spielgeheimnis auf die Schliche zu kommen. Die Missionen der Achsenmächte und der Alliierten sind der jeweiligen Sicht angeglichen und haben einen eigenen Anfang, ein individuelles Ende und machen das Spiel in dem Fall wieder spielenswert.

Ein weiterer Grund, um das Spiel erneut zu beginnen, ist auch der Detailgrad der Maps, der einzelnen Charaktere, Gegenstände wie Zäune, Blumentöpfe oder Tische und Waffen. Die Bewegungsabläufe der einzelnen Charaktere sind mit einer starken Liebe zum Detail programmiert worden, so dass man den Animationen einen hohen Grad an Realitätsnähe nicht widerlegen kann. Als kleineres Beispiel sei der Scharfschütze genannt, der in jeder Situation - egal ob stehend, sitzend oder liegend - sein Gewehr dem Lehrbuch entsprechend korrekt aufsetzt und hält.

In jedem Fall muss man sich nicht dazu zwingen diesen Detailreichtum zu erkennen, da er einem gerade zu ins Auge springt. Schon bei dem ersten Feuergefecht überrascht einen die ausgefeilte Physikengine, die sich zum Beispiel durch einen getroffenen Soldaten widerspiegelt, der Hals über Kopf aus einem Fenster des ersten Stocks stürzt, und im weiteren Spielverlauf fallen immer mehr Kleinigkeiten auf, die den Flair des Spiels ausmachen. Blumentöpfe zerbersten, Türen fliegen aus den Angeln und Fensterglas zersplittert in tausend kleine Teile.

Darüber hinaus lässt sich die Umgebung zu einem ungewohnt großen Teil vernichten. Einzelne Steine werden durch heftiges Maschinengewehrfeuer aus der Grundmauer geschossen, ein Zaun zersplittert in seine Einzelteile nachdem er von einer Gewehrkugel getroffen wurde und mit einem beherzten Wurf einer Granate ist es ebenso kein Problem einen Teil einer Eingangshalle in Schutt und Asche zu legen. Diese Zerstörungsvielfalt erstreckt sich über alle verfügbaren Ebenen von Gebäuden und bleibt auch während der Dauer eines Spiels irreparabel. Sie dient gerade hier nicht nur als schmuckes Beiwerk, sondern vor allen Dingen dem taktischen Aspekt des Spiels. Durch die Beseitigung einer Mauer, kann man so manches Problem ganz leicht umgehen.

Wäre da mal nicht die KI. Die gegnerischen Soldaten verhalten sich in den meisten Fällen sehr intelligent. Sie rotten sich zusammen, halten bei Sperrfeuer Abstand oder gehen in Deckung und sorgen dafür, dass sie bei dem Verlassen der Deckung mindestens einmal schießen oder vielleicht sogar nach dem Schuss wieder in ihren Unterschlupf kriechen können. Ein wenig irreführend mag an dieser Stelle der rundenbasierte Kampf sein. In einigen Situationen hätte man die 'ungünstige' Konstellation von Ereignissen darauf zurückführen können, dass die KI dumm sei. Allerdings muss man bedenken, dass auch ein Computerfeind nur eine begrenzte Anzahl an Bewegungspunkten hat, die er sich auf seine Runde entsprechend verteilen kann. Hat er keine mehr oder verzichtet vielleicht sogar darauf welche aufzusparen, dann mag das vielleicht dumm wirken, ist aber in den meisten Fällen 'menschlich'. Zumal der Ablauf in Echtzeit die Aktionen der Kombattanten wieder in das richtige Licht rücken würde - ein Feature, das man sich für Silent Storm 2 vormerken sollte: Kampfwiederholung in Echtzeit. Aber wie oft kann es passieren, dass man einen todsicheren Schuss abgeben will, um das Problem in menschlicher Form zu beseitigen? Und wie oft kam es just dann zu einem Patzer mit fatalen Folgen? In der uns vorliegenden Version kam es ab und an zu solchen Situationen, in denen uns die KI ein Schnippchen schlagen konnte, denn bei unbedarftem Vorgehen kann man sehr schnell in einen Hinterhalt geraten.

Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht

Silent Storm ist die Weiterentwicklung. Das bestätigt sich durch die zahlreichen Waffenmodi - es gibt allein für Burst- oder Sniper-Mode zwei verschiedene Schussvarianten -, die Auswahl an Waffen und der Kampfstellungen. Wenn man sich auf das Spiel einlässt, dann wird man schnell in seinen Bann gerissen und genießt die taktische Raffinesse, die langen Nächte, um noch eine Map zu erledigen oder den Ausbau der Charaktere. Anders als bei den sonstigen Spielen, die sich mit einem RPG-Anteil brüskieren, hat Silent Storm auch hier ein gesundes Mittelmaß zwischen der Bedienung an einem anderen Genre und der Aufrechterhaltung des Kerngebiets geschaffen. Neben des gesamten taktischen Prozedere kann man also hier noch einen Charakter mittels Attributspunkte erstellen und individuell ausfeilen. Für den eigenen Hauptcharakter lässt sich zusätzlich Aussehen, Nation und Spezialisierung bestimmen. Ein weiteres Schmankerl ist der Talentbogen. Auf sechs Ebenen lässt sich zusätzlich zu der Charakterentwicklung bei jedem Stufenaufstieg ein Talent freischalten. Das kann zum Beispiel dazu führen, dass der Charakter besser mit Gewehren umgehen oder schneller verwundete Kameraden tragen kann. Viele Talente, die echte Vorteile bringen, erreicht man aber nur, wenn man die weniger wichtigen Charakteraspekte bereits belegt hat. Das System erinnert zwar an das Talentsystem von Diablo 2 und stellt damit keine revolutionäre Innovation dar, wirkt in Silent Storm allerdings einem Rollenspiel-Anteil würdig implementiert.

Das einzige Manko, das wir in der aktuellen Preview-Version feststellen konnten, waren die Missionsbesprechungen. Diese waren zumeist ein wenig herzlos dahingeklatscht und man selbst musste sich mit einem kurzen Paper nach einer Mission zufriedengeben. Wo am Anfang noch In-Game-Videos abgespielt werden, um das Geschehen zu erklären, ist das später immer weniger der Fall. Möglich also, dass man dies in den letzten Wochen zum Release noch einbaut. Das bleibt in jedem Fall zu hoffen, denn die Kurzbeschreibungen alleine reichen in den meisten Fällen nicht aus, da sie uns nur vage den weiteren Verlauf der Geschichte vermitteln. Hier reichen auch nicht die Informationen über das Journal oder die Missionsziele aus, da dort zwar entweder alles erklärt oder knapp erklärt wird, aber halt zwischen den Missionen keine Erzählung aufkommen lässt.

Ersteindruck

Endlich ein Vertreter des Genre, der es wirklich ernst meint. Lange durften wir auf eine würdige Nachfolge warten und mit Silent Storm kann Jagged Alliance 2 beruhigt von seinem Thron heruntersteigen und das Zepter weiterreichen. Silent Storm ist für uns Fans sicherlich nicht als Konkurrenz anzusehen, sondern als die logische Evolution des Genres. Damit ist es nicht nur ein Geschenk für Liebhaber der gepflegten Strategie, sondern auch die Erlösung aller Fans von Jagged Alliance, die auf eine Fortsetzung gewartet haben. Die Vorabversion machte auf uns einen insgesamt exzellenten Eindruck und befand sich bereits in einem überraschend weiten, beinahe bugfreien Status. Es sind zwar noch einige Fehler aufgefallen, aber die waren in den meisten Fällen entweder marginal oder führten zumindest nicht zu einem Absturz. Oktober ist es dann endlich soweit. Ein neuer Genre-Mix betritt das Parkett und wird uns die lauen Herbstnächte versüßen. Ich bin in jedem Fall davon überzeugt, dass sich Silent Storm wacker schlagen wird.

Ersteindruck von Marian Härtel

Mich hat Silent Storm extrem positiv überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass es soviel Spaß macht, wieder einmal ein rundenbasiertes Strategiespiel zu spielen. Aber Silent Storm schafft es spielend éinen in den Bann zu ziehen. Die packende Hintergrundstory, die vielfältigen Waffen, bis hin zu Kampfanzügen, die wunderschön und detailiert designten Kampfschauplätze und die exzellente Physikengine sorgen für ein rundum gelungenen Ersteindruck.

Jeder Fan von rundenbasierter Strategie, der gelungene Grafik, gepaart mit spannender Taktik und exzellentem Gameplay sucht, sollte ab Oktober zugreifen.

Silent Storm Hands-on [PC , Justgamers]

Ist der Artikel hilfreich? Dann bookmarken Sie ihn bei:

Hilfe?

Copyright © 2007 Next Idea GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Copyright © 2007 Yahoo! Alle Rechte vorbehalten.