The Westerner

Preview
Plattform
PC
Vertrieb
dtp digital tainment
Entwickler
Revistronic
Erscheinungsdatum
Oktober 2003
Genre
Abenteuer
The Westerner [PC , Justgamers]

The Westerner

1996 veröffentlichte der spanische Hersteller „Revistronic“ das klassische Point 'n' Click-Adventure 3 Skulls of the Toltecs. Trotz durchschnittlicher Kritiken war das Spiel sehr erfolgreich und konnte vor allem einen sympathischen Helden aufweisen: Fenimore Fillmore. Seine Intelligenz und Tolpatschigkeit kommt der von Gubrush Threepwood gefährlich nahe, allerdings lässt der Cowboy-Hut alle seine Aktionen, seien sie gewollt oder nicht, cooler aussehen.

In seinem ersten Abenteuer watschelte Fenimore noch in 2D durch die Wild-West-Steppe und gab sein Gesicht für einige gezeichnete Zwischensequenzen her. In The Westerner hat er aber einiges an Volumen dazugewonnen und präsentiert sich in einer comicartigen Welt. Seine von Fans liebgewonnenen Eigenschaften hat er glücklickerweise nicht verloren und ist nach wie vor ein Chaot, wie er im Lehrbuch steht.

Als der Cowboy mit den Initialen FF an einem schönen Abend am Hof der Banister-Famillie vorbeikommt, sieht er, wie drei dunkle Reiter sich der Farm nähern. Er beobachtet aus der Ferne, wie sie lauthals nach dem Besitzer der Farm verlangen und diesem kurz darauf ein Angebot zum Kauf seiner Farm unterbreiten. Typisch für eine Geschichte im Wilden Westen lehnt der standhafte Farmer natürlich ab und auch die doppelte Geldsumme kann den Bauer nicht davon überzeugen, Haus und Hof an die Gauner zu verscherbeln. In diesem Moment zücken die drei Halunken verärgert ihre Colts, um das Angebot mit einer besonderen Würze zu unterstreichen. Als die Spannung den Höhepunkt erreicht, tritt Fenimore Fillmore – wie könnte es auch anders sein -, durch einen Kaktusstich in den Allerwertesten angetrieben, auf den Plan. Den Moment der Verwirrung zu seinem Gunsten ausnutzend, schlägt er die Aggressoren mehr oder weniger geschickt mit einigen Schüssen in die Flucht. Dankbar für die Rettung lädt der Landwirt den Cowboy zum Essen ein und obwohl Fenimore eher ungewollt in diese Situation geraten war, beschließt Fenimore dennoch, den drei Reitern auf der Spur zu bleiben. Das Abenteuer kann beginnen!

Adventure-Liebhaber können beruhigt weiterlesen: The Westerner besitzt zwar eine echte 3D-Engine, bleibt dem klassischen Point 'n' Click-Prinzip allerdings treu. Nur rund zwei Prozent des Spiels wird man in sogenannten Action-Sequenzen verbringen, die mit denen aus Monkey Island 3 vergleichbar sind. Den Rest des Spiels scheucht man Fenimore mit einigen Mausclicks in klassischer Adventure-Manier über den Bildschirm, lässt ihn Gegenstände aufheben und Schalter benutzen.

Dabei zaubert die, eigens für The Westerner entwickelte, 3D-Engine sehr schöne Bilder auf den Monitor. Die Hintergründe sind liebevoll designed und bieten immer wieder kleine, nette Details. In 2D-Adventures ist es schon fast selbstverständlich, dass die Umgebungsgrafik komplex wirkt und viele Gimmicks beinhaltet. In 3D-Adventures sah das bisher anders aus, da ein ähnlich hoher Detailgrad, wie beispielsweise der bei Floyd, nie erreicht werden konnte.

The Westerner bricht diese Regel und wartet auf 100 Locations mit vielen, kleinen Spielereien auf.

Was die Mimik angeht, so ist The Westerner allen anderen 2D-Adventures weit überlegen, da die Charaktere sämtliche Gesichtsmuskeln einzeln verziehen können. Der Gemüseallergiker Fenimore reagiert auf eine Gemüsesuppe mit einem verzogenen Mund, schielenden Augen und einer gerümpften Nase. Allein diese witzigen Ausdrücke sorgen für Lacher.

Durch die 3D-Engine ist es dem Spiel auch gegönnt, sich selber in Auflösungen bis zu 1600*1200 zu präsentieren. Dabei wird nicht nur die Grafik feiner, sondern auch detaillierter, denn einige Dinge werden erst mit einer höheren Auflösung sichtbar. Weiterhin ist bei The Westerner eine Kantenglättung per Software integriert, die hässliche Pixelleiter entfernt.

Um sich selbst mit Kameraspielereien die Übersicht zu rauben, wird dem Spieler nicht die Möglichkeit gegeben, die Kamera zu bedienen. Jeder Raum hat eine feste Position, die es den Entwicklern möglich macht, das Spiel filmreif darzustellen.

The Westerner nimmt sich selbst nicht ernst. Im Stil von Monkey Island wird das Spiel selbst regelmäßig parodiert. Aber auch Filme, allen voran Matrix, werden nicht verschont. Die berühmte Szene, in der Neo einem Kugelhagel ausweicht, sieht man auch bei The Westerner.

Auf seinen Reisen durch den Wilden Westen wird Fenimore Fillmore einiges zu tun bekommen. In sechs Hauptorten müssen Gegenstände gefunden, kombiniert und Personen angesprochen werden. Besonders Profi-Spieler, die sich kein Easteregg entgehen lassen wollen, sollen durch geheime Orte belohnt werden, die zwar nicht zum Durchspielen des Spiels notwendig sind, aber eine zusätzliche Herausforderung mit sich bringen.

Den Weg zwischen den Hauptlocations legt Fenimore per Pferd zurück. Doch auch das Reittier hat Bedürfnisse und so muss es der Spieler desöfteren füttern, damit einem auf dem Weg der Sprit nicht ausgeht. Um die Energie wieder aufzufüllen ist ein Gemüsefeld von Nutzen, auf dem der Cowboy Möhren, Salat und Sonstiges anbauen kann. Durch Try&Error kann der Spieler dann herausfinden, welches Gemüse dem Pferd am meisten Energie gibt.

Für die deutsche Vertonung zeigt sich das Toneworx-Studio verantwortlich. Die Hamburger haben bereits Runaway mit großem Erfolg synchronisiert und arbeiten derzeit an der Lokalisierung von Tony Tough über die wir ebenfalls berichteten. Kein Zweifel also, dass die Sprachausgabe von The Westerner dem in nichts nachstehen wird und alle 30 Charaktere von jeweils unterschiedlichen Sprechern individuell vertont werden.

Die Hintergrundmusik wirkt stimmig und kreiert eine überzeugende Western-Atmosphäre. Wenn sich Fenimore und einer der drei bereits erwähnten Reitern zu einem Duell gegenüberstehen und eine Mundharmonika die passende Melodie spielt, steigt die Spannung und die mit Gänsehaut bedeckte Fläche auf der Haut.

The Westerner [PC , Justgamers]

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