Tropico 3
Der Mächtigste unter den kleinen Präsidenten ist zurück. Die Reinkarnation der gottgewollten Staatsgewalt, die Demokratie geschickt umschifft und sich über alle Gesetze stellt, solange die Tiere, respektive das Volk, auf seiner Seite sind und die Export-Statistik gut aussieht oder dementsprechend nach außen hin verschönert werden kann. Kalypso und Entwickler Haemimont stellen uns den neuen El Presidente vor, der über die Bananenrepublik Tropico wacht und dabei niemals Geld für seinen eigenen Lebensabend auf dem Schweizer Nummernkonto ablehnt.
Mit "Tropico 3" will die Spieleserie zu ihren Ursprüngen zurück, diese im Zeitalter der dreidimensionalen Welten aber auch sinnvoll erweitern und aufwerten. Wir haben uns in Schale geworfen, die Sonnenbrille aufgesetzt und auf den Weg zum Inselparadies begeben, um es mit harter Hand und weichem Geld zu regieren. Was das Volk davon hielt, erfahrt Ihr in unserer Preview zur humoristischen Wirtschaftssimulation der etwas anderen Art.
Heimat ist kein Ort...
...sondern ein Gefühl sagt man. Genau das beschleicht uns, als die platten Reifen unseres Fliegers auf der Landebahn einer der idyllischen Inseln aufsetzen. Hier sind wir Präsident, hier dürfen wir es sein. Das sonnige Klima, der Radiosender mit schwungvollen latino-amerikanischen Rhythmen und die zumindest anfangs gut gelaunten Bewohner können aber nicht darüber hinwegtäuschen: Zu Beginn der Kampagne ist Tropico ein hinterwäldlerischer Staat, in dem jedes Dorf förmlich danach schreit, dass endlich jemand kommen möge, der die Zügel in die Hand nimmt und den Bewohnern sagt, was das Beste für sie ist.
In der Kampagne werden uns für jede der Inseln, die ab sofort unserem Oberbefehl unterstehen, verschiedene Aufgaben abverlangt. Hier müssen bestimmte Agrareinheiten exportiert werden, bis das Kapitel abgeschlossen ist, dort muss eine spezifische Zufriedenheit hergestellt werden, kleinere Nebenaufgaben versüßen uns außerdem den Arbeitstag. Dynamik lautet dabei das Zauberwort. Die Kampagne bietet gleich mehrere Ansätze in Form von unterschiedlichen Aufgaben und Inseln und dieser Aspekt setzt sich schließlich bis zum arbeitslosen Bürger durch. Durch den fangen die Probleme nämlich an. Er wohnt in einer mietfreien Behilfshütte und will gefüttert werden. Doch geht er dafür nicht arbeiten, solange die Löhne zu niedrig sind, nur erhöhe ich die Löhne nicht, solange kein Geld reinkommt, es kommt kein Geld rein, solange niemand arbeitet und dann will der auch noch seine Freiheit haben, Dienstleistungen wie Entertainment und religiöse Anlaufstellen bekommen? Und ich soll auf seiner politischen Linie stehen? Ich, der Präsident?
Seitdem der erste Teil der Serie vor gut acht Jahren vom Band lief, zeichnet sich die Serie durch komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge aus, verbunden mit einer großen Prise Aufbauspiel sowie Politik- und Lebenssimulation. Alle Genres greifen hier unkonventionell ineinander und stellen sich gegenseitig in Abhängigkeit. Zum Abschluss wird das Ganze mit einem Schuss Humor und Persiflage abgerundet.
Dieses Grundkonzept aus dem Jahr 2001 geht noch immer auf, würde heute aber in der Form niemanden mehr von der Sonnenliege hauen. Also hat Haemimont den dritten Teil kurzerhand erweitert und gleichzeitig vereinfacht. So ist es nicht nur möglich, sich als ein vorgefertigter Staatsmann wie Fidel Castro oder Che Guevara auszugeben und die komplexeren Zusammenhänge zu erfassen und lenken, der Spieler erhält außerdem die Möglichkeit, seinen eigenen Avatar zu erstellen und mit ihm auf der Insel herumzuwandern. Das sieht nicht nur sehr schick aus, sondern hat auch Folgen für das Eiland.
Besucht er beispielsweise eine Baustelle, arbeiten die Handwerker schneller, besucht er ein Theater, kommen mehr Gäste. Er ist außerdem in der Lage, vom Balkon seines Palastes demagogische Reden zu schwingen und damit anstehende Wahlen entscheidend zu beeinflussen. Wer seinem Volk hier zuviel verspricht, kann damit allerdings auch auf die gepuderte Nase fallen. Denn religiöse Gruppen rufen zum Protest auf, wenn sie ihre Kathedrale nicht bekommen.
Auch die wenig geachteten Intellektuellen beschweren sich, wenn wir ihnen keine Oberschule oder darüber Hinausgehendes ins Dorf stellen. Dies hat zur Folge, dass unser Ansehen sinkt, was wiederum noch mehr Bewohner anstachelt, auf die Barrikaden zu gehen. Sollte daraus ein Putsch werden, ist das Spiel aus.
Es grünt so grün
Als elementarste und auffälligste Änderung sticht jedem Präsidenten-Neuling die schmucke 3D-Welt ins Auge. Dank bequemer und flotter Kamerabedienung können alle Abschnitte einer Insel frei im Detail betrachtet oder weit herausgezoomt von oben überblickt werden. Der Präsident erkennt dadurch sogar die Beschmierungen und Graffitis auf den Häusern der Untertanen oder kann den Bauern bei der Arbeit zusehen. Außerdem verdeutlicht uns diese Sicht im typischen "Sim City"-Stil Informationen über die Kriminalitätsdichte oder den besten Ort für die Tabakanpflanzung über eine optische Darstellung. Ohne Statistiken kommt aber auch Tropico nicht zurecht: Wie entwickelt sich die Population, wie gedeiht die Wirtschaft, was benötigt die Bevölkerung?
Alle Informationen und Zusammenhänge gibt es im übersichtlich dargestellten Vergleich per Zahlenpackung. So muss eine Wirtschaftssimulation aussehen. Mit den uns gelieferten Daten können wir sowohl auf Mikro- als auch Makroebene regieren und die umfangreichen Ansprüche der Bürger befriedigen. Und die sind alles andere als gering. Verständlich, bedenken wir, dass wir uns in der unsicheren Zeit des Kalten Krieges bewegen und stetig zwischen den Großmächten USA und Sowjetunion navigieren müssen. Jede Splittergruppe wie Religiöse, Intellektuelle oder Nationalisten will ihre Standpunkte durchgesetzt sehen, während wir natürlich ein eigenes Ziel verfolgen: Geld scheffeln. Wir errichten anfangs eine Farm nach der anderen, installieren die nötige Infrastruktur, steigen alsbald auf Industrie um und durchleben die menschliche Produktionsgeschichte im inselartigen Mini-Universum im Schnelldurchlauf. Erstmals hat es auch das schwarze Gold ins Spiel geschafft.
Als neue Produktionskette soll Öl sowohl vor der Küste als auch auf dem Land abgezapft und sogar als Druckmittel gegen die Großmächte genutzt werden können. Greifen uns die Mächte anfangs noch per Finanzspritze unter die Arme, sind wir im fortgeschrittenen Spiel verstärkt auf uns allein gestellt und lenken größtenteils unabhängig die Geschicke der Bewohner. Ein dynamisches Wettersystem oder Streiks einer Belegschaft durchkreuzen unsere Pläne dabei, aber wer ein richtiger Präsident sein will, sollte damit zurecht kommen, für das Pack... äh Volk zu sorgen. Schließlich beliefert uns der Sprecher des nationalen Radiosenders TNT mit den Problemen der Zeit. Der Rundfunk gilt darüber hinaus nicht nur als Indikator beispielsweise sinkender Umfragewerte, sondern versorgt uns auch durchgehend mit knackigen, kubanischen Rhythmen. Schade, dass es zumindest in der Preview-Version nicht allzu viele Songs ins Paket geschafft haben und uns der Sprecher nach einigen Stunden Spielzeit gehörig auf den sonnengebräunten Pelz ging.
Ersteindruck
Unser Preview-Ausflug nach Tropico hinterließ einen guten Eindruck. Auf Anhieb weiß der überspitzte Unterton zu gefallen und stellt - wie bei den Vorgängern - die eigentlich nüchternen und komplexen wirtschaftlichen Zusammenhänge in einen humoristischen Rahmen. Dennoch muss man sich gewiss sein, dass man als El Presidente dort, wo andere Urlaub machen, hart arbeiten muss. Die Anleihen aus Aufbauspiel, Wirtschafts-, Politik- und Lebenssimulation sind umfangreich, greifen gut ineinander und fordern den Spieler. Selbst, wenn einzelne Zusammenhänge in unserer Preview-Version teils etwas intransparent wirkten.
"Tropico 3" will zu dem Verkaufsschlager zurück, der die Spielereihe einst bekannt gemacht hat. Dennoch schlichen sich optische Verbesserungen wie auch solche im Gameplay ein. Sorgen die Entwickler nun noch dafür, dass wirklich alle Texte lokalisiert werden, kleinere Darstellungsfehler beispielsweise in Statistiken verschwinden, der Radiosender mehr Abwechslung bietet und das Spiel konstant fordernd bleibt, stehen Wirtschaftsexperten wirklich sonnige Stunden ins Haus.









