Spellforce 2: Shadow Wars
Schon der erste Teil der Spellforce-Reihe strotze vor Ideenreichtum und Innovation über die Umsetzung ließ sich allerdings streiten. Den einen war es zuviel Micromanagement, den anderen war es zu schwer, wieder anderen kam der Rollenspielaspekt zu kurz oder waren vom extremen Hardwarehunger des Genremix abgeschreckt. Nun steht Spellforce 2 vor der Tür und soll endlich alles besser machen, der Hunger auf Hardware bleibt allerdings bestehen bei der Optik ein geringes Übel.
Auf einer der drei Karten plus Tutorial die unserer Version beilagen, steigen wir mit unserem Avatar und seinen fünf Helden direkt in den Kampf ein. Eingeleitet von einem eskalierenden Gespräch zwischen einem Orkhäuptling und einem Schattenelf zur Klärung der Situation findet sich unsere kleine Truppe vor einem Dimensionsportal wieder und bespricht die Lage. Das Dorf am Fuße des Portals ist in Gefahr und muss mit allen Mitteln verteidigt werden also machen wir uns unumwunden an den Basisausbau. Hier treffen wir auf eine der wichtigsten Neuerungen des Spiels: Es gibt jetzt, unabhängig der Fraktionen (Der Bund, die Clans, der Pakt), im Gegensatz zu den sechs aus dem Vorgänger, nur noch drei Rohstoffe.
Stein dient einzig und allein dem Bau von Gebäuden und wird vor allem in einer neuen Basis am meisten von allen Rohstoffen benötigt. Mit Silber wird der Sold der Grundeinheiten, wie Bauarbeitern, Schwertkämpfern und Armbrustschützen bezahlt - im Zusammenspiel mit dem geheimnisvollen Lenyakraut werden höherwertige Krieger, Magier und die mächtigen Titanen erschaffen. Die Reduzierung auf drei Rohstoffe ermöglicht ein flotteres und einfacheres Spielen der Spieler kann sich nun mehr auf das Wesentliche konzentrieren, als ständig eigenständig für neue Ressourcen sorgen zu müssen.
Das Herz eines jeden Lagers ist das Haupthaus. Dort werden Arbeiter ausgebildet, die für die Beschaffung von Rohstoffen und dem Bauen und Reparieren von Gebäuden eingesetzt werden können. Äußerst praktisch ist die Möglichkeit Spezialisten ausbilden zu können.
Spezialisten haben keine besonderen Fähigkeitenboni, setzen sich aber gleich nach Erschaffung selbstständig an die ihnen zugewiesene Arbeit. Im Endeffekt heißt das: Steinmetz wird geboren und macht sich direkt ans Felsenkloppen, ist der Vorrat erschöpft, sucht er sich direkt einen neuen Steinbruch und kloppt weiter. Das erspart nervige Klickorgien, die vor allem in Kampsituationen sehr zeitraubend sein können.
Nach dem Bau einer Schmiede können im Haupthaus genug Ressourcen vorausgesetzt neben Arbeitern auch einfache Kampfeinheiten ausgebildet werden. Man sollte direkt zu Anfang ein Paar Trupps zur Verteidigung der Basis ausbilden, denn die Gegner kommen bestimmt sehr bald. Nach ein paar Rekrutierungen ist allerdings die Einheitengrenze erreicht. Um weitere Soldaten ausbilden zu können bedarf es einiger Bauernhöfe die kennen wir auch aus dem alten Spellforce, verzweigte Lebensmittelkreisläufe wurden jedoch aus Spielbarkeitsgründen entfernt. Insgesamt gibt es in Shadow Wars, zur Wahrung und Verbesserung der Übersicht, deutlich weniger Gebäude als im Vorgänger, was dem Strategischen Aspekt des Spiels allerdings keinen Abbruch tut.
Im Laufe der Geschichte trifft unser Avatar auf fünf Mitstreiter, Helden genannt. Davon gab es im Vorgänger zwar mehr, doch begleiten diese fünf Helden den Avatar durch das ganze Spiel. Endlich kann man sich mit seinen Gefährten identifizieren. Da wären der treue Bor, ein Nahkämpfer und Spezialist fürs Grobe, Mordekay der Armbrustschütze, Lya die Zauberin der weißen Magie, Shae ein Zauberer der schwarzen Magie und letztendlich Jared, den man sich als einzigen Helden völlig frei an seine Wünsche anpassen kann. Immer wieder trifft die Gruppe auf zeitweilige Mitstreiter Helden die sich den Gefährten nur für eine bestimmte Zeit anschließen.
In unserer Version lernten wir die hübsche Elfin mit dem klanghaften Namen Schattenlied kennen, die mit ihren Klingen ordentlich austeilen kann. Wie es sich für einen Titel mit Rollenspielementen gehört, können wir unseren Helden im Fertigkeitenmenu aufwerten. Insgesamt 19 Fähigkeiten können erlernt und insgesamt 3 mal gesteigert werden. Zu lernen sind weißmagische Defensivsprüche, schwarze Kampfzauber und Nahkampfkünste.
Allerdings hat der Spieler nur bei seinem Avatar und dem Helden Jared freie Hand bei der Charakterentwicklung, bei allen anderen darf er nur die Hälfte der Fähigkeiten aufwerten den Rest übernimmt das Spiel bei Belieben kann die Charakterentwicklung der Helden und des Avatars auch komplett der Computer-KI überlassen werden. Wenn ihren Helden oder dem Avatar die Lebenspunkte ausgehen ist die logische Schlussfolgerung der Tod doch beim Eintreffen so einer Situation ist noch lange kein Grab ausgehoben. Der Spieler hat in der derzeitigen Version - genau 3 Minuten Zeit den Recken wiederzubeleben. Dazu schickt man einen Helden in seine nähe, der mit dem Ritual nur beginnen kann wenn keine Gegner in der Umgebung sind. Sollte der Gefallene innerhalb der Schonfrist nicht wiederbelebt werden können ist das Spiel vorbei und das trifft trotz mehreren Signalen im Eifer des Gefechtes öfter als es lieb ist.
Einiges hat sich auch bei der Kampfsteuerung in Spellforce 2 getan. Bekannt aus dem Vorgänger, werden alle Helden, Kampfgruppen und der Avatar am linksoberen Bildschirmrand inklusive Icons und Stati angezeigt.
Mit einem Klick öffnet sich die Liste der verfügbaren Fähigkeiten des Helden. Wenn sich ein Heiler im Team befindet und der Held verletzt ist, findet man praktischerweise ein Heilzaubersymbol unter dem Icon des verletzen Recken. Man kann seine Streiter konventionell in die Schlacht schicken, in dem man die gewünschten Kämpfer auswählt und per Mausklick in die Schlacht schickt, oder man wendet das altbekannte System aus Spellforce an und klickt auf die anzugreifenden Feinde.
Diese Methode bietet eine taktische Übersicht in der der Spieler alle Fähigkeiten sämtlicher Helden in Menus unter ihren Icons direkt auswählen kann. Das gibt dem Spieler volle Kontrolle über die Fähigkeiten der Einheiten und ist besonders bei größeren Gegnern zu empfehlen. Neu ist, dass der Computer mit Druck auf die Tabulatortaste automatisch den stärksten Feind in der Nähe auswählt vor allem nützlich in unübersichtlichen Kämpfen, in denen harmlos wirkende Gegner wie Zauberer öfter größeren Schaden anrichten als bösartiger wirkende Muskelpakete.
Apropos Muskelpakete: In Shadow Wars hat jede Fraktion eine besondere Spezialeinheit einen Titan. Diese riesigen Ungetüme sind die stärksten Einheiten auf dem Schlachtfeld und entscheiden so manche Schlacht. Für den Bau der Titanen werden einige Gebäudeupgrades und enorm viele Ressourcen gebraucht, weswegen man möglichst vermeiden sollte einen Titan auf dem Feld der Ehre zu verlieren.
Der Titan des Bundes ist ein geflügelter Schwertkämpfer in silberner Kettenrüstung und beherrscht einen mächtigen Blitzzauber. Der Titan des Paktes ist ein Titan des Feuers und brennt von innen heraus. Dieser äußerst beeindruckende Riese ruft Feuerbälle hervor und säbelt mit seinem flammenden Schwert größere Gegnergruppen ins Jenseits.
Der Titan des Clans ist ein reptilischer Riese mit scharfen meterlangen, Sensenhaften Klauen mit denen er größten Schaden anrichten kann, außerdem verbreitet er mit einem Zauberspruch Qual unter den Gegnern. Die Titanen steuern sich wie normale Einheiten und können nach ihrem Tod im Haupthaus erneut erschaffen werden.
Ganz neu in Spellforce 2 sind die Generäle, die gemeinsam mit dem Avatar Armeen befehligen. In einigen Karten gibt es bis zu drei dieser Feldherren, denen man durch simples Ansprechen um Hilfe bitten kann. Weist man einem General ein bestimmtes Ziel zu, greift er es mit seinen Truppen so lange an, bis die jenige Stellung eingenommen ist, oder ihm eine neue Aufgabe zugeteilt wird. Das ist nicht nur spaßig, sondern auch sehr sinnvoll. Während die Generäle die Gegner in Schach halten, kann der Spieler sich um seine eigenen Reihen kümmern, alternativ lassen sich die Armeen der freundlichen Anführer als Rohstofflieferanten und Verteidiger einsetzen. Doch sollte man immer ein Auge auf die KI-Feldherren haben, denn unsterblich sind sie nicht.
Ersteindruck
Spellforce 2 ist derzeitig zu ca. 90% fertig gestellt, beeindrucken kann es bereits jetzt. Rein optisch ist bei weitem kein Strategiespiel in Sicht, welches dem Genremix das Wasser reichen könnte. Die Märchenhafte Grafik wie aus einem Guss, ist bezaubernd und zieht den Spieler immer wieder in ihren Bann Landschaft, Objekte, Figuren alles wirkt bis ins kleinste Detail ausgereift und genau auf das Thema Spellforce zugeschnitten. Insgesamt kann man sagen, dass Phenomic an den richtigen Stellen gespart und investiert hat. Die Rohstoffreduzierung ist aus Gründen der Spielbarkeit sehr sinnvoll, die optimierte Steuerung ist sehr intuitiv, die neuen Helden versprechen einen größeren Tiefgang und die Idee mit den computergesteuerten Generälen sorgt für taktische Finessen. Allerdings wirkt das Balancing noch etwas unausgereift das Ganze ist ordentlich schwer, so wie wir es aus den Addons des Vorgängers her gewohnt sind. Sollten kleinere, spielspaßtrübende Fehler und Unschönheiten ausgemerzt werden, ist dieses Spiel ein ganz heißer Anwärter auf das Spiel des Jahres 2006.
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