Simon the Sorcerer 4 - Chaos ist das halbe Leben
Es sind schon einige Jahre vergangen, seit der junge Zauberlehrling Simon mit Hilfe eines Kleiderschrankes in eine fremde Dimension reiste, den finsteren Magier Sordid in die Schranken wies, eine holde Maid rettete und einen Sumpfling vom Tellerwäscher zum Millionär machte. Doch die ruhigen Tage sind gezählt, denn die hübsche Alix erscheint Simon in einer Vision und bittet ihn verzweifelt die Fantasiewelt wieder einmal vor dem Untergang zu bewahren. Todesmutig stürzt sich unser Held also in das markante Zauberoutfit und betritt das Dimensionstor. Überraschenderweise bedarf dort jedoch niemand seiner Hilfe, denn weder Alix noch der fremde Welt drohen Unheil. Lediglich ein mysteriöser Simon-Doppelgänger treibt sein Unwesen, macht unsrem Protagonisten das Leben schwer und scheint auch bei Simons Vision seine Finger im Spiel gehabt zu haben.
Zurück zu den Wurzeln
Da der dritte Teil in erster Linie wegen altbackene Grafik und einer missglückten Steuerung eine herbe Enttäuschung für viele Fans der Serie war, setzte das Berliner Entwicklerteam Silver Style genau in diesen Punkten an und versprach in einem Interview exzellente Ergebnisse. Und dass diese Arbeit gefruchtet hat, sieht man klar am Ergebnis: Die Charaktere sind äußerst detailliert dargestellt und sorgen mit ihrem Mienenspiel für lebendige Aktionen und Gespräche.
Lediglich einige flackernde Schatten bei Konversationen trüben den positiven Eindruck genau wie Charaktere die ab und an ein Stücken über dem Boden zu schweben scheinen. Den Spielverlauf stört dies jedoch keineswegs und wird schnell durch die mit viel Liebe zum Detail gestalteten 3D-Schauplätze wettgemacht. So wirkt beispielsweise Simons Zimmer mit Manga- und Frauenpostern an der Wand sowie mit benutzen Klamotten auf dem Boden glaubhafter denn je.
Schön ist hierbei, dass mit vielen Gegenständen eines Schauplatzes interagiert werden kann, selbst wenn unser Held oftmals nur einen flapsigen Spruch loslässt. Insgesamt gesehen hätten die Schauplätze dennoch etwas mehr Leben vertragen können. Hier und da ein kleiner Vogel, der im Wald herumfliegt oder ein flimmernder Fernseher in Simons Zimmer, könnten für mehr Aktion sorgen.
Beim nächsten Punkt, der Steuerung, setzen die Entwickler ebenfalls auf Altbewährtes und so kommt nach den Ausflüchten des dritten Teils wieder die Point & Click Steuerung zum Tragen. Die verschiedenen Interaktionsmöglichkeiten werden ganz einfach mit der rechten Maustaste durchgeblättert, bis eine geeignete gefunden ist. Überraschungen gibt es hierbei keine, beschränkt man sich doch schon seit einigen Jahren zum Großteil auf Benutzen, Nehmen und Sprechen. Das Inventar welches bei Mouseover am unteren Bildrand angezeigt wird, birgt ebenfalls keine Neuerungen.
Puzzle und Präsentation
Doch beurteilt man Adventures nicht voll und ganz nach Grafik und Steuerung, sondern auch nach Puzzles und Rätseln. Diese erscheinen in unsrer Preview-Version für Alteingesessene zu einfach. So gibt es wenige Schauplätze und Charaktere, die sich vom ersten Moment an bereisen lassen und Charaktere sind alles in allem zu ungesprächig, als das die Rätsels Lösung lange auf sich Warten lassen muss. Hier kleines Beispiel: Nach einer kurzen Konversation mit Rotkäppchen wird euch aufgetragen ein Kaninchen zu fangen, welches ihre Mütze gestohlen hat. Nach wenigen Momenten findet ihr auch schon den Kaninchenbau und besorgt euch beim Holzfäller Holz, welches ihr glücklicherweise beim nahe gelegenen Schreiner zu einer kompletten Falle weiterverarbeiten lassen könnt.
Somit besteht hier Aufholarbeit beim Entwicklerteam sofern die weiteren Rätsel ähnlich leicht lösbar sind.
Die Präsentation ist in Hinblick auf Humor und Atmosphäre wirklich gelungen. Auch wenn wir noch nicht in den Genuss der Synchronsprecher sowie der musikalischen untermalung kommen durften, ist ein ähnlich guter Humor wie in den ersten beiden Teilen erreicht worden, was mit Sicherheit in erster Linie der engen Mitarbeit von Simon und Mike Woodroffe zu verdanken ist. So fallen reihenweise coole Sprüche und flapsige Bemerkungen in alter Simon-Manier, die einen jeden Fan erstrahlen lassen. Die Atmosphäre knüpft ebenfalls dank alter Bekannter und Schauplätze nahtlos an die Klassiker an.
Ersteindruck
Was mit Simon 3D nicht geglückt ist, könnte Entwickler Silver Style mit Chaos ist das halbe Leben schaffen Eine Anknüpfung an Humor und Charisma der alten Klassiker in modernem Gewand. Es stimmt Vieles, angefangen vom Humor, über die Schauplätze bis hin zur grafischen Umsetzung, auch wenn der Titel nicht in allen Bereichen perfekt ist. So hoffe ich zumindest als alter Adventureliebhaber, dass die Rätsel noch etwas knackiger werden und die Geschichte rund um den Doppelgänger nicht so schnell an Fahrt verliert.
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