Star Wars: The Old Republic
Das die Star Wars Film-Hexalogie seit 2005 mit Die Rache der Sith zu einem krönenden Ende geführt und in sich abgeschlossen wurde, ist für viele gleichermaßen eine erfreuliche aber auch traurige Erkenntnis gewesen. Die knallbunten und spannenden Abenteuer aus einer weit, weit entfernten Galaxis sind aber glücklicherweise noch lange nicht zu Ende, sondern werden stetig weitergeführt. Zum einen gibt es wirklich zahlreiche Bücher, welche die Geschichte nicht nur im Expanded Universe weitererzählen, sondern zusätzlich auch noch die Clone Wars-Zeichentrick- und Animationsserie.
Außerdem soll in absehbarer Zeit auch noch eine Realserie im Fernsehen starten, bei der Star Wars-Schöpfer George Lucas selbst für die ersten 100 Stunden die Regie übernehmen will. Zudem gibt es unzählige Videospiele für so ziemlich alle gängigen Systeme, welche nicht nur den Arcadebereich, sondern auch den Simulations-, Beat'em up-, Rennspiel-, Third-Person-, Ego-Shooter und Rollenspiel-Sektor umfangreich abdecken. Der Grundstein für den Videospieleinstieg der Saga wurde seinerzeit im Jahr 1983 gelegt, als Star Wars in Vektorgrafik und erstmals mit Sprachausgabe für den Atari veröffentlicht wurde.
Nun wollen wir aber nicht in den guten alten Zeiten schwelgen, sondern auf ein neues Spiel aus der Star Wars-Saga eingehen, das selbstverständlich fern der Farb-Vektorgrafik und Auflösungen von 256 x 231 Pixeln ist.
Die alte Republik
Seitens Entwickler Bioware wurde kürzlich nämlich das neuste Star Wars-Baby ausgiebig vorgestellt, wobei Baby eigentlich etwas übertrieben ist, will der neue Titel doch ein ganz großes Spiel für eine riesige Online-Community werden. Mit Star Wars: The Old Republic bestreitet der kanadische Spielentwickler aber keinesfalls Star Wars-Neuland, zeichnen sie sich doch für das sehr erfolgreichen Knights of the Old Republic verantwortlich, welches Ende 2003 veröffentlicht wurde. Bereits in diesem Rollenspieltitel wurde, wie der Name verständlich klarmacht, die alte Republik näher beleuchtet, welche inhaltlich etwa 4000 Jahre vor der ursprünglichen Geschichte der Star Wars-Filme angesiedelt ist.
Mit The Old Republic möchte Bioware allerdings einen Schritt weiter gehen und den Spielern nicht nur ein einfaches Rollenspiel, sondern vielmehr das erste Online-Rollenspiel mit durchgehenden Handlung, überhaupt bieten. Dass die alte Republik jede Menge erzählerischen Stoff bietet, dürfte eigentlich jedem klar sein. Umso erfreulicher ist es, dass man sich in The Old Republic, dessen Handlung rund 300 Jahre nach KotoR: The Sith Lords einzuordnen ist, für eine bestimmte Charakterklasse entscheiden kann, deren Werdegang dann auch auf deren eigenen Planeten startet.
Dabei spielt es keine Rolle, ob ihr ein Kopfgeldjäger oder doch lieber ein Schmuggler sein möchtet. Ihr selbst bestimmt eure eigenen Aufgaben und Motive, trefft Entscheidungen, auf welche Seite ihr euch schlagt und wer euer Freund beziehungsweise euer Feind ist. In Folge dessen gilt es selbstverständlich auch eigene Quests zu lösen, welche überall in den Weiten der Galaxis verstreut sind.
Entwickler Bioware verspricht dabei, dass sich die klassenbasierte, persönliche Story der einzelnen Charakterklassen zu 100% voneinander unterscheiden und nichts mit den Geschichten der anderen Klassen zu tun haben sollen. Eine weitere tolle Neuigkeit ist zudem, dass inzwischen auch der Republic Trooper als neue Charakterklasse bestätigt wurde.
Es kann wohl auch davon ausgegangen werden, dass es möglich sein wird, entweder den Weg der Jedi zu wählen oder den Pfad der Sith und deren dunklen Seite der Macht einzuschlagen. Lichtschwertduelle und diverse Machtspielereien wie Schub, Blitzattacke, Weitsprung, Beschleunigung oder den allseits beliebten Würgegriff wird es dann voraussichtlich auch geben. Allerdings ist das alles noch rein spekulativ, offiziell angekündigt oder bestätigt seitens der Entwickler wurde dies nämlich noch nicht.
Möge die Macht mit der Synchro sein
Im Gegensatz zu den anderen erhältlichen Online-Rollenspielen verzichtet man bei Star Wars: The Old Republic auf die trockenen, herkömmlichen Textblöcke und wird bei geführten Gesprächen auf vollständig synchronisierte Dialoge setzen, welche der Story mit cineastischen Kameraeinstellungen zusätzlich Leben einhauchen sollen. Dabei wird vermutlich zwar nicht ganz die Qualität eines Mass Effect erreicht, aber trotzdem dürfte dieser Aufwand für ein derart großes Online-Rollenspiel immens sein und wird sicherlich viele Spieler erfreuen. Weniger erfreulich hingegen dürfte die Tatsache sein, dass jede im Spiel getroffene Entscheidung nicht mehr Rückgängig zu machen ist. In The Old Republic wird es keine Rückstellfunktion geben, welche es beispielsweise wie bei der Offline-Konkurrenz ermöglicht, kritische Situationen nochmals zu erleben und eine vielleicht sinnvollere Entscheidung zu treffen.
In Bezug darauf werden Erinnerungen an Schlüsselmomente aus Mass Effect wach, wie zum Beispiel das Auslöschen oder Retten eines Team-Kameraden oder die Entscheidung, ob eine ganze Spezies zum Wohle der gesamten, restlichen Galaxis aussterben muss. Wir sind gespannt darauf, welche endgültigen Entscheidungen uns die Entwickler in The Old Republic abverlangen. Denn diese werden, gerade wegen der fehlenden Rückstellfunktion, mit Sicherheit emotionaler und somit auch intensiver sein, als man es bislang aus anderen Titeln kannte.
Spielerisch betrachtet erfindet Star Wars: The Old Republic das Rad nicht neu und wird sich in Bezug auf den Spielaufbau, das Kampfsystem oder das Inventarmenü an der Online-Rollenspielkonkurrenz orientieren. Ähnlich wie bei Knights of the Old Republic erfolgt der Spielablauf beim Kampfsystem rundenbasierend in Echtzeit und die Stärke der Attacken wird abhängig von den jeweils verschiedenen Charakterwerten sein.
Selbstredend werden alle Klassen natürlich über ganz spezielle Fähigkeiten im Kampf verfügen. Während der Schmuggler ein Experte für Deckungen ist, erhält der Kopfgeldjäger im Laufe seiner Karriere die Möglichkeit, seinen Raketenrucksack einzusetzen und seine Kontrahenten aus der Luft zu attackieren.
Der Republic Trooper hingegen trägt zwar, genauso wie der Kopfgeldjäger, eine schwer gepanzerte Rüstung, benutzt im Gegensatz zu diesem aber die heftigsten und schwersten Geschütze, welche zudem für den Fernkampf eingesetzt werden können. Ihr seht, die Charakterklassen unterscheiden sich nicht nur in Bezug auf den Verlauf der gesamten Handlung, sondern auch deutlich bei den Kampfbedingungen im Nah- oder Fernkampf. Schaut man sich die Screenshots und den fulminanten E3-Trailer an, lässt sich unschwer erkennen, das hier etwas ganz Großes im Anmarsch ist.
Optisch ist das Figurendesign leicht an den Look der Clone Wars-Zeichentrickserie angelehnt und kann sich mit seinen vielen Details durchaus sehen lassen. Zwar zeigen die Texturen bei diversen Nahaufnahmen stellenweise einige Schwächen, insgesamt betrachtet ist das Design mit seinen unterschiedlichen Rassen und verschiedenen Welten aber stimmig und definitiv Star Wars-würdig.
Leider ist nach wie vor noch vieles in Bezug auf eine lokalisierte deutsche Version, die komplette Liste der Charakterklassen und einzelnen Völker, diverse Gildenbildungen, das Wirtschafts- und Handelssystem sowie die Herstellung bestimmter Gegenstände, im unklaren. Weitere Informationen dazu werden wohl erst in den kommenden Monaten veröffentlicht, genauso wie ein verbindlicher Erscheinungstermin.
Ersteindruck
Darauf haben Fans der Saga gewartet: Noch ein riesiges Online-Rollenspiel im Star Wars-Universum, mit der freien Wahl eines Berufes und der eigenen und individuellen Gestaltung seines Werdegangs. Zwar bleibt man bei Bioware den Grundprinzipien eines Online-Rollenspiels treu und beschränkt sich in spielerischer Hinsicht auf alte Tugenden, jedoch werden auch neue innovative Spielmechaniken integriert. Alleine schon die Tatsache, dass es eine klassenbasierte, persönliche Story zu jeder einzelnen Charakterklasse geben wird, welche sich zudem völlig von den anderen Klassen unterscheiden soll, ist genial. Auch dass man langweilige Textpassagen bei geführten Gesprächen mit der Entwicklerschere entfernt und durch vollständig synchronisierte Dialoge ersetzt, ist wirklich löblich. In Anbetracht der wirklich riesigen, weltweiten Fangemeinde der Lucas Saga, darf man gespannt sein, ob es Star Wars: The Old Republic nach Veröffentlichung gelingen wird, dem Genrekönig aus der Entwicklerschmiede Blizzard, den Rang des am meist gespielten Online-Rollenspiels abzulaufen.









