Spore
Wem ländliche Nachbarschaften zu langweilig sind, wer angesichts der Addon-Flut gar nicht mehr weiß, auf welcher Hochzeit er mit seinen Sims tanzen soll oder als Sim City-Stadtplaner kläglich versagt hat, der sehnt sich vielleicht nach einer Simulation im größeren Stil - oder nach Einzellern. Mit denen beginnt nämlich die Arbeit der künftigen Sporeianer, geht es in dem Spiel doch vor allem darum, Lebewesen zu erstellen, sich im Wettbewerb mit anderen Kreaturen durchzusetzen und am Ende durch die Galaxie(n) zu streifen und ganze Sternensysteme einzunehmen.
Wie schon erwähnt beginnt das Spiel mit einer Kreatur in Pantoffeltierchenform. In zweidimensionaler Pacman-Manier müsst ihr euch zunächst mit dieser durch die Ursuppe kämpfen, fressen und lieber nicht gefressen werden. Ist der Einzeller groß genug, darf die nächste Evolutionsstufe begangen werden. So arbeitet ihr euch von Stufe zu Stufe, von einer Zelle bis zum komplexen Organismus. Zwischendurch darf die eigene Kreatur dann mittels umfangreichem Editor den eigenen Vorstellungen angepasst werden. Der Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Wer lieber ein Tier mit drei langen Beinen statt einem kurzen Schwanz haben möchte, wird in seinem Bestreben nicht eingeengt. Und weil Spore so viel Spielraum bei der Entwicklung eines Lebewesens bzw. einer Rasse lässt, der selbst erstellte Content also recht einzigartig ist, wird der von euch kreierte Spielinhalt auch gleich auf einen zentralen Server geladen und anderen Spielern zur Verfügung gestellt bzw. ungefragt in deren Spiel integriert. Dies soll alles ohne weiteres Zutun des Spielers und absolut unauffällig im Hintergrund geschehen. Eine clevere Idee, muss das Wrightsche Team doch somit nur die Grundlagen und nicht auch noch umfangreichen Content liefern. Modem-User und all jene, die noch nicht drin sind, werden wohl aber auch auf zufällig generierte Inhalte zurückgreifen können.
Irgendwann sind eurer Kreatur, solltet ihr das so gewollt haben, Gliedmaßen gewachsen und der Gang vom Wasser ans Land steht an - oder auch nicht. Unter dem Namen Die Flippers könnt ihr nämlich zum einen musikalisch begabte Humanoide züchten oder superintelligente Delphine entwickeln, die im weiteren Spielverlauf ebenso wie ihre Landkollegen Technologien erfinden, die sie auf fremden Planeten wassergefüllte Basen (= Aquarien) errichten lassen.
Ob ihr euer Volk nun also ganz klassisch von Schwimmtieren zu Landratten machen wollt oder wie die SPD nach Jahren des aufrechten Gangs lieber wieder baden gehen möchtet, bleibt euch überlassen. Im Prinzip kann jede ökologische Nische besetzt werden. Fehlen in eurer Welt kleine Stechmückenartige oder fliegendes Getier im Allgemeinen, wird dies kurzerhand von anderen Spielern besorgt. Das Programm füllt dabei recht intelligent jeden Lebensraum des Spiels.
Wichtig ist aber, dass ihr im Endeffekt immer gegen die Konkurrenz besteht, euer kleiner Stamm, der sich zu Beginn aus einer eierlegenden Kreatur entwickelt, irgendwann zu einer Städtegemeinschaft wird. Ist dieser Schritt erreicht, mutiert euer Grüppchen nicht nur zu einer Kultur, sondern Spore auch zu einer Art Echtzeit-Strategie-Spiel. Im Civilization-Stil ist es dann eure Aufgabe, mit anderen Kulturen gleicher Rasse zu handeln, sie zu unterdrücken oder lieber gleich zu vernichten. Außerdem wird es möglich sein, innerhalb der Stadtgrenzen Gebäude zu errichten, die ihr genau wie zahlreiche Fahrzeuge auch selbst entwerfen könnt. Auch hier erlaubt der Editor das Nachbilden individueller Vorstellungen. Gleich den entwickelten Kreaturen werden auch diese Kreationen über das (Inter-)Netz verteilt. Eine umfangreiche Statistikfunktion gibt euch außerdem Aufschluss darüber, wer was und wie oft etwas eurer Entwicklungen nutzt oder wie oft euer entwickeltes Volk schon von anderen Spielern unterworfen oder vernichtet wurde.
Wer durch Handel, Rohstoffabbau und Krieg genügend Credits angesammelt hat, darf sich ein UFO zulegen, mit dem zunächst in der Umlaufbahn eures Planeten, später aber im ganzen Weltraum herumgedüst werden darf. Durch die fliegende Untertasse dehnen sich eure Aktivitäten somit auch auf andere Planeten aus, die besiedelt werden möchten bzw. deren Bevölkerung unterjocht werden muss. Da nicht jeder Planet gleich eine so freundliche und lebensbejahende Atmosphäre wie die Erde (oder euer Ausgangsplanet) hat, muss mittels Terraforming nachgeholfen werden. Diese Technologie wird wohl aber auch nicht gleich zur Verfügung stehen, muss genauso wie vieles andere auch erforscht werden.
Übrigens - wer hätte es gedacht - auch die selbst erstellten Planeten und Sternensysteme werden ins Internet geschossen und finden sich dann in der ein oder anderen Galaxie eines anderen Sporeianers wieder. Dabei handelt es sich aber nur um einen reinen Contentaustausch. Gegeneinander antreten muss und kann keiner. Wright, dessen Spiele sowieso nie einen Mehrspielermodus enthalten, möchte niemanden damit frustrieren, durch einen besseren Spieler geschlagen zu werden. Er selbst nennt das Prinzip Massively Singleplayer Game. Nachdem auch der Mars erfolgreich bepflanzt und kolonisiert wurde, zoomt das Geschehen noch eine Stufe heraus und der Krieg der Sterne(nsysteme) beginnt. In dieser letzten Spielphase begebt ihr euch in die unendlichen Weiten des Weltraums.
Spätestens an dieser Stelle beginnt dann das Endlosspiel - genauso wie in Sim City endlos lange an der eigenen Stadt gebastelt werden kann und in Sims 2 auch noch die x²te Generation aufs College gehen darf. Wie Wright hier die Lust am Spiel erhalten will, bleibt noch offen. Vermutlich kann man dann am anderen Ende der Galaxie wieder mit einem Pantoffeltier beginnen, seine Rassen dann gegeneinander antreten oder galaktische Förderationen schließen lassen.
Ein tolles Feature ergibt sich aus den unendlichen Weiten schon jetzt: Man benötigt wohl nur einen Spielstand - einen göttlichen.
Ersteindruck
Den Umriss hat Will Wright präsentiert. Nun bleibt die Frage, wie ausführlich, umfangreich und liebevoll das Spiel ins Detail gehen wird. Wie lang braucht man von der Amöbe bis zum ersten Sternenkrieg? Und kann das Spiel eine ähnliche Langzeitmotivation aufbauen wie Sim City oder Die Sims? Steht man gerade zu Beginn unter Zeitdruck weil sich konkurrierende Kreaturen schneller entwickeln und Überhand nehmen könnten? Viele Fragen sind noch offen. Einige Zeit hat Wright und Maxis aber noch, diese zu klären oder gekonnt zu umschiffen. Ich hoffe einerseits sehr, bin auf der anderen Seite aber auch gleichzeitig davon fest überzeugt, dass Spore wieder ähnlich innovativ und interessant wird, wie es Sim City und Die Sims (zumindest zu Beginn) für viele Spieler waren und noch sind.
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